Thursday, January 29. 2009
Tuesday, January 27. 2009
Ich habe es versprochen und nun auch gehalten: ich habe "Der Gotteswahn" von Richard Dawkins gelesen; ach, was sag ich; verschlungen.
Seine Ideen waren mir ja durch die Bücher (u.a.) von Michael Schmidt-Salomon bekannt; aber wie Dawkins selbst schreibt, das weniger. Und es lohnt sich, ihn zu lesen! Mir ist schon klar, woher Schmidt-Salomon seine Art Humor hat - er ist Dawkinianer... Und das kann ich nachvollziehen.
Vielleicht wurde nicht nur ich damit konfrontiert, dass die Scientologen mir Zettel in die Hand stopfen wollten, auf denen sie mit Einsteins Konterfei werben und meinen, diesen zu Ihrem Fürsprecher machen zu können. Umgekehrt würde man dies Blasphemie nennen.
Auch Dawkins geht auf die Religiosität der Naturwissenschaftler ein; also auf das, was diese (zum Beispiel Einstein) als solche benannten:
Eine geradezu mystische Reaktion auf Natur und Universum ist unter Naturwissenschaftlern und Rationalisten weit verbreitet. Sie hat nichts mit einem Glauben an Übernatürliches zu tun. Seite 22
Weiter erklärt er dann, dass diese Art der religiösen Weltverehrung eher mit einem staunenden Wundern über die Dinge wie sie sind zu tun haben als mit der Idee eines, der die Welt gemacht hat.
Es fällt mir - ich gebe es zu - oft schwer, die Religionen zu kritisieren und ihnen den Respekt zu verweigern. Das macht es mir oft schwer, die Texte von Schmidt-Salomon oder den der Giordano Bruno Stiftung zu lesen. Weil ich mich für tolerant halte... und Schmidt-Salomon einen Text gegen genau diese Toleranz schrieb.
Nun verstehe ich das besser. Und will versuchen, dies nicht nur zu verstehen, sondern zu verinnerlichen:
Ich bin nicht dafür, jemanden nur um der Sache selbst willen zu beleidigen oder zu verletzen. Aber für mich ist es faszinierend und rätselhaft, dass die Religion in unserer ansonsten säkularen Gesellschaft derart unverhältnismäßige Vorrechte genießt. [...] Was ist das Besondere an der Religion, dass wir ihr einen so einzigartigen Respekt entgegenbringen? Seite 44
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Saturday, January 24. 2009
Dieses Buch habe ich bereits vor Monaten gelesen; aber hier nicht verwurstet. Aber weil es eines der besten und lebensvollsten Bücher ist, die ich in den letzten Jahren las, muss ich darüber berichten.
Im letzten Sommer las Amitav Gosh im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals in Berlin. Aus eben diesem Buch. Dabei wechselten sich er und eine Schauspielerin ab, die den Text auf Deutsch las. Das war wunderbar, zumal die Schauspielerin, deren Namen ich leider weder weis noch herausfinde, sehr gut las; so, dass die Spannung des Buches wie ein Knistern im Saal war. (Als ich das Buch dann las, hörte ich bei Lesen diese Stimme bei den Sätzen, die vorgetragen wurden.)
Amitav Gosh erzählt die Geschichte eines Schiffes; der Ibis.
Am Oberlauf des Ganges schuften die Menschend für die englische Opiumindustrie. Verfolgung, Intrigen und Not vereinen eine Gruppe von Auswanderern und Flüchtlingen als Schicksalsgemeinschaft auf der "Ibis", einem ehemaligen Sklavenschiff. Sie ist Hoffnung und Strafe, Zukunft und Endstation zugleich. aus dem Klappentext
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Thursday, January 22. 2009
Dieses kleine, dünne Buch ist eine Art Autobiographie des Nobelpreisträgers V.S. Naipaul.
