
Petersplatz, gesehen von der Kuppel
des Petersdomes
Foto: Diliff, Wikipedia
WEIMAR. (fgw) In der aktuellen Diskussion um Erinnerungen und Enttäuschungen an das / nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-65) gerät die Catholica in Erklärungsnot. Jeder will aus den Texten lesen, was er will. Und jeder findet sich darin wieder und hat recht. Allen voran der Papst mit seiner pauschalen Aufforderung an alle „vom Christentum entfremdeten Menschen“, “nur mit notwendigem Gepäck” den Weg des Lebens zu bewältigen, selbst aber Prunk und Protz wie kaum ein anderer vor ihm zu pflegen.
von Georg Korfmacher
Der Ratzinger-Papst postuliert, „die Neuheit in der Kontinuität zu erfassen”, während sein Freund und Widersacher Hans Küng die Zeichen der Zeit verstehen … und mittelalterliches Kirchenrecht, mittelalterliche Theologie und mittelalterliche Liturgie im Mittelalter belassen möchte.
Was geht das, mag man sich fragen, einen Laizisten an? Nun, wenn das Haupt der Catholica der Welt „geistige Verwüstung” nachsagt und Glaubensfeindlichkeit unterstellt, muss man sich als aufgeklärter Mensch dazu äussern. Zeitzeuge Bischof Luigi Bettazzi erinnert sich noch lebhaft, dass Papst Johannes XXIII. die Sprachlosigkeit der Kirche gegenüber der modernen Welt überwinden wollte. Und einen der Gründe für diese immerwährende Sprachlosigkeit formuliert dieser Konzilsvater sehr spitz: „Die Kirche ist keine Demokratie, sondern Gemeinschaft. Und… „in dieser „Communio” gebührt der Hierarchie das letzte Wort.”
Und das hat der Papst. Wie ein Pfropf auf der Flasche hütet er Inhalt und Wahrheit und will uns als Theokrat vorschreiben, wo es in unserer Welt lang gehen soll. Und das seit 391, als die Catholica sich als Staatsreligion verweltlichte. Seitdem wogt und tobt Kampf und Streit zwischen Staat und Kirche um Meinungshoheit und Macht. In unserer Republik auf verschiedenen Gebieten bis heute.
Erst unsere aus der Aufklärung und der französischen Revolution mit grossen Wehen geborene Demokratie war stark genug, sich der Meinungshoheit der Catholica zu widersetzen und unsere westliche Welt nachhaltig zu verändern. Nach fast genau 1400 Jahren krachte es heftig. Napoleon legte mit der Säkularisation die Richtung fest. Die Dritte Republik machte dann ab 1871 mit der Laizität Nägel mit Köpfen, während die Catholica nördlich der Alpen an alten Zöpfen weiter flocht und Glaubensfreiheit und Demokratie als Wahnsinn und Häresie verschrie, die Laizität als Pest der Zeit.
Und dann dieses 2. Vatikanische Konzil mit ganz neuen Tönen zur Glaubensfreiheit, Ökumene und Aufbruch. Endlich die „Verheutigung” der Kirche, das „aggiornamento”. Aber der Papst von heute misstraut dem Geist des Konzils von damals. Zur Verblüffung seiner Parteigänger redet er jetzt unter Berufung auf die Säkularisation von „Entweltlichung”, lässt aber weitgehend offen, was genau er darunter versteht. Ein typischer Habitus der Catholica: vieles so sagen, dass man hinterher alles Mögliche darunter verstehen kann. Und damit befindet sich der Hüter der absoluten Wahrheit in einem peinlichen Dilemma und im Widerspruch zur eigenen Bibel: „Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein. Alles andere ist von Übel” (Mt 5,37).
Demokratie braucht jedoch zuverlässige Gesprächpartner für ihre stetige Weiterentwicklung. Die Catholica ist aber nach eigener Aussage eindeutig kein Hort der Demokratie.
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