Monday, November 30. 2009
Es war ja zu erwarten, dass sich der hpd zum Thema heute noch meldet... dass sich jedoch Schmidt-Salomon persönlich zu Wort meldet überrascht mich dann doch... zumal er mir widerspricht
MASTERSHAUSEN. (hpd) 58 Prozent der Wähler haben sich bei der Schweizer Volksabstimmung am vergangenen Sonntag dafür entschieden, den Bau von Minaretten künftig zu verbieten. Was ist davon zu halten?
Ein Kommentar von Michael Schmidt-Salomon.
Ist die Mehrheit der Schweizer fremdenfeindlich oder politisch so unbedarft, dass sie rechtspopulistischer Propaganda willfährig auf den Leim geht? In der medialen Berichterstattung über den Volksentscheid wird dieser Eindruck momentan erzeugt, doch eine solche Einschätzung zielt, wie ich meine, auf bedenkliche Weise am Kern des Problems vorbei.
Dass die Kampagne für das Minarettverbot mit fremdenfeindlichen Ressentiments arbeitete und damit auch einen Teil der Schweizer Bevölkerung ansprach, ist nicht zu bezweifeln. Doch dies alleine hätte niemals für eine Mehrheit beim Volksentscheid gereicht. Für das Verbot stimmten ganz offensichtlich auch Menschen, denen man Fremdenfeindlichkeit nicht vorwerfen kann. Doch wie ist das zu erklären?
Ich habe auf meinen Vorträgen in der Schweiz zahlreiche Menschen getroffen, die genau wussten, dass ein Minarettverbot in der Verfassung im Grunde grober Unfug ist und wohl auch gegen die „Europäische Menschenrechtskonvention“ verstößt. Dennoch haben sich einige von ihnen „mit schlechtem Gewissen“, wie sie sagten, für die Minarettverbots-Initiative ausgesprochen. Warum? Weil sie mit dieser Entscheidung ein Zeichen setzen wollten gegen den politischen Islam, gegen Kopftuchzwang und Ehrenmorde, gegen die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen, kurzum: gegen all die reaktionären Werte, die von einigen führenden Islamlobbyisten (und leider auch einer steigenden Anzahl von Muslimen in der Bevölkerung) tatsächlich vertreten werden und die so gar nicht mit den Leitideen einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft in Einklang zu bringen sind.
Wenn sich Bürger gezwungen sehen, gegen ihre demokratischen Überzeugungen zu stimmen, so ist dies ein deutliches Anzeichen dafür, dass in der politischen Debatte etwas grundlegend schief läuft. Der Westen hat es bislang nicht geschafft, seinen eigenen Wertekanon, das heißt: die Kultur der Menschenrechte, der Aufklärung und des Humanismus, mit der notwendigen Entschiedenheit zu vertreten und Menschenrechtsverletzungen im Namen der Religion zu bekämpfen. Dies hat im Laufe der Zeit gehörigen Unmut in der Bevölkerung produziert, der in der Schweizer Volksabstimmung nun ein Ventil gefunden hat.
Eine - zugegeben - sehr zugespitzte Frage. Aber nach dem gestrigen Abstimmungsergebnis gegen den Bau neuer Minarette in der Schweiz toben nicht nur die Medien. Eine gute Zusammenfassung bietet auch der Artikel des Deutschlandfunks.
Ich bin nun sicherlich kein Freund von Religionen; aber wer mit dem Hinweis, dass in der Türkei keine Kirchen gebaut werden dürfen, sich dazu entschließt, das Bauen von Minaretten in Mitteleuropa zu verbieten, verbiegt den Gedanken der Aufklärung.
Denn: das gleiche Recht gilt für alle!
Und - damit zu meiner Frage - offensichtlich bewahrheitet sich hier Hannah Arendts Ausspruch, dass, wenn eine Mehrheit beschließt, eine Minderheit zu unterdrücken, dies eine der Grundschwächen der Demokratie sei. Und die Schweiz wird - wegen der direkten Demokratie in Form der Bürgerentscheide - von Vielen als vorbildliche Demokratie bezeichnet.
Seit gestern muss man darüber neu nachdenken.
Nic
Friday, November 27. 2009
Als bekennender Reggae-Fan bin ich derzeit in einer sehr unangenehmen Situation. Einerseits liebe ich diesen Rhythmus und andererseits möchte ich dafür einstehen, dass Menschenrechte nicht Papiertiger sind, sondern tatsächlich universell. Und somit gültig für Alle und Jeden.
Nun gibt es neben dem allseits bekannten Bob Marley, der Texte gegen Unterdrückung, gegen die Versklavung und über die „schwarzen Befreiung“ sang, aktuelle Artists, die sich unter anderem darin gefallen, Homosexuelle, Andersdenkende und Frauen zu diskriminieren. Das Wesen der Reggae-Musik hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert; je schneller, je lauter der Rhythmus, desto unerfreulicher und diskriminierender die Texte.
Wenn ich vor einiger Zeit noch gesagt hätte: Das gehört zur Kultur dazu... dann kann ich das heut nicht mehr guten Gewissens.
Denn wenn ich einem Richter in Deutschland vorwerfe, dass er die Menschenrechte offensichtlich nur für weiße Mitteleuropäer anerkennt und mulimischen Frauen das Geschlagenwerden aus „kulturellen Gründen“ zumutet, dann kann ich nicht die Augen davor verschließen, dass die bisher von mir verteidigte Kultur der Rastafarians gegen die universellen Menschenrechte verstößt.
Dies zu schreiben kostet mich ehrliche Überwindung.
Hintergrund für diese Überlegung ist natürlich das medial gut ausgeschlachtete Hin und Her um den Auftritt von Sizzla in Berlin. (Siehe unten)
Eine breite Front aus Linken und Schwulenverbänden, gestützt auch von den Grünen (Volker Beck) wollten das Auftreten des „Hasssängers“ verhindern. Einmal abgesehen davon, dass ich diese Wortwahl für alles andere als geglückt halte – Ausgrenzung wird also mit Ausgrenzung begegnet – halte ich es für sinnvoller, mit Sizzla (oder seinerzeit mit Elephant Man) zu reden als sich lautstark, wenn auch erfolgreich, gegen deren Auffassung zu stellen.
Hass gegen Hass, Gewalt gegen Gewalt... mir missfallen ganz sicher Sizzlas homophobe Texte. Und mir missfallen auch seine frauenverachtenden Texte ebenso. Doch dieses „Hurra, wir haben ein Opfer!“-Geschrei geht mir ebenso auf die Nerven.
Denn diese sehr fragwürdigen Aussagen teilt Sizzla mit vielen anderen Reggae-Artists; aber auch mit diversen Rappern. Und ich kann mich nicht erinnern, dass es bisher gegen diese oder gegen die diskriminierenden Texte gegen Frauen je einen Aufschrei gab. Offenbar haben Frauen keine so lautstarke und mediale Lobby wie Schwule... Und HipHop verkauft sich sowieso besser als Dancehall-Reggae...
All das entschuldigt nicht Sizzlas Texte. Aber es wird hier definitiv mit zweierlei Maß gemessen.
Nic
Im Tagesspiegel gibt es dazu einen recht guten Kommentar von Jost Müller-Neuhof
Thursday, November 26. 2009
Mein Lieblingstippgeber, was seltsame Webseiten und Bücher angeht, hat sich wieder gemeldet. Er hat mich auf ein auf den ersten Blick erst einmal nichtssagendes Buch hingewiesen: Evolution aus Sicht eines Vulkaniers von Andreas Treutmann. Über den Autoren ist nicht sonderlich viel herauszufinden. Nur auf der eben genannten Webseite findet sich der Hinweis, dass er " als Mathematiker und Systemanalytiker versucht... sich selbst ein eigenes logisches Bild zur Diskussion um die Evolution zu machen"
Und das führt ihn auf seltsame Wege.
Treutmann hat also ein Buch geschrieben. Das an sich wäre genau so schnell zu vergessen wie es unsinnig ist. Aber! das Buch versucht unter dem Mantel der Wissenschaftlichkeit Unsinn zu verbreiten. Da klingeln bei mir dann doch etliche Alarmglocken.
Die offizielle Lehrmeinung zu den wichtigen Fragen des Lebens erhält mehr und mehr Konkurrenz durch neue Forschungsergebnisse und Erkenntnisse. Verlassen Sie sich nicht einfach auf das, was Sie aus der Schule oder von Presse und TV kennen.
Weshalb nur erinnert mich das fatal an die Unterlagen der Kreationisten, die sich in (mindestens einer) Berliner Schule fanden?
Weil es der gleiche, halbgare Mist ist, der hier verzapft wird.
Netterweise - oder ist es der Versuch der Abschreckung? - gibt es auf der Webseite auch zwei Proben zu lesen. Das ist zum Teil solch hanebüchener Unfug, dass selbst ich, der ich nun wahrlich weder Biologe noch überhaupt Fachmann bin, dies schon widerlegen kann.
Ich belasse es bei der Leseprobe 1, die zweite ist noch abwegiger...
So schreibt also Herr Treutmann über Fred Hoyle [Zitat: Hoyle wurde bekannt durch eine Reihe seiner Theorien, die den aktuell anerkannten Ansichten in der Astronomie und allgemein der Physik (Energieerhaltungssatz) zuwiderlaufen], dass dieser die Hypothese aufstellte, dass die Erde deshalb biologisches Leben hervorbrachte, weil dieses vom Weltall her rührt. Und mittels Meteoriten auf der Erde strandete.
Nun gut, diese Theorie gibt es und ist sogar mir bekannt. Dass es dagegen diverse Einsprüche gibt, stellt Treutmann nicht in Abrede, aber "begründet" sie mit zum Beispiel folgendem Beispiel:
Deshalb müssen wir nach Eigenschaften oder Verhaltensmustern bei ihnen suchen, die auf ihre ungewöhnliche Herkunft schließen lassen. Hier kommt uns Ihr zweiter Einwand, dass es im Weltraum ohne Schutzanzug sehr gefährlich ist, zu Hilfe. Man hat Bakterien, die auf der Erde gefunden wurden, extremer Strahlung ausgesetzt, wie sie nur im Weltraum vorhanden ist. Eine Bakterie vom Typ Micrococcus radiophilus erhielt eine extremen Röntgenstrahlung, die mehrere Milliarden mal die maximale Strahlung auf der Erde übersteigt. Die DNA der Bakterie wurde hierbei an mehr als 10 000 Stellen zerstört. Trotzdem gelang es der Bakterie, diese Schäden in kurzer Zeit selbst zu reparieren und wieder voll funktionsfähig zu werden. Da muss man sich die Frage stellen, wozu die Evolution eine solche, für die Erde völlig unnütze Eigenschaft, entwickeln sollte, die nur für das Überleben im All einen Vorteil gibt.
Wer sieht den Fehler?
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Wednesday, November 25. 2009
per Mail
aus einem Newsletter der Giordano Bruno Stiftung
  Im letzten Sondernewsletter hatte die gbs um Unterstützung der von der „ Kritischen Islamkonferenz“ initiierten Kampagne „ Asyl für Ex-Muslime“ gebeten. [ siehe auch den Blogartikel dazu] Den Petitionstext, in dem der Asylstatus für alle Ex-Muslime gefordert wird, die in ihren Herkunftsländern von Verfolgung, Folter und Mord bedroht sind, haben bisher mehr als 1000 Personen unterschrieben. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Unterzeichner!
Um der Forderung an die deutsche Politik und Justiz größeren Nachdruck zu verleihen, wäre es wichtig, dass wir noch mehr Unterstützer zusammen bekommen. Bitte weisen Sie daher im Bekanntenkreis auf die Petition hin! Je mehr Menschen die Aktion unterstützen, desto eher wird dies Eindruck machen auf jene Richter, die bislang noch von der absurden Vorstellung ausgehen, dass religionsfreie Menschen nicht religiös verfolgt werden können.
