Archiv für ‘Ethik und Moral’

Juli 6th, 2010

Ein kaum bemerkter Skandal

Beim Freitag findet sich heute ein bemerkenswerter Artikel über ein ein relativ aktuelles Urteil des Bundesverfassungsgerichtes:

Ein christlich motivierter, radikaler Abtreibungsgegner hat am Dienstag, 29. Juni 2010 vor dem Bundesverfassungsgericht Recht bekommen. Darüber jubeln die selbst ernannten „Lebensschützer“. Sie dürfen ab sofort wieder vor Frauenarztpraxen und Kliniken demonstrieren oder selbst erfundene „Straßenberatungen“ durchführen, mit denen sie schwangere Frauen zur „Umkehr“ bewegen wollen.

Hat irgendeiner meiner Leser davon bisher etwas vernommen? An mir jedenfalls ist das bisher völlig unbemerkt vorüber gegangen. Die Autorin des Artikels, Gisela Notz, war bis zum Mai 2010 Bundesvorsitzende von pro familia, einer Organisation, die sich für eine selbstbestimmte Sexualität einsetzt.

Schon lange nicht mehr nur in den USA, wo radikale Abtreibungsgegner mehrere Ärzte, die Abtreibungen vornahmen, erschossen haben, sondern auch in Deutschland müssen Menschen, die für sexuelle und reproduktive Rechte und die Selbstbestimmung der Frauen eintreten, sich immer wieder mit den Vorgehensweisen christlicher Fundamentalisten auseinandersetzen. Auch hier werden Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, verunglimpft und als Mörderinnen bezeichnet.

Mit welchen Argumenten diese Leute argumentieren musste ich selbst erfahren, als ich im alten Bloghaus über die Aktion “1000 Kreuze in die Spree” berichtete (Kommentare beachten!).

Bei Wikipedia steht unter dem Begriff “Lebensrechtsbewegung“: “Die Lebensrechtsbewegung besteht aus Einzelpersonen, Gruppen und Initiativen, die sich gegen die Legalität oder Straffreiheit von Schwangerschaftsabbrüchen, Sterbehilfe, Praktiken der Klonierung und Pränataldiagnostik einsetzen. [...] Die Bewegung umfasst Personen aller Gesellschaftsschichten und unterschiedlicher Weltanschauungen, viele sind von christlichen Wertevorstellungen geprägt.” Allein schon der letzte Satz zeigt mir, dass der Artikel von einem Anhänger der sog. “Lebensrechtsbewegung” verfasst worden sein muss; denn es sind nicht nur viele von den “christlichen Wertevorstellungen” (was immer das auch sein mag) geprägt, sondern alle. Der Ursprung dieser Pro-Life-Bewegung liegt ist evangikal und US-amerikanisch.

Juni 29th, 2010

Sind Werte ohne Religion keine Werte?

Bei tt.com schreibt eine Miriam Sulaiman – aus sehr islamischer Sicht heraus – darüber, dass es beim Religionsunterricht um die Vermittlung von Werten geht.Dabei geht sie von der (irrigen) Prämisse aus, dass es Religion bedarf, um über Werte zu verfügen. Nun, mit der Meinung kann sie sich ganz sicher mit den Amtskirchen ins Benehmen setzen; aber nicht mit mir.

Denn diese Meinung zeigt, dass der Schulterschluss zwischen den christlichen Amtskirchen und einigen islamischen Gruppierungen  viel enger ist, als wir das oft wahrhaben wollen.  Frau Sulaiman schreibt:

Insgesamt steigt so die Zahl jener, die niemals einen Religionsunterricht besucht haben. Und das, obwohl die Gesellschaft multikultureller und -religiöser wird – mit all ihren Problemen. Ob dies das gegenseitige Verständnis im alltäglichen Umgang miteinander oder in speziellen Situationen betrifft. Letztendlich geht es dabei um Werte und Wertvorstellungen. Und mit diesen setzt man sich während eines Religionsunterrichts auseinander.

und blendet dabei vollständig aus, dass man sehr wohl – frei von Doktrinen und frei von Denkblockaden, die jeder Religion immanent sind – Werte entwickeln und leben kann. Denn es ist eben nicht nötig, die multikulturellen Werte einer anderen Religion so hoch und heilig zu halten wie die eigenen. Es ist vielmehr notwendig, genau dieses endlich abzustreifen: diesen ganzen vorausschauenden Gehorsam gegenüber den “religiösen Gefühlen und Befindlichkeiten”. Wenn sich europäische Medien inzwischen nicht einmal mehr trauen, islamkritische Berichte, Bilder oder Karikaturen zu zeigen – weil sie nicht nur Angst vor der Verletzung  dieser ominösen “religiöser Gefühle” haben, sondern tatsächlich an Leib und Leben bedroht sind… dann ist das nicht tolerierbar mehr. Und daran ändert kein Islamunterricht und kein (christlicher) Religionsunterricht etwas.