Wie der Titel verrät, schreibt Naipaul vor allem darüber, wie er zum Schreiben gekommen ist und was ihn umtrieb. Natürlich spielt dabei eine große Rolle seine ungewöhnliche Biographie. (Er wurde als Sohn indischstämmiger Eltern auf Trinidad geboren - Vgl. meinen Artikel vom 19. Januar)
In diesem Buch sind zwei autobiographische Texte und seine Rede anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises 2001 abgedruckt.
Ich wurde in einer Kleinstadt namens Changuanas geboren, wenige Kilometer vom Golf von Paria entfernt. [...] Ich war vierunddreißig, als ich herausfand, was es mit dem Namen meines Geburtsortes auf sich hatte. Das war in London... Seite 75
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Tuesday, January 20. 2009
Im Artikel zum Buch "Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts" von Heinz Dieterich erwähnte ich ja bereits, dass er sich auf Arno Peters Text zum Äquivalenzprinzip beruft.
Inzwischen und nach einer Diskussion, bin ich fast geneigt zu sagen, dass Dieterichs den Peters-Text nur umfangreich kommentiert und erklärt hat; dass Dieterich quasi als "Übermittler" der Botschaft auftritt.
Dies kann man nun selbst nachlesen; denn ich wurde darauf hingewiesen, dass man den Text von Arno Peters im Netz findet: Unter www.puk.de/nhp/index.php/de/neuer-sozialismus-deutsch/ gibt es den kompletten Aufsatz Arno Peters " Das Äquivalenz-Prinzip als Grundlage der Global-Ökonomie". (Oder auch hier.)
Nun werde ich eben das tun und hier vermerken, ob mein oben genanntes Urteil korrekt ist.
Nic
Monday, January 19. 2009
Ich habe dieses Buch unter "Literatur" getagt, obwohl es eigentlich eher als ein Sachbuch anzusehen ist; ein Geschichtsbuch um genauer zu sein.
Anders als seine großartigen Werke " Indien - ein Land in Aufruhr" und " Eine islamische Reise" ist dieses Buch nicht lebensvoll und überquellend. Sondern eher nüchtern und trocken. Obwohl es Unmengen an Figuren gibt, die handeln und beschrieben werden bleibt das Buch sachlich; zu sachlich für meinen Geschmack.
Mag sein, dass ich durch die genannten Bücher verwöhnt bin. Und von Naipaul nun immer solch überbordende Beschreibungen erwarte.
Abschied von Eldorado hat den Untertitel "Eine Kolonialgeschichte". Und es erzählt die Geschichte der Kolonialisierung Naipauls Geburtsinsel Trinidad.
Der Autor hat Unmengen an Sekundärliteratur gewälzt; diverse Museen in England und Spanien sowie Venezuela durchstöbert. Heraus kam eine Geschichte, in der nicht die handelnden Menschen, sondern die Insel die Hauptfigur ist.
Und so wenig wie über die indogenen Ureinwohner Trinidads bekannt ist, so viel ist über die konkurrierenden Mächte bekannt, die auf der Insel ihren Einfluss geltend machten: Spanier, Engländer, Franzosen, Niederländer und sogar Deutsche. Nicht zu vergessen die Indianer und die (dorthin verschleppten) schwarzen Sklaven.
Dieses Buch besteht aus zwei vergessenen Geschichten. Die erste handelt von der Suche nach Eldorado [...]
Die zweite Geschichte trägt sich fast zweihundert Jahre später zu. Sie handelt von dem Versuch der Briten, ausgehend von der gerade eroberten Insel Trinidad im Spanischen Weltreich eine Revolution der hehren Prinzipien auszulösen. Seite 11
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Saturday, January 17. 2009
Friday, January 16. 2009
Der " Radford's Freundeskreis", in dem ich seit einigen Jahren Mitglied bin, gab zu seinem 25igsten Jahrestag eine Reprintausgabe des Buches " Knasterkopfs Annehmlichkeiten und Freuden. - Ein nothwendiges und höchst nützliches Taschenbuch für jeden Tabaksraucher, dem seine Gesundheit lieb ist und der eine angenehme Unterhaltung wünscht." aus dem Jahre 1834 heraus.
