Samstag , 18 Mai 2013
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Gilt Kunstfreiheit auch für schlechte Filme?

Screenshot aus "Die Unschuld der Muslime"

Screenshot aus “Die Unschuld der Muslime”

Den letz­ten Sätzen mei­nes gest­ri­gen Artikels wider­spricht nicht nur Schmidt-Salomon in der heu­ti­gen GBS-Stellungnahme; son­dern auch einige mei­ner Kommentatoren.

Nun gut, werde ich ein klit­ze­klei­nes biss­chen kon­kre­ter: ich bin nicht grund­sätz­lich und gene­rell dafür, die­ses Machwerk zu ver­bie­ten. Das ganz sicher nicht. Denn es ist ja rich­tige, was Schmidt-Salomon sagt: “Es wäre ein fata­les Zeichen, würde die west­li­che Welt aus Rücksicht auf die ver­letz­ten Gefühle reli­giö­ser Fundamentalisten ihre eige­nen Wertmaßstäbe ver­ra­ten!”. Und das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf freie Kunstausübung sind wich­tige und nicht dis­ku­tier­bare Rechte.
Rechte, die im Zuge der Aufklärung gerade auch gegen die Religionen durch­ge­setzt wor­den sind. Das darf nicht aufs Spiel gesetzt wer­den.

Soweit, so rich­tig.

Wo ich aber vehemt wider­spre­chen möchte: Was das Video “Die Unschuld der Muslime” mit dem gran­dio­sen Filmwerk „Das Leben des Brian“ von Monty Python oder dem Roman „Die sata­ni­schen Verse“ von Salman Rushdie zu tun hat, erschließt sich mir schon allein aus künst­le­ri­scher Sicht nicht. Das eine sind groß­ar­tige Werke der Weltliteratur, das andere ist Schund.

Doch auch davon abge­se­hen: Wenn sich die Rechtspopulisten von Pro-Deutschland nun auf­ma­chen wol­len und den Mohammed-Film zei­gen wol­len; dann tun sie das ganz sicher nicht (wie eben Monty Python oder auch Salman Rushdie), um den Islam als Religion sub­stan­ti­ell zu kri­ti­sie­ren. Sondern allein aus einer men­schen­ver­ach­ten­den und islam­feind­li­chen Grundhaltung – man kann auch Hetze dazu sagen.
Und des­halb meine ich, dass die Aufführung nicht des Filmes an sich, aber die Aufführung des Filmes durch die Schwachköpfe von Pro-Deutschland ver­bo­ten wer­den sollte.

Hier ist mir die Haltung des HVD die­ses mal näher als die der GBS:

Natürlich steht es in einem demo­kra­ti­schen Land allen Menschen und Gruppierungen frei, im Rahmen der Gesetze auch abso­lu­ten Unsinn oder Provokantes öffent­lich zu ver­brei­ten. Während aller­dings reli­gi­ons­kri­ti­sche Karikaturen auf­klä­ren­den Charakter haben und zuge­spitzt auf Menschenrechtsverletzungen hin­wei­sen kön­nen, soll mit die­sem Film aus­schließ­lich zur Islamfeindlichkeit ange­sta­chelt wer­den. Das ist mit unse­ren Grundwerten von Toleranz gegen­über allen Welt- und Lebensauffassungen nicht ver­ein­bar.

wird der Präsident des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, Norbert Kunz, zitiert.

Nic

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

4 Kommentare

  1. Und wer würde statt­des­sen dafür sor­gen, dass der Inhalt nicht wei­ter tabui­siert, son­dern unter päd­ago­gi­scher ethi­scher Anleitung in Schulen bespro­chen wird? Der HVD?

    Oder auch AHs Mein Kampf (grau­en­hafte Literatur eines trau­ma­ti­sier­ten Psychopathen). Oder glaubt jemand, dass das Buchverbot zur Entnazifizierung der noch leben­den Generationen beige­tra­gen hat? Ich habe in Berlin die kom­men­tar­lose aus­zugs­weise Buchlesung in einem klei­nen Privatkino durch Helmut Qualtinger erle­ben dür­fen. Küstlerisch her­vor­ra­gend, der Inhalt hat sich dadurch nach­hal­tig als Dünnschiss selbst ent­larvt. Das wäre für into­le­rante Recht(s)gläubige ja noch gefühls­be­lei­di­gen­der gewe­sen.

    Was ver­bo­ten ist, macht uns scharf (Wolf Biermann).

  2. Der Verfassungsschutz ent­larvt sich selbst und ges­tern bei Maischberger wird Koran-Exegese betrie­ben. Wenn Alice Schwarzer auf die Lösung Säkularisierung hin­weißt, wird das geflis­sent­lich über­pa­la­vert.

    Eine Konzentration auf das Kriterium “künst­le­ri­sches Niveau” führt zur lächer­li­chen frei­wil­li­gen Selbstkontrolle der Filmindustrie. “Das Schweigen” von Ingmar Bergman und Oswald Kolles sexu­elle Aufklärungsversuche beide ab 18 Jahren. Was zuvor ver­bo­ten war, wurde unter Protest wenigs­tens gesetz­lich erlaubt. Zurück in das tabui­sierte obrig­keits­hö­rige Mittelalter der hei­li­gen Verbrecher von Gottes Gnaden durch fal­sche Rücksichtnahme.

    .Steinzeit.

  3. Es gibt auch Erfreuliches zu berich­ten, lei­der nicht aus Deutschland. Auch das hat seine trau­ma­ti­sche Mythen-Ursache.
    http://blasphemieblog2.wordpress.com/2012/09/19/wutende-muslime-reagieren-mit-humor/#comments

  4. Auch Blasphemie lässt sich top­pen, wo bleibt die Gefühlsempörung der Sonnenfreunde?
    http://blasphemieblog2.wordpress.com/2012/09/23/tv-tipp-heute-um-2145-die-mondverschworung-auf-3sat/#comments

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