Mina Ahadi im Interview
Interview in German with English subtitles
Mina Ahadi, founder and spokesperson of the International Committee against Stoning talks about Sakineh Mohammadi Ashtiani, the Iranian woman who has been sentenced to stoning. ICAS started to work on and publicised the case three years ago when Mina Ahadi was contacted by Ms Ashtiani’s son Sajad.
Quelle: YouTube
Nic
An Herrn M. Matussek
Matthias Matussek schreibt bei SPON dieses:
Was all die Ausgrenzungstechniker nicht begreifen, ist, dass sich das, was Sarrazin verkörpert, nicht ausgrenzen lässt. Es ist die Wut von Leuten [...] Die wütend zur Kenntnis nehmend lesen, dass sich westliche Staatsmänner für Frauen in einem islamischen Land einsetzen müssen, weil diese dort als Ehebrecherinnen gesteinigt werden sollen.
Stimmt! Wie doch genau die westlichen Staatsmänner dafür stehen, keine Geschäfte mit dem iranischen Regime zuzulassen und permanent auf die Menschenrechtsverletzungen in Iran hinweisen. Man weiss schon gar nicht mehr, wie man dem entgehen soll. (Achtung, das war Zynismus!)
Die von Matussek benannten Staatsmänner sind auf einen Zug aufgesprungen, den sie weder fahren noch zum Fahren brachten. Diese Staatsmänner unterstützen weiterhin mehr oder weniger offen das klerikale Regime in Iran – und die Geschäfte mit diesem. Scham und Schande über sie!
Nur weil unter anderem auch Mina Ahadi die Weltpresse auf den Fall Shiva Nazar Ahari aufmerksam gemacht hat, konnte die Damen und Herren Staatsmänner die Augen davor nicht mehr verschließen. Und fühlten sich aus populistischen Gründen veranlasst, dazu irgendetwas heraus zu posaunen. Wichtiges, Grundlegendes war das alles nicht.
Ich nenne, was Herr Matussek da von sich gibt, verlogen. So wie der Spiegel insgesamt in der Debatte “Sarrazin” verlogen ist. (siehe die Quellenauszüge hier)
Nic
Hinweis: eine lesenswerte Gegendarstellung zum gesamten Matussek-Artikel findet sich im MigrationsBlog.
Hinrichtungen als politische Waffe in der Islamischen Republik Iran
[via Facebook]
Vortrag und Diskussion mit Mina Ahadi: Eine Veranstaltung des Bündnis gegen Steinigungen und Hinrichtungen
Der Fall der wegen „Ehebruch“ zum Tod durch Steinigung verurteilten Iranerin Sakineh Mohammadi Ashtiani hat weltweit zu Protesten und Berichten geführt. Frau Ashtiani wurde bereits mit 99 Peitschenhieben gefoltert und ihr droht noch immer die Hinrichtung. Doch handelt es sich bei ihr nicht um einen Einzelfall, vielmehr gehö…ren Hinrichtungen von Beginn an zu den politischen Waffen der Islamischen Republik. Öffentlich zelebrierte Steinigungen und Hinrichtungen am Galgen dienen dem Regime als Machdemonstrationen. Mit offenem Terror soll besonders gegen Frauen und Homosexuelle die islamische Sittenordnung durchgesetzt und jede als „Verwestlichung“ beschriebene kulturelle Freiheit bekämpft werden. Auch die politische Opposition wird mit Mord und Folter eingeschüchtert und geschwächt, berüchtigt sind etwa die Gefängnismassaker von 1988, für die zahlreiche der heutigen Machthaber verantwortlich sind.
Es geht um Einschüchterung
[per Mail]
Ein Interview mit Mina Ahadi

Mina Ahadi und Maryam Namazie
Viel haben der 18-jährige Ebrahim Hamidi und die 43-jährige Sakineh Aschtiani wohl nicht gemeinsam, aber sie teilen dasselbe Los: Ihnen droht der Tod am Strang. Beide schmoren derzeit in einem iranischen Gefängnis und wissen nicht, ob und wann das Todesurteil vollstreckt wird.
