Montag , 20 Mai 2013
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Es bewegt sich doch: Atheisten aller Länder, vereinigt euch!

WEIMAR. (fgw) Die Zeitschrift MIZ – Politisches Magazin für Konfessionslose und AtheistInnen – wid­met sich in ihrer aktu­el­len Ausgabe 2/12 dem Schwerpunktthema “Perspektiven des trans­na­tio­na­len Atheismus”. In ihrem Editorial stellt Nicole Thies fest, daß die inter­na­tio­nale Vernetzung von Atheisten zügig vor­an­ge­kom­men sei, was die zahl­rei­chen Kongresse und Tagungen des Jahres 2012 zeig­ten. Und sie stellt dazu auch, frei nach Karl Marx und Friedrich Engels, die Forderung auf: “Atheisten aller Länder ver­ei­nigt euch!”

MIZ 2/12Den Hauptbeitrag zum Schwerpunktthema lie­fert Heike Jackler mit einem aus­führ­li­chen Bericht über die Internationale Atheistische Tagung vom 25. bis 27. Mai in Köln. Veranstalter waren der IBKA Atheist Alliance International (AAI).

Hier haben Atheisten, Freidenker und Humanisten aus Europa, Nordamerika, Asien und Afrika sich der Frage zuge­wandt, ob die säku­la­ren Bewegung eine welt­weite Kraft wer­den könne, die dem Machtanspruch der orga­ni­sier­ten Religionen wirk­sam ent­ge­gen­tre­ten kann. Deutscherseits haben sich an der Debatte in Köln u.a. Ingrid Matthäus-Maier (Diskriminierungen durch Besonderheiten des kirch­li­chen Arbeitsrechts hier­zu­lande) und Michael Schmidt-Salomon (gbs-Projekt “evo­kids”) betei­ligt.

Über die erste athe­is­ti­sche Konferenz Südostasiens am 21. April in der phil­ip­pi­ni­schen Hauptstadt Manila berich­tet Matthias Krause. Dem schließt sich ein Beitrag von Gunnar Schedel an, bezug­neh­mend auf die Forderung des katho­li­schen Dichters Martin Mosebach, daß “Blasphemie” in Deutschland wie­der straf­bar wer­den müsse. Unter der Über­schrift “Gewalt und Schrecken” kon­sta­tiert, unter Benennung kon­kre­ter Beispiele, daß die Verfolgung von Menschen, die sich zum Atheismus beken­nen, welt­weit zunehme. Und daß nicht nur in isla­mi­schen Monarchien und Republiken, son­dern auch im “christ­li­chen” Europa.

Passend dazu äußert sich in einem Interview Corinna Gekeler über den aktu­el­len Stand ihrer Studie zum kirch­li­chen Arbeitsrecht in Deutschland: “Diskriminierende Arbeitssituationen und Druck vom Arbeitgeber”.

Ins Mittelalter zurück­ver­setzt fühlt man sich bei der Lektüre eines Berichtes dar­über, wie ein deut­sches Gericht per Urteil zwei Kinder zwangs­mis­sio­niert und gegen den Willen der kon­fess­si­ons­freien Mutter und Kinder zum Besuch von Religionsunterricht und schu­li­schen Gottesdiensten ver­pflich­tet.

Dieser Beitrag wird durch einen Exkurs zum “Religionsunterricht aus kirch­li­cher Sicht” ergänzt: “Es ist für die Kirche eine große Chance, in der [staat­li­chen; SRK] Schule Menschen aller Weltanschauungen zu begeg­nen. In einer Zeit der Säkularisierung, Pluralisierung und des immer wie­der beklag­ten Mitgliederschwundes hat sie hier die ein­ma­lige [!!!; SRK] Möglichkeit, ihre Botschaft auch außer­halb der eige­nen Kreise zu ver­brei­ten, Menschen [sprich unmün­dige Kinder; SRK] zu über­zeu­gen, mit ihrem Personal prä­sent zu sein. Und das auch noch fast kos­ten­neu­tral.” (Zeitung “Evangelisches Frankfurt”, Juli 2012). Ähn­li­ches geht aus einer Boschüre der katho­li­schen Bischofskonferenz “Argumente für den Religionsunterricht an öffent­li­chen Schulen” her­vor.

