Mittwoch , 22 Mai 2013
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Shahin Najafi: Todesstrafe wegen Blasphemie

Shahin Najafi am 18.07.2009 in Berlin

Shahin Najafi am 18.07.2009 in Berlin

Es hat schon einen Grund dass die Giordano-Bruno-Stiftung einen Protestaufruf gegen den Mordaufruf gegen den ira­ni­schen Rapper Shahin Najafi ver­öf­fent­lichte. Auch ich habe ja bereits zur Solidarität mit Najafi auf­ge­ru­fen. Denn nun soll es dem Focus zu Folge eine wei­tere Fatwa gegen den Rapper geben:

Nach Angaben des Nachrichtendienstes Tabnak vom Montag stieß das Todesdekret Großajatollah Nasser Makarem Schirasi aus. Auf eine Anfrage sei­ner Anhänger, wie die Gläubigen auf Beleidigungen schii­ti­scher Heiliger durch Najafi rea­gie­ren soll­ten, erwi­derte er: „Jegliche Beleidigung hei­li­ger (schii­ti­scher) Imame durch einen Muslim wird als Blasphemie und Apostasie aus­ge­legt.“ Nach isla­mi­schen Gesetzen, die im Iran als Basis der meis­ten juris­ti­schen Urteile gel­ten, steht auf Blasphemie die Todesstrafe.

Ich habe bis­her noch keine Information dar­über, ob sich wirk­lich Widerstand gegen die­ses idio­ti­sche Urteil – das ein Fatwa ja auch immer ist – regt. Die deut­sche Regierung jeden­falls will die Sache ganz ein­fach klä­ren und den Rapper außer Landes sehen. Dieses Verhalten ist ein­fach nur wider­lich zu nen­nen. Es sind die Gleichen, die per­ma­nent über die Christenverfolgung im Iran kla­gen. Zu Unrecht, wie man weiß.

Und es sage mir kei­ner, die Gefahr für Shahin Najafi wäre nicht groß. Es gibt immer ein paar Schwachköpfe, die für Gesetz hal­ten, was irgend­ein Mullah von sich gibt. Und ent­spre­chend han­deln. Und töten.

Immerhin: die Medien wachen lang­sam auf. Insbesondere das Interview von Daniel Bax in der TAZ und die Reaktion von Jörg Lau dar­auf zei­gen, dass der Fall bri­san­ter ist, als man auf den ers­ten Blick  anneh­men mag. Denn es geht tat­säch­lich um mehr als “nur” um die Todesdrohungen gegen einen Rap-Musiker: es geht um das west­li­che Bild des Islam.

Nic

Lesenswert ist auch der Artikel in der Südeutschen dazu (alle ande­ren Zeitungen schrei­ben von ein­an­der ab).

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

13 Kommentare

  1. Weiter mit alle Macht den Doofen, heute nur ein­sei­tige Religiotenrunde bei Maischberger ARD 22:30 zu Salafismus: http://kath.net/detail.php?id=36558

    • Wat ne Runde:
      “Als wei­tere Studiogäste ange­kün­digt sind die Schauspielerin Renan Demirkan, der jüdi­sche Journalist und Jurist Michel Friedmann, die mus­li­mi­sche Moderatorin Kristiane Backer, der katho­li­sche Publizist Matthias Matussek und der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach. ” … da kann man nur mit dem Kopf auf den Tisch schla­gen…

  2. Ein ein­fa­ches Kriterium zur Beurteilung kom­men­der Runden. Je autoritäts-gläubiger, desto humor­lo­ser und aggre­si­ver. Je kusche­li­ger, desto geschwur­be­li­ger. Weder noch ist die Lösung:
    http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2012/05/14/mohammed-vs-jesus/

  3. Bei der soge­nann­ten Blasphemie geht es nicht darum, dass der Gott der Gläubigen, also ihr Gott, an den sie glau­ben, bei­spiels­weise belei­digt wird, son­dern nach ihrer Meinung wird damit Gott an sich belei­digt. Für diese Gläubigen ist Gott eine unum­stöß­li­che Tatsache, gegen die nie­mand irgend­et­was sagen kann und sagen darf. Aber immer dreht es sich nur um ihren Gott, an den sie glau­ben. Nicht gerade wenige Menschen glau­ben an einen ande­ren Gott, der anders heißt und über­dies in vie­len Dingen anders sein soll. Das ist eine Konsequenz der jewei­li­gen theo­lo­gi­schen Lehrmeinung, und die wird von Menschen gemacht. Jede Religionsgemeinschaft hat ihren eige­nen Gott, und nur die­ser ist ihres Erachtens der ein­zig wahre, alle ande­ren Götter gibt es nicht. Man erkennt zwar an, wenn eine Person gläu­big ist, aber mehr gesteht man ihr nicht zu.