Mina Ahadi (l.) und die Iranerin Maryam Namazie setzen sich für die zum Tod verurteilte Sakineh Aschtiani (auf dem Plakat) ein. (Bild: AP Photo/Max Nash)
Die 1956 geborene Exil-Iranerin, die in ihrem Heimatland zum Tod verurteilt wurde, lebt seit 1996 in Deutschland, hat aber die österreichische Staatsbürgerschaft. Sie kämpft für die Rechte der Frauen, die durch islamische Gesetze und Traditionen unterdrückt werden. Hauptanliegen ihrer Arbeit als Menschen- und Frauenrechtlerin ist der Kampf gegen die noch immer in einigen Ländern praktizierte Steinigung.
Im Jahr 2001 gründete sie das «Internationale Komitee gegen Steinigung». Sie ist zudem Gründungsmitglied und Vorsitzende des «Zentralrats der
Ex-Muslime».
4000 Exekutionen
Seit der Revolution 1979 sollen laut «Spiegel Online» mehr als 4000 Männer im Iran wegen homosexueller Vergehen hingerichtet worden sein. Daniel Graf von Amnesty International Schweiz kann die Zahl nicht bestätigen, weist aber darauf hin, dass der Iran zu den Spitzenreitern gehört, was die Zahl der Hinrichtungen anbelangt. 2009 wurden beispielsweise 388 Todesurteile vollstreckt, wobei es sich um eine Mindestzahl handelt. Wie viele davon tatsächliche oder vermeintliche Homosexuelle betrafen, lässt sich nicht sagen.
Graf weist zudem darauf hin, dass die Hürden in der Schweiz für Asylbewerber, die geschlechtsspezifische Fluchtgründe angeben, sehr hoch seien, da diese Fluchtgründe im Asylgesetz nicht verankert sind.
Scharia
Die Scharia ist das unabänderliche islamische Recht, das auf dem Koran und damit auf Gottes Wort beruht. Es unterscheidet zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen und weist Frauen einen unterschiedlichen Rechtsstatus zu, der sie in der Regel benachteiligt.
Die Scharia bedroht eine Reihe von verbotenen Handlungen mit Körperstrafen («Hadd-Strafen»): Dazu zählen Alkoholgenuss, Unzucht, die falsche Bezichtigung der Unzucht, Diebstahl, Geschlechtsverkehr zwischen Männern und der Abfall vom Islam.
Für Ehebruch (Unzucht) bei volljährigen Frauen, die verheiratet sind oder waren, sieht der Koran lebenslangen Hausarrest oder einen von Gott geschaffenen «Ausweg» vor. Dieser Ausweg ist in der Rechtspraxis die Steinigung. Unzucht muss allerdings von vier männlichen Zeugen bestätigt werden, was praktisch ein Geständnis notwendig macht.
Beiden wird ein Vergehen zur Last gelegt, für das die Scharia — das islamische Recht — nur die Todesstrafe kennt (siehe Infobox). Bei Aschtiani, die zuerst gesteinigt werden sollte, ist es Ehebruch, bei Hamidi sind es homosexuelle Handlungen. Und die beiden sind keine Einzelfälle: Die Islamische Republik Iran lässt ihre Scharfrichter wüten wie kaum ein anderes Land der Welt.
Mina Ahadi, Präsidentin des «Internationalen Komitees gegen Steinigung», hat den Zorn der Mullahs am eigenen Leib erfahren: Sie wurde im Iran zum Tod verurteilt, ihr Mann wurde hingerichtet. 20 Minuten Online sprach mit der Exil-Iranerin:
Lau vs. Ahadi
Am 14. Juli 2010 schreibt Jörg Lau in seinem Zeit-Blog über eine Begegnung am Rande einer Islamkonferenz. Diese Konferenz hat – trotz des Namens – nichts mit der Islamkonferenz des Innenministers zu tun. Sondern wurde von Wissenschaftsrat (WR) einberufen. Dieser “berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung.” (Selbstauskunft des WR)
Über den Inhalt und die Ausrichtung der Tagung geben die unten verlinkten Dokumente genaue Auskunft. Vor allem über das die Konferenz vorbereitende Paper: “Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen” sollte an anderer Stelle noch zu reden sein.