Und wie es sich für ein gutes Reprint gehört sind sogar Druckfehler und Farbschwächen mit übernommen worden.
Das Buch selbst ist eine amüsant geschriebene Anleitung zum gepflegten Tabakgenuss; das meint vor allem: Pfeiferauchen (auch wenn das Schnupfen und Zigarrenrauchen erwähnt sind).
Schön zu lesen die Anleitung über die Auswahl der Pfeife und des Tabaks. Das Buch ist im Biedermeier geschrieben worden; und daher raucht der Herr von Welt Porzellanpfeifen.
Sternberg beschreibt daher vor allem auch die Pflege und Reinigung dieser Pfeifen. Das ist nett zu lesen; vor allem wenn man weiß, dass die Glut in diesen Rauchgeräten eine unglaubliche Hitze = Kondensat = Zungenbrennen entwickelte.
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Wednesday, January 14. 2009
Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, in Büchern, die ich lese und hier vorstelle, mit diesen bunten Klebezetteln Stellen zu markieren, die als Zitat in Frage kämen. Dieses Buch hier hat den Rekord gebrochen; habe ich doch 28 Stellen markiert...
Das Buch kam in meine Hände, weil ein Freund meinte, dass mich das sicherlich interessieren würde und er gespannt wäre über meine Meinung dazu. Mir scheint, er hat Einiges daran auszusetzen...
Ja, auch wenn Manfred Wekwerth im Vorwort schreibt: "Das Buch...ist nicht nur ein hervorragender politischer Text, es ist auch ein literarischer..." so ist gerade das - nun sagen wir - bestreitbar. Der Autor, Heinz Dieterich, schwankt zwischen der Sprache eines politisch-philosophischen Textes und eher populärwissenschaftlichem Duktus. So sind viele Fremdworte oder Fachbegriffe erklärt, indem eine Entsprechung in Klammern dahinter steht. Dies allerdings wird nicht konsequent gemacht und manchmal sogar umgedreht. Das stört den Lesefluss.
Aber nichtsdestotrotz hat Dieterich einiges zu sagen. Und das hebt diesen Nachteil völlig auf; denn in diesem Buch geht es um die Gedanken und Ideen und weniger um den Stil.
Grundsätzlich ist Dieterich der - sicher nicht unstrittigen - Meinung, dass das Zeitalter des Kapitalismus/Imperialismus sich seinem Ende entgegen neigt. Und - geschult an Marx, Engels und Lenin - so versucht sich der Autor mit einer Utopie für die Zukunft: wie kann, wie muss eine Gesellschaft des Postkapitalismus aussehen.
Leider mangelt es mir am Glauben; aber ich wünschte, das, was Dieterich als Zukunftsbild malt, könne in irgendeiner Form tatsächlich erreicht werden.
Bedrückt durch die existentielle tägliche Angst um seine ungesicherte Reproduktion, ohne geistige Transzendenz in einem Meer trivialisierenden Konsumismus navigierend und ständig weiter um sich greifender Tendenzen religiösen und magischen Obskurantismus ausgesetzt, kann das entfremdete Subjekt seiner Situation innerhalb der ehernen Strukturen bürgerlicher Gesellschaft keine Erlösung verschaffen. Diese wird nur möglich sein in einer Form qualitativ andersartigen Zusammenlebens in einer neuen Wirklichkeit: der demokratischen Wirtschaft und Gesellschaft der nachkapitalistischen Geschichtsphase, in deren Übergang wir uns befinden. Seite 18
Nicht alle Sätze des Buches sind so lang und kompliziert. Das wäre dem Buch anzukreiden: dieser unstimmige Wechsel zwischen einem ökonomisch-philosophischen Traktat und der Sprache einer Tageszeitung:
Ein der Mystik progressiv verfallender Ex-KGB-Funktionär und eine alkoholisierte Randfigur der Lumpenbourgeoisie.... Seite 19
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Sunday, January 11. 2009
Dieses Buch sind zwei Bücher.