Dagegen kann man nur mit Vernunft an. Mit Vernunft, die auf einem wissenschaftlichen Weltbild beruht. Mit Vernunft, über deren Argumente man diskutieren kann. Mit Vernunft, die auch Fehler eingesteht und daraus folgend Handlungen zu ändern zulässt.

Juni 7th, 2010

Die Kirche als Arbeitgeber

Die Kirche ist – zumal im Bereich der sozialen Dienste – einer der größten oder gar der größte Arbeitgeber in diesem Land. Anders jedoch als in allen andern Unternehmen sind zum Beispiel Gewerkschaften in den kirchlichen Betrieben nicht zugelassen. Auch Personal- und Betriebsräte bilden die Ausnahme. Hier gilt ganz offensichtlich nicht das deutsche Arbeitsrecht.

Auseinandersetzungen in dienstrechtlichen Fragen gab es im Bistum Limburg immer wieder, auch harte. Aber nun haben zwei Mitarbeitervertretungen – die Hauptorganisation und jene beim Ordinariat – die Diözese massiv kritisiert.(Quelle: FAZ.net)

Immerhin: es gibt dort beim Bistum Limburg, das 16.000 Menschen beschäftigt, Mitarbeitervertretungen – also eine Art rechtlich eingeschränkte Betriebsräte. Und auch der Streitgrund scheint eher irrelevant: “Anlass ist, dass eine Stelle nicht wieder besetzt werden soll und Büros verlegt werden sollen, so dass diese nicht mehr so schnell zu erreichen sind.”

Wie auch in anderen Unternehmen geht es um die Kultur des Miteinander; weniger um sachliche Dinge. In einem gestörten Klima, einem wackeligen “Betriebsfrieden” werden Mücken zu Elefanten. Und unbesetzte Stellen können zu grundlegenden Diskussionen führen. Woher kommt das?

Juni 6th, 2010

Von denen, die da Wasser predigen…

Fairer Kaffee und Handwerkskunst ©ddp

Fairer Kaffee und Handwerkskunst ©ddp

und den Wein in großen Schlucken saufen, soll mal wieder die Rede sein. Ich denke, es ist klar, wen ich meine.

Wir erinnern uns: die Kirche laufen seit längerer Zeit Sturm gegen die Ladenöffnungszeitengesetze, die in Ausnahmefällen vorsehen, dass auch am Sonntag verkauft werden darf. Einmal ganz davon abgesehen, dass ich dabei eher an die Mehrbelastung der VerkäuferInnen denke und das deshalb ablehne – diese Idee kommt den Kirchen nicht einmal. Diese argumentieren allein mit dem “biblischen Ruhetag” und nur damit. Auch einmal abgesehen davon, dass die Kirchen ihren Angestellten sehr wohl auch “zumutet” an den Wochenenden und heiligen Sonntagen zu arbeiten. All das sei mal dahingestellt.

Der Handelsverband Berlin-Brandenburg wirft den Kirchen vor, mit zweierlei Maß zu messen. Eine viermonatige Erhebung im Auftrag des Verbandes aus dem vergangenen Jahr ergab, dass bei fast einem Drittel der 112 untersuchten Kirchen mehr oder weniger regelmäßig sonntags etwas verkauft wurde. Betroffen waren 35 Prozent der evangelischen und 20 Prozent der katholischen Gotteshäuser. Sie wurden für die Studie nicht an den berlinweiten verkaufsoffenen Sonntagen aufgesucht, an denen der Einzelhandel «aus Rücksicht auf die Kirchen erst ab 13.00 Uhr öffnen durfte», wie es in der Untersuchung heißt. Bei den Waren handelt es sich nach Darstellung des Verbands zumindest teilweise um solche, die eigentlich unter die Beschränkungen des Berliner Ladenöffnungsgesetzes fallen und deshalb an Sonntagen nicht verkauft werden dürfen. (Quelle: PR-inside)

Juni 5th, 2010

Tag der Organspende

Organspendeausweis

Neulich habe ich mich noch über den Weltschildkrötentag amüsiert: der heutige “Tag der Organspende” ist da eher ernsthafter.

Jeweils am 1. Samstag im Juni jeden Jahres wird seit 1982 ein bundesweiter «Tag der Organspende» durchgeführt. Viele Selbsthilfegruppen, die Deutsche Stiftung Organtransplantation und andere Institutionen beteiligen sich an Veranstaltungen. Quelle

In der Berliner Morgenpost gibt es zu diesem Anlass einen recht guten – wenn auch etwas tränendrüsigen – Artikel: “Zwischen Tod und Leben”. Stern und Focus haben ebenfalls anlässlich des Tages dieses Thema aufgegriffen (nicht weniger tränendrüsig) – und Aygül Özkan (CDU) sowie Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) machten heute Werbung für Organspenden.

Informativer ist da schon im-Gesundheitswesen.de: