Friday, February 27. 2009
Pünktlich zum Darwin-Jahr legt Michael Schmidt-Salomon gemeinsam mit dem Zeichner und Illustrator Helge Nyke sein neues, sein drittes Kinderbuch vor. Nach dem vielumstittenen Buch " Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel" und dem dann versönlicheren " Geschichte vom frechen Hund" nun als " Susi Neunmalklug".
Susi Neunmalklug ist so schlau wie Superman stark ist und kann so gut denken, wie Spiderman klettern kann. Wie andere Superhelden versteckt auch Susi meist ihre Superkräfte. Nur manchmal, wenn sie etwas richtig Dummes hört, kann sie sich einfach nicht bremsen. So war es auch, als Herr Hempelmann eines Morgens Susis Klassenzimmer betrat und eine seltsame Geschichte von der Entstehung der Welt erzählte… Klappentext
Natürlich ist die zitierte seltsame Geschichte von der Entstehung der Welt die der Genesis. Und Susi Neunmalklug klärt sowohl den Lehrer als auch die Klasse darüber auf, wie das Leben auf der Erde entstand. Soweit, so gut.
Der zum Teil wirklich witzige (und etwas vorlaute) Ton des Buches ist ganz Schmidt-Salomon; seine etwas arrogante Haltung leider ebenfalls; die Zeichnungen sind zum Teil ganz witzig, schrillbunt und eher dem Comic als Kinderbuchillustrationen verhaftet. Aber gut, die Welt ist schrill und aufdringlich und um gehört (gelesen?) zu werden muss man mittun...
Jedoch...
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Thursday, February 26. 2009
 St. hat mir einen Link geschickt. Die Giordano Bruno Stiftung provoziert mal wieder - Schmidt-Salomon läßt grüßen...
Es gibt eine Petition (Der Petitionstext wurde von Michael Schmidt-Salomon im Auftrag der Giordano Bruno Stiftung verfasst. Start der Kampagne: Aschermittwoch 2009), für die gesetzliche Umbenennung von "Christi Himmelfahrt" in "Evolutionstag".
Na? Wer unterschreibt?
Nic?
Wednesday, February 25. 2009
Dieses Buch sammelt Erzählungen von Stefan Heym aus den Jahren 1933 bis 1983. Einige davon sind erstmalig (in Deutsch) veröffentlicht; andere - wie " Die Schmähschrift oder Königin gegen Defoe" wurden bereits veröffentlicht und haben eine eigene Geschichte entwickelt. (Zu der genannten vergleiche man Heyms Bericht aus seinen Erinnerungen; die Staatssicherheit hat sich tatsächlich die Mühe gemacht, nachzuforschen, ob die Figuren existierten, über die Heym schreibt. Nur, um nachzuweisen, dass diese Erzählung über den staatlichen Versuch (im England des Jahres 1702), einen Dichter mundtot zu machen ein Bericht über die Zustände in der DDR sind.)
Jahrelang lagen diese Kisten und Kartons erst im Keller des Hauses, dann unterm Dach auf dem Boden. Der Staub sammele sich auf ihnen und die Spinnweben...
Aus diesem Fundus habe ich für den vorliegenden Band ... einiges ausgewählt...; auch anderes, das bisher nur in amerikanischer Sprache gedruckt war, wurde übersetzt und beigegeben, so daß nun ein Buch entstanden ist, das über fünfzig Jahre eines Erzählers und über die Zeit, in der diese Arbeit getan wurde, und über das Leben des Mannes, der die Arbeit tat, eine gewisse Auskunft gibt. Aus dem Nachwort von Stefan Heym - Seite 381
Das macht diese Sammlung so spannend: dass sie vom Autor selbst zusammengestellt wurde. Denn es lässt sich so gut erkennen, wie er - also seine Schreibe - sich entwickelte und was ihm an Ende eines langen Lebens wichtig erscheint.
Die ersten Erzählungen aus Heym's Prager Jahren zeugen noch von seiner Schulung an den spätbürgerlichen, deutschsprachigen Erzählern. Es erinnert ein wenig an Feuchtwanger, Thomas Mann, Kafka und vor allem an Stefan Zweig. Schon diese frühen Erzählungen weisen einige der Merkmale auf, für die ich Stefan Heyms Bücher sehr schätze: sie sind humorvoll und weise.
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Friday, February 20. 2009
Land in seltsamer Krankheit, Jugend war alt, Jugend wollte nicht erwachsen werden, Bürger lebten in Nischen, zogen sich im Staatskörper zurück, der, regiert von Greisen, in todesnahem Schlaf lag. [...] Die seltsame Krankheit zeichnete die Gesichter; sie war ansteckend, kein Erwachsener, der sie nicht hatte, kein Kind, das unschuldig blieb. Verschluckte Wahrheiten, unausgesprochene Gedanken durchbitterten den Leib, wühlten ihn zu einem Bergwerk der Angst und des Hasses. Erstarrung und Aufweichung zugleich waren die Hauptsymptome der seltsamen Krankheit. In der Luft lag ein Schleier, durch den man atmete und sprach. Die Konturen wurden undeutlich, Dinge wurden nicht mehr beim Namen genannt. Die Maler malten ausweichend, die Zeitungen druckten Reihen schwarzer Buchstaben, aber nicht sie dienten der Verständigung, sondern der Raum dazwischen: weiße Schatten von Worten, die zu wittern und zu interpretieren waren. Auf den Bühnen sprach man in antiken Versmaßen. Beton... Watte... Wolken... Wasser... Beton... aber dann auf einmal... Seite 890
Ich habe lang überlegt, ob ich und wenn, dann was aus diesem Buch zitieren kann und möchte. Ähnelt es doch einem Sammelsurium der Stile, der Stilmittel. Das nun Zitierte ist nicht der Stil des gesamten Buches; es ist einer der vielen, die dieses Buch bemerkenswert machen; auch wenn mich manchmal diese seitenlangen, kursiv gesetzten Passagen der inneren Einkehr ihrer Langatmigkeit wegen langweilten.
Doch erscheint mir diese Passage aus dem Schlussteil des Buches bezeichnend für die dem Buche innewohnende Melancholie; der Melodie des Abschiedes; dieses Abgesanges der Hoffnung, Utopie und des Sonnenlichts.
Tellkamp ist ein unglaublich guter und genauer Beobachter. Die graue Tristesse des Alltags in der DDR ist in jeder Zeile allgegenwärtig. Auch wenn die Sonne scheint und man aufatmet in vom Regen erfrischter Luft bleibt doch das Bild der vergammelnden, der verfallenen Städte. Wer Dresden gesehen hat vor '89 kennt diesen depressiv stimmenden Anblick sterbender Orte, kennt die Menschen, die grau wie die Häuserwände zwischen eben denen leben.
Oft sind es bei Tellkamp nur winzige Halbsätze, die bei mir vieles an Erinnerungen wachrufen; Dinge, die ich bereits vergessen glaubte. Ich konnte beim Lesen sowohl die Abgase der Trabbis und Wartburgs riechen als auch den Geruch eines schwer erhältlichen Buches, die Freude über eine seltene Schallplatte nachleben.
Wenn ihm etwas vorzuwerfen wäre - aber das ist es vermutlich nicht, denn die Definition kam von der Literaturkritik - dann das, dass dieser bildungsbürgerliche Kosmos, in dem sich die Romanfiguren bewegen, eben nicht den Großteil der Bevölkerung ausmachten. Diese ist noch vielmehr kleinbürgerlich und wurde es sofort wieder, nachdem die D-Mark im Lande war. Kurz und heftig war die Bewegung... (aber das ist nicht Thema das Buches).
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Wednesday, February 18. 2009
 Ich bin ja eigentlich nicht als großer Freund stark aromatisierter Mixturen bekannt. Ganz im Gegenteil. Und doch möchte ich heute für einen Hocharomaten die Lanze brechen.
Den Devils Holiday hätte ich ganz sicher nicht gekauft, wenn ich nur den Dan Pipe'schen Werbetext gekannt hätte:
Rabenschwarz mußte dieser Tabak sein und geheimnisvoll. Von Zutaten wie Tollkirsche und Hexenwurz haben wir ihn [den Tabakmischer] dann doch abbringen können, statt dessen wurden Aromen süß-fruchtiger Waldbeeren, mit Zaubersprüchen versehen, zur Mitternacht bei Neumond in den Tabak gegeben.
Das Ergebnis: Sanft, süffig und extra lecker... einfach teuflisch gut!
Die Stichworte: "Aromen süß-fruchtiger Waldbeeren" sind für mich eher ein Ausschlusskriterium; eine sozusagen Anti-Werbung; denn um solcherart angepriesene Süßigkeiten mache ich für gewöhnlich großen Bögen.
Jedoch... jedoch wurde mir dieser Tabak von einem guten Freund empfohlen auf dessen Geschmacksnerven ich mich bisher immer verlassen konnte. Und auch wenn die bisherigen Empfehlungen immer in eine ganz andere Richtung wiesen; selbst diese Süßspeise ist hervorragend.
Als ich die Dose öffnete fühlte ich mich sofort in das schöne Haus in Lauenburg versetzt: wenn man dort die Tür öffnet... so riecht der Tabak. Auch wenn bei DTM die Vanille-Aromen vorherrschen; diese fruchtigen Anteile nach Himbeere, Kirsche und allen anderen Beeren, die Bestandteil der roten Grütze sind, beherrschen den Geruch des unangezündeten Tabaks. (Und wie Frank K. in seinem Review schon schreibt: wenn man die Dose öffnet, riecht das ganze Zimmer danach. Ich habe die Tabaksdose oft nur geöffnet, um daran zu riechen.)
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Monday, February 16. 2009
Ich brauche länger, um über das Buch "Der Gotteswahn" zu schreiben als es zu lesen. Doch nun will ich versuchen, über das Buch Abschließendes zu sagen. (Immerhin liegt das nächste: "Der entzauberte Regenbogen" bereits bereit.)
Dawkins beschreibt unter anderem auch an der Entstehung der "Religion" des fliegenden Spaghettimonsters über den Unfug, den Religionen aufgrund ihrer Allemachtsphantasien verbreiten. Und weist darauf hin, dass es nicht Sache der Religionskritiker sein sollte, die Wahrheit der Religionslehren zu widerlegen; sondern vielmehr ist es (wenn es denn überhaupt notwendig ist) Aufgabe der Religion, zu beweisen, dass es etwas gibt, dass die Religion logisch begründet.
Niemand von uns fühlt sich verpflichtet, all die unzählingen hergeholten Dinge zu widerlegen, die eine fruchtbare oder witzige Fantasie sich ausdenken kann. Nach meiner Erfahrung ist es eine amüsante Strategie, wenn ich auf die Frage, ob ich Atheist sei, darauf hinweise, dass der Fragesteller ebenfalls Atheist ist, nämlich in bezug auf Zeus, Apollo, Amon Ra, Mithras, Baal, Thor, Wotan, das Goldenen Kalb oder das Fliegende Spaghettimonster. Ich bin einfach schon einen Gott weiter. Seite 77
Dawkins definiert im Buch auch, was Darwin begann, auf der Ebene der Gene (das egoistische Gen!)... leider mangelt es mir an den Kenntnissen - ich habe das Gefühl, Etliches nicht verstanden zu haben was Dawkins hier beweist. Da muss ich wohl noch ein wenig mehr lesen und lernen. (Immerhin: ein - das - Buch von Darwin liegt auch schon bereit.)
Der Autor widerlegt im Buch zudem die irrige Annahme, dass Religionen für die Ausbildung einer Ethik notwendig seien. [Auch wenn es viele wissenschaftliche Erkenntnis innhalb kirchlicher Strukturen gab... wurden doch die Wissenschftler häufig genug von der Kirche verfolgt, wenn sich die Forschungsergebnisse nicht mehr mit den Glaubensbekenntnissen in Übereinstimmung bringen ließen.]
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Nun hat es nicht Minuten oder Stunden gedauert (sondern Tage), aber der angekündigte Artikel auf dem hpd-Seiten ist da:
HVD: Initiative sammelte mehr als 8000 rote Hände
Eine tolle Aktion!
(meint)
Nic
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Sunday, February 15. 2009
Eines der Bilder habe ich bereits im Blog veröffentlicht. Weil es aber etliche, recht schöne Fotos gibt, steht heute diese Collage hier.
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Thursday, February 12. 2009
Heute also wurden die roten Hände an den Bundespräsidenten Horst Köhler übergeben. Ich habe im Vorfeld darüber berichtet (auch wenn das eigentlich nicht zum Thema des Blogs passt...).
Inzwischen sind auch die ersten Artikel dazu im Netz aufgetaucht. Am besten gefällt mir jedoch dieses kleine Drehbuch von Reuters - ganz offensichtlich waren auch ein paar Kameras anwesend.
Auf der offiziellen Webseite des Red Hand Day gibt es auch eine Meldung über die Anzahl der gesammelten roten Hände. Ich zitiere:
65 Klassen in Berlin beteiligten sich an der Aktion Rote Hand. Im Rahmen ihres Lebenskunde- unterrichts erarbeiteten sie gemeinsam mit ihren Lehrern die Kinderrechtsverletzungen an Kindersoldaten. Nach Schulschluss sammelten sie 8.300 rote Hände gegen den Einsatz von Kindersoldaten.
Nun, ich gehe davon aus, dass in einigen Stunden (oder Minuten) auch der Humanistische Pressedienst berichten wird...
 Und weil einer der Helden meiner Kindheit bei der Veranstaltung im Schloss Bellevue auch anwesend war gibt es noch dieses Foto.
Nic
Monday, February 9. 2009
Im meinem Artikel zu Dieterichs Buch " Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts" kommt dieses nicht besonders gut weg. Im meinem Nachtrag weise ich darauf hin, dass sich Dietrich sozusagen als "Übersetzer" eines kurzen Textes von Arno Peters profiliert. Inzwischen habe ich den Peters-schen Text gelesen und kann das nur bestätigen. Zumal Peters Sprache um Einiges weniger übertrieben daherkommt und keine pathetischen Phrasen drischt.
Nun hat St. noch einen interessanten Artikel zum Buch gefunden. Ich zitiere:
"Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts" ist kein neues Kommunistisches Manifest, dafür ist es auch zu lang und zu kompliziert. Trotzdem halte ich es für eine zukunftsweisende Analyse. In der Praxis können wir die Ansätze schon erleben, in Venezuela oder auch in Bolivien, ebenso können wir die angesprochenen Probleme in diesen Ländern erleben. Auch Fidel Castro deutete in seiner mittlerweile historischen Rede vom Herbst letzten Jahres an, daß er diesen Weg für den einzigen zukunftsfähigen hält, dann, als er sagte, sein Nachfolger können nur die Menschen als Ganzes sein.
In Europa ist die Lage sicherlich anders. Aufgrund einer immer noch gefühlten Einheit zwischen Elite und Massen hat sich das alte historische Projekt hier nur im Verborgenen erledigt, bedingt sichtbar etwa in der Unmöglichkeit einer gerechten Arbeitsverteilung, hervorgerufen durch die auf unendlichen Produktivitätswachstum ausgerichtete chrematistische Waren-Ökonomie. Diese nochgefühlte Einheit erklärt wohl auch den Fakt, daß sich viele Menschen für Möglichkeiten der direkten Demokratie gar nicht interessieren. Als hier in Berlin schrittweise und auf Bezirksebene teils grundlegende Entscheidungen in die Hand der Menschen gelegt wurden, gab es nur wenig Resonanz. Natürlich sieht dies in den Regionen, in denen das alte historische Projekt radikaler scheiterte ganz anders aus. Quelle: http://www.ciao.de/
Das stimmt ja schon - an sich. Nur ist eben Dieterich nicht der Erfinder der Idee, sondern nur sein Übersetzer.
Nic
Wednesday, February 4. 2009
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