WEIMAR. (fgw) Eines der Medien, die sich im ko(h)lonialisierten Osten Deutschlands mit besonderem Eifer der DDR-Delegitimierung und der christlichen Missionierung widmen, ist die in in Erfurt erscheinende Tageszeitung “Thüringer Allgemeine” (TA). Dieser Eifer ist aber erst so richtig entfacht worden, seit in der Chefredaktion ein äußerst rauer Wind herrscht. Und für die Delegitimierung der DDR und ihrer Gesellschaftsordnung muß eine immer wieder behauptete Christenverfolgung herhalten… Doch nicht alle Leser lassen sich das gefallen und wagen Widerspruch. So daß diese Zeitung nicht umhin kann, auch deren lebens-wirkliche Erfahrungen per Leserbrief abzudrucken. Wohl auch, um nicht noch mehr Leser zu verlieren…

Nichts illustriert wohl die behauptete Christenverfolgung und die heutige “Geschichtsaufarbeitung” besser als dieser Buchtitel.
Unter der Überschrift “Nie unter Druck gesetzt” schreibt Peter Schaefer aus Orschel unter Bezug auf einen Leserbrief von Regina Eberhardt) u.a.:
“Als Sohn rheinischer Eltern 1942 im Harz geboren, waren die katholische Pfarrgemeinde, die Schule und das Bergtheater in Thale bis zum 20. Lebensjahr meine »Aktionsbereiche«. Nie hat mich wegen der Kirchenarbeit jemand unter Druck gesetzt oder hat es Diskriminierungen gegeben.
Im Gegenteil. (…) Zu einem privaten Berlinbesuch, den wir vom Ferienlager in Straussberg aus unternehmen durften, gab es nur die Mahnung: »Ihr wisst, dass es verboten ist, nach West-Berlin zu fahren. Also macht keine Dummheiten und lasst euch nicht erwischen!« Ebenso wie die Entwicklung der Zeit als aktiver Katholik hat mich das Vorbild des Direktors stets begleitet.
Die Kirche verließ ich, weil ich die Honoratioren dort ebenfalls am Wort von Jesus gemessen habe: »An ihren Taten werdet Ihr sie erkennen!« (…) Diese richten ihr »Gewissen« nach den jeweiligen Chancen aus, die ihnen Ruhm, Ehre, Vorteile und Ansehen garantieren. Das Gewissen entspricht dem Zeitgeist.” (TA 18.07.2012)
Regina Eberhardt aus Erfurt (TA 17.07.2012) hatte u.a. dies geschrieben:
“Ich bin Jahrgang 49 ein Jahrgang, mit dem in der DDR alles ausprobiert wurde (hierzu könnte man viele Beispiele nennen) und auch getestet. Wandlungen kamen während des Schulbesuchs, anfänglich gab es den Religionsunterricht noch im Werkraum der Schule, plötzlich war die Stundentafel nicht mehr gegeben und man ging freiwillig in die Kirche zum Unterricht am Nachmittag. (…) Man ging regelmäßig zum Konfirmantenunterricht, egal wo man wohnte. (…) Die junge Gemeinde war später als Teenager der nächste Treffpunkt. Viele gemeinsame Stunden gab es, und man trug das Kreuz am Kragen des Mantels mit Stolz. Das war in der DDR in Erfurt möglich. Wir gingen auch in die Erweiterte Oberschule (also um das Abitur abzulegen; SRK) und dort bekannten wir uns auch zum christlichen Glauben. (…) heute sind Mitmenschen, teilweise in den Kirchen, plötzlich zum Glauben gekommen, auch in der CDU, und wollen uns erzählen, dass es in der DDR keine christliche Menschengemeinschaft gab.”
Wolfgang Warmuth aus Erfurt (TA 18.07.2012) bezog sich, wie die obigen Leserbriefschreiber, konkret auf diesen redaktionellen Beitrag »Zeitzeugen berichten Schülern über ihr Leben in der DDR« (TA vom 14. Juli) und schreibt kurz und bündig:
“Laut dem Artikel berichteten Zeitzeugen den Schülern des evangelischen Martin-Luther-Gymnasiums in Eisenach von ihren negativen Erlebnissen in der DDR. Die Eltern dieser Schüler werden ihnen aber auch von den positiven Erfahrungen in ihrem DDR-Leben erzählt haben, sodass sie nicht nur einseitig informiert sind. Zudem ist zukünftig in den zehnten Klassen eine komplette Projektwoche zum Thema DDR im Stundenplan verankert. Für überaus wichtig erachte ich jedoch auch eine derartige Projektwoche zur NS-Diktatur in Deutschland und deren verheerende Folgen.”