    Da somit für jeden Gläubigen auf der Welt aus­schließ­lich sein Gott der ein­zig wahre ist, müs­sen folg­lich diese ver­schie­de­nen Götter reine Gebilde des Glaubens sein, mit Wahrheit kön­nen sie nichts zu tun haben. Und etwas, was nicht da ist, kann man auch nicht belei­di­gen.

  4. Ich ver­weise auf meine Rundenbeurteilung von ges­tern. Den Religionsunterricht auf Talkshows aus­zu­deh­nen statt im Kindesalter abzu­schaf­fen ist ein­fach zusätz­li­che Gehirnwurmnahrung. Das Fußballspiel zuvor zeigte wie­der deut­lich, wozu tole­rierte Massenpsychose führt. Abhilfe, Fußball im Namen der Religionsfreiheit als Religion Nr. 1 aner­ken­nen. Der Fußballgott ersetzt das 1. Gebot (Alleinstellungsmerkmal) aller ande­ren mono­the­is­ti­schen Religionen. Im Gegenzug ver­zich­tet der Fußballgott (Vorname Toni) auf Subventionen jed­we­der Art. Steuerpflicht besteht für alle Organisationen, die mit Fußball Geld machen. Die Steuereinnahmen gehen nicht an Toni und des­sen staat­li­che Stellvertreter, son­dern flie­ßen direkt in den jewei­li­gen Staatshaushalt ein.

  5. Weiter gehts, nicht fal­sche Rücksichtnahme, son­dern plu­rale gesell­schaft­li­che Solidarität schützt sein Leben. Der Fatwaverhänger ist der zu ver­ur­tei­lende Hassprediger. Ran an die Wurzeln des Kraft-Meier-schen Kuschelirrsinns:
    http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2012/05/16/titten-der-vernunft/

  6. Was hat Shahin mit dem Fussballgot zu tun? Die Reaktion der Tiefgläubigen ist die glei­che, wenn auch gra­du­ell wol­len und tun durch Aufklärung über Schwarmdummheit behin­dert wird. Meine oben erwähnte Abhilfe war eine durch­aus erst­ge­meinte Provokation gefühls­be­lei­dig­ter Psychopathen, die gemäß §166 die Kritik am Gotteswahn ver­hin­dern wol­len. Ob Prof. Dr. Manfred Lütz ein schla­gen­des Gegenargument, außer dem Katholikentag in Mannheim, parat hat?
    http://blasphemieblog2.wordpress.com/2012/05/17/evangelikale-protestieren-gegen-vater-unser-zum-lieben-fusball-gott/#comments
    Für ein Ende das reli­giö­sen tragisch-komischen Ewigkeitskonfliktes. Himmelfahrt wohin und wozu?

  7. Was auch noch gesagt wer­den müsste: Die christ­li­chen Kirchen anno 2012 kri­ti­si­er­ren ja sicher­lich das Verhalten des Großajatollahs, das bereit­wil­lig über den Zustand sei­nes Großhirns Auskunft gibt. Bein allem darf man aber nicht ver­ges­sen, dass die christ­li­che Kirche der größte Massenmörder aller Zeiten ist (Kreuzzüge, Indianerausrottung, “Christianisierung”, Inquisition, Hexenverbrennung, Religionskriege). Nur in die­ser Zeit und auch in Europa kön­nen sie sich ein­fach nicht mehr so beneh­men wie frü­her. Mit Einsicht hat das nicht unbe­dingt etwas zu tun.

  8. Auch wenn`s hier lei­der nur die BILD ist. Dranbleiben, soviel zur psy­cho­pa­thisch aus­ge­wo­ge­nen Objektivität der Opfer-/Täter Öffent­lich­keit:
    http://www.bild.de/politik/inland/sandra-maischberger/missbrauchtes-islam-opfer-wird-aus-talkshow-ausgeladen-24173096.bild.html

  9. @Uwe Hillebrand:

    Da die jewei­li­gen Gläubigen ihren Gott als den Allgemeinen (und Einzigen) hal­ten, und auch ihre
    Rituale und Gebräuche als die ein­zig rich­ti­gen hal­ten, fun­lk­tio­niert Dein Argument nicht.
    Die hören doch eh nicht zu.

