Dieter Hundt ist nicht nur gegen die Abschaffung der Praxisgebühr, der Arbeitgeberpräsident will sie sogar bei jedem Arztbesuch einkassieren. Dann würden unnötige Arztbesuche vermieden, argumentiert Hundt.
Handelsblatt
Ich bin ja sonst nicht so – aber ich wünsche dem Mann zwei Dinge:
- ein durchschnittliches Gehalt
- eine langwierige Krankheit
Nic
Nics Bloghaus
Das Problem ist, dass Du Recht hast, aber Hundt auch. Es gibt viele einsame alte Menschen, überwiegend Frauen, die einfach das Gespräch und die Nähe zu anderen suchen. Da bietet sich das volle Wartezimmer und – als Krönung – der »Doktor« an. So verständlich die Gründe dieser Menschen sind, sie belasten den ärztlichen Etat und damit die Kasse. Andererseits gibt es jene bedauerlichen Menschen, die aufgrund naturgegebener schwächlicher Konstitution langwierige bis chronische Beschwerden haben und gezwungen sind, regelmäßig den helfenden Arzt aufzusuchen. Wie soll man da differenzieren? Soll infolge immer längeren Lebens aufgrund hilfreicher Medikamente und Operationsmöglichkeiten einerseits und immer geringer werdender Einzahlungen – nicht zuletzt wegen einer Vielzahl Geringverdiener – das Gesundheitssystem nicht kollabieren, dann müssen hier Verfahren gefunden werden, die wirklich Bedürftigen von jenen zu scheiden, die sich auf andere Weise helfen könnten. Man erlebe – aufgrund eigener Erfahrungen – die Gesundheitssysteme in Frankreich oder England – und wird sich freuen, in Deutschland zu leben.
Ich weiß, Uwe, die sitzen auch bei meinem Hausarzt im Wartezimmer: alte Leute, die offensichtlich keine Bekannten oder Verwandten haben und den Arzt “mißbrauchen”, um zu reden. Aber mal ehrlich: wie viele sind das und wie vielen wird von Hundt hier unterstellt, sich krank schreiben zu lassen ohne Grund? Nicht vergessen: der Mann vertritt die Arbeitgeber…
Ich habe selbst erleben müsse, wie eine Kollegin, die schwer an Krebs erkrankt war, vom Arbeitgeber zum Amtsarzt geschickt wurde… sie hätte ja “betrügen” können. Die Frau war zu dem Zeitpunkt nicht einmal transportfähig sondern stationär in Behandlung: mit einer frischen OP hinter sich.
Das hat den Arbeitgeber seinerzeit nicht einmal interessiert… Deshalb halte ich Hundts Bemerkung für absolut kritikwürdig.