Thursday, April 30. 2009
 Der Katholik an sich (was oder wer immer das auch sein mag) mag ja ein liebevoller Mensch sein, der sich um Hungernde in Afrika, um Kranke in Südamerika und Verletzte in Indien kümmert.
Allerdings gibt es da noch den Einen oder Anderen, der im Mitteleuropa seine Zeit damit verbringt, Menschen zu bewerten; vor allem und besonders gern Anders- oder Nichtgläubige:
Die Verächter der Religion formieren sich. Ob es die Gebildetsten sind, die da gegenwärtig die Religion aufs Korn nehmen, sei dahingestellt.Auffällig aber ist: Einer Duldung weicht die aggressive Konfrontation. Den Atheisten reichts. Quelle: Die Tagespost
Man beachte die kleine Boshaftigkeit indem den Atheisten erst einmal Bildung generell abgesprochen wird. Und immerhin: der letzte Satz des Zitates ist richtig.
In dem Artikel geht es eigentlich um den Film Religulous - über den sich der Autor (selbstverständlich) eher lustig macht: „ Sich aufregen lohnt sich nicht.”
Die Struktur des Streifens ist einfach. Bill Maher, ein erfolgreicher US-Komiker, macht sich auf, den Religionskosmos zu erkunden. Und tatsächlich wirkt er dabei wie ein Außerirdischer, abgeschossen aus einer anderen Galaxie. Ungläubiges Staunen steht ihm ins Gesicht geschrieben. Nicht, dass er den Gläubigen all der Religionen, Konfessionen und Sekten, denen er begegnet, immer Unrecht täte: Sie machen sich selbst schon nach Kräften lächerlich.
Quelle: wie oben
Oh, sollte dieser Absatz etwa aussagen wollen, dass die Tagespost den Film positiv bewertet?
Nein, handelt es sich doch um ein katholisches Blättchen. Und deshalb gilt natürlich nur das als nicht lächerlich, was den eigenen Glauben betrifft.
Continue reading "Der Splitter und der Balken"
 Als ich mich gestern vom Thema Pro Reli verabschiedete, kannte ich den Artikel der FAZ noch nicht.
Nun gut, die FAZ ist ja nicht wirklich als Organ der Linken bekannt... aber dass sie in das gleiche Horn wie die BILD stößt, verwundert dann doch.
Schreibt die BILD doch am Montag nach der Abstimmung, dass 346.119 für die Pro Reli Kampagne stimmten. Ohne jedoch zu erwähnen, dass 365.609 dagegen stimmten, was nach einfacher Rechnung die Mehrheit ist. (siehe hier)
Und nun also auch die FAZ:
Denn in der angeblichen „Hauptstadt des Atheismus“ haben 346.000 Wähler für eine Statusaufwertung des Religionsunterrichts und die Wahlfreiheit zwischen Ethik und Religion gestimmt, also 14,2 Prozent aller Wahlberechtigten. Das ist keine vernachlässigbare Quantität. Quelle: FAZ
Die Quantität ist allerdings vernachlässigbar, wenn man zum einen bedenkt, dass sich an der Abstimmung nicht einmal ein Drittel (genau: 29,2%) der Wahlberechtigten beteiligten, und zum anderen halt, dass selbst die Mehrheit der Stimmen gegen die Pro Reli-Kampagne stimmte.
Worum es der FAZ eigentlich geht, sagt sie dann am Ende des Artikels:
Continue reading "Über die Verdrehung der Tatsachen - oder: die FAZ rechnet"
Ich habe einen wunderbaren Text auf der Webseite zum Darwinjahr gefunden: „ Evolution kann Existenz von Kreationisten nicht erklären”.
Ein schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit der Evolutionswissenschaft: Der Biologe Richard Dawkins hat heute eingeräumt, dass die Evolutionstheorie keine vernünftige Erklärung für die fortgesetzte Existenz von Kreationisten liefern könne.
Durch den Prozess der natürlichen Selektion werden Gene, die einen Vorteil im Überlebenskampf bieten, über Generationen hinweg erhalten, doch Wissenschaftler können keinen nützlichen Zweck für das Gen finden, das Menschen glauben lässt, die Erde wäre in nur etwa sechs Tagen vor 10 000 Jahren erschaffen worden.
Quelle: wie oben
Diese neue, revolutionäre Erkenntnis von Richard Dawkins erinnert mich daran, dass vor geraumer Zeit schon eine neue, umwerfende neue Wissenschaftstheorie in die Öffentlichkeit gekommen ist. Der Nachweis, dass Jungmenschen und Altmenschen verschiedenen Arten angehören!
