Mittwoch , 22 Mai 2013
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50 Jahre II. Vaticanisches Konzil – Der Papst und sein Dilemma

Petersplatz, gesehen von der Kuppel des Petersdomes

Petersplatz, gesehen von der Kuppel
des Petersdomes
Foto: Diliff, Wikipedia

WEIMAR. (fgw) In der aktu­el­len Diskussion um Erinnerungen und Enttäuschungen an das / nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-65) gerät die Catholica in Erklärungsnot. Jeder will aus den Texten lesen, was er will. Und jeder fin­det sich darin wie­der und hat recht. Allen voran der Papst mit sei­ner pau­scha­len Aufforderung an alle „vom Christentum ent­frem­de­ten Menschen“, “nur mit not­wen­di­gem Gepäck” den Weg des Lebens zu bewäl­ti­gen, selbst aber Prunk und Protz wie kaum ein ande­rer vor ihm zu pfle­gen.

von Georg Korfmacher

Der Ratzinger-Papst pos­tu­liert, „die Neuheit in der Kontinuität zu erfas­sen”, wäh­rend sein Freund und Widersacher Hans Küng die Zeichen der Zeit ver­ste­hen … und mit­tel­al­ter­li­ches Kirchenrecht, mit­tel­al­ter­li­che Theologie und mit­tel­al­ter­li­che Liturgie im Mittelalter belas­sen möchte.

Was geht das, mag man sich fra­gen, einen Laizisten an? Nun, wenn das Haupt der Catholica der Welt „geis­tige Verwüstung” nach­sagt und Glaubensfeindlichkeit unter­stellt, muss man sich als auf­ge­klär­ter Mensch dazu äus­sern. Zeitzeuge Bischof Luigi Bettazzi erin­nert sich noch leb­haft, dass Papst Johannes XXIII. die Sprachlosigkeit der Kirche gegen­über der moder­nen Welt über­win­den wollte. Und einen der Gründe für diese immer­wäh­rende Sprachlosigkeit for­mu­liert die­ser Konzilsvater sehr spitz: „Die Kirche ist keine Demokratie, son­dern Gemeinschaft. Und… „in die­ser „Communio” gebührt der Hierarchie das letzte Wort.”

Und das hat der Papst. Wie ein Pfropf auf der Flasche hütet er Inhalt und Wahrheit und will uns als Theokrat vor­schrei­ben, wo es in unse­rer Welt lang gehen soll. Und das seit 391, als die Catholica sich als Staatsreligion ver­welt­lichte. Seitdem wogt und tobt Kampf und Streit zwi­schen Staat und Kirche um Meinungshoheit und Macht. In unse­rer Republik auf ver­schie­de­nen Gebieten bis heute.

Erst unsere aus der Aufklärung und der fran­zö­si­schen Revolution mit gros­sen Wehen gebo­rene Demokratie war stark genug, sich der Meinungshoheit der Catholica zu wider­set­zen und unsere west­li­che Welt nach­hal­tig zu ver­än­dern. Nach fast genau 1400 Jahren krachte es hef­tig. Napoleon legte mit der Säkularisation die Richtung fest. Die Dritte Republik machte dann ab 1871 mit der Laizität Nägel mit Köpfen, wäh­rend die Catholica nörd­lich der Alpen an alten Zöpfen wei­ter flocht und Glaubensfreiheit und Demokratie als Wahnsinn und Häresie ver­schrie, die Laizität als Pest der Zeit.

Und dann die­ses 2. Vatikanische Konzil mit ganz neuen Tönen zur Glaubensfreiheit, Öku­mene und Aufbruch. Endlich die „Verheutigung” der Kirche, das „aggior­na­mento”. Aber der Papst von heute miss­traut dem Geist des Konzils von damals. Zur Verblüffung sei­ner Parteigänger redet er jetzt unter Berufung auf die Säkularisation von „Entweltlichung”, lässt aber weit­ge­hend offen, was genau er dar­un­ter ver­steht. Ein typi­scher Habitus der Catholica: vie­les so sagen, dass man hin­ter­her alles Mögliche dar­un­ter ver­ste­hen kann. Und damit befin­det sich der Hüter der abso­lu­ten Wahrheit in einem pein­li­chen Dilemma und im Widerspruch zur eige­nen Bibel: „Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein. Alles andere ist von Übel” (Mt 5,37).

Demokratie braucht jedoch zuver­läs­sige Gesprächpartner für ihre ste­tige Weiterentwicklung. Die Catholica ist aber nach eige­ner Aussage ein­deu­tig kein Hort der Demokratie.

Erstveröffentlichung: Freigeist Weimar]

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

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