meine Aufmerksamkeit erregt, als ich meine tägliche "Netz-Presseschau" machte:
Necla Kelek hat heute in der FAZ einen Artikel "Kritik der Islamkritik - Ihr habt mit Hass gekocht" geschrieben (auf den auch
der hpd verweist), in dem sie sich mit der Kritik auseinandersetzt, die ihr seit den letzten Veröffentlichungen entgegenschallt.
Aber ich bestehe darauf, dass wir, reflektiert und auf den Inhalt konzentriert, über den Islam streiten, jenseits persönlicher Angriffe. Wir brauchen eine Debatte über das, was unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält: einen Diskurs über die Freiheit des Wortes und seine Grenzen und darüber, ob in diesem Land die Menschenrechte tatsächlich für alle gelten, auch für alle Muslime; welche Rolle die Religion in unserem Leben spielen sollte und warum unter Verdacht gerät, wer unsere Freiheitswerte verteidigt. [...] Dabei wird deutlich, wie fremd ihnen die Kultur des Islam ist. Und irgendwie versuchen sie den Eindruck zu erwecken, es handele sich ums Feuilleton und nicht um eine politische Auseinandersetzung.
Wer mag, kann mich Beifall klatschen hören...
Was Necla Kelek - zu Recht - fordert, ist zum einen, dass sich Kritiker des Islam mit diesen erst einmal gründlich befassen und auseinandersetzen müssen, ehe sie darüber richten. Und zum zweiten stellt sich (zumindest mir) immer die Frage: was will der Kritiker erreichen? Wem dient seine Kritik? Ihm selbst als Bestätigung seiner Grossartigkeit (fragt wer, wen ich dabei im Bilde habe?) oder geht es tatsächlich um einen Gedankenaustausch, der einem besseren Mit-Einander dient.
Es gibt für mich einen ganz grundsätzlichen Unterschied in der Islam-Kritik einer Necla Kelek, einer Seyran Ates oder auch einer Mina Ahadi. Das ist Kritik von
innen heraus, eine Kritik des Systemes, in dem die Genannten leben (oder lebten) und deren Symbole, Wertvorstellungen, deren innere Signale ihnen verständlich und nicht fremd sind. Anders Journalisten wie Henry M. Broder oder die von Necla Kelek erwähnten Claudius Seidl und Thomas Steinfeld, die Dinge mit Wertmaßstäben einer anderen Kultur betrachten, die selbst aber keineswegs in Frage gestellt werden. (siehe auch
die Kritik an Kay Sokolowsky's Buch "Feindbild Moslem")
Ein Dialog auf gleicher Augenhöhe findet nicht statt, ja, soll sogar vermieden werden.
In dieser neuerlichen Debatte fällt aber auf, dass der Anlass – der Islam und seine Rolle in einer demokratischen Gesellschaft – völlig untergeht. Es geht in diesem Streit weder um die reale Situation der muslimischen Frauen noch um das Staats- oder Freiheitsverständnis der Muslime in Deutschland. Die Debatte um Freiheit und Selbstbestimmung wird auch nicht mit den Muslimen oder gar in Moscheen geführt, sondern in der Parallelwelt einiger Redaktionsstuben und Institute. Man setzt sich nicht rational-kritisch mit islamischen Vorstellungen auseinander, sondern beschäftigt sich mit den Islamkritikern. Quelle: wie oben
Leider denke ich, dass sich die selbsterklärten Richter der Feuilletons landauf, landab nicht vom letzten Absatz (Die Scharia gehört geächtet) des Artikels beeindrucken (und dabei gehört er für mich zu dem Wichtigsten und Richtigsten, was darüber in der letzten Zeit geschrieben wurde) - sondern Broder und seine Apologeten werden nun wieder auf Necla Kelk einprügeln, weil sie wagte zu erwähnen, dass diesen Herren ein Denkfehler unterläuft, wenn sie davon ausgehen, die islamische Kultur (zu der einfach mehr gehört als "nur" Religion; aber auch diese) mit westlichen (und damit teilweise christlichen) Werte zu messen.
Einen Menschen nicht als selbstverantwortliches Individuum, sondern – wie es der Islam praktiziert – als kollektives Sozialwesen zu denken, ist für viele, die nicht in einer solchen Gemeinschaft aufwuchsen, anscheinend doch nur schwer nachvollziehbar. Quelle: wie oben
Erst gestern habe ich mich positiv über evangelisch.de geäußert...
und muss(?) es heut schon wieder. Georg Klein schrieb einen sehr lesenswerten Artikel über die Aufführung eines Theaterstückes "Eine Akte, zwei Morde" über die Lebensgeschichte Parastou Forouhar's.
Auf der Mitte der Bühne steht eine Frau im roten Kleid, mitunter sitzt sie auch am Rand an einem Tisch mit Telefon und Laptop, und immer stellt sie Fragen. Die Fragen werden beantwortet von zwei schwarz gekleideten Männern, manchmal melden sie sich auch selbst, schreien und drohen. Teile ihrer Texte stammen aus Protokollen, Verhören, Mitschnitten, propagandistischen Zeitungsartikeln. Die Übersetzung aus dem Persischen ins Deutsche wird mit einem Beamer über die Bühne projiziert. Gefragt wird, in dem von der Exiliranerin und Regisseurin Niloofar Beyzaie verfassten Stück "Eine Akte, zwei Morde", nach den Umständen der Ermordung der Eltern von Parastou Forouhar.
Am Ende des Artikel ist vermerkt, dass das Stück auch nach Berlin kommt...
Nic
Kommentare