Das klingt zugegeben ein wenig verrückt; aber es gibt Beweise!
Es gibt keinen Entwicklungsweg von Babies zu Erwachsenen, keine Zwischenformen zwischen diesen beiden Arten. Zeigen Sie mir auch nur ein einziges Baby mit dem Kopf eines Erwachsenen auf seinem Hals. Können Sie das? Nein? Nicht einmal ein bärtiges Kleinkind? Quelle: http://www.darwin-jahr.de/
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Wednesday, April 29. 2009
 so der Titel einer Veranstaltung der Konrad Adenauer Stiftung am gestrigen Tage.
Nun muss man wissen, dass die Konrad Adenauer Stiftung der CDU nahe steht. Und damit ganz in der Tradition derer, die zum Beispiel Homosexualität noch immer für ein Verbrechen hält - oder bestenfalls für heilbar.
Ich war nicht bei der Veranstaltung. Jedoch genügt ein Blick in die Veröffentlichung, um zu erkennen, was der Tenor der der Beiträge war:
Dazu zitierte Arnold unter anderem Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. Nach letzterem sei der Mensch in einem langen Evolutionsprozess entstanden, seinen tiefsten Ursprung habe er dennoch im Logos. Quelle: Artikel der KAS
Nach dieser Logik ist der Papst kein Katholik - jedenfalls sollte er sich nicht mehr so nennen; ist doch die Erschaffung der Welt (1. Buch Mose) Grundvoraussetzung des katholischen Glaubensbekenntnisses.)
Diese Denke erinnert mich dann wieder an den Freund, mit dem ich neulich eine Diskussion hatte, nachdem er mir sagte, dass er sehr wohl gläubig sei, aber seine Biologieprüfung im Abi über das Thema Evolution und Genetik abhielt. Das war mir die Frage wert, wie er diese doch sehr konträren Standpunkte vereinbaren könne. Er antwortete ganz im Sinne der Kirche, dass er des Glaubens sei, dass Gott den Urknall verursachte. " Woher soll sonst all die Materie stammen, die der Urknall zum Universum machte?"
Ich mag meinen Freund und ich akzeptiere seine Meinung; seinen Glauben. Aber tolerieren kann ich ihn weniger. Denn ich halte das für absolut falsch und gefährlich.
So lange man zulässt, dass alles, was die Wissenschaft (noch) nicht erklären kann, einem imaginären Gott zuzuschreiben, so lange kann man sich auch aus jeglicher Verantwortung stehlen. Der Gedanke, nach dem Tode in ein imaginäres Paradies einzuziehen lässt nämlich den Trugschluss zu, dass wir mit "Gottes Schöpfung", der Erde, Schindluder treiben können. Wer sich auf ein paradiesisches Leben im Jenseits vorbereitet muss den Dreck vor der Tür nicht sehen; oder wenn, dann nichts dagegen unternehmen.
Es ist meiner Meinung nach zu kurz gedacht wenn die Kirchen immer wieder betonen, welch gute Sozialarbeit sie leisten. Dies ist auch unbestritten.
Aber es kommt nicht darauf an, Kaputtes ein wenig zu reparieren, es kommt darauf an, darauf zu achten und darauf hinzuwirken, dass erst gar nichts kaputt geht!
Doch ich bin vom Thema abgewichen:
Continue reading "Religion und Naturwissenschaft brauchen einander"
Da ich heute nicht sonderlich viel geschrieben habe (worüber soll ich zukünftig nur schreiben?), habe ich mir die Zeit genommen, das Blog mal ein wenig zu verschönern...
Jetzt gibt es in jedem Artikel (oben) Links zum vorherigen und dem nächsten Artikel; die Ansicht der Kommentare ist augenfreundlicher und ich habe (wieder) die Snap-Funktion eingeschaltet (das sind die bunten Bilder, wenn man mit der Maus über einen Link geht). Die Kategorien heißen nun wieder, wie sie schon einmal hießen (es ist eine hinzugekommen) und - mir am wichtigsten - ich habe nun ein Tool gefunden, mit dem neue Artikel direkt an diverse Suchmaschinen geschickt werden.
Zudem habe ich meine Artikel nun unter Creative Commons gestellt.
Nic
 Inzwischen haben sich die Wogen geglättet; die Blogs und Blätter verabschieden sich vom Thema "Pro Reli" und wenden sich anderen zu.
Auf der Seite des hpd findet sich heute in einem langen Artikel " Kirchen kapern den Ethikunterricht" unter anderem auch diese wunderbare Karikatur:
die ich schon aus dem Brightsblog kannte.
