Samstag , 25 Mai 2013
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Gauck möchte mehr deutsche Krieger sehen

Kann es sein, dass der Mensch in Geschichte nie auf­ge­passt hat? War er beten oder Kreide holen als es um die deut­sche Verantwortung an zwei Weltkriegen ging? Anders ist kaum zu erklä­ren, wel­chen Bullshit der Mann die­ser Tage von sich gab.

Joachim GauckDa pas­t­ort er erst über sein arg unter­drück­tes Leben in der DDR, als er zwangs­weise mili­ta­ri­siert wurde1, er regt sich – berech­tigt – gegen die “Erziehung zum Hass” auf, die in dem unter­ge­gan­ge­nen Land weit ver­brei­tet war. Ich erin­nere mich auch mit gewis­sem Schrecken an die Zeit, als “Militärkunde” auf dem Stundenplan stand und uns ein völ­lig unter­be­lich­te­ter Unterleutnant erklä­ren wollte, wie gna­den­los verot­tet der Kapitalismus sei und dass unsere NVA nur aus Helden, aus “Bürgern in Uniform” bestehe. Nun ja… ich habe diese Armee lei­der aus der Nähe sehen müs­sen…

Und wie der Herr Gauck dann fer­tig ist mit sei­ner Darstellung des bösen “ost­deut­schen” Militärs kommt er auch gleich zu Sache: “…Und bin froh, weil ich zu die­ser Armee und zu den Menschen, die hier die­nen, aus vol­lem Herzen sagen kann: Diese Bundeswehr ist keine Begrenzung der Freiheit, sie ist eine Stütze unse­rer Freiheit.” – ja, ver­mut­lich am Hindukusch.

Vielleicht tut es Not, Herrn Gauck daran zu erin­nern, dass auch die Bundeswehr Nachfolger der Wehrmacht ist – die NVA trug die Uniformen der Wehrmacht auf; die Bundeswehr deren Gedankengut.

Dieses Gesalber über die heh­ren Werte, die inner­halb der Armee herr­schen kann nur jemand von sich geben, der nie in einer der nerv­tö­tend lang­wei­li­gen und die schlech­tes­ten Instinkte des Menschen her­vor­ru­fen­den Armee gedient hat. Das gilt im Übri­gen für jede Armee.

“Ich denke daran, wie in den Jahren nach 1990 die Bundeswehr eine “Armee der Einheit” wurde – und aus Soldaten, die einst viel­leicht auf­ein­an­der hät­ten schie­ßen müs­sen, Kameraden.” Die sog. “Armee der Einheit” ist so ein­heit­lich wie die US-Army. Dort sind es die Afroamerikaner, die einen im Verhältnis zur Bevölkerung viel zu hohen Anteil bil­den; bei der Bundeswehr über­neh­men junge Männer und Frauen aus den “fünf neuen Bundesländern” diese Rolle.
Die “Armee der Einheit” ist eine Armee derer, die sich sonst in der Gesellschaft kaum behaup­ten kön­nen und nur geringe Zukunftsaussichten haben. Es ist der Teil der Gesellschaft, der nie eine Chance bekommt.

Ob sich unser Bundespräsident bei einem Satz wie die­sem: “Die Bundeswehr auf dem Balkan, am Hindukusch und vor dem Horn von Afrika, im Einsatz gegen Terror und Piraten – wer hätte so etwas vor zwan­zig Jahren für mög­lich gehal­ten?” selbst Beifall klatschte ist dem zitier­ten Artikel nicht zu ent­neh­men. Aber es steht zu ver­mu­ten. Denn vor zwan­zig Jahren war Deutschland noch ver­nünf­ti­ger und nicht der Meinung, dass es auf­grund sei­ner wirt­schaft­li­chen Interessen nütz­lich sei, auf dem Balkan, am Hindukusch oder vor der soma­li­schen Küste Macht zu zei­gen. Es war in der Gesellschaft noch nicht ver­ges­sen, wohin es füh­ren kann, wenn wirt­schaft­li­che Interessen über Menschenrechte ste­hen.

Insofern ist Gauck jedoch ein kon­ge­nia­ler Partner der Merkel-Regierung. Die ver­gißt ja auch immer dann ihr hoh­les Menschenrechtsgefasel, wenn es etwas zu ver­kau­fen gibt. Ob es sich dabei um Panzer für Saudi-Arabien oder U-Boote für Israel han­delt.

