Komische Ideen haben die Kirchenoberen. Da fordert die Architektin und EKD-Ratsmitglied Gesine Weinmiller dringend den Bau von mehr Kirchen1. Man kann – denk ich – davon ausgehen, dass sie das nicht ganz uneigennützig tat; als Architektin stellt sie sich wahrscheinlich vor, dass sie den Generalauftrag für den Jahrhunderte dauernden Bau einer Kathedrale bekommt. Da hätte sie dann sicher ausgesorgt.
Dabei scheint es Frau Weinmiller wenig zu interessieren, ob und wer dort hineingeht. Denn die Frankfurter Zeitung weiß zu berichten2 , dass inzwischen sog. “Gotteshäuser” wegen Mangel an Interesse geschlossen werden und anderen Nutzungen zugeführt werden: “Der katholischen Kirche mangelt es an Gläubigen, an Geld, an Priestern. Das Bistum Hildesheim musste bereits mehr als dreißig Gotteshäuser schließen.”
Sie könnte ja vielleicht einfach nur eine Kirchen-Hülle bauen; das Innere gleich mit Beton zukippen; wird ja eh keiner sehen.
Es sei denn, die Kirche liegt im Bistum Limburg. Denn da könnte es passieren, dass der First-Class-Reisende Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst das Gebäude als lohnenswerte Immobilie ansieht, die er dann zum Zwecke der Geldwäsche seinem eigenen Bistum verticken kann3 – krumme Geschäfte scheinen ihm ja nicht ganz fremd zu sein, wie sich gerad zeigt.
Nic
- http://www.idea.de/detail/gesellschaft/detail/ekd-ratsmitglied-fuer-mehr-neue-kirchenbauten.html ↩
- http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/politik/katholische-kirche-wo-die-glocken-verklingen-11864828.html ↩
- http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/limburger-bischof-verkaufte-immobilienpaket-ans-eigene-bistum-a-852144.html ↩
Nics Bloghaus
Der Unterschied: In einem Fall ist es nur der öffentlich ausgesprochene Gedanke und noch nicht die Tat (Gesine Weinmiller) , im anderen Fall die bereits vollzogene Tat ( Tebartz-van Elst). Ob Weinmiller den Zuschlag bekommen wird, werden wir sehen. Dann ist es in der Tat ein Thema. Wie die Sache Tebartz-van Elst weitergeht, nun das beobachten wir in Mittelhessen ebenfalls. Die Immobiliensache und der Reisefall sind nur zwei Steinchen eines größeren Mosaiks. Unterm Strich bleibt: Kirchenorganisationen bestehen aus Menschen. Die sind fehlerhaft und nicht perfekt. Entscheiden ist, wie mit Fehlern umgegangen wird. Hier hat auf lange Sicht die evangelische Kirche trotz aller auch dort bestehenden Mängel bisher offener gehandelt als die katholische. Deswegen im Fall Weinmiller: Beobachten und dann gegebenenfalls Fakten prüfen und drüber schreiben….
Es geht in beiden Fällen um das §166-Tabu des unfehlbaren Gottes, unter dessen Mäntelchen sich der fehlbare Opportunist versteckt. Wer spekuliert, dass die Beschneidung seiner Menschenwürde von der Abmahnungsindustrie verhindert wird, hat meist die besseren Karten vor Gericht (je nach Lobby). Erst bei hinreichendem Verdacht schreiben, daraufhin überhaupt durch öffentlichen Druck die Erlaubnis zum Prüfen zu bekommen, ist die Kunst. Alternativ kann auch der Beruf Detektiv wegen §166 verboten werden. Die Medienmacht unterliegt einer bedrohlichen Konzernbildung und Prevention ist nicht gerade eine demoktatische Stärke. Wohl aber die voreilende Selbstzensur. Diese gilt es zu bekämpfen.
Natürlich ist die demokratische Stärke gemeint und Ihr Hort ist nicht zwangsläufig (s. aktuelle Skandale) der Vefassungsschutz. Das Optimum der Rechtssprechung wandert evolutiv. Bisher gilt, Verträge auch mit Verbrechern sind einzuhalten s. Reichskonkordat trotz Verfassungsauftrag (kein Bedarf?).