Mittwoch , 19 Juni 2013
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Keine Ingenieure in Kultusministerkonferenz, aber Theologen

WEIMAR. (fgw) Am 18. Oktober ver­öf­fent­lichte die “Thüringer Allgemeine” einen Leserbrief aus Ilmenau, unter­schrie­ben mit Prof. Dr. Hartmut Witte. Ilmenau ist Standort einer renom­mier­ten Technische Universität. Der Schreiber bezieht sich auf einen Artikel in die­ser Zeitung “Professoren trau­ern dem Diplom nach, Kultusminister Matschie hält dage­gen” vom 12. Oktober 2012.

Kultus und Unterricht

Der Titel des Amtsblattes
eines Kultusministeriums spricht
für sich: Kultus (also Religion)
steht an erster Stelle, erst dann
kommt der Unterricht.

In dem Leserbrief heißt es u.a.:

“Wenn man den Sachargumenten der Professoren nichts ent­ge­gen­zu­hal­ten hat, schiebt man’s halt ins Gefühlsduselige. ‘Trauern’ soll hei­ßen ‘die sind rück­wärts­ge­wandt’. Diese Diffamierung ist von den Spin-Doktoren der Bildungspolitik cle­ver auf­ge­baut wor­den und wird nach zehn Jahren Propaganda [gemeint ist die Umstellung der Studiengänge vom Diplom auf Bachelor und Master; SRK] heute bereits als angeb­li­che Tatsache von den Medien unter­stellt.

‘Trauern’ passt als Begriff aber viel bes­ser zum poli­ti­schen Entscheider-Gremium, der Kultusministerkonferenz. In die­ser sit­zen zwar Theologen, aber weder Ingenieure noch Naturwissenschaftler. Dennoch wis­sen diese Experten bes­ser als die rück­wärts­ge­wand­ten (frü­her nannte man das ‘erfah­rene’) Professoren, wie man Ingenieure aus­bil­det.

Dementsprechend wird der Theologe Matschie, wie im Leitartikel reflex­ar­tig her­vor­ge­ho­ben, keine Häresie zulas­sen.”

Der Herr Professor hat zwar Recht und ihm ist voll und ganz zuzu­stim­men, den­noch sei ein Einwand gestat­tet. Er kri­ti­siert die bun­des­deut­sche Kultusministerkonferenz als sol­che und daß darin Theologen sit­zen.

Doch wenn man Kultus im Wortsinne nimmt, dann gibt es nichts an den Entscheidungen die­ser Kultusministerkonferenz und auch an ihrer Zusammensetzung zu kri­ti­sie­ren.

Denn der Begriff Kultus bedeu­tet das Ressort der Religiösen Angelegenheiten, das frü­her in der deut­schen Monarchie mit dem Ressort Schulung in einem Kultusministerium zusam­men­ge­faßt war. Zumal ja sei­ner­zeit der Staat die Schulaufsicht in die Hände des Klerus gelegt hatte.

Und trotz der seit 1919 ver­fas­sungs­ge­mäß gebo­te­nen Trennung von Staat und Kirche und der Trennung der Schule von der Kirche leben die Kultusminister und die Kultusministerien in der Bundesrepublik Deutschland unge­bro­chen wei­ter. Man schaue doch bloß mal ins Grundgesetz, die­ses benennt ein­zig den Religionsunterricht als ordent­li­ches Lehrfach an öffent­li­chen Schulen. (Art.7). Und in nicht weni­gen Landesverfassungen ist sogar als obers­tes Erziehungsziel “die Ehrfurcht vor Gott” fest­ge­schrie­ben. Folglich sind Mathematik, Naturwissenschaften etc. ganz offi­zi­ell zweit­ran­gig…

Also sind die bun­des­deut­schen Kultusminister, wenn sie denn sogar Theologen sind, streng genom­men nicht für die qua­li­fi­zierte Ausbildung von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren zustän­dig, dafür sind sie aber wegen ihres christ­li­chen Glaubens all-kompetent.

Weitere Schlußfolgerungen aus dem Leserbrief möge jeder selbst zie­hen…

Im übri­gen, der Leserbriefschreiber ist keine nör­gelnde SED-Altlast, wie manch einer ob sei­ner kla­ren Worte ver­mu­ten könnte. Zur Person des 1961 in Wanne-Eickel Geborenen gibt z.B. die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig fol­gende Auskunft: Hartmut Friedrich Witte, Prof. Dr. med. habil., Dipl.-Ing., Professor für Biomechatronik an der Technischen Universität Ilmenau, Ordentliches Mitgliedes die­ser Akademie in der Technikwissenschaftlichen Klasse.

[Erstveröffentlichung: Freigeist Weimar]

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

Ein Kommentar

  1. Dualismus Theorie und Praxis. Zunächst wird Theorie immer­noch wie im Mittelalter mit Theologie gleich­ge­setzt. Wir haben kei­nen Fachkräftemangel, son­dern eine Tradition, die­sen Kräften keine Chance zu geben. Ihnen bleibt das über­qua­li­fi­zierte Ehrenamt oder lie­ber gleich Dr.-BWL zur Vollendung des Gotteswerkes statt Dipl.-Ing. mit ethi­scher Grundausbildung. Richtige Unbegabtenförderung s. Dr. Schavan, Fachkraft für Gewissen und Seele. 1/2 Gewissen + 1/2 Seele = 1 Gott. Diese Grundrechenart zu beherr­schen, reicht für einen Heiligenschein im Kultusministerium.

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