Samstag , 18 Mai 2013
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Piraten kontra Kirchensteuer

Ich würde gern etwas dazu schrei­ben, habe aber im Moment keine Zeit. Deshalb hier in vol­ler Schönheit den Artikel aus dem ND von heute:

Die Kirchensteuer soll nach Ansicht der Berliner Piraten künf­tig nicht mehr vom Land Berlin, son­dern von den christ­li­chen Kirchen selbst ein­ge­zo­gen wer­den. Damit woll­ten sie die strikte Trennung von Kirche und Staat gewähr­leis­ten, sagte der Abgeordnete Christopher Lauer am Donnerstagabend im Parlament.[...]

Von der rot-schwarzen Koalition, aber auch von den Grünen ern­te­ten die Piraten hef­tige Kritik. Die Grünen-Abgeordnete Susanna Kahlefeld sagte, die Kirchensteuer sei kein Vereinsbeitrag und gehöre nicht in die Hand der Kirchen. »Wer garan­tiert dann die Wahrung des Steuergeheimnisses?«

Vor allem der Satz von Frau Kahlefeld zeigt, dass es noch immer gra­vie­rende Unkenntnis dar­über gibt, wer hier wel­ches Steuergeheimnis nicht wahrt…

Nic

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

7 Kommentare

  1. oh, diese unkennt­nis bei “poli­ti­kern”… die dame von den grü­nen möge sich doch mal in den gel­ten­den ver­fas­sungs­tex­ten und geset­zen.
    wie heißt es da: die kir­chen sind berech­tigt kir­chen­steu­ern zu erhe­ben. also nicht der staat erhebt diese. und auch die höhe legen die ein­zel­nen lan­des­kir­chen bzw. kath. bis­tü­mer fest und nicht der staat.
    kir­chen­steu­ern sind also mit­hin nichts ande­res als ver­eins­bei­träge. nur daß diese seit der nazi-zeit (ein­kom­men­steu­er­ge­setz von 1933) vom arbeit­ge­ber ein­ge­zo­gen wer­den müs­sen und über die finanz­äm­ter an die jewei­li­gen kir­chen wei­ter­ge­lei­tet wer­den.
    im übri­gen, nur die wenigs­ten der mehr als 100 kir­chen und reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten in deutsch­land ver­fah­ren so. nur die bei­den “gro­ßen” pochen dar­auf.
    vor allem aber, gemäß der wei­ma­rer reichs­ver­fas­sung wur­den die “kir­chen­steu­ern” in der wei­ma­rer repu­blik von den kir­chen selbst ein­ge­zo­gen! (in der ddr blieb das auch so). erst mit der nazi-regierung kam der der zwangs­ein­zug durch dritte.

  2. Die Grünen-Kahlefeld ist besorgt um das Steuergeheimnis, weil sie ein Nummernkonto in der Schweiz hat? Eine wei­tere nütz­li­che Idiotin. Ackermanns Stimme hat sie sich gesi­chert. Esoterische Gefühlsduseleien sind zu entern, zur Zeit lei­der nur von Piraten.
    Der CDU-Goiny ent­larvt durch seine Quatsch-Aussage genau seine Gesetzesunkenntnis. Dafür ist ihm die Rückendeckung durch den BP Freiheits-Gauck garan­tiert. Ich plä­diere für eine unbe­fris­tete Abschiebung sol­cher Produkte der Unbegabtenförderung ins Steuerparadies Nassau.

  3. Dank Euch, Kommentatoren ;-)
    Genau das wollte ich eigent­lich schrei­ben: Frau Kahlefeld hat wirk­lich nix begrif­fen von dem, wie und unter welch grund­ge­setz­lich beu­gen­den Bedingungen die Kirche an ihre Vereinsbeiträge kommt.

  4. Die ver­christ­lich­ten Parteien CDU, SPD, Die Grünen und die FDP ahnen, was pas­sie­ren würde, wenn die Kirchensteuer nicht mehr vom Staat ein­ge­zo­gen wird. Daher das unqua­li­fi­zierte Geschrei des Herrn Goiny. Das Geld an die Kirchen würde nicht mehr so reich­lich flie­ßen, weil sich die Kirchen dann um die Eintreibung des Geldes selbst küm­mern müss­ten. Vielen Bürgern würde dann plötz­lich bewusst, dass sie längst nicht mehr gläu­big sind und oft genug nur aus Tradition und Rücksicht auf Verwandtschaft und Arbeitgeber in der Kirche Mitglied sind. Sie soll­ten aber auch wis­sen, dass mit den Kirchensteuern nicht im Geringsten irgend­wel­che Sozialleistungen getä­tigt wer­den. Sozialleistungen der Caritas, der Diakonie, der kon­fes­sio­nel­len Krankenhäuser, der Sozialstationen wer­den finan­zi­ell prak­tisch voll­stän­dig von den Sozialkassen und vom Staat erbracht. Leider wis­sen das die wenigs­ten Bürger. Aufgrund die­ses Nichtwissens kön­nen sich die Kirchen so dreist ihrer Sozialleistungen rüh­men, die sie angeb­lich mit den Kirchensteuern finan­zie­ren wür­den.

    Wie unge­niert sich der Staat an ande­rer Stelle zum Helfershelfer der Kirchen gemacht hatte, konnte man z.B. daran erken­nen, dass jah­re­lang vom Arbeitslosengeld ein Kirchensteuerbetrag ein­be­hal­ten wurde, unab­hän­gig davon ob man Mitglied der Kirche war oder nicht, selbst Muslimen wurde die­ser Kirchensteuerbeitrag abge­zo­gen. Der Betrag konnte auch nicht am Jahresende mit dem Lohnsteuerjahresausgleich zurück­ge­for­dert wer­den! (Man mache sich über Google sach­kun­dig!) Diese Praxis wurde sogar vom Bundesverfassungsgericht als recht­mä­ßig ange­se­hen und sei­ner­zeit im Wesentlichen mit Praktikabilitätsgründen gerecht­fer­tigt.

    Die Abschaffung des staat­li­chen Eintreibens der Kirchensteuer wäre ein klei­ner Schritt in Richtung einer grund­ge­setz­kon­for­men Trennung von Staat und Kirche, ist jedoch bei der jet­zi­gen Einstellung der Parteien und auf­grund des kir­chen­na­hen Bundesverfassungsgerichts eine illu­sio­näre Erwartung.

  5. Diese Meldung freut mich sehr, habe ich doch den Piraten bei meh­re­ren Gelegenheiten erläu­tert, dass dies genau der Punkt ist, wo man anset­zen muss: Da die Kirchensteuer als sol­che durch das Grundgesetz gewähr­leis­tet ist, muss man bei dem Einzusgverfahren anset­zen, das in sei­ner jet­zi­gen, ver­fas­sungs­wid­ri­gen Form von den Nazis ein­ge­führt wurde und zuvor gar nicht vor­ge­se­hen war.

  6. Mit eben­die­sen wie einer Vielzahl wei­te­ren Forderungen zur Säkularisierung ist bereits die FDP seit Jahrzehnten geschei­tert und ob die Piraten diese Position auch auf Bundesebene kon­se­quent ver­tre­ten wür­den, halte ich für höchst frag­lich.

  7. Mit eben­die­sen wie einer Vielzahl wei­te­ren Forderungen zur Säkularisierung ist bereits die FDP seit Jahrzehnten geschei­tert und ob die Piraten diese Position auch auf Bundesebene kon­se­quent ver­tre­ten wür­den, halte ich für höchst frag­lich, denn auch bei den Grünen gibt es Ortsverbände, die das bereits gefor­dert hat­ten.

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