Dieser kurze Artikel geht in einigen Worten auch auf die Rede von Mina Ahadi ein, die als Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime davor warnte, an deutschen Hochschulen Lehrstühle für islamische Theologie einzurichten. Sie begründete das damit, dass ihrer Meinung nach Religion Privatsache bleiben muss und “jede Form der Einmischung der Religion in die Gestaltung der Politik und auch in die Bildungspolitik” ein Fehler sei.
Ich möchte ganz besonders darauf hinweisen, dass Frau Ahadi hier von jeder Religion spricht und nicht allein von einer islamischen Religion, welcher Ausrichtung auch immer.
“Alle Religionen sind frauen- und menschenfeindlich. Ich versuche seit mehreren Jahren, das hier in Deutschland zu erklären, [...] der heutige Islam [ist] eben nicht nur eine reine Religion, sondern ein Political Movement, eine politische Bewegung.”
Dies auszusprechen und deutlich zu machen scheint Grund genug gewesen zu sein, dass nicht nur Herr Lau, sondern auch die Vertreter genau des angeprangerten politischen Islams den Saal verließen.
Jörg Lau schreibt dazu in seinem Artikel lapidar: “Mina Ahadi von den Ex-Muslimen hielt eine etwa 10minütige Rede [...]Es wurde wieder einmal vor der Islamisierung gewarnt.”
Ich weiß nicht genau, welche Meinung Herr Lau darüber hat, was “Islamisierung” bedeutet. Nach Wikipedia bedeutet es eine “Einführung des Islam als vorherrschende Religion in zuvor mehrheitlich nicht islamisch geprägten Regionen oder Länder”. Diese Definition erscheint mir korrekt zu sein. Und ebenso korrekt, dass die Gefahr einer generellen, nicht nur islamischen Religionisierung tatsächlich besteht. Und so wie auf der einen Seite christlich-fundamentalistische Strömungen erstarken, trifft das auch auf islamische zu. Davor die Augen zu verschließen ist gefährlich. Und wundert mich bei Jörg Lau, der meiner Meinung nach einen relativ differenzierten Blick auf den (vor allem politischen) Islam hat, wie er in Europa in Erscheinung tritt. Insofern hat mich dieser Nebensatz in dem Artikel schon ein wenig irritiert.
Letztlich ging es in Lau’s Artikel jedoch darum, zu berichten, dass er es beachtenswert findet, dass in Europa offen über diese Fragen diskutiert werden könne. (Allerdings versäumt Lau tatsächlich, einen Satz darüber zu verlieren, weshalb das in “islamischen Ländern” nicht möglich ist.)
Interessant ist folgende Aussage:
Frau Stroumsa [Rektorin der Hebrew University in Jerusalem] hatte vieles Kritische zu den Plänen des Wissenschaftsrats zu sagen. Sie ist eine große Bewunderin der deutschen Orientalistik und Islamwissenschaft und möchte nicht, dass akademische Freiheit durch eine Theologisierung dieser Fächer eingeschränkt wird. (Warum dies nicht zu befürchten ist, werde ich ein andermal darlegen.)
Wenn ich jedoch den Inhalt der Konferenz richtig verstanden habe, ging es jedoch vor allem um eine “Theologisierung” des Islam (etwas, das mir erst einmal sehr unsinnig vorkommt da der Islam – anders als das Christentum – eben nicht eine Sammlung, eine einheitliche Lehrmeinung ist.) Da bin ich jedenfalls sehr gespannt, wie Jörg Lau begründen will, dass die Befürchtung unbegründet sei.
Für mich sind Orientalistik und Islamwissenschaft jedenfalls etwas sehr anderes als (islamische) Theologie; so wie Religionsgeschichte und (christliche) Theologie zum Teil etwas sehr unterschiedliches sind (man denke an Deschner!).






