Dienstag , 21 Mai 2013
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“Aufstände” in der islamischen Welt

zündeln (Fotomontage)In den letz­ten Tagen machte die isla­mi­sche Welt wie­der mit Schlagzeilen auf sich auf­merk­sam. Dieses Mal aller­dings nicht mit revo­lu­tio­nä­ren Parolen, son­dern mit Protesten gegen die USA und andere west­li­che Länder. Warum? Was war gesche­hen?

Im fer­nen Amerika dreht irgend­ein ehe­ma­li­ger Pornoproduzent im Auftrag evan­ge­li­ka­ler Christen ein grot­ten­schlech­tes Video und stellt Teile davon ins Netz. Tage, ja Wochen spä­ter wird das zum ver­meint­li­chen Anlass genom­men für einen neuen “Aufstand” in der isla­mi­schen Welt. Ein Vorgehen, dass genau dem Muster im Karikaturenstreit ent­spricht.

Hier wie da wird eine ziem­lich dumme – nichts­des­to­trotz legi­time – Meinungsäußerung eines Einzelnen zu einer Aussage des gesam­ten “Westens” her­auf­sti­li­siert. Und – wie damals – mit erheb­li­cher Zeitverzögerung. Es ist kein Zufall, dass die blu­ti­gen Proteste am elf­ten September “aus­bra­chen”. Dieses Datum wird nicht nur im Westen als his­to­risch erin­nert.

Etliche Tage spe­ku­lier­ten die Medien noch über die Macher des Videos und des­sen Hintermänner sowie über die, die die “Aufstände” plante. Denn schon allein die Tatsache, dass die “Protestierenden” mit Panzerfäusten und Handgranaten bewaff­net waren, spricht gegen die ers­ten Vermutungen, dass es sich um spon­tane Proteste han­deln könnte. Und so lag es nicht fern, dass bald die Agenturen mel­de­ten, dass hin­ter allem Al-Kaida ste­cken würde; eine These, die bis­her noch nicht bewie­sen wer­den konnte.

Dabei wurde nur eines klar; vor allem, wenn man die Stimmen hörte, die in diverse Kameras spra­chen: die ara­bi­sche Revolution hat noch längst nicht geschafft, den Menschen nahe­zu­brin­gen, was es mit der Demokratie auf sich hat. Denn wenn in den “Stimmen von der Straße” gefor­dert wird, dass die USA schon das Drehen des Filmes hätte ver­bie­ten sol­len, dann zeigt das vor allem eines: dass das Recht auf freie Meinungsäußerung noch nicht ver­stan­den wird. Umso weni­ger das Recht auf künst­le­ri­sche Freiheit. Hier wird es noch eines lan­gen Lernprozesses bedür­fen.

Der Film in sei­ner pri­mi­ti­ven und rein pro­vo­ka­to­ri­schen Botschaft hat genau dass erreicht, was er errei­chen wollte: Er wird von ebenso ein­fach gestrick­ten Religioten dazu miss­braucht, die Werte der Demokratie in Misskredit zu brin­gen.

Das scheint das wirk­lich Gefährliche an die­ser bri­san­ten Situation zu sein. Es macht Angst zu wis­sen, dass es nur eini­ger Weniger an den poli­ti­schen Außenrändern der Gesellschaft benö­tigt, um Unruhe in die Gesellschaft zu brin­gen. Was nicht nur die vor­sich­ti­gen Demokratisierungsversuche im Nahen Osten gefähr­det; son­dern auch den Westen daran zwei­feln las­sen könnte, dass die­ser lange Weg zur Demokratie von isla­mi­schen Staaten gegan­gen wer­den kann.

Wenn Hamed Abdel-Samad in einen Interview sagt: “Wir müs­sen die Erziehung zum Hass in der mus­li­mi­schen Welt end­lich stop­pen” dann gilt das auch in gewis­sem Umfange für die andere Seite. Insofern ist es aus­nahms­weise ein­mal rich­tig, wenn Innenminister Friedrich erklärt, die Aufführung des Filmes ver­hin­dern zu wol­len. Denn Demokratie bedeu­tet auch, sie zu schüt­zen.

Nic

[Erstveröffentlichung: hpd]

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

6 Kommentare

  1. Wenn Verständnis zum Einverständnis mutiert. Der Schuss geht wohl nach hin­ten los, stink­nor­male Prozessregelung oder Geschichtswiederholung? Erfreulich wun­der­lich wenn auch mit Klimmzügen aus­nahms­weise die Linken und Grünen, Chapeau.

    Georg Kreisler ist wohl grö­ße­rer Prophet als Mohammed:
    http://www.youtube.com/watch?v=518OQzkKhzw

    Ich bin hier­für:
    http://giordanobrunostiftung.wordpress.com/2012/09/17/kunstfreiheit-gilt-auch-fur-schlechte-filme/

  2. Schon die Wahl der letz­ten bei­den BP`s war ein Missgriff in die Trickkiste der Evolution und ein schlech­ter Witz der Politikerkaste. Ein Symptom der Unbegabtenförderung. Der Islam gehört zu Deutschland? Nein, aber die Menschen die hier leben und sich inter­grie­ren wol­len und sich freuen, einer mit­tel­al­ter­li­chen Hackordnung ent­ron­nen zu sein. In der Hoffnung hier ein bes­se­res Leben zu fin­den. Der §166 fällt ihnen in den Rücken.

    Noch ein Smptom wofür das GG und die Informationsgesellschaft stra­pa­ziert wird:
    http://jennifernathalie.blogspot.de/2012/09/dont-cry-for-me-bettina.html

  3. Durch Aufführungsverbote schützt man die Demokratie nicht. Eine sol­che Maßnahme führt ledig­lich dazu, dass letz­ten Endes der Mob auf ara­bi­schen Straßen ent­schei­det wo bei uns die Meinungsfreiheit auf­hört.

  4. Wie Ulf. Natürlich nur vor­ge­scho­ben, wie Verjährungsfristen im Missbrauchsfalle. Gegen fal­sche Rücksichtnahme, alleine in die phi­lo­so­phi­sche Nähe von Spaemann gerückt zu weden, belei­digt mein aller­hei­ligs­tes Gefühl noch­mehr aber mei­nen Vestand:
    http://blasphemieblog2.wordpress.com/2012/09/18/erneue-debatte-uber-den-umgang-mit-gotteslasterung/#comments

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