    Und aus­ser­dem: allein die Tatsache, daß die ver­schie­de­nen Religionen jeweils
    die allei­nige Wahrheit bean­spru­chen, ist zwar ein wich­ti­ger Hinweis dar­auf, daß das hier etwas schräg ist und es nur Unfug ist, was die da behaup­ten (auch oder gerade weil sie
    alle das behaup­ten), aber es ist damit noch nicht der “Beweis” erbracht,
    daß nicht doch einer der­je­ni­gen, der die Wahrheit inne­zu­ha­ben bean­sprucht,
    nicht doch auf der rich­tige Spur ist…

    Genau des­we­gen kön­nen die ja wei­ter­hin behaup­ten, sie hät­ten die Weisheit als Einzige inne.

    Deswegen wird das auch nie­mals was wer­den mit Religionen als Friedensstifter,
    – ins­be­son­dere die mono­the­is­ti­schen – Religionen sind ein per­ma­nen­ter Quell von Streit und Anfeindungen, also alles andere als Friedensstifter.

    (zurück zu den Behauptungen):

    Denn letzt­lich steht da Behauptung gegen Behauptung.
    Daher kann man auch nicht aus die­sen Behauptungen ablei­ten,
    alle hät­ten Unrecht. Eine der Behauptungen könnte ja stim­men.

    Das Problem ist, daß die Behauptungen nicht über­prüf­bar sind und daher
    ratio­na­ler Prüfung nicht zugäng­lich.
    Damit ist es voll­kom­men unsin­nig, Gott wie­der­le­gen zu wol­len (wie es viele
    Atheisten oft ver­su­chen).
    Es ist aber min­des­tens ebenso Unsinnig, Gottes Existenz zu behaup­ten.

    Genau genom­men: gäbe es einen Gott, wäre doch Religion echte Blasphemie,
    denn sie behaup­tet, Gottes Anliegen erken­nen zu kön­nen, obwohl sie
    gleich­zei­tig aus­sagt, Gott wäre nicht zu ent­schlüs­seln (“seine Wege sind uner­gründ­lich”).

    Es dann trotz­dem zu pro­bie­ren, ist doch wohl die aller­größte Blasphemie,
    die man sich vor­stel­len kann.
    Dagegen ist jeder athe­is­ti­sche Ketzer als Einzelindividuum gera­dezu “harm­los”,
    denn die Religioten haben ganze Machtsysteme und Auslegungs-Pamphlete über Jahrtausende
    geschaf­fen… das ist doch noch viel anmas­sen­der.

    Turmbau zu Babel? Ja, von den Religioten selbst.

    Zumindest die­ses Argument (reli­gion als Blasphemie) sollte selbst Gläubigen Menschen
    zugn­g­lich sein, zumin­dest, wenn sie es ernst mei­nen mit “Gottes Wege sind uner­gründ­lich”
    und damit, daß Gott der Menschen eigent­lich nicht bedarf…
    …dann würde man mit etwas nach­den­ken drauf kom­men, daß – wenn schon nicht Gottesglaube – so doch zumin­dest Religion Unfug ist…. aber als nächs­tes müsste sich eigent­lich auch der Glaube an Gott auf­lö­sen, denn der Einzelne Gläubige macht ja nichts ande­res, als herum zu deu­teln…
    …auch das wäre dann Blasphemie…

  10. Ach ja, im Islam ist das ja etwas anders… das mit dem nicht-ergründbaren Gott… da “der Prophet” ja einen direk­ten Draht zum Gott hatte, sei es ja auch Gottes Wort, wel­ches er ver­kün­det haben soll, an dem auch nichts mehr herum zu deu­teln sei….

    …aber auch das sind nur Behauptungen von indok­tri­nier­ten Menschen…

  11. Keep on run­ning, Norbert Lammert Opfer der Katholiban:
    http://kath.net/detail.php?id=36614

  12. Schwarmdummheit und die Folgen:
    http://jennifernathalie.blogspot.de/2012/05/fatwas-gegen-shahin-najafi-wo-bleibt.html

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