Sonntag , 19 Mai 2013
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Berlin bastelt ein Gesetz über rituell zulässige Beschneidungen

WEIMAR. (fgw) Wie immer, wenn der Deutsche Bundestag in der letz­ten Zeit ein Gesetz gebas­telt hat, hatte es vor dem Verfassungsgericht kei­nen Bestand. Wenn jedoch ein deut­sches Landgericht urteilte, daß die ritu­elle Beschneidung eines kind­li­chen Penis eine straf­bare Körperverletzung ist, so hat es das im Einklang mit dem Grundgesetz der BRD ent­schie­den (s. Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes).

von Ingolf Tabbert

Jacques Tilly / www.giordano-bruno-stiftung.de

Jacques Tilly / www.giordano-bruno-stiftung.de

Das jedoch rief die Bundestagsfraktionen von Union, FDP, SPD und Grünen auf den Plan mit einem gemein­sa­men Antrag zur Zulässigkeit von reli­giös begrün­de­ten Beschneidungen. Darin wird die Bundesregierung auf­ge­for­dert, mit einem Gesetz die Straffreiheit der Beschneidung von Jungen aus reli­giö­sen Gründen sicher­zu­stel­len. Im Gegensatz zu Justitia meint die Politik, daß aus eben die­sen Gründen not­wen­dige Schmerzen keine Körperverletzungen sind und die das Kleinkind oder gar der Säugling ertra­gen muß.

Hier sol­len aus falsch ver­stan­de­ner Religionsfreiheit die kör­per­li­che Unversehrtheit und die Menschenwürde von Kindern infrage gestellt wer­den, nur weil die reli­giö­sen Juden und Moslems an ihren Riten aus der Antike und dem Mittelalter fest­hal­ten wol­len, als ob es die Aufklärung und die Deklaration der Menschenrechte nie gege­ben hätte. Auch die katho­li­sche Kirche mußte ja schließ­lich, wenn auch wider­wil­lig, ihre Hexenverbrennungen ein­stel­len.

Jetzt wird auf ein­mal nach der Religionsfreiheit geru­fen, die sonst z.B. bei der exklu­si­ven staat­li­chen Finanzierung der christ­li­chen Kirchen schnell ver­ges­sen wird. Aber auch über der Religionsfreiheit muß das Grundgesetz ste­hen. Menschenrechtsverletzende vor­zeit­li­che Riten sind mit der Religionsfreiheit jeden­falls nicht gemeint.

Man soll sich nichts vor­ma­chen, der Kampf um die kind­li­che Vorhaut ist der Kampf um die jüdi­schen und mos­le­mi­schen Wählerstimmen.

Da kön­nen unsere „Menschenrechtsverteidiger” im Bundestag so eben mal ganz schnell das Hemd oder den Rock wech­seln. So ist auch von der LINKEN kein Kommentar zu die­sem Thema zu hören. Auch hier scheint die jüdisch-muslimische Klientel sozu­sa­gen mit dem Skalpell im Rücken die Passagen aus dem neuen Parteiprogramm zu schnei­den, in denen es um mensch­li­che Selbstbestimmung und Würde geht (S. 28. 3. Abs.)

Abschließend gestatte ich mir als Atheist fol­gende Fragen an die betrof­fe­nen Gläubigen: Warum hat Euch Euer all­wis­sen­der Gott mit einer Vorhaut aus­ge­stat­tet? Damit Ihr sie abschnei­det? Ist das nicht eine Gotteslästerung? Ihr ver­än­dert doch eine Schöpfung Eures Gottes?

Oder ist es doch nur eine banale Hygieneaktion. Könnt Ihr Euren Söhnen dann nicht bei­brin­gen, wie sie ihren Penis zu rei­ni­gen haben? Meine Mutter hat mir das sehr früh beige­bracht, ich habe also kein Penisproblem!

[Erstveröffentlichung: Freigeist Weimar]

Anmerkung des Blogbetreibers: Auch wenn der Artikel lei­der durch die aktu­el­len Ereignisse über­holt ist, ist er es mei­ner Meinung nach doch wert, hier ver­öf­fent­licht zu wer­den.

Über SRK

Co-Autor des Blogs, ansonsten schreibt er für den Freigeist Weimar.

4 Kommentare

  1. Ich stimme zu und möchte nur noch fol­gende, eigene Gedanken bei­steu­ern:
    Beschneidung, ein­mal ganz anders gese­hen…
    http://franzdebylsblog.blogspot.de/2012/07/beschneidung-einmal-anders-gesehen.html
    Ich kann den reli­giö­sen Riten-Beschneidern lei­der nicht abhel­fen. Sie sind nicht im Recht und sie haben auch keine Zukunft.

  2. Hurra, der Franz ist da. Lang lebe take five. Remember Immatrikulation 1070 ET und Steve Club?

    Eine sehr über­zeu­gende per­sön­li­che Erfahrung und Schlussfolgerung, die Humbug an den Wurzeln emo­tio­nal und ratio­nal erschüt­tert. Danke für den Link auf dein Blog. Ich bin 1982 als Heiliger Geist aus der kath. Kirche aus­ge­tre­ten und die Grüne Naivität habe ich auch über­wun­den. Von mei­ner jüdi­schen und kom­mu­nis­tisch ange­hauch­ten Liebe (hab ich mir durch einen grenz­wer­ti­gen Witz selbst ver­mas­selt) könnte ich dir beim

    Sommerfest des EHBB
    Wann: Fr, 27. Juli, 18:00 – 23:00
    Wo: im Prater, Kastanienalle, Berlin-Prenzlauer Berg (Karte)

    erzäh­len. Noch ganz in memo­ries are made of this schwel­gend, herz­li­chen Gruß.

  3. Ärger­lich Maischberger ges­tern. Schade, dass MSS die Steilvorlage von Pfarrer i. R. Fliege bezüg­lich Mehrheitsverhältnisse und Schwarmdummheit nicht auf­ge­grif­fen hat. Wäre wohl ande­rer­seits auch sein letz­ter Auftritt in ARD und ZDF gewe­sen. Einfach zuviel demo­kra­ti­scher Unsinn und Publicity im Machtverhältniss 6:2 (Beschneidung) außer Sinnen.

    Zuvor arte-TV 2 Std. eine bril­li­ante Aufklärung im Zeitraffer vom Urknall dis zum Homo. Perlen vor die Säue wegen staat­lich sub­ven­tio­nier­ter Glaubensindoktrination. Da kriegt der Staat ein Knall, rotes Gummiboot (W. Myhre).

  4. Gruß an Hr. Künast und Fr. Beck:
    http://blasphemieblog2.wordpress.com/2012/07/26/spanien-homo-hetze-durch-religionsfreiheit-geschutzt-2/#comments

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