Ich kann es nur über­aus ver­lo­gen nen­nen, wenn Gauck dann noch den Anschein erwe­cken will, dass die Bundeswehrauslandseinsätze die Zustimmung der Bevölkerung fin­den: “Es muss da debat­tiert wer­den, wo unsere Streitkräfte ihren Ort haben: in der Mitte unse­rer Gesellschaft.”2

Und nun , ganz Pfaffe: “Die Abscheu gegen Gewalt ist ver­ständ­lich. Gewalt, auch mili­tä­ri­sche Gewalt, wird immer auch ein Übel blei­ben. Aber sie kann – solange wir in der Welt leben, in der wir leben – not­wen­dig und sinn­voll sein, um ihrer­seits Gewalt zu über­win­den. Allerdings müs­sen wir mili­tä­ri­sche Einsätze begrün­den.” Im Klartext: Gewalt ist Mittel der Politik. Und wir begrün­den dann schon, wes­halb wir das für rich­tig hal­ten. Dabei hel­fen uns BILD und RTL.

Gauck kommt nicht ein­mal auf den Gedanken, dass Gewalt das aller­al­ler­letzte Mittel sein darf, um das eigene Land gegen Angriffe von Außen zu ver­tei­di­gen. Was er hier kund­gibt ist die Doktrin von einem “begrenz­ten” Angriffskrieg!

Auch wenn er ein paar Sätze wei­ter ver­sucht, das in (s)ein Geschichtsbild zu klit­ten; es bleibt ein Graus. “Dass Frieden, Freiheit und die Achtung der Menschenrechte viel­fach nicht von allein ent­ste­hen – wer wüsste das bes­ser als wir Deutschen?” Deshalb masst sich Gauck an, den Apologeten des “Exports von Demokratie” – die so über­aus erfolg­reich in Irak und Afghanistan waren, zu Munde zu reden? Hätten die Deutschen den letz­ten Krieg nicht so abso­lut ver­lo­ren…

Ich finde es uner­träg­lich, zu lesen, was der oberste Repräsentant des Volkes von sich gibt: “Freiheit und Wohlergehen sehen viele als Bringschuld von Staat und Demokratie. Manche ver­wech­seln Freiheit mit Gedankenlosigkeit, Gleichgültigkeit und Hedonismus. Andere sind sehr gut darin, ihre Rechte wahr­zu­neh­men oder gege­be­nen­falls auch vehe­ment ein­zu­for­dern. Und ver­ges­sen dabei allzu gern, dass eine funk­tio­nie­rende Demokratie auch Einsatz erfor­dert, Aufmerksamkeit, Mut…” Es ist eine unglaub­li­che Frechheit, was der Mann sich mit die­sen Sätzen leis­tet. Es ist eine Pauschalisierung, die vor allem Einem dient: den Damen und Herren von Militär mit­zu­tei­len, dass sie bes­sere Menschen sind als “der gewöhn­li­che Zivilist”. Diese Reden gab es in Deutschland bereits schon ein­mal. Kurz vor dem Ausbruch des ers­ten Weltkrieges.

Der Staat hat vor allem eine “Schuld”: die Freiheit des Menschen zu garan­tie­ren. Das ist seine Pflicht! Und keine “Bringschuld” – die­ses Wort setzt näm­lich die ins Unrecht, die ihre Rechte ein­for­dern!

Und dann fällt der wohl meist­dis­ku­tierte Satz sei­ner Rede: “Hier, in der Bundeswehr, treffe ich auf Menschen mit der Bereitschaft, sich für etwas ein­zu­set­zen – gewis­ser­ma­ßen auf “Mut-Bürger in Uniform”! Man trifft diese Bereitschaft auch an ande­ren Orten, in vie­len sozia­len Berufen etwa oder wenn man die Orden ver­leiht, die ein Bundespräsident ver­lei­hen darf.”

Ja wie erfreu­lich für den Bundespfaffen… er darf Orden ver­lei­hen. ja da freuen wir uns aber alle sehr.

Und nur die also, die ihren Hintern hin­hal­ten für die Wirtschaftsinteressen Deutschlands an poli­ti­schen und krie­ge­ri­schen Brennpunkten der Welt sind “Mutbürger”? Und all die, die gegen soziale Kälte auf die Strasse gehen, Wutbürger?

***

Alle Zitate aus der bei SPON ver­öf­fent­lich­ten Rede Gaucks vor der Führungsakademie der Bundeswehr.

PS: Allerdings scheint ein Schlüsselsatz ver­än­dert wor­den zu sein (was dar­auf schlie­ßen lässt, dass es auch andere “ent­schärfte” Passagen gibt). Denn der Focus zitiert Gauck mit “Und dass es wie­der deut­sche Gefallene gibt, ist für unsere glücks­süch­tige Gesellschaft schwer zu ertra­gen.” - aus dem Satz wird bei SPON dann:  “Und dass es wie­der deut­sche Gefallene gibt, ist für die Gesellschaft schwer zu ertra­gen.” - da fehlt das viel­dis­ku­tierte Wort “glücks­süch­tig”! Qualitätsjournalismus pur…

PSS: Zu emp­feh­len dazu auch Albrecht Müller bei den Nachdenkseiten: Worte des Bundespräsidenten: Ekelhaft und geschichts­ver­ges­sen

  1. was an sich richtig ist…
  2. Ich stelle jetzt mal nicht die Frage, ob die Bundeswehr tatsächlich die “Mitte der Gesellschaft” darstellt… ich habe da große Zweifel.