Bedauerlicherweise haben die etablierten Medien über die Kampagne nicht berichtet. Ebenso wenig thematisierten sie die jüngsten Versuche, Apostaten vor der Hinrichtung in islamischen Ländern zu retten. Trotz dieser bedenklichen Ignoranz der deutschen Medien haben uns viele positive wie negative Reaktionen erreicht. Sie zeigten, dass die Kampagne „Asyl für Ex-Muslime“ nicht nur aus humanitären Gründen notwendig ist (um bedrohte Menschen zu unterstützen und ihnen eine Chance zu geben, sich stärker in unsere Gesellschaft einbringen zu können), es wurde deutlich, dass die Kampagne auch eine wichtige Funktion für die öffentliche Debatte über den Islam und die Migrationspolitik hat.
gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon formulierte es so: „ Das Thema ‘Asyl für Ex-Muslime’ trennt in der Islamkritik fremdenfeindliche Spreu von aufklärerischem Weizen. Diejenigen, die ihre Fremdenfeindlichkeit bloß unter dem Deckmantel der Islamkritik verbergen wollen, reagieren natürlich erzürnt auf die Kampagne. Es ist, wie ich meine, notwendig, dass diejenigen, die Islamkritik betreiben, weil sie für eine humanere, offenere Gesellschaft eintreten, sich noch deutlicher als bisher von jenen abgrenzen, die eine angebliche ‘Überfremdung’ der ‘deutschen Kultur’ befürchten. In dieser Hinsicht ist die Kampagne ‘Asyl für Ex-Muslime’ sehr hilfreich. Sie zeigt, dass wir (im Unterschied zu xenophoben Islamkritikern) weder mit Migranten noch mit Muslimen an sich Probleme haben. Uns geht es einzig und allein um die Bekämpfung einer reaktionären religiösen Ideologie, die die Errungenschaften der Moderne (Freiheit, Selbstbestimmung, wissenschaftliche Aufklärung) im Namen vermeintlich ‘heiliger Werte’ zurückdrängen will. Bei diesem notwendigen Einsatz für die Aufklärung stehen nicht nur Ex-Muslime, sondern auch liberale Muslime auf unserer Seite. Es ist an der Zeit, dass wir uns in der Debatte über den Islam von falschen Denkschablonen verabschieden!“
Tuesday, November 24. 2009
Im islamischen Portal, das ich zugegeben mehr oder weniger regelmäßig lese, erschien heute ein als Kommentar gekennzeichneter Artikel, in dem es unter anderem heißt, dass das staatlich verordnete Verbot des Kopftuches (gemeint ist immer das Kopftuch der muslimischen Frauen) dazu geführt hat, dass Islamophobie gesellschaftsfähig wurde.
Darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Obwohl der Autor versucht, vorsichtig zu formulieren, kommt er zum Schluss:
Gerade der sog. „objektive Betrachter“ nötigt in diesem Zusammenhang zu einer weiteren Frage: Wenn das Kopftuch den Schulfrieden massiv stört, so die bekannte Argumentation für die Kopftuchverbote, dann stellt sich doch zwingend die Frage, was tun, wenn empirisch nachweisbar, eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung inzwischen auch allgemein den gesellschaftlichen Frieden durch das Kopftuch gestört sieht, und zwar ebenso massiv wie in der Schule.
Ich stimme dem Autoren in gewisser Weise zu. Allerdings setze ich noch einen drauf: wer sich durch Kopftücher in Schulen oder dem öffentlichen Leben gestört fühlt, muss auch anerkennen, dass sich wiederum Andere durch Kreuze im Klassenzimmer gestört fühlen.
Gleiches Recht für alle! Das bedeutet: wenn Kopftuchverbot, dann auch Verbot anderer religiöser Symbole in öffentlichen Einrichtungen.
Religion und ihre Ausübung sind Privatsache.
Nic
Monday, November 23. 2009
Als ich am Anfang des Jahres in der Berliner URANIA Franz Wuketits lauschte, ahnte ich noch nicht, dass ich etwas später genau das Buch kaufen würde von ihm, dass die Grundlage seines Vortrages war.
Drum waren mir die im Buch vorgestellten Ideen Wuketits nicht fremd; zumal sie denen entsprechen, die auch Schmidt-Salomon (bedeutend ausführlicher) in seinem letzten berührt.
Wuketits ist nicht nur im Beirat der GBS tätig, sondern vor allem ein hochangesehener Wissenschaftstheoretiker (mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften). Das erklärt, weshalb der Schwerpunkt seines Buches auf einer theoretischen Ebene liegt. So sind die ersten fünf Kapitel vor allem eine historische Reise durch die Evolutionstheorie. Allerdings stellt er auch die "Sinnfragen" nach dem Leben und den Tod.
