Zeitungen / Foto: Jeger (pixelio.de)
Gestern hat das Bundeskabinett die geplante “Lex Google” auf den Weg gebracht. Dass es sich dabei um ein völlig hirnrissiges Gesetz handelt, das eher zeigt, dass die Regierung nichts vom Internet, seinen Möglichkeiten und seinen Chancen, versteht und vor allem auch zeigt, wie sehr das Gesetz von den Lobbyisten der Verleger geschrieben wurde; all das interessiert diese offensichtlich lernbefreite Regierung nicht.
Nun ja, dann schicken wir halt Deutschland wieder zurück ins 19. Jahrhundert: so schön mit Papierzeitung und die Meinungsfreiheit fest in den Händen weniger Verleger. Es ist abzusehen, dass diese sich in den kommenden Jahren bei der schwarz-gelben Regierung durch Speichelleckerei und unkritischen Journalismus auszeichnen werden.
Wenn sich dann ein Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) noch dazu hinreißen lässt, das neue Recht als “wichtiges Signal für den Schutz des geistigen Eigentums auch im Internet” dazustellen, stellt sich mir nur noch die Frage, ob der Mann weiß, wovon er redet. Wenn sich Nachrichtenagenturen an Bildern und Videos aus sog. “Krisengebieten” frei bedienen: wo bleibt dann das “geistige Eigentum” der Ersteller der Videos oder der Fotos? Egal, sind es doch hier die Medienhäuser und Verleger, die sich frei bedienen und Geld mit fremden Content verdienen.
Wenn Google nicht völlig blöde ist, schmeißt es all die Verlagshäuser aus seinen Suchmaschinen. Sollen die doch sehen, wie sie ihre käuflichen Meinungen an den Mann oder die Frau bekommen. Und in den GoogleNews finden sich dann nur noch Blogartikel und unter cc-Lizenz stehende Texte und Fotos. Mir wäre es Recht.
Wen der Gesetzentwurf – neben den Verlegern natürlich – am meisten erfreuen wird, sind die Abmahnanwälte. Die polieren schon ihre Gesetzbücher und bringen die Kugelschreiber in Stellung. Denn ich traue dem Frieden nicht, dass das Gesetz – wie in allen Medien betont – Blogger nicht betreffen soll. Dazu schreit mir die Bande einfach zu laut.
Doch ganz egal, was passiert – ich verlinke hier nicht mehr auf deutsche Medien – das habe ich in den letzten Wochen schon nicht gemacht und es hat nicht geschadet. Auch wenn dabei etwas passiert, das Thomas Knüver “Entnetzung” nennt - und mich irgendwie an ein freiwillig beschnittenes Internat a lá Iran erinnert (wobei es dort nicht freiwillig geschieht). Ob ich diesen Verzicht auch bei Twitter und Facebook durchhalten werde…?
Wenn man dann noch bedenkt, wie die großen Verlage mit ihren Journalisten umgehen, welche Zeilengelder sie zahlen… dann kommt einem wirklich das Essen von letzter Woche wieder hoch. Robert Basic berichtet über einen Fall der für viele steht. Da ich nicht so weit von dieser Berufsgruppe entfernt bin, weiß ich, wovon hier die Rede ist.
Da bekommen einige wenige einfach den Hals nicht voll… aber mit der “Lex Google” haben sie sich selbst den Hahn zugedreht. Wetten?
Nic
Nics Bloghaus
“das eher zeigt, dass die Regierung nichts vom Internet, seinen Möglichkeiten und seinen Chancen, versteht”. Da bin ich anderer Meinung. Dumm ist die nicht, nur von vorgestern. Sie versteht sehr wohl, dass dem unkontrollierbaren Entdeckeln von Lug und Trug durch die neue Informationsmöglichkeiten Einhalt geboten werden muss. Da waren und sind religiöse Gemeinschaften die treueren Partner als Nichtmafiaangehörige und wehrhafte Demokratieverteitiger. Und das Rechtwesen vollführt einen Eiertanz um die “Würde” von gefühlsbeleidigten Vertuschern.
Auch wenn die Regierenden nicht dumm sind; sie benehmen sich so…
Richtig, weil sie Teil der Schwarmdummheit (oben und unten) sind.
> Doch ganz egal, was passiert – ich verlinke hier nicht mehr auf deutsche Medien –
Vielleicht ist das dem Springer-Verlag gar nicht so unrecht. Ich könnte mir vorstellen, daß er gerade in der Verlinkung ein Problem sieht, denn diese mindert sowohl seine Deutungshoheit über Inhalte, also auch die Steuerbarkeit der (ver)öffentlichen Meinung. Die Verlinkung ist die Ursache der Auflösung der einst eindeutigen klassischen Sender-Empfänger-Beziehung. Heute kann tatsächlich jeder Sender und Empfänger zum gleichen Zeitpunkt sein, aber die Mehrheit ist weiterhin nur Empfänger und genau diese soll soweit als mgl. nicht durch verlagsfremde Aussagen beeinflusst werden. Insofern wäre dem Springer-Verlag als treibende Kraft hinter dem LSR eine Entnetzung durchaus recht. Ob der Plan aufgeht, steht auf einem anderen Blatt.