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

7 Kommentare

  1. Deiner Argumentation nach könnte, ja müsste man auch jede Polizei abschaf­fen, denn auch die trägt Waffen und hoheit­li­che Gewalten, wel­che sie eben gegen die durch­setzt, die unsere Freiheit bedro­hen bzw. beschä­di­gen. Da bin ich mit Gauck einer Meinung.

    Ich kann auch nicht erken­nen, wo die Bundeswehr denn die Freiheit ande­rer ein­schrän­ken würde, wie diese auch für uns Grundrecht ist. Oder seit wann zB ist Piraterie in inter­na­tio­na­len Gewässern ein “Grundrecht”? Oder seit wann ist mör­de­ri­sches Diktatur-Ausüben eines?

    Natürlich sind weder Polizei noch Militär unfehl­bar in der Durchführung ihrer Arbeit, aber ich sehe auch keine Option dazu, wer oder was diese Aufgaben bes­ser erle­di­gen / erfül­len könn­ten.

    Wie weit die Bundeswehr die “Mitte der Gesellschaft ist”, hängt wohl vom Betrachtungsfokus ab. Tatsache ist, das dort Freiwillige aus allen sozia­len Schichten, aus allen Bildungsebenen etc. zu fin­den sind – wenn auch mit Wichtungen in Submengen, für die der Dienst dort auf­grund ihrer Vita o.ä. mehr Chancen zu bie­ten hat als für andere.

    btw: Im Gegensatz zu den meis­ten ande­ren Deutschen bin ich schon etwas rum­ge­kom­men – auch dort, wo nor­ma­ler­weise kein deut­scher Tourist zu fin­den war/ist, wo die Bundeswehr im Einsatz war/ist, mit den Leuten vor Ort gear­bei­tet / gelebt. Nicht alles, was über die Bundeswehr aus­ge­führt wird, halte ich für ziel­füh­rend oder sinn­voll – hin­ter die­sen Entscheidungen aber stan­den oder ste­hen eben die Politiker, die WIR gewählt hatten/haben. Die Bundeswehrleute haben sich, ja sogar ihr Leben, per Eid allein unse­rem demo­kra­ti­schen Willen ver­pflich­tet – also soll­ten wir, wenn wir Fehler zu sehen mei­nen, diese auch dort suchen, wo sie initi­iert wur­den – bei uns selbst.

  2. Die Argumentation von Nic beschreibt einen Istzustand und Nils einen Sollzustand. Das staat­li­che Gewaltmonopol, das Menschenrecht auf Selbstverteitigung (wir reden hier nicht über den Wilden Westen, oder doch?) und der demo­kra­ti­sche Wille wer­den nier­gends nicht in Frage gestellt. Es geht ein­zig prag­ma­tisch um was ist wie sinn­voll und ziel­füh­rend umzu­set­zen. An der Entdeckelung der Widersprüche zwi­schen dem Soll/Ist-Zustand schei­terte schon Gaucks Vorvorgänger “Katze aus dem Sack”-Köhler.

    Mit Sonntagsreden löst man keine Probleme. Es gibt aber immer noch wel­che, die daran glau­ben. Deshalb war Merkel ja auch auf sich so sauer, dass sie nicht gleich Gauck (wegen den fal­schen christ­li­chen Mitläuferparteien) dem Schnäppchenjäger und Immigrationsbeauftragten Wulff vor­ge­zo­gen hat. Gauck macht, was ihm gepre­digt wurde und den Bürgern gepre­digt wird. Vielleicht wäre er sogar ein demo­kra­ti­sche­rer und inte­gra­ti­ons­wil­li­ge­rer Militärbischof als der hier:
    http://skydaddy.wordpress.com/2012/06/01/overbecks-auserungen-meinungsfreiheit-oder-volksverhetzung/#comments

    Dann wäre auch die demo­kra­ti­sche Zusammensetzung der Bürger in Uniform und ihrer Vorgesetzen eine andere. Für ein Alphamännchen zu kämp­fen, über­las­sen wir dann unse­ren Feinden (“Gott mit uns”), die wir nicht lie­ben.

  3. Korrehtur: nir­gends anstatt nier­gends nicht

  4. Des Pfaffen Kollegen ver­ge­wal­ti­gen ‘nur’ Kinder. Er ein gan­zes Volk.

  5. Wie die sprich­wört­li­che Faust aufs Auge passt die­ser heu­tige Artikel in der Zeit: “Schon neun Monate Bundeswehr scha­den der Charakterentwicklung, sagen Forscher”… http://www.zeit.de/2012/23/C-Wehrdienst

  6. Die neue Werbekampange der deut­schen Bundeswehr:

    http://bayimg.com/oapdNAADC

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