Dieses Buch kann einerseits als Streifzug durch die Gedankenwelt Darwins und die moderne Evolutiontheorie gelesen werden, andererseits aber soll es - vor allem - aufzeigen, welche ideengeschichtlichen Konsequenzen damit untrennbar vorhanden sind. Seite 10
Bereits beim oben erwähnten Vortrag war es Wuketits wichtig, darüber zu informieren, dass Darwins berühmtes " survival of the fittest" keineswegs bedeutet, dass nur der Stärkste überleben wird. Sondern dass das auch bedeuten kann, dass der Feigste überleben wird. Einfach, weil er seine Gene weitergeben kann.
Sehr deutlich macht Wuketits, dass es sich bei der Evolutionstheorie um eine wissenschaftliche und damit überprüfbare und dynamische Wissenschaft handelt. Und sich so absolut von der Irrlehre der Kreationisten und des "intelligent design" unterscheidet. Ich habe das ausführlich bereits an anderer Stelle zitiert. Wuketits nimmt sich das gesamte vierte Kapitel des Buches Zeit, die Evolutionstheorie gegen die pseudowissenschaftlichen Darstellungen diverser Sekten zu stellen. Und die Denkfehler der " Wissenschaftskritiker" bloßzustellen.
Das dem Buch den Namen gebende letzte Kapitel fand ich persönlich am interessantesten: versucht doch Wuketits hier ein Plädoyer für ein "Sinnvolles Leben in einer sinnlosen Welt":
Den sich möglicherweise einstellenden peinlichen Affekt in Anbetracht des Umstandes, dass wir in einem sinnlosen Universum leben, können wir ... mit Humor kompensieren... Seite 135
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Friday, November 20. 2009
Unglaublich, aber die Sache scheint tatsächlich noch immer nicht ausgestanden und beendet.
Wie bekannt (siehe unten) wurde vom Verwaltungsgericht Berlin entschieden, dass Schulen gläubigen Schülern während des Unterrichtes die Möglichkeit einräumen müssen, Gebete zu verrichten. Dieses Urteil wurde zum Teil sehr kritisch gesehen.
Nun geht der Rechtsstreit in die nächste Runde:
Das Land Berlin unternimmt weitere juristische Schritte, um die Einrichtung der umstrittenen Gebetsräumen zu verhindern.
Auch wenn in dem Artikel wieder die Rede davon ist, dass die Schulen (extra) Gebetsräume zur Verfügung stellen müssen (was lt. Urteil so nicht korrekt ist), begründet die Morgenpost die Entscheidung des Schulsenators von Berlin, Jürgen Zöllner, vernünftig. Interessant daran ist, dass auch der Senator anzweifelt, dass der Kläger tiefgläubig ist. Sondern unterschwellig mitteilt, dass er davon ausgeht, dass dieser vor allem eines wollte: eine Extrawurst:
Bereits seit einer vor anderthalb Jahren ergangenen einstweiligen Anordnung steht Yunus M. am Diesterweg-Gymnasium für das Gebet von 13.30 bis 13.40 Uhr ein Gruppenraum zur Verfügung. Genutzt habe er ihn nur äußerst selten... Quelle: wie oben
Das islamische Portal erinnert deshalb noch einmal daran, dass auch die CDU das Urteil begrüßte:
„Muslime sollen an Schulen beten dürfen, soweit der Schulbetrieb dadurch nicht gestört wird. Insofern begrüßen wir die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin zugunsten eines islamischen Schülers. Religionsfreiheit umfasst auch das Recht des einzelnen, seinen Glauben zu bekunden. Dies gilt selbstverständlich auch für Anhänger des Islam“ (Ingrid Fischbach, religionspolitische Sprecherin der CDU/CSU)
Logisch: wer das Beten in der Schule erlaubt, kann nicht das Anbringen von Kreuzen verbieten. Hier verbrüdern sich Religionen gegen den säkularen Staat.
Aber noch besser gefällt mir dieser Satz:
"Wir freuen uns über die freie Religionsausübung und über den Respekt vor der Glaubensüberzeugung des Anderen. Auf dieser Tugend beruht unsere politische Kultur. Das Urteil bestätigt das Vertrauen der Muslime in unseren Rechtsstaat." Quelle: wie oben
Das sagte der Koordinierungsrat der Muslime - der vermutlich Seyran Ates Buch nicht gelesen hat. Man möge sich den letzten Satz auf der Zunge zergehen lassen...
