Bevor wir "einfach nur Urlaub" mit Chlor-Wasser und Strand machten, haben wir uns dann doch noch ein wenig Kulturproramm gegönnt und sind in die Stadt gegangen, um Spuren der jüdischen Vergangenheit zu finden. Davon sind - wie letztes Jahr auch schon in Krakau - nur mehr noch Erinnerungen geblieben.

Die prachtvolle Synagoge war früher das Herzstück des jüdischen Lebens in Budapest - heute ist es ein Museum (das aber vermutlich noch für sakrale Zwecke genutzt wird). Es soll - so ein Handzettel - die größte Synagoge Europas sein; eine der prunkvollsten und eindrucksvollsten ist sie in jedem Falle.
Was mich verwunderte, war der relativ kleine und nicht sonderlich eng mit Steinen bestandene Friedhof. Vermutlich gab (oder gibt) es noch einen anderen, größeren irgendwo in der Stadt.
S. findet es in jeder fremden Stadt immer eine gute Idee, in irgendeinen Bus, irgendeine Straßenbahn oder - so etwas gibt es noch in Budapest - O-Bus einzusteigen. Mir fiel auf, dass das öffentliche Verkehrsnetz in Budapest hervorragend ausgebaut zu sein scheint - neben den drei genannten Verkehrsmitteln gibt es noch eine echte Metro - weit unter der Erde. Die Rolltreppen nach unten scheinen steiler zu sein als unsere Berliner - man hat das Gefühl, schräg nach vorn geneigt darauf zu stehen. Ein mir äußerst unangenehmes Gefühl.
Wir sind so also durch Budapest gefahren; mich macht nervös, wenn ich auf den touristischen Stadtplänen nur die großen Hauptstraßen verzeichnet finde... und so keine Ahnung hatte, wo in der Stadt ich mich gerad befinde. Auf eine wundervolle Art behielt S. aber den Überblick und wir gelangten dorthin, wohin es uns zog: an und vor allem ins Wasser.

Ich habe allerdings die Vermutung, dass ihr mein neuer Freund (siehe links) verriet, wie wir wohin kommen.
(Der Laptop neben mir ist im Übrigen der, mit dem ich diese Zeilen schreibe.)Mir kam der zwar ziemlich wortkarg vor, aber wer weiß: Frauen haben etwas an sich, dass sogar Männer reden; meine ganz besonders.
Über das Badeparadies "Palatinus Strand", das als das schönste von ganz Budapest und gelegen auf der wundervollen Margareteninsel, brauche ich nicht so viel erzählen... Vielleicht nur etwas über die angepriesenen 11 Becken (und die seltsame Art, sich dort hinein zu bewegen).
Männlein und Weiblein kaufen gemeinsame je eine Eintrittskarte. Dann werden sie auf getrennten Wegen in Umkleidekabinen gleitet - die einen nach links, die anderen nach rechts. Blöd nur, dass die dort herrschenden Zeberusse weder deutsch noch englisch verstehen, sondern nur unwirsch wie Konsum-Verkäuferinnen brummeln und sich dann wegdrehen.
Irgendwie habe ich es trotzdem geschafft, meine Sachen in einer Art Kleiderschrank unterzubringen. Nun passiert dann das Folgende: dieser Schrank hat zwar ein Schloss, aber keinen Schlüssel. Weil ich das so nicht kannte, hab ich erst einmal Dutzende von Schränken überprüft, bei denen das bei allen so war. Also den Zerberus gefragt. "Brummel, grummel". Leicht irritiert wandte ich mich ab um mitzubekommen, dass so eine Art Quasimodo die Kisten verschloss, jedem einen Chip am Band (mit übrigens anderer Nummer als die, die auf dem Spind steht), gab und weitermarschierte.
Irgendwann entkam auch ich diesem seltsamen Labyrinth und sah das Wasser: Becken eins hatte eine Tiefe bis knapp über meine Knöchel, Becken zwei immerhin bis fast zum Knie, Becken drei knapp drüber ... und so weiter. Es gab allerdings auch noch ein 4-bahniges 190-iger Becken und - zur Freude meiner Angetrauten - ein Thermalbad, dessen Temperatur in etwa der der Luft entsprach: 36 Grad.
Weiß eigentlich irgendwer, wie schrecklich Durst sein kann, wenn man in gechlortem Wasser schwimmt oder in geschwefeltem liegt? Dass es Trinkbrunnen mir leckerem, unerschöpflichen, kalten, frischen Wasser gab... sah ich auf dem Weg zum Ausgang.
Nic
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