Damit verabschiede ich mich auch von der Artikelserie mit dem grünen Logo.
Aber ich werde ganz sicher das Thema nicht vernachlässigen. Steht doch noch die Entscheidung zum " Fall" Dr. Bruno Osuch" aus und vor allem auch der Rechtsstreit um die Werbekamapgne des Berliner Senates gegen Pro Reli. ( siehe hier).
Continue reading "Nachdenken danach"
Tuesday, April 28. 2009
 Darf ein Wissenschaftler sagen, dass er „an die Evolution glaubt“? Eine sicherlich provokante Frage – aber sie soll auch provozieren.
Richard Dawkins schreibt an etlichen Stellen in seinen Büchern, dass er genau dies tut.
Nun ist im Deutschen (in der deutschen Sprache) Glaube mit religiösem Glauben gleichgesetzt; es kann sein, dass das im Englischen anders konnotiert ist und sich diese Gleichsetzung durch die Übersetzung ergibt.
Die Frage an sich ist aber trotzdem gerechtfertigt; habe doch nicht nur ich eine gewissen Scheu davor, Atheisten ihre Weltanschauung mit der gleichen Vehemenz und Sturheit vertreten zu sehen, wie man es von religiösen Gemeinschaften gewohnt ist.
Meiner Meinung nach sollte sich ein (atheistischer) Wissenschaftler bemühen, seine Überzeugung – nämlich, dass die Darwinsche Evolutionstheorie die ist, die am ehesten das Entstehen des Lebens auf der Erde erklärt – anders auszudrücken. Zumal Dawkins ansonsten ein hervorragender Fabulierer ist, der schwierige Sachverhalte in einfachen Worten (oder mit eingängigen Beispielen) auszudrücken vermag.
Continue reading "Glaube an Evolution?"
 Obwohl es nun vorüber ist, ist es noch nicht vorbei. Auch heute habe ich wieder eine umfangreiche Sammlung gefunden.
Der Stern zum Beispiel schreibt " Schulfach Religion auf der Kippe" - ich hab keine Ahnung, weshalb. Denn wenn die Berliner Abstimmung so interpretiert werden könnte, würde ich mich noch mehr freuen. Was passiert ist, ist, dass Berlin sich entschieden hat, Religion nicht als Pflichtfach zuzulassen.
Die weitergehende Diskussion, ob das Berliner Modell allen Bundesländern als Vorbild dienen kann, wird zwar derzeit von einigen Artikelschreibern aufgegriffen, aber noch nicht wirklich umfassend diskutiert. Auch der Stern spricht davon:
So könnte sich die Aktion, die die Kirchen stark unterstützt hatten, als Bumerang erweisen. Denn nun drehen humanistische Verbände den Spieß um - und fordern, das Berliner Modell auf andere Bundesländer zu übertragen. "Bei dem Volksentscheid hat sich die Vernunft durchgesetzt", sagt Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung zu stern.de. [...] Schmidt-Salomon wünscht sich Ethik-Untericht in ganz Deutschland, in dem katholischen, muslimischen und konfessionslosen Kindern gleichermaßen die Werte der Aufklärung vermittelt werden.
Quelle: Stern.de
der Tenor des Artikel klingt aber eher ängstlich-abwartend.
Interessant ist das Umfrageergebnis auf der Seite. Hier wird gefragt: Sollten andere Bundesländer das Berliner Modell übernehmen? Und das ist die Auswertung von heute, 8:14 Uhr
Der Freitag fragt sich, ob Berlin entzweit ist, da die Abstimmung die Grenze, die die Mauer zog, abbildet. Dabei verweist er auf einen Blogbeitrag von Christian Berlin in dem dieser meint
Man könnte Klaus Wowereit und den Rot-roten Senat zu ihrem gestrigen Sieg beglückwünschen und zur Tagesordnung übergehen. Wären da nicht jene Abgründe, die bei diesem Anlass sichtbar wurden.
Wenn das Abstimmungsergebnisses exakt den Verlauf der Berliner Mauer nachzeichnet, kann das zum 20 Jubiläum ihres angeblichen Falles die Feierlaune nur senken – als wäre die Wirtschaftskrise nicht schon Strafe genug. Die offenbar gewordene Teilung seiner Stadt kann Berlins Regierenden Bürgermeister ebenso wenig beglücken wie die Spaltung seiner Partei in dieser Frage. Quelle: SchwammDruber
Nun handelt es sich bei dem Bloginhaber und Autoren um einen bekennenden Christen und so verwundert es wenig, wenn dieser im weiteren Artikel darüber sinniert, dass mit der Abstimmung die Basisdemokratie einen herben Rückschlag erlitt. Ob er das auch geschrieben hätte, wenn die Pro Reli Kampagne anders ausgegangen wäre, möchte ich bezweifeln.
