Freitag , 24 Mai 2013
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Christenverfolgung in der DDR? – TA-Leser widersprechen!

WEIMAR. (fgw) Eines der Medien, die sich im ko(h)lonialisierten Osten Deutschlands mit beson­de­rem Eifer der DDR-Delegitimierung und der christ­li­chen Missionierung wid­men, ist die in in Erfurt erschei­nende Tageszeitung “Thüringer Allgemeine” (TA). Dieser Eifer ist aber erst so rich­tig ent­facht wor­den, seit in der Chefredaktion ein äußerst rauer Wind herrscht. Und für die Delegitimierung der DDR und ihrer Gesellschaftsordnung muß eine immer wie­der behaup­tete Christenverfolgung her­hal­ten… Doch nicht alle Leser las­sen sich das gefal­len und wagen Widerspruch. So daß diese Zeitung nicht umhin kann, auch deren lebens-wirkliche Erfahrungen per Leserbrief abzu­dru­cken. Wohl auch, um nicht noch mehr Leser zu ver­lie­ren…

Feindbild DDR

Nichts illustriert wohl die behauptete Christenverfolgung und die heutige “Geschichtsaufarbeitung” besser als dieser Buchtitel.

Unter der Über­schrift “Nie unter Druck gesetzt” schreibt Peter Schaefer aus Orschel unter Bezug auf einen Leserbrief von Regina Eberhardt) u.a.:

“Als Sohn rhei­ni­scher Eltern 1942 im Harz gebo­ren, waren die katho­li­sche Pfarrgemeinde, die Schule und das Bergtheater in Thale bis zum 20. Lebensjahr meine »Aktionsbereiche«. Nie hat mich wegen der Kirchenarbeit jemand unter Druck gesetzt oder hat es Diskriminierungen gege­ben.

Im Gegenteil. (…) Zu einem pri­va­ten Berlinbesuch, den wir vom Ferienlager in Straussberg aus unter­neh­men durf­ten, gab es nur die Mahnung: »Ihr wisst, dass es ver­bo­ten ist, nach West-Berlin zu fah­ren. Also macht keine Dummheiten und lasst euch nicht erwi­schen!« Ebenso wie die Entwicklung der Zeit als akti­ver Katholik hat mich das Vorbild des Direktors stets beglei­tet.

Die Kirche ver­ließ ich, weil ich die Honoratioren dort eben­falls am Wort von Jesus gemes­sen habe: »An ihren Taten wer­det Ihr sie erken­nen!« (…) Diese rich­ten ihr »Gewissen« nach den jewei­li­gen Chancen aus, die ihnen Ruhm, Ehre, Vorteile und Ansehen garan­tie­ren. Das Gewissen ent­spricht dem Zeitgeist.” (TA 18.07.2012)

Regina Eberhardt aus Erfurt (TA 17.07.2012) hatte u.a. dies geschrie­ben:

“Ich bin Jahrgang 49 ein Jahrgang, mit dem in der DDR alles aus­pro­biert wurde (hierzu könnte man viele Beispiele nen­nen) und auch getes­tet. Wandlungen kamen wäh­rend des Schulbesuchs, anfäng­lich gab es den Religionsunterricht noch im Werkraum der Schule, plötz­lich war die Stundentafel nicht mehr gege­ben und man ging frei­wil­lig in die Kirche zum Unterricht am Nachmittag. (…) Man ging regel­mä­ßig zum Konfirmantenunterricht, egal wo man wohnte. (…) Die junge Gemeinde war spä­ter als Teenager der nächste Treffpunkt. Viele gemein­same Stunden gab es, und man trug das Kreuz am Kragen des Mantels mit Stolz. Das war in der DDR in Erfurt mög­lich. Wir gin­gen auch in die Erweiterte Oberschule (also um das Abitur abzu­le­gen; SRK) und dort bekann­ten wir uns auch zum christ­li­chen Glauben. (…) heute sind Mitmenschen, teil­weise in den Kirchen, plötz­lich zum Glauben gekom­men, auch in der CDU, und wol­len uns erzäh­len, dass es in der DDR keine christ­li­che Menschengemeinschaft gab.”

Wolfgang Warmuth aus Erfurt (TA 18.07.2012) bezog sich, wie die obi­gen Leserbriefschreiber, kon­kret auf die­sen redak­tio­nel­len Beitrag »Zeitzeugen berich­ten Schülern über ihr Leben in der DDR« (TA vom 14. Juli) und schreibt kurz und bün­dig:

“Laut dem Artikel berich­te­ten Zeitzeugen den Schülern des evan­ge­li­schen Martin-Luther-Gymnasiums in Eisenach von ihren nega­ti­ven Erlebnissen in der DDR. Die Eltern die­ser Schüler wer­den ihnen aber auch von den posi­ti­ven Erfahrungen in ihrem DDR-Leben erzählt haben, sodass sie nicht nur ein­sei­tig infor­miert sind. Zudem ist zukünf­tig in den zehn­ten Klassen eine kom­plette Projektwoche zum Thema DDR im Stundenplan ver­an­kert. Für über­aus wich­tig erachte ich jedoch auch eine der­ar­tige Projektwoche zur NS-Diktatur in Deutschland und deren ver­hee­rende Folgen.”

