WEIMAR. (fgw) Der Autor Bernd Köstering – in Weimar geboren, im Westen aufgewachsen- beglückt sein Publikum nun bereits zum drittem Mal mit einem Krimi, der in Weimar spielt und Goethe im Titel führt: nach “Goetheruh” und “Goetheglut” nun “Goethesturm”. Angeblich soll es der letzte Teil einer Trilogie sein. In einer Presseinformation behauptet der Verlag, es sei “ein psychologisch ausgefeilter und literarischer Kriminalroman, der den Leser bis zum Schluss gefangen hält”…
Es sei in diesem besonderen Fall und ausnahmsweise gestattet, eine Rezension mit einem Zitat zu beginnen. Die Zeitung “Thüringer Allgemeine” besprach den zweiten Teil dieser Trilogie wie folgt: “Der Täter ist auch diesmal ein armer Psychopath und wird festgenommen, (…) und es steht zu befürchten, dass Bernd Köstering auch noch einen dritten, vierten, fünften “Literaturkrimi” schreibt. Wenn er doch wenigstens Goethe in Ruhe lassen könnte.” (TA, 30.08.11).
Dem ist aktuell nichts hinzuzufügen! Außer daß man nun hoffen kann, daß es tatsächlich keine weitere Fortsetzung geben möge.
Denn wie in den ersten beiden “Krimis” handelt es sich um eine krampfhaft konstruierte, höchst unlogische und langweilige Story, aus der lediglich eine größenwahnsinnige Selbstverliebtheit des Autors spricht. Die handelnden Charaktere sind blutleer und unglaubwürdig. Alles in allem: Abstrus, hanebüchen, fernab jeglicher Realität. Punkt!
Obwohl der Autor nahezu auf jeder Seite mindestens einen Weimarer Straßennamen nennt, kommt kein Lokalkolorit auf. Unstimmig ist das geschilderte städtische Milieu, selbst wenn man erzählerische Freiheit zugestehen will. Aber wenn es ein Weimar-Krimi sein soll, daß muß Weimar auch erkennbar sein. Doch kommt Weimar-Allgemeinwissen in diesem Krimi des in Offenbach bei Frankfurt aufgewachsenen und lebenden Köstering wiederum nicht vor. Zwar stimmen Straßennamen und die Lokalitäten (die im engeren Sinne des Wortes) trefflich. Nicht aber Institutionen und Amtsbezeichnungen. So wird aus der simplen Weimarer Polizei-Inspektion ein Polizeipräsidium, aus dem Stadtkulturdirektor die falsche und in Thüringen nicht übliche Amtsbezeichnung Stadtrat für Kultur usw. usf.
Das einzige, das den Leser gefangen hält, ist die zunehmende Langeweile, falls man sich dieses Elaborat bis zum Schlusse antun will.
Und nochmals sei die “Thüringer Allgemeine” zitiert, da es der Rezensent nicht besser sagen könnte: “Im Übrigen macht Köstering denselben Kardinalfehler wie in seinem Erstling “Goetheruh”: Er begnügt sich nicht mit seinem Ich-Erzähler, in zahlreichen Abschnitten nimmt er – in der 3. Person Singular – auch noch die Perspektiven Dritter ein. Ein Unding. Ein Ich-Erzähler duldet keine Perspektive neben der seinen, alles andere wäre literarische Persönlichkeitsspaltung.”
Ein schlechtes Buch, ein überflüssiges Buch. Der renommierte Gmeiner-Verlag war in allen drei Fällen, also bei “Goetheruh”, Goetheglut” und nun “Goethesturm”, nicht gut beraten, diese Titel herauszubringen. Dabei steht Gmeiner doch sonst für wirklich gute Krimis, auch für gute Erstlinge.
Angesichts dieses erneut überaus peinlichen Weimar-Krimis, anmaßend sogar Literaturkrimi genannt, verzichtet der Rezensent auf die übliche Wiedergabe des Buchumschlags und zeigt stattdessen als deutliche Kritik bereits auf den ersten Blick den gesenkten Daumen.
Bernd Köstering: Goethesturm. Ein Literaturkrimi. 256 S. brosch. Gmeiner-Verlag Feldkirch 2012. 11,90 Euro. ISBN 978-3-8392-1330-8
[Erstveröffentlichung: Freigeist Weimar]
Nics Bloghaus