Am 27. März 2012 erschien in Nics Bloghaus ein kurzer Artikel mit dem Titel „Brautgeschenk und Scharia“. Ich schrieb darauf einen Kommentar mit dem fragenden Unterton, wieweit Kritik am Islam und an Muslimen erlaubt sei, speziell aus einer humanistischen Position heraus. Tags darauf veröffentlichte Nic Frank an gleicher Stelle einen Beitrag „Kritik am Islam, Kritik an Muslimen“, in dem er seine Auffassung von berechtigter und nicht zulässiger Form von Be- und Verurteilung dieser Religion und ihrer Anhänger skizzierte. Die darin beschriebene generelle Auffassung teile ich in vollem Umfang. Ich habe aber wesentliche Ergänzungen und Differenzierungen anzubringen.
ein Kommentar von Uwe Lehnert

Uwe Lehnert
Vorbeugend sei gesagt, dass ich das oft gehörte Argument, dass es „den“ Islam nicht gäbe, nicht akzeptiere. Einerseits wird der Islam in seiner Ganzheit als eine in seinem Wesen friedliche, tolerante, Nächstenliebe praktizierende Religion vorgestellt, andererseits wird jede konkrete Kritik mit dem Argument abgewehrt, dass eine einheitliche Erscheinungsform dieser Religion gar nicht existiere, vielmehr eine Vielzahl von Varianten, die man nicht für „den“ Islam haftbar machen könne. So gesehen gibt es auch nicht „das“ Christentum und doch treffen die wesentlichen Argumente gegen diese Religion auf alle ihre Varianten zu. Auch ist eine besondere Rücksichtnahme in der Kritik gegenüber dem Islam und ihren Anhängern – etwa aus integrationspolitischen Gründen – fehl am Platz. Im Gegenteil: Die oft befremdlich bis anmaßend wirkenden Ansichten, die einzelne muslimische Religionsgemeinschaften gegenüber unserer Gesellschaft äußern – auch ein gelegentlich einreisender, forsch auftretender Premier Erdogan zählt dazu – und deren Weigerung, wesentliche Grundsätze der Verfassung Deutschlands als aufnehmendes Land explizit zu akzeptieren, verlangen eine deutliche Stellungnahme unsererseits. Es ist grundsätzlich die gleiche kritische Einstellung gegenüber dieser Religion erlaubt, die wir uns gegenüber Kirche und Christentum gestatten.
Um zu klären, wann und welche Form der Kritik am Islam und muslimischen Gläubigen erlaubt, ja gefordert und wo Zurückhaltung geboten ist, ist die folgende Unterteilung hilfreich: Islamische Organisationen, der Islam als Religion und der einzelne Gläubige.
Islamische Organisationen
In Deutschland leben mehr als vier Millionen Muslime. Wie viele in Vereinen und Verbänden organisiert sind, kann nur geschätzt werden, einen zentralen Dachverband gibt es nicht. Die Vereine und Verbände organisieren vor allem das religiöse Leben und beschäftigen sich mit Bau und Erhalt von Moscheen. Die vier größten Verbände – mal liberaler, mal weniger weltoffen und unterschiedliche islamische Richtungen vertretend – haben sich zum Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) zusammengeschlossen. Der Rat nimmt für sich in Anspruch, den Großteil der sunnitischen und schiitischen Muslime in Deutschland zu vertreten und ein zentraler Ansprechpartner für den Staat zu sein. Der Rat umfasst die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB, staatliche türkische Moscheevereinigung), den Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD), den Verband der islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ) und den Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland e.V. (IRD). Der Zentralrat der Muslime vertritt vorwiegend nichttürkische Muslime, derzeitiger Sprecher ist das FDP-Mitglied (z.Z. mit ruhender Mitgliedschaft) Aiman Mazyek. Der Islamrat vertritt auch die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestufte Milli Görüs und wurde von der Islamkonferenz 2010 wegen ungeklärter finanzieller Machenschaften dieses Vereins ausgeschlossen. Keine der existierenden muslimischen Dachorganisationen oder Verbände kann aber für alle Muslime in Deutschland sprechen. Erwähnenswert hier ist noch der Zentralrat der Ex-Muslime, eine Vereinigung mutiger, inzwischen säkular eingestellter Menschen, deren Ziel u.a. das Zurückdrängen des Einflusses des politischen Islam ist.
Nicht zu akzeptieren ist, was bestimmte Gruppen von insbesondere muslimischen Zuwanderern, unterstützt durch einige Politiker, meist mit Migrationshintergrund, sich anmaßen, dass nämlich wesentliche Regeln des Zusammenlebens von ihnen bestimmt werden könnten. Dazu ist festzustellen, dass die Normen und Vorschriften des gesellschaftlichen Miteinanders selbstverständlich das Aufnahmeland definiert. Wobei nicht ausgeschlossen ist, dass im Laufe der Jahre Eigenarten verschiedener Kulturen, auch solcher religiöser Art, sich angleichen und miteinander verschmelzen. Letzteres geschieht dann aber im gegenseitigen Einverständnis.
Islamische Organisationen in Form von Vereinen, Verbänden und Dachorganisationen handeln und wirken wie politische Parteien, haben ihre lobbyistischen Vertreter in den traditionellen politischen Parteien – wie die Kirchen z.B. auch – und sind daher ebenfalls von keinerlei sachlicher Kritik ausgenommen. Sie versuchen, sich dieselben – ungerechtfertigten –Privilegien wie die Amtskirchen zu verschaffen. Sie sind darüber hinaus vor allem hinsichtlich