Den letz­ten Satz die­ses Leserbriefes sollte man sich durch den Kopf gehen las­sen. Denn damit spricht er wohl ein all­ge­mei­nes Defizit in der der­zei­ti­gen Bildungspolitik an.

Doch zurück zum Ausgang. Am 14. Juli 2012 hatte die Erfurter Zeitung groß auf­ge­macht die­sen Beitrag von Sabine Spitzer ver­öf­fent­licht: “Zeitzeugen berich­ten Schülern über ihr Leben in der DDR – TA-Reihe »Junges Forum« gab den Impuls für ein geschicht­li­ches Projekt am Martin-Luther-Gymnasium in Eisenach”. Hierin heißt es u.a.:

“Der 72-Jährige (Martin Kaspari ehe­ma­li­ger Arzt und Landrat; SRK) ist am gest­ri­gen Freitag einer von sie­ben Zeitzeugen im evan­ge­li­schen Martin-Luther-Gymnasium in Eisenach. Den Impuls für den Projekttag gab die TA-Reihe »Junges Forum«, die im Oktober Jugendliche der Schule mit dem Sprecher der Zentralen Erfassungsstelle für SED-Unrecht Salzgitter Hans-Jürgen Grasemann dis­ku­tie­ren ließ.

“Es ist wich­tig, sich die­sem Thema inten­siv und fach­über­grei­fend zu nähern«, erklä­ren die Lehrerinnen Christine Giesa und Annett Anton. Nicht zuletzt auch um die Schüler wach­zu­rüt­teln. (…)

Die mehr als 50 Gymnasiasten der zehn­ten Klassen erle­ben dann ges­tern Unterricht, wie ihn Christine Giesa als zukunfts­wei­send sieht. (…) Und ab kom­men­dem Schuljahr ist bei den künf­ti­gen zehn­ten Klassen eine kom­plette Projektwoche zum Thema DDR fest im Stundenplan ver­an­kert.

Auch dann sol­len sich Zeitzeugen wie­der erin­nern an den Staat, des­sen Geschichte bis heute die Bürger und die Meinungen spal­tet. (…) Almut Ifland berich­tet ges­tern von den klei­nen Sticheleien, denen sie als Pfarrerstochter aus­ge­setzt war. »Manche Lehrer pre­dig­ten zu Stundenbeginn, dass es kei­nen Gott gibt«; erin­nert sich die 44-jährige Sozialpädagogin. Weil sie sich nicht Organisationen wie den Pionieren oder der Freien Deutschen Jugend (FDJ) anschlie­ßen wollte, wurde sie spä­ter nicht zum Studium zuge­las­sen.”

Dazu eine eigene Anmerkung. Von 1967 bis 1971 besuchte ich eine Erweiterte Oberschule in mei­ner meck­len­bur­gi­schen Heimat. Nahezu die Hälfte mei­ner Mitschüler kamen aus Kreisen der soge­nann­ten Handwerker und Gewerbetreibenden, also aus bür­ger­li­chen Elternhäusern. Und fast alle die­ser Mitschüler waren nomi­nell Mitglied christ­li­cher Kirchen. Niemand wurde gehän­selt, kei­ner in der Benotung benach­tei­ligt, alle konn­ten das Abitur able­gen und ein Studium auf­neh­men.

[Erstveröffentlichung: Freigeist Weimar]

Über SRK

Co-Autor des Blogs, ansonsten schreibt er für den Freigeist Weimar.

2 Kommentare

  1. Nicht zu ver­ges­sen, es gab auch einen christ­li­chen (evang.) MP Manfred Stolpe, der als IM schon in der EX-DDR offi­zi­ell durch Ausszeichnung ver­folgt wurde. Kann man alles goo­geln, wird aber nicht gelehrt.

  2. Ich war kein Pionier und meine Geschwister auch nicht und hat­ten keine Jugendweihe, das Sie Jesus treu blei­ben woll­ten. Die folge – trotz aller­bes­ten Schulabschluß durfen sie nicht stu­die­ren. Da sich nicht poli­tisch mit­mach­ten. Na, ja und mein Vater war Pastor und wir hat­ten ein Abhörgerät im Telefon. Alles nach­zu­le­sen in unse­ren Akten. Ganz zu schwei­gen von den Verhören, da mein Vater christ­li­che Jugendarbeit gemacht hat. Repressailien gab es viele und auch viele Zeugen …

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