Die Königin-Luise-Stiftung - eine evangelische Stiftung, die sich der Erziehung von Internats-Zöglingen widmet (
Selbstauskunft lt. Stiftungssatzung) läd für den Zeitraum vom 15. bis 22. November 2009 zu einer
Deutsch-Iranische Lehrerkonferenz ein.
Das an sich wäre selbst dann lobenswert, wenn sich dort evangelische und muslimische Lehrer darüber austauschen würden, welcher Art Unterricht sein muss, um Gottesglauben und Gottesfurcht zu verbreiten. Miteinander reden ist immer besser, als aufeinander schießen.
Was aber überhaupt nicht geht: Eingeladen ist der iranische Botschafter in Deutschland;
Alireza Sheikh Attar. Leider ist der Link zu einem Artikel der Jungen Welt, in den dieser Herr dieser Zeitung
ein Interview gab, nicht mehr kostenfrei verfügbar. Ich habe mich seinerzeit so darüber aufgeregt, dass ich dieser Zeitung die
Freundschaft und das Abo kündigte.
Attar ist der Vertreter eines unbestritten reaktionären Systems, wie es nicht all zu viele gibt. Und diesem Menschen soll eine Plattform gegeben werden? Das zeigt einmal mehr, welch unheilige Allianzen eingegangen werden, um der Welt zu zeigen, wie sehr sich die religiösen Inhalte ähneln; egal ob die Verpackung Christentum oder Islam heißen.
Und dabei müsste gerade
diese Stiftung wissen, wie die Situation in Iran ist: hat sie doch Schüler Ihres Internates erst im letzten Sommer in
den Iran geschickt (nein, nicht geschickt: eine Reise dorthin ermöglicht). So sollte man erwarten können, dass die Stiftungsmitglieder einen differenzierten Blick auf das Land und seine aktuelle politische Lage haben sollten.
Wenn man davon ausgeht - und das sollte man - ist diese Einladung des Botschafters ein Affront gegen alle Menschen (nicht allein nur gegen die Exiliraner), die sich für Menschenrechte einsetzen.
Deshalb fordert
Iran-Aktuell auch dazu auf, gegen die Einladung von Herrn Attar zu protestieren:
Wir halten die Teilnahme dieses Herren an einer Bildungsveranstaltung für unerträglich und möchten ein breites Bündnis gegen diesen Auftritt des Botschafters bilden. Daher rufen wir EUCH alle auf, schreibt dem Veranstalter, der Königin-Luise-Stiftung und protestiert gegen diesen Auftritt.
Königin-Luise-Stiftung
Podbielskiallee 78
14195 Berlin
Tel.: 0049 (0)30 841 81 3
Geschäftsführer: Herr Olie
Mail: verwaltung@koeniging-luise-stiftung.de
Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und rege an, dort am 16.11. eine Protestveranstaltung zu organisieren. Und der
UNESCO, die offenbar als Partner der Konferenz auftritt, darüber zu informieren (wenn sie das schon nicht selbst herausfinden), mit wem sie sich an einen Tisch setzt und wer sich in ihrem Namen darstellen will.
Für mich ist das ein Skandal!
Nic
Auf Iran-Aktuell wird ein Artikel(?) zitiert, leider steht dazu nicht, wo dieser erschien:
Arvid Vormann
Eine “Deutsch-Iranische Lehrerkonferenz”, die etwas anderes zum Gegenstand hätte als die Auseinandersetzung mit einem Schulsystem, in dem körperliche und psychische Gewalt, Geschlechterapartheid, religiöse Indoktrination und Aufstachelung zum Hass auf Minderheiten und Andersdenkende an der Tagesordnung sind, wäre an sich schon ein bizarres Unterfangen. Wer anlässlich derselben gar über “Umwelterziehung” und “energieeffiziente Lebensstile” diskutieren wollte, machte sich der Clownerei verdächtig.
Doch die Berliner Königin-Luise-Stiftung kennt da nix. Sie findet obendrein noch, ohne eine der ganz großen Nummern des Regimes ginge man unter im Meer dieser ja nun wirklich schon geradezu inflationär betriebenen deutsch-iranischen Kulturaustausche. Und schließlich verfügt man über gute Kontakte zur schräg gegenüber liegenden iranischen Botschaft (aka “terroristisches Zentrum”) und deren Chef Alireza Sheikh Attar.
Also wird “S.E.” persönlich auf der Konferenz das Wort ergreifen. Attar wird wohl u.a. zum Thema “Kognitives Lernen oder bewusste Verzahnung von Theorie und Praxis” aus eigener Erfahrung Wertvolles beizusteuern haben, denn er wird zahlloser Morde beschuldigt.
Attar ist Mitglied der terroristischen Revolutionsgarden und war von 1980-1985 Gouverneur der Provinzen Kurdistan und Westazerbeijan. In dieser Zeit verübten die Revolutionsgarden unter seinem Befehl – und z.T. direkt in seiner Gegenwart – massive Verbrechen an der kurdischen Zivilbevölkerung. Hunderte wurden erschossen oder erhenkt, Frauen vergewaltigt, ganze Dörfer ausradiert.
Die Verbrechen des Attar sind wirklich kein Geheimnis. Alle Vertreter des Regimes haben Blut an ihren Händen, aber Attar, das wissen iranische Oppositionelle, gehört zu denen, die im Blut gebadet haben. Die Königin-Luise-Stiftung, das Auswärtige Amt, die Senatsverwaltung und die Unesco halten sowas für exotisch und Attar damit für einen ausgezeichneten Ansprechpartner im Dialog der Kulturen.
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