Mittwoch , 22 Mai 2013
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Religion, Politik und eine Minderheit

selbst entscheiden

(Bildquelle: buskampagne.at)

Eine Mehrheit – keine große, aber immer­hin: eine Mehrheit der Deutschen ist nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov der Meinung, dass in Sachen Beschneidung alles so blei­ben soll, wie es ist1.

42 Prozent waren gegen ein Verbot, 13 Prozent hat­ten keine Meinung zu dem Thema.

Fünfundvierzig Prozent der Befragten waren der Meinung, dass die ritu­elle Beschneidung been­det wer­den müsse – stimm­ten also dem Kölner Urteil zu.

Es lässt sich also – die Zahlen der Umfrage zugrun­de­le­gend – fest­stel­len, dass durch die deut­sche Bevölkerung ein Riss geht.
Nicht jedoch durch “unsere” Bundestagsabgeordneten, die, die das Volk ver­tre­ten sol­len. Denn fast uni­sono (die LINKEN eiern noch rum) sind sie der Meinung, dass die Religion über den Grundrechten steht; dass das Gezetere von Rabbis und Imamen über das Recht des Kindes zu ste­hen hat.  Anders ist nicht erklär­lich, wes­halb diese Abgeordneten und damit unsere “Volksvertreter”  nun plötz­lich heute beschlie­ßen wol­len,  dass die Beschneidung von Jungen aus reli­giö­sen Gründen zwar viel­leicht, mög­li­cher­weise, even­tu­ell nicht so toll sein könnte; aber trotz­dem straf­frei blei­ben sollte2.

In der Entschließung, über die an die­sem Donnerstag abge­stimmt wer­den soll, wird die Bundesregierung auf­ge­for­dert, im Herbst einen ent­spre­chen­den Gesetzentwurf vor­zu­le­gen. Darin soll die medi­zi­nisch fach­ge­rechte Beschneidung von Jungen ohne unnö­tige Schmerzen für zuläs­sig erklärt wer­den.

“ohne unnö­tige Schmerzen” – und wer defi­niert, was nötig und was unnö­tig sein könnte? Rabbis? Imame? Sicherlich keine Fachleute aus der medi­zi­ni­schen Fraktion; denn es wei­gern sich schon län­ger immer mehr von denen, die­sen unmensch­li­chen Ritus durch­zu­füh­ren.

Worauf sich unsere Volksvertreter in ihrer Entschließung ver­las­sen kön­nen also weder kin­der­recht­li­che noch wis­sen­schaft­li­che Argumente sein. Nein, auf sol­che Sprüche grün­den sie ihre Entscheidungen3:

Darüber hin­aus ist es wis­sen­schaft­lich erwie­sen, dass eine medi­zi­nisch fach­ge­rechte Zirkumzision nur Vorteile für die Kinder und spä­te­ren Erwachsenen mit sich bringt.

Das bewei­sen unter ande­rem die Grafik in Petebrosmansblog… und wis­sen­schaft­li­che Untersuchungen… tun sie nicht? Auch nicht schlimm; es dient ja der reli­giö­sen Wahrheit.

Und über­haupt: der Mann als sol­cher benutzt den Penis, wenn er unbe­schnit­ten, doch eh nur für Sex, der – wie wir aus allen Religionen wis­sen – schon an sich “Pfui” ist. Und so sind die Argumente von Ärz­ten und Psychologen dann doch eher Wasser auf den Mühlen der Religioten: denn Beschneidung kann das sexu­elle Empfinden des Betroffenen min­dern.

Nic

  1. http://www.zeit.de/news/2012-07/19/religion-fast-die-haelfte-der-deutschen-fuer-beschneidungsverbot-19070008
  2. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/entschliessungsantrag-bundestag-fuer-beschneidungen-11824617.html
  3. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/beschneidungsdebatte-unzeitgemaesser-grundpfeiler-11824297.html

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

6 Kommentare

  1. Wenn die Beschneidung ein wirk­li­cher medi­zi­ni­scher Vorteil wäre, dann wäre die Vorhaut im Laufe der Evolution gewiss von selbst ver­duf­tet.

  2. Willkommen in der Komikernation!”

  3. Beschämend, eben das Abstimmungsergebnis der Schwanzeinzieher im Bundestag. An der Wurzel alles das Gleiche. Ein ent­lar­ven­des Interview von Nic-Frank: http://hpd.de/node/13788
    Die Folgen der schwar­zen Pädagogik und die alt­ba­ckene Neutralität des Therapeuthen. Anstatt empa­thi­scher Begleitung der Opfer, wie gehabt das Festklammern an abra­ha­mi­ti­schen Humbugriten und Gottesgeschenken. Die reli­giös indok­tri­nierte Lustfeindlichkeit als Vorraussetzung für Missbrauch wurde tun­lichst gar­nicht erst ange­spro­chen. Aber viel Rücksichtnahme auf reli­giöse Gefühle. Die Katze beißt sich in den Schwanz (Penis).

    • Danke für die Erwähnung des hpd-Artikels :-) Da drü­ben bin ich ja mit einem ande­ren Namen unter­wegs…

      Ja, genau diese Scheisse mit der schwar­zen Pädagogik führt dazu, dass die “Volksvertreter” nicht das Volk son­dern ihre eigene Kindheit ver­tre­ten. :-(

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