Nic
Part I
Part II
Part III
Thursday, November 19. 2009
Unter dem Titel " Die gute Nachricht" verkündete gestern der Tagesspiegel, dass wir wieder eine christliche Regierung hätten. (Allerdings lese ich - das zur Verteidigung - im Artikel des Tagesspiegels eine gewisse Ironie zwischen den Zeilen.)
Das war bei der Vereidigung der neuen Regierung ja schon abzusehen, als alle die Formel "So wahr mir Gott helfe" sprachen. Vielleicht sollten die sich einmal B16's Meinung - der sich ja immerhin als Vertreter des Übernatürlichen auf Erden aufführt - zum Thema Demokratie zu Gemüte führen. Nicht, dass das der Regierung helfen würde... die sind genauso von ihrer Unfehlbarkeit überzeugt wie jener. Aber vielleicht kämen ihnen Zweifel, auf den Gott zu schwören, dessen Kirche sie abschaffen möchte.
Von wem stammt dieser Satz? „Ohne die Religionen, ohne den Glauben, ohne die Kirchen gäbe es keine Grundlage für allgemein verbindliche Moralnormen gegenwärtig in unserer Gesellschaft.“ Ganz richtig, von Gregor Gysi ...
Gesagt hat er ihn in einem Interview mit der katholischen Zeitschrift „Kompass“ (November-Ausgabe, Untertitel: „Soldat in Welt und Kirche“, herausgegeben vom katholischen Militärbischof).
Gysi gibt dem Mixa-Blättchen ein Interview? Das entsetzt mich regelrecht. Nicht einmal "die Linken" stellen sich dem Vormarsch der Ewiggestrigen entgegen? Mein FSM, wohin ist es gekommen in diesem Lande?
Bodo Ramelow, Ex-Spitzenkandidat bei der Thüringer Landtagswahl, der seinen Sozialismus gerne von Jesus Christus ableitet, sagte im „Spiegel“: „Ich warne meine Partei davor, antireligiös zu agieren. Wir haben Bündnispartner, die in Kirchen gebunden sind. Die dürfen wir nicht verlieren.“ Quelle: wie oben
Wie würde der Feuerbringer sagen: alles Kuschelatheisten, diese Linken!
Nic
Nic
Wednesday, November 18. 2009
 Vor einigen Tagen habe ich schon stolz verkündet, dass ich nun in den Wellen planschen darf... und viel mehr ist es tatsächlich nicht... Denn ich fühle mich wie in einem Ozean, der erstaunlich frei von Mit-Machern ist. Derzeit habe ich erst 3 Freunde dort.
Und als eben Maha auf das Bild hier verwies, habe ich verbissen wissend traurig genickt:
Nic
Aus gegebenem Anlass veröffentliche ich hier den Aufruf zur Petition der Kritischen Islamkonferenz. Wir bitten darum, diesen Aufruf weiter zu verbreiten und die Petition zu zeichnen. Der Fall Ehsan Fattahian hat deutlich gezeigt, dass die Anerkennung des „Abfalls vom Glauben“ als Asylgrund lebensnotwendig werden kann für den/die Betroffenen.
Der Abfall vom Islam stellt in vielen „muslimischen Ländern“ ein todeswürdiges Verbrechen dar. Die Flucht aus der Heimat ist für Ex-Muslime oft die letzte Chance, grausamen Strafen zu entgehen. Bislang jedoch haben deutsche Gerichte die Gefahren, die diesen Menschen in den Ursprungsländern drohen, in skandalöser Weise heruntergespielt und ihnen das Recht auf Asyl verweigert.
Ein besonders gravierendes Beispiel ist der Fall des iranischen Ex-Muslims Siamak Zare: Zare gehört zu den mutigen Menschen, die 2007 im Rahmen der Kampagne des „Zentralrats der Ex-Muslime“ (ZdE) dem Islam öffentlich abgeschworen haben. Sein Foto fand sich auf dem Kampagnenplakat direkt neben dem Foto der ZdE-Vorsitzenden Mina Ahadi.
