Freitag , 24 Mai 2013
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Aller schlechten Dinge sind hoffentlich wirklich nur drei…

WEIMAR. (fgw) Der Autor Bernd Köstering – in Weimar gebo­ren, im Westen aufgewachsen- beglückt sein Publikum nun bereits zum drit­tem Mal mit einem Krimi, der in Weimar spielt und Goethe im Titel führt: nach “Goetheruh” und “Goetheglut” nun “Goethesturm”. Angeblich soll es der letzte Teil einer Trilogie sein. In einer Presseinformation behaup­tet der Verlag, es sei “ein psy­cho­lo­gisch aus­ge­feil­ter und lite­ra­ri­scher Kriminalroman, der den Leser bis zum Schluss gefan­gen hält”…

Daumen runterEs sei in die­sem beson­de­ren Fall und aus­nahms­weise gestat­tet, eine Rezension mit einem Zitat zu begin­nen. Die Zeitung “Thüringer Allgemeine” besprach den zwei­ten Teil die­ser Trilogie wie folgt: “Der Täter ist auch dies­mal ein armer Psychopath und wird fest­ge­nom­men, (…) und es steht zu befürch­ten, dass Bernd Köstering auch noch einen drit­ten, vier­ten, fünf­ten “Literaturkrimi” schreibt. Wenn er doch wenigs­tens Goethe in Ruhe las­sen könnte.” (TA, 30.08.11).

Dem ist aktu­ell nichts hin­zu­zu­fü­gen! Außer daß man nun hof­fen kann, daß es tat­säch­lich keine wei­tere Fortsetzung geben möge.

Denn wie in den ers­ten bei­den “Krimis” han­delt es sich um eine krampf­haft kon­stru­ierte, höchst unlo­gi­sche und lang­wei­lige Story, aus der ledig­lich eine grö­ßen­wahn­sin­nige Selbstverliebtheit des Autors spricht. Die han­deln­den Charaktere sind blut­leer und unglaub­wür­dig. Alles in allem: Abstrus, hane­bü­chen, fernab jeg­li­cher Realität. Punkt!

Obwohl der Autor nahezu auf jeder Seite min­des­tens einen Weimarer Straßennamen nennt, kommt kein Lokalkolorit auf. Unstimmig ist das geschil­derte städ­ti­sche Milieu, selbst wenn man erzäh­le­ri­sche Freiheit zuge­ste­hen will. Aber wenn es ein Weimar-Krimi sein soll, daß muß Weimar auch erkenn­bar sein. Doch kommt Weimar-Allgemeinwissen in die­sem Krimi des in Offenbach bei Frankfurt auf­ge­wach­se­nen und leben­den Köstering wie­derum nicht vor. Zwar stim­men Straßennamen und die Lokalitäten (die im enge­ren Sinne des Wortes) treff­lich. Nicht aber Institutionen und Amtsbezeichnungen. So wird aus der sim­plen Weimarer Polizei-Inspektion ein Polizeipräsidium, aus dem Stadtkulturdirektor die fal­sche und in Thüringen nicht übli­che Amtsbezeichnung Stadtrat für Kultur usw. usf.

Das ein­zige, das den Leser gefan­gen hält, ist die zuneh­mende Langeweile, falls man sich die­ses Elaborat bis zum Schlusse antun will.

Und noch­mals sei die “Thüringer Allgemeine” zitiert, da es der Rezensent nicht bes­ser sagen könnte: “Im Übri­gen macht Köstering den­sel­ben Kardinalfehler wie in sei­nem Erstling “Goetheruh”: Er begnügt sich nicht mit sei­nem Ich-Erzähler, in zahl­rei­chen Abschnitten nimmt er – in der 3. Person Singular – auch noch die Perspektiven Dritter ein. Ein Unding. Ein Ich-Erzähler dul­det keine Perspektive neben der sei­nen, alles andere wäre lite­ra­ri­sche Persönlichkeitsspaltung.”

Ein schlech­tes Buch, ein über­flüs­si­ges Buch. Der renom­mierte Gmeiner-Verlag war in allen drei Fällen, also bei “Goetheruh”, Goetheglut” und nun “Goethesturm”, nicht gut bera­ten, diese Titel her­aus­zu­brin­gen. Dabei steht Gmeiner doch sonst für wirk­lich gute Krimis, auch für gute Erstlinge.

Angesichts die­ses erneut über­aus pein­li­chen Weimar-Krimis, anma­ßend sogar Literaturkrimi genannt, ver­zich­tet der Rezensent auf die übli­che Wiedergabe des Buchumschlags und zeigt statt­des­sen als deut­li­che Kritik bereits auf den ers­ten Blick den gesenk­ten Daumen.

Bernd Köstering: Goethesturm. Ein Literaturkrimi. 256 S. brosch. Gmeiner-Verlag Feldkirch 2012. 11,90 Euro. ISBN 978-3-8392-1330-8

[Erstveröffentlichung: Freigeist Weimar]

Über SRK

Co-Autor des Blogs, ansonsten schreibt er für den Freigeist Weimar.

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