Auf Sand gebaut ist 1990 erschienen, Filz im Jahre 1992. In beiden Büchern setzt sich Stefan Heym mit der aktuelleren Geschichte auseinander: der Zeit nach der "Wende".
Die sieben Geschichten in "Auf Sand gebaut" zeichnen sich durch einen lockeren, fast humoristischen Ton (wie in "immer sind die Weiber weg") aus und sind daher wunderbar zu lesen, trotz des doch recht ernsten Themas. Denn Heym nimmt kein Blatt vor den Mund und berichtet, wie die DDR in ihren letzten Tagen funktionierte. So gibt es eine Geschichte "Der Zuverlässigsten einer", in der der Stasimitarbeiter Bobrich den Sturm auf die Zentrale in der Normannenstraße miterlebt und zu seinem Entsetzen erfährt, dass es auch eine Akte über ihn gibt. " Trotzdem ist meines Erachtens der Genosse Bobrich, Arno, des Glaubens, daß wir des Glaubens sind, er wäre der Zuverlässigsten einer." Seite 22
In diesem Ton geht es weiter, ob Heym von einem geheimen Abhörbunker im Wald erzählt, in dem ein "wie ein Oberförster aussehender Mann" einen Hänger belädt, oder berichtet, welch freundschaftliche Beziehung er zu einem seiner Bewacher aufbaut.
Dabei aber gibt es auch immer wieder solche Sätze, sie in wenigen Worten mehr über seine politische Haltung verraten, als andere in ganzen Parteiprogrammen:
VEB, Volkseigener Betrieb. Aber wer ist das Volk? In all den vierzig Jahren Republik, hat uns je einer erklärt, wer das Volk wirklich ist, bis das Volk dann anmarschiert kam auf der Straße und lauthals verkündete: Wir sind das Volk? Seite 81
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Friday, January 9. 2009
In meinem Artikel über Heyms "Lassalle" habe ich ja bereits auf dieses Buch hier hingewiesen.
Kaum Jemand kennt den Namen Karl Radek heute noch; er wurde im Stalinismus aus dem Geschichtsbüchern gestrichen
So wie Trotzki in der unter Stalins Ägide redigierten " Geschichte der KPdSU" nicht einmal erwähnt wurde, obwohl er der Oberbefehlshaber der Roten Armee war, war Radek Mitglied des Zentralkomitees der Partei und wird (wurde) nicht mehr erwähnt, wenn es um die Geschichte der Sowjetunion geht.
Vielleicht idealisiert Heym (wie im Wikipedia-Artikel angemerkt) tatsächlich die Figur des unsteten Karl Radek; aber scheint es mir, als würde das Buch das Flair der revolutionären Begeisterung einer ganzen hoffenden Generation ausdrücken.
Stefan Heym folgt in diesem ... Roman den Spuren einer der schillernsten Gestalten der Dritten Internationale: Karl Bernhardowitsch Radek, in Polen geborener Jude, leidenschaftlicher Revolutionär und glänzender Journalist, Kommunist und Politiker von ganz eigenem Charisma, Weggefährte Lenins und Opfer der Moskauer Schauprozesse 1937. Aus dem Klappentext
Heym beschreibt unter anderem, dass Radek das Skript zu seinem Schauprozess selbst schreibt; also die Texte, die sowohl der Staatsanwalt(!) als auch er und die anderen Angeklagten zu reden haben. Das ist tatsächlich bezeugt. Wenn das nicht so abgrundtief traurig wäre, könnte man lauthals darüber lachen, dass der Angeklagte dem Staatsanwalt den Text schreibt, weil ihm dessen Anklage lächerlich vorkommt. Ich glaube, dass Ryklin darüber schrieb.
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