mit freundlicher Genehmigung der Autorin
Von Dorothea Jung
Nicht nur in Iran regt sich Protest gegen die Führung des Landes. Auch in Deutschland sorgen sich Exil-Iraner um die Zukunft der islamischen Republik. Mit allen verfügbaren legalen Mitteln unterstützen sie den Protest zuhause - so gut es geht.
Sar amad Semestan - Der Winter geht zu Ende, der Frühling erblüht.
Die rote Blume der Sonne geht wieder einmal auf, und die Nacht verschwindet. Die Berge sind übersät mit Tulpen. Und die Tulpen sind erwacht. Sie pflanzen den Sonnenschein in die Berge, Blume für Blume.
Eigentlich ist dies nur ein altes persisches Frühlingslied. Doch es hat eine besondere Bedeutung bekommen: 1979, in den frühen Tagen der islamischen Revolution, wurde es auf den Straßen Teherans gesungen, während das Schah-Regime stürzte. Vor allem von den Linken. Und heute ist das Lied erneut zu hören. Gegner des Mullah-Regimes stimmen es auf ihren Demonstrationen an. Auch in Deutschland hört man es auf Kundgebungen zur Unterstützung der Demokratiebewegung im Iran.
Zum Beispiel vor Kurzem in Berlin, am sogenannten Studententag des Iran. Am Kurfürstendamm, gegenüber dem Café Kranzler, singen etwa 100 Exil-Iraner und Iranerinnen in strömendem Regen von ihrer Hoffnung auf einen politischen Frühling im Mullah-Staat. Sie erinnern an ermordete Studenten im Iran:
Im Gedenken an den Tag, an dem drei Studenten durch Spezialgarden der Putschisten des Schahs ermordet wurden, im Gedenken an den 21, Januar 1962, den Tag, an dem monarchistische Sicherheitskräfte Universitäten stürmten ...
Während die Exiliraner hier in Berlin auf die Straße gehen, werden in Teheran demonstrierende Studenten von der Polizei niederknüppelt und verhaftet, in der zentraliranischen Stadt Yazd fährt ein Jeep der Sicherkräfte gezielt fliehende Demonstranten nieder.
Wenn man sieht, wie die Studenten immer wieder auf die Straße gehen, trotz der Unterdrückung durch den Staat! Und es ist halt ziemlich mitreißend, was sie dort leisten, und das ist halt ein sehr, sehr bedeutender Tag auch im Exil für alle Iranerinnen und Iraner, wenn heute noch Studenten auf die Straße gehen.
Die 29-jährige Philosophiestudentin Meral Jekta ist Gründerin einer Initiative, die sich "Säkulare Iraner und Iranerinnen für Freiheit und Demokratie" nennt. Es ist ein locker organisierter Kreis iranischstämmiger Deutscher in Berlin, offen für alle, die sich einen säkularen Rechtsstaat und freie Wahlen im Iran wünschen.
Ich arbeite als Diplomingenieur bei einer Firma hier in Deutschland.
Ich bin Ärztin.
Ich bin vor 26 Jahren aus meinem Land nach Deutschland geflüchtet, und ich bin zurzeit Taxifahrer.
Ich bin 32 Jahre alt und Lehrerin; als wir vor ungefähr 22 Jahren nach Deutschland gekommen sind, habe ich meine Mutter gefragt, wann wir denn zurückkönnten. Und sie hat gesagt: 'Wenn wieder 'ne Revolution ist und es wieder ein anderes System geben wird'. Das heißt: Im Prinzip hab ich mein Leben lang darauf gewartet, dass genau das passiert im Iran.
Fast alle Mitglieder der iranischen Exilopposition sind "Davongekommene" - entweder mussten sie selbst vor den Mullahs fliehen - oder ihre Eltern. In Berlin engagieren sich deswegen viele beim Verein für iranische Flüchtlinge. Diesen Selbsthilfeverein gibt es schon seit 24 Jahren - und fast genauso lange prangert Vereinssprecher Hamid Nowzari Menschenrechtsverletzungen im Iran an. Doch seit dem Wahlbetrug im Juni dieses Jahres beobachtet der 51-Jährige, dass sich die iranische Exilanten-Szene in Deutschland radikal verändert.
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