Hier wird ein Buch angekündigt, dass sich (für mich) sehr interessant anhört: “Frauen ohne Männer” von Shahrnush Parsipur.
Shahrnush Parsipurs Buch „Frauen ohne Männer“ macht einen geradezu aberwitzigen Vorschlag, wie man größtem Leid und politischer Bedrängnis begegnen kann: mit Schönheit und Poesie. (Shahrnush Parsipur: „Frauen ohne Männer“; aus dem Farsi von Jutta Himmelreich; Bibliothek Suhrkamp, Berlin 2012; 137 Seiten, 19,95 Euro) Die Autorin kann sich dabei auf Traditionen der persischen Literatur berufen, die zweieinhalbtausend Jahre zurückreichen. Davon verstehen wir nichts. Beim Lesen können wir nur staunen vor den dreisten Brüchen und Wendungen der Erzählung. Oft sind sie von geradezu clownesker Komik.
Der Titel ist eine bewusste Umkehrung von Hemingways „Männer ohne Frauen“. Das Buch spielt im Iran der fünfziger Jahre. Es gibt darin eine Frau, die aus Weltekel und Enttäuschung beschließt, ein Baum zu werden. Sie rammt sich in die Erde und schlägt Wurzeln. Im Garten rund um diesen Menschenbaum finden sich andere Frauen ein, Männerflüchtige und Vertriebene, ein kleines Häuflein, das dort einen Sommer verbringt. Eine von ihnen ist schon zweimal gestorben, was ihren Blick auf die Welt natürlich prägt. Eine andere wird in der Schwangerschaft durchsichtig: „ganz kristallen …, transparent, eins mit dem Licht“. Alle haben Tragisches erlebt – Ehrenmord, Vergewaltigungen –, aber sie sind keine Herzchen, und nach der Zeit im verzauberten Garten leben sie wieder ganz normale kleine Leben und arrangieren sich.
Cicero
Nics Bloghaus