Den letzten Satz dieses Leserbriefes sollte man sich durch den Kopf gehen lassen. Denn damit spricht er wohl ein allgemeines Defizit in der derzeitigen Bildungspolitik an.
Doch zurück zum Ausgang. Am 14. Juli 2012 hatte die Erfurter Zeitung groß aufgemacht diesen Beitrag von Sabine Spitzer veröffentlicht: “Zeitzeugen berichten Schülern über ihr Leben in der DDR – TA-Reihe »Junges Forum« gab den Impuls für ein geschichtliches Projekt am Martin-Luther-Gymnasium in Eisenach”. Hierin heißt es u.a.:
“Der 72-Jährige (Martin Kaspari ehemaliger Arzt und Landrat; SRK) ist am gestrigen Freitag einer von sieben Zeitzeugen im evangelischen Martin-Luther-Gymnasium in Eisenach. Den Impuls für den Projekttag gab die TA-Reihe »Junges Forum«, die im Oktober Jugendliche der Schule mit dem Sprecher der Zentralen Erfassungsstelle für SED-Unrecht Salzgitter Hans-Jürgen Grasemann diskutieren ließ.
“Es ist wichtig, sich diesem Thema intensiv und fachübergreifend zu nähern«, erklären die Lehrerinnen Christine Giesa und Annett Anton. Nicht zuletzt auch um die Schüler wachzurütteln. (…)
Die mehr als 50 Gymnasiasten der zehnten Klassen erleben dann gestern Unterricht, wie ihn Christine Giesa als zukunftsweisend sieht. (…) Und ab kommendem Schuljahr ist bei den künftigen zehnten Klassen eine komplette Projektwoche zum Thema DDR fest im Stundenplan verankert.
Auch dann sollen sich Zeitzeugen wieder erinnern an den Staat, dessen Geschichte bis heute die Bürger und die Meinungen spaltet. (…) Almut Ifland berichtet gestern von den kleinen Sticheleien, denen sie als Pfarrerstochter ausgesetzt war. »Manche Lehrer predigten zu Stundenbeginn, dass es keinen Gott gibt«; erinnert sich die 44-jährige Sozialpädagogin. Weil sie sich nicht Organisationen wie den Pionieren oder der Freien Deutschen Jugend (FDJ) anschließen wollte, wurde sie später nicht zum Studium zugelassen.”
Dazu eine eigene Anmerkung. Von 1967 bis 1971 besuchte ich eine Erweiterte Oberschule in meiner mecklenburgischen Heimat. Nahezu die Hälfte meiner Mitschüler kamen aus Kreisen der sogenannten Handwerker und Gewerbetreibenden, also aus bürgerlichen Elternhäusern. Und fast alle dieser Mitschüler waren nominell Mitglied christlicher Kirchen. Niemand wurde gehänselt, keiner in der Benotung benachteiligt, alle konnten das Abitur ablegen und ein Studium aufnehmen.
[Erstveröffentlichung: Freigeist Weimar]
Nics Bloghaus
Nicht zu vergessen, es gab auch einen christlichen (evang.) MP Manfred Stolpe, der als IM schon in der EX-DDR offiziell durch Ausszeichnung verfolgt wurde. Kann man alles googeln, wird aber nicht gelehrt.
Ich war kein Pionier und meine Geschwister auch nicht und hatten keine Jugendweihe, das Sie Jesus treu bleiben wollten. Die folge – trotz allerbesten Schulabschluß durfen sie nicht studieren. Da sich nicht politisch mitmachten. Na, ja und mein Vater war Pastor und wir hatten ein Abhörgerät im Telefon. Alles nachzulesen in unseren Akten. Ganz zu schweigen von den Verhören, da mein Vater christliche Jugendarbeit gemacht hat. Repressailien gab es viele und auch viele Zeugen …