Angehörige von NSU-Terror-Opfer lehnt Gaucks Einladung ab

Joachim Gauck

Joachim Gauck

Eine deut­sche Delegation war die­ser Tage in der Türkei, um dort zu erklä­ren, wes­halb die Aufarbeitung der NSU-Morde so lange dau­erte. Der Ausschussvorsitzende Sebastian Edathy (SPD) “nannte in die­sem Zusammenhang vor­ur­teils­be­haf­tete Ermittlungen, eine Unterschätzung des Rechtsextremismus und man­gelnde Kooperation der Behörden.” als Ursachen.

Das ist - zwar sehr vor­sich­tig aus­ge­drückt - immer­hin eine kor­rekte Aussage. Das, was im Zusammenhang mit den NSU-Morden gesche­hen ist, kann kaum noch unter  “vor­ur­teils­be­haf­tete Ermittlungen, eine Unterschätzung des Rechtsextremismus und man­gelnde Kooperation der Behörden” sub­su­miert wer­den. Auch von einem “Versagen der Ermittlungsbehörden” zu spre­chen, wäre ein Euphemismus. Wenn man das Kind beim Namen nen­nen würde, dann würde man sagen, dass hier das BKA und alle ande­ren Ermittlungsbehörden “auf dem rech­ten Auge blind” waren (und es wohl teil­weise noch immer sind). [Genaueres dazu bei Prof. Dr. Hajo Funke]

Wie die Deutsche Welle wei­ter mit­teilt, will Bundespräsident Joachim Gauck am Montag mit Familienangehörigen der Opfer zusam­men kom­men. “Mit der Begegnung in Berlin will er Unterstützung und Solidarität demons­trie­ren.” Auch “unsere” Kanzlerin will irgend­wann in den nächs­ten Wochen mit den Angehörigen spre­chen. Vermutlich ver­spricht sie sich davon ein paar schöne, herz­er­grei­fende Bilder in ihren Hauspostillen aus dem Hause Springer. Denn ernst neh­men kann man das wohl kaum - nach der “Pannenserie” bei den Ermittlungen und bei die­sem gro­ßen zeit­li­chen Abstand.

Als Opferverbände for­der­ten, dass sich die Bundesregierung mit den Angehörigen trifft und sich dafür ent­schul­digt, die Opfer öffent­lich zu Tätern sti­li­siert zu haben… da lehn­ten sowohl Gauck als auch Merkel ab.

Doch nun leh­nen die Opfer solch ein Treffen ab!

Die Schwester des ermor­de­ten Süleyman Tasköprü [äußerte] Zweifel am Sinn des für Montag geplan­ten Gesprächs.

“Auch Ihnen, Herr Bundespräsident Gauck, ist mein Bruder doch nur wich­tig, weil die NSU ein poli­ti­sches Thema ist”, schrieb sie. “Glauben Sie, es hilft mir, wenn Sie betrof­fen sind?”

Dieser Frau, Aysen Tasköprü, sollte der nächste Preis für Zivilcourage ver­lie­hen wer­den! Wobei: auch der wird ja vom Gauckler ver­ge­ben…

Nic

Nachtrag: der Brief von Aysen Tasköprü ist bei publikative.org im Wortlaut ver­öf­fent­licht.

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1 Comment

  1. Nun, es kommt dar­auf an, was Fr. Tasköprü will? Will Sie Öffent­lich­keit, dann kriegt sie sie jetzt nicht. Will sie ihren toten Bruder zurück, dann kriegt sie den auch nicht. Und wenn sie einen Kotau nach fern­öst­li­cher Manier haben will, dann kriegt sie den erst recht nicht, weil der in unse­rer Kultur nicht üblich ist. Man kann über Gauck den­ken, wie man will, aber Gauck ist nicht ein­mal poli­tisch für diese Vorgänge ver­ant­wort­lich, geschweige denn per­sön­lich.

    Und einen Zivilcouragepreis würde ich Fr. Tasköprü auch nicht ver­lei­hen, denn dafür, dass man den Bundespräsidenten brüs­kiert, braucht man in unse­rem Land glück­li­cher­weise keine Zivilcourage.

    Alles, was die Hinterbliebenen der Opfer haben kön­nen, ist eine sym­bo­li­sche Entschuldigung der poli­tisch Verantwortlichen und eine Zusage, dass man sich bemü­hen wird, der­lei in Zukunft zu ver­hin­dern. Ob das gelingt, weiß nie­mand. Um sicher zu gehen, bräuch­ten wir eine völ­lig anders gestrickte Gesellschaft - und wer weiß, wel­chen Bockmist die fabri­zie­ren würde?
    Das heißt natür­lich kei­nes­falls, dass uns gesell­schaft­li­cher Wandel nicht gut täte.

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