Siamak Zare weiß, was ihm für diese provokative Aktion im Iran blühen kann. Der ausgebildete Kameramann hat den Terror des Regimes in der Vergangenheit am eigenen Leib erfahren. Zweimal ist er im Iran aufgrund seiner regimekritischen Einstellung inhaftiert und gefoltert worden. Im Jahr 2000 gelang Zare mit seiner Familie die Flucht nach Deutschland, wo eines seiner beiden Kinder geboren wurde. Er hoffte, in Deutschland in Freiheit leben und seinen Beruf als Kameramann ausüben zu können. Doch die deutsche Asylgesetzgebung ließ das nicht zu.
Das Verwaltungsgericht Kassel urteilte, dass die öffentliche Abkehr vom muslimischen Glauben keinen hinreichenden Asylgrund darstelle, da in Zares Fall das „religiöse Existenzminimum“ nicht gefährdet sei. Dieses religiöse Existenzminimum umfasse nämlich, so die Richter, „neben der Religionsausübung im häuslich-privaten Bereich das gemeinsame Gebet und den Gottesdienst mit Gleichgesinnten abseits der Öffentlichkeit“. Nun hat Siamak Zare als humanistischer Atheist in der Tat kein Interesse an Gebeten und Gottesdiensten. Und so verstiegen sich die Richter zu der ungeheuerlichen Behauptung, dass Zare als religionsfreier Mensch überhaupt nicht religiös verfolgt werden könne und deshalb auch keinen Anspruch auf Asyl habe.
Continue reading "Petition: „Asyl für Ex-Muslime“"
Alan Posener untersucht in diesem Buch das Denken und daraus folgende Handeln des aktuellen Papstes und stellt zwangsläufig fest: Benedikt will zurück in eine Zeit vor der Aufklärung. Posener spricht von einem "Rollback" der katholischen Kirche.
Während es deutsche Postillen gibt, die "Wir sind der Papst" titeln, machte sich der Autor die Mühe, hinter die Worte Ratzingers zu schauen. Er zeigt auf, zu welch erstaunlichen Umdeutungen und Neudefinitionen Ratzinger greift, um zu "beweisen", dass Vernunft Glaube ist. Bereits Ratzingers Interpretation des ersten Bibelsatzes ist ein Hinweis darauf, wessen Geistes Kind dieser ist. So begründet Ratzinger "Logos" mit der "Vernunft Gottes" und bastelt sich so die Überzeugung, dass der Glaube also Vernunft sei.
Wenn das nicht so gnadenlos gefährlich wäre, wie die Geschichte der katholischen Kirche in den letzten Jahrhunderten zeigte, wäre es einfach nur lächerlich. Ratzinger nutzt sehr berechnend die modernen Medien, um seine vormodernen Lehren zu verbreiten.
Ich habe Mitgefühl mit Posener, der sich durch die Berge an Schriftlichem wühlen musste, die Ratzinger bzw. Benedikt XVI. im Laufe seines Lebens produzierte. Es ist sehr schwer, dieses verquaste Zeug zu lesen. Zumal, wenn man so ziemlich jedes Wort anders bewerten muss, als Ratzinger es aufschrieb. Denn der Mann ist unter anderem deshalb so gefährlich, weil er sich auszudrücken weiß. Allerdings muss man - wie Posener es tat - diese Worte in den Zusammenhang mit Benedikts Denken setzen und einordnen.
Wenn Ratzinger es für revolutionär hält (und das von vielen Medien zitiert wird), dass er mit dem schiitischem Islam in einen Dialog trat, dann muss man sich die Frage stellen: wer redet hier mit wem. Denn der Vatikan redete nicht mit Vertretern des Islam, sondern mit Vertretern der theokratischen Regierung Irans. Auch an diesem Beispiel stellt Posener klar, welch Ähnlichkeiten es im Denken eines Ratzinger und den Machthabern totalitärer Systeme gibt. Benedikts Traum ist die Errichtung eines Gottesstaates. Darin ist er sich mit dem Regime in Iran einig. Das überwindet dann tatsächlich die Grenzen der Religionen. Denn es geht gegen den gemeinsamen Feind: die Aufklärung.
So wundert es nicht, dass Ratzinger über eine "Diktatur des Relativismus" schwadroniert, wenn er die pluralistische Gesellschaft meint. Demokratie ist seinen Wertvorstellungen grundsätzlich fremd.
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