Freitag , 24 Mai 2013
Du bist hier: Startseite >> Gesellschaft >> Ein schwarzer Tag für das Internet in Deutschland

Ein schwarzer Tag für das Internet in Deutschland

Zeitungen / Foto: Jeger (pixelio.de)

Zeitungen / Foto: Jeger (pixelio.de)

Gestern hat das Bundeskabinett die geplante “Lex Google” auf den Weg gebracht. Dass es sich dabei um ein völ­lig hirn­ris­si­ges Gesetz han­delt, das eher zeigt, dass die Regierung nichts vom Internet, sei­nen Möglichkeiten und sei­nen Chancen, ver­steht und vor allem auch zeigt, wie sehr das Gesetz von den Lobbyisten der Verleger geschrie­ben wurde;  all das inter­es­siert diese offen­sicht­lich lern­be­freite Regierung nicht.

Nun ja, dann schi­cken wir halt Deutschland wie­der zurück ins 19. Jahrhundert: so schön mit Papierzeitung und die Meinungsfreiheit fest in den Händen weni­ger Verleger. Es ist abzu­se­hen, dass diese sich in den kom­men­den Jahren bei der schwarz-gelben Regierung durch Speichelleckerei und unkri­ti­schen Journalismus aus­zeich­nen wer­den.

Wenn sich dann ein Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) noch dazu hin­rei­ßen lässt, das neue Recht als “wich­ti­ges Signal für den Schutz des geis­ti­gen Eigentums auch im Internet” dazu­stel­len, stellt sich mir nur noch die Frage, ob der Mann weiß, wovon er redet. Wenn sich Nachrichtenagenturen an Bildern und Videos aus sog. “Krisengebieten” frei bedie­nen: wo bleibt dann das “geis­tige Eigentum” der Ersteller der Videos oder der Fotos? Egal, sind es doch hier die Medienhäuser und Verleger, die sich frei bedie­nen und Geld mit frem­den Content ver­die­nen.

Wenn Google nicht völ­lig blöde ist, schmeißt es all die Verlagshäuser aus sei­nen Suchmaschinen. Sollen die doch sehen, wie sie ihre käuf­li­chen Meinungen an den Mann oder die Frau bekom­men. Und in den GoogleNews fin­den sich dann nur noch Blogartikel und unter cc-Lizenz ste­hende Texte und Fotos. Mir wäre es Recht.

Wen der Gesetzentwurf – neben den Verlegern natür­lich – am meis­ten erfreuen wird, sind die Abmahnanwälte. Die polie­ren schon ihre Gesetzbücher und brin­gen die Kugelschreiber in Stellung. Denn ich traue dem Frieden nicht, dass das Gesetz – wie in allen Medien betont – Blog­ger nicht betref­fen soll. Dazu schreit mir die Bande ein­fach zu laut.

Doch ganz egal, was pas­siert – ich ver­linke hier nicht mehr auf deut­sche Medien – das habe ich in den letz­ten Wochen schon nicht gemacht und es hat nicht gescha­det. Auch wenn dabei etwas pas­siert, das Thomas Knüver “Entnetzung” nennt - und mich irgend­wie an ein frei­wil­lig beschnit­te­nes Internat a lá Iran erin­nert (wobei es dort nicht frei­wil­lig geschieht). Ob ich die­sen Verzicht auch bei Twitter und Facebook durch­hal­ten werde…?

Wenn man dann noch bedenkt, wie die gro­ßen Verlage mit ihren Journalisten umge­hen, wel­che Zeilengelder sie zah­len… dann kommt einem wirk­lich das Essen von letz­ter Woche wie­der hoch. Robert Basic berich­tet über einen Fall der für viele steht. Da ich nicht so weit von die­ser Berufsgruppe ent­fernt bin, weiß ich, wovon hier die Rede ist.
Da bekom­men einige wenige ein­fach den Hals nicht voll… aber mit der “Lex Google” haben sie sich selbst den Hahn zuge­dreht. Wetten?

Nic

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

4 Kommentare

  1. “das eher zeigt, dass die Regierung nichts vom Internet, sei­nen Möglichkeiten und sei­nen Chancen, ver­steht”. Da bin ich ande­rer Meinung. Dumm ist die nicht, nur von vor­ges­tern. Sie ver­steht sehr wohl, dass dem unkon­trol­lier­ba­ren Entdeckeln von Lug und Trug durch die neue Informationsmöglichkeiten Einhalt gebo­ten wer­den muss. Da waren und sind reli­giöse Gemeinschaften die treue­ren Partner als Nichtmafiaangehörige und wehr­hafte Demokratieverteitiger. Und das Rechtwesen voll­führt einen Eiertanz um die “Würde” von gefühls­be­lei­dig­ten Vertuschern.

    • Auch wenn die Regierenden nicht dumm sind; sie beneh­men sich so…

  2. Richtig, weil sie Teil der Schwarmdummheit (oben und unten) sind.

  3. > Doch ganz egal, was pas­siert – ich ver­linke hier nicht mehr auf deut­sche Medien –
    Vielleicht ist das dem Springer-Verlag gar nicht so unrecht. Ich könnte mir vor­stel­len, daß er gerade in der Verlinkung ein Problem sieht, denn diese min­dert sowohl seine Deutungshoheit über Inhalte, also auch die Steuerbarkeit der (ver)öffentlichen Meinung. Die Verlinkung ist die Ursache der Auflösung der einst ein­deu­ti­gen klas­si­schen Sender-Empfänger-Beziehung. Heute kann tat­säch­lich jeder Sender und Empfänger zum glei­chen Zeitpunkt sein, aber die Mehrheit ist wei­ter­hin nur Empfänger und genau diese soll soweit als mgl. nicht durch ver­lags­fremde Aussagen beein­flusst wer­den. Insofern wäre dem Springer-Verlag als trei­bende Kraft hin­ter dem LSR eine Entnetzung durch­aus recht. Ob der Plan auf­geht, steht auf einem ande­ren Blatt.

Scroll To Top