Die TAZ widmet dem Thema zwei Artikel: Ethik stärkt den Pluralismus in dem sie schreibt:
Continue reading "Gesammeltes III"
Monday, April 27. 2009
schreibt Richard Dawkins auf seiner Seite...
Na, wenn dass keine Ehre für all die ist, die gegen Pro Reli aufgetreten sind.
Nic
Das Buch könnte auch den Titel haben: "Mein Pimmel und ich" - und genau so ist es.
Anfangs dachte ich noch: da kommt noch was... aber es kam nichts.
Der Haupt(trieb)täter wächst im Osten auf, ist nicht nur naiv und gutgläubig, sondern regelrecht dämlich. Bekommt nichts mit von der Welt in der er lebt und wird Stasi-Mann.
Es gibt einige wenige Momente im Buch, da es richtig nahe geht. Wenn Brussig erzählt, wie seine Kindheit (resp. die seines Helden) im kleinbürgerlichen Mief der DDR verlief; mit einem Vater, der ihn nicht wahrnahm und einer Mutter, die ihm noch mit 19 den Hintern abwischte. Es gibt ein paar wirklich humorvolle Beschreibungen und Personenskizzen. Aber das bleibt alles immer ganz oberflächlich, mehr gewollt als gekonnt.
Brussig zeigt diesen Uhltzscht als Jedermann, und darin entfaltet er seine unglaubliche Wirkung. Er zeigt einen Mitmacher voller Komplexe, tyrannisiert von einer prüden Mutter und einem höhnischen schweigsamen Vater. Sie ist Hygiene-Inspektorin, er ist Stasioffizier, sie verkörpern also Sauberkeit und Ordnung geradezu lachhaft wörtlich in dieser engen und muffigen und gewöhnlichen Welt, und Brussigs Roman zieht gerade aus der Unaufwendigkeit des Terrors sein diabolisches Funkeln, sein gemeines Grinsen, sein großes Gelächter. Ein deutscher Entwicklungsroman, eher: die Karikatur auf alle großen Bildungsromane denn dieser Klaus Uhltzscht ist im Grunde schon mit seiner Geburt fertig. Quelle: Amazon
Hmm... auch wenn es einige gelungen eingefangene Eindrücke des "real existierenden Sozialismus" in der DDR gibt; ich meine, dass das nicht nur so oberflächlich, auf plumpe Komik a la. RTL2 eingeschränkt werden kann. Einen "Entwicklungsroman" würde ich das Buch ganz sicher nicht nennen.
Continue reading "Thomas Brussig: Helden wie wir"
 Beworben wird dieser - in Deutschland neu eingeführte Tabak - so: " Grün - nicht nur eine Farbe, sondern ein Synonym für das Streben nach Einheit von Mensch und Natur.
Die Bezeichnung „organic" ist vergleichbar mit unserem Hinweis „aus ökologischem Anbau". Alle für diesen hellen, zart süßlich duftenden Virginia Blend ausgewählten Tabake und Casingbestandteile wie Agave, Pflaume und Honig stammen aus zertifiziertem Anbau. Auf die Zugabe von künstlichen Aromastoffen wurde gänzlich verzichtet." (Quelle: Dan Pipe)
Das klingt doch erst einmal hervorragend; stopfe ich doch meine Selbstgedrehten ebenfalls mit "organic" Tabaken.
Was ich erhoffte, war ein Ersatz für den aus dem Programm genommenen (und von mir sehr gemochten) Ocean Liners ready rubbed von DTM (siehe auch hier). Aber so ganz ist er das nicht.
Und das liegt vor allem daran, dass der Organic Pipe Dreams "zickig" ist.
Aus der frisch geöffneten Dose duftet es nach reifem Virginia; untermalt mit einem homöopathischen Hauch von Aroma, das man aber problemlos dem Tabak zuordnen würde - wenn es nicht anders in der Beschreibung stünde.
Jedoch... jedoch ist der Tabak an sich schon recht trocken (da alle Additive fehlen) und brennt dementsprechend schnell herunter. Wenn die Dose dann ein paar Tage geöffnet war wird er allerdings strohartig. Und dann ist das Rauchen alles, nur keine Freude mehr. Es brennt auf der Zunge und knistert Funken sprühend in der Pfeife...
Continue reading "Cornell & Diehl: Organic Pipe Dreams"
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