"Diesmal gilt's: Jetzt kämpfen Muslime, Juden, Christen und Atheisten gemeinsam für die Freiheit. In der Wahlkabine."
So die Aussage von Pro-Reli auf der gestern vor dem Brandenburger Tor gestarteten Kampagne.
Zentraler Begriff wird nicht „Religionsunterricht" oder „Religion" sein, das eigentliche Anliegen, sondern wie bereits in der Kampagne des Volksbegehrens die „Freiheit", und das in allen Variationen.
Quelle: hpd
Um das also mal zu übersetzen:
Pro-Reli definiert
Freiheit also als die Möglichkeit, den Kirchen zu gestatten (denn
hinter der ganzen Aktion steht vor allem die evangelisch-lutherische Kirche), ihr mittelalterlichen Lehrmeinungen nicht allein von den Kanzeln, sondern nun auch - vom Staat gedeckt - in den Klassenräumen der Berliner Schulen zu verkünden.
Freiheit in diesem Sinne bedeutet weiterhin die Möglichkeit,
jeder vom Staat anerkannten Religionsgemeinschaft, die Berliner Kinder zu
indoktrinieren.
Freiheit wird jedoch meiner Meinung nach irgendwie anders
definiert: zum Beispiel als die Möglichkeit, sich selbst zu entscheiden, ob man einer Religion angehören (also glauben) möchte oder nicht.
Wie
Dawkins bin ich der Meinung, dass Kinder sich weder entscheiden noch gegen die Entscheidung ihrer Eltern wehren können, welcher Religion (und ob überhaupt!) sie angehören wollen. Diese Möglichkeit, die das Berliner Modell bietet, dass Kinder
allein entscheiden könnten; ja, überhaupt eine Ahnung bekommen, dass es mehr als nur die Religion der Eltern gibt, soll der Garaus gemacht werden.
In einer Stadt, deren soziale und kulturelle Zusammensetzung sich in den letzten Jahrzehnten grandios verändert hat, soll die "Moral", die "Ethik" der christlichen Lehre wieder zur Grundlage des menschlichen Miteinanders werden. (denn was ist es anders, wenn die nachwachsenden Generationen wieder zu gläubigen Christen, Moslems, Juden, Scientologen, FSM-Anhängern werden sollen?)
1920 las sich die Statistik Berlins noch so:
Religionszugehörigkeit: 76,6 % Evangelische, 10,0 % Römisch-katholische, 0,3 % andere Christen; 4,3 % Juden; 8,8 % Sonstige.
Quelle: http://www.gonschior.de
während derzeit etwa (geschönt) noch 20% der Berliner Christen sind (Quelle:
http://fowid.de/) (Erstaunlicherweise finden sich in den Daten keine Angaben zu dem vermutlich hohen Anteil an bekennenden Muslimen.)
Diesmal gilt's: Jetzt kämpfen Muslime, Juden, Christen und Atheisten gemeinsam für die Freiheit. In der Wahlkabine.
Ja, für die Freiheit der Vernunft! Mit einem
Nein.
Nic
[*] = Schon die Formulierung zeigt, wie schwierig das zu verstehen ist... und sicherlich ist ein "NEIN" anzukreuzen sogar eine psychologische Frage.
Kommentare