Also, dank viel­fa­cher Rückendeckung durch deut­sche Juristen kön­nen die Kleriker bei­der Amtskirchen unge­niert un d öffent­lich ver­kün­den, worum es ihnen mit dem Religionsunterricht in Wirklichkeit geht: Um Zwangsmissionierung und das noch auf Kosten der Allgemeinheit!

Roland Ebert steu­ert einen sehr fun­dier­ten Beitrag über die tat­säch­li­che Anwendung der “Scharia in Deutschland” bei und wirft die Frage auf, ob isla­mi­sches Recht hier­zu­lande als spe­zi­el­les Recht akzep­tier­bar sei. Er bleibt aber nicht bei der Fokussierung auf den Islam ste­hen, son­dern schreibt sehr deut­lich dies: “In der gan­zen Diskussion wird aller­dings unter­schla­gen, dass der Staat von sei­ner Anlage her ein säku­la­rer Staat ist. Für all­ge­meine Belange ist es nicht zweck­dien­lich, wenn die Normen einer bestimm­ten Religionsgemeinschaft bevor­zugt als all­ge­mei­nes Recht gesetzt wer­den.” Und damit spricht er die deut­sche Realität an, in der amts­kirch­li­che Postulate immer noch über all­ge­meine Normen gesetzt wer­den.

Weitere Beiträge beschäf­ti­gen sich mit die­sen Themen: “Salafismus: Die unter­schätzte Gefahr von rechts” (Klaus Blees); “Kirchenfinanzierung in Öster­reich” (Carsten Frerk über sein neu­es­tes Buch) sowie “Diagnose? Homosexuell – Eine Gruppe katho­li­scher Ärzte nutzt den Katholikentag in Mannheim als Podium für ihre Botschaft” (Pascale Müller).

Eine neue Rubrik “Netzreport” stellt säku­lare Internetprojekte vor, einen Rückblick auf diverse Aktivitäten gibt die eben­falls neue Rubrik “Zündfunke” und wert­volle Nachrichten lie­fert in bewähr­ter Weise die “Internationale Rundschau” (natür­lich ein­schließ­lich Deutschlands).

Ein ganz beson­de­res Schmäckerchen soll abschlie­ßend erwähnt und zur Leküre emp­foh­len wer­den: Diana Wakoniggs Glosse “Neulich… beim Boxenstopp”. Hier reflek­tiert sie ein Erlebnis der beson­de­ren Art wäh­rend einer Fahrt mit der Deutschen Bahn. Da geht es nicht nur um die bereits frü­her erwähnte Schuleinführungsbox des katho­li­schen mis­sio­na­ri­schen Bonifatiuswerkes mit Kindergebetbuch, Segenswürfel, Heiligenpostkarten und einem Fläschlichen Weihwassers.

Aber las­sen wir an die­ser Stelle Wakonigg selbst zu Wort kom­men, jeder wei­tere Kommentar erüb­rigt sich danach wohl:

“…eine ‘Prayerbox für unter­wegs’. Inhalt: ein klei­nes silb­ri­ges Kreuz, ein Mini-Rosenkranz aus roten Holzperlen, eine Ampulle Weihwasser sowie ein Beipackzettel mit den gän­gi­gen christ­li­chen Gebeten auf Deutsch, Englisch und Italienisch. (…) Sie stammte von einem Verein namens Kirche in Not – Weltweites Hilfswerk päpst­li­chen Rechts (…) auf dem Beipackzettel auch gleich Vorschläge für Gebetsanliegen mit­lie­ferte, wie zum Beispiel ‘Die Neuevangelisierung Deutschlands und der gan­zen Welt’ [!!!; SRK] oder ‘Gabe der Stärke für ver­folgte, bedrängte und not­lei­dende Christen’ (…)”

MIZ – das bedeu­tet Materialien und Informationen zur Zeit. Das Vierteljahresmagazin des IBKA (Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten) erscheint seit 1972 und kann beim Alibri-Verlag Aschaffenburg bezo­gen wer­den.

Über SRK

Co-Autor des Blogs, ansonsten schreibt er für den Freigeist Weimar.

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