Freitag , 25 April 2014
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Angehörige von NSU-Terror-Opfer lehnt Gaucks Einladung ab

Joachim Gauck

Joachim Gauck

Eine deutsche Delegation war dieser Tage in der Türkei, um dort zu erklären, weshalb die Aufarbeitung der NSU-Morde so lange dauerte. Der Ausschussvorsitzende Sebastian Edathy (SPD) “nannte in diesem Zusammenhang vorurteilsbehaftete Ermittlungen, eine Unterschätzung des Rechtsextremismus und mangelnde Kooperation der Behörden.” als Ursachen.

Das ist – zwar sehr vorsichtig ausgedrückt – immerhin eine korrekte Aussage. Das, was im Zusammenhang mit den NSU-Morden geschehen ist, kann kaum noch unter  “vorurteilsbehaftete Ermittlungen, eine Unterschätzung des Rechtsextremismus und mangelnde Kooperation der Behörden” subsumiert werden. Auch von einem “Versagen der Ermittlungsbehörden” zu sprechen, wäre ein Euphemismus. Wenn man das Kind beim Namen nennen würde, dann würde man sagen, dass hier das BKA und alle anderen Ermittlungsbehörden “auf dem rechten Auge blind” waren (und es wohl teilweise noch immer sind). [Genaueres dazu bei Prof. Dr. Hajo Funke]

Wie die Deutsche Welle weiter mitteilt, will Bundespräsident Joachim Gauck am Montag mit Familienangehörigen der Opfer zusammen kommen. “Mit der Begegnung in Berlin will er Unterstützung und Solidarität demonstrieren.” Auch “unsere” Kanzlerin will irgendwann in den nächsten Wochen mit den Angehörigen sprechen. Vermutlich verspricht sie sich davon ein paar schöne, herzergreifende Bilder in ihren Hauspostillen aus dem Hause Springer. Denn ernst nehmen kann man das wohl kaum – nach der “Pannenserie” bei den Ermittlungen und bei diesem großen zeitlichen Abstand.

Als Opferverbände forderten, dass sich die Bundesregierung mit den Angehörigen trifft und sich dafür entschuldigt, die Opfer öffentlich zu Tätern stilisiert zu haben… da lehnten sowohl Gauck als auch Merkel ab.

Doch nun lehnen die Opfer solch ein Treffen ab!

Die Schwester des ermordeten Süleyman Tasköprü [äußerte] Zweifel am Sinn des für Montag geplanten Gesprächs.

“Auch Ihnen, Herr Bundespräsident Gauck, ist mein Bruder doch nur wichtig, weil die NSU ein politisches Thema ist”, schrieb sie. “Glauben Sie, es hilft mir, wenn Sie betroffen sind?”

Dieser Frau, Aysen Tasköprü, sollte der nächste Preis für Zivilcourage verliehen werden! Wobei: auch der wird ja vom Gauckler vergeben…

Nic

Nachtrag: der Brief von Aysen Tasköprü ist bei publikative.org im Wortlaut veröffentlicht.

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

Ein Kommentar

  1. Nun, es kommt darauf an, was Fr. Tasköprü will? Will Sie Öffentlichkeit, dann kriegt sie sie jetzt nicht. Will sie ihren toten Bruder zurück, dann kriegt sie den auch nicht. Und wenn sie einen Kotau nach fernöstlicher Manier haben will, dann kriegt sie den erst recht nicht, weil der in unserer Kultur nicht üblich ist. Man kann über Gauck denken, wie man will, aber Gauck ist nicht einmal politisch für diese Vorgänge verantwortlich, geschweige denn persönlich.

    Und einen Zivilcouragepreis würde ich Fr. Tasköprü auch nicht verleihen, denn dafür, dass man den Bundespräsidenten brüskiert, braucht man in unserem Land glücklicherweise keine Zivilcourage.

    Alles, was die Hinterbliebenen der Opfer haben können, ist eine symbolische Entschuldigung der politisch Verantwortlichen und eine Zusage, dass man sich bemühen wird, derlei in Zukunft zu verhindern. Ob das gelingt, weiß niemand. Um sicher zu gehen, bräuchten wir eine völlig anders gestrickte Gesellschaft – und wer weiß, welchen Bockmist die fabrizieren würde?
    Das heißt natürlich keinesfalls, dass uns gesellschaftlicher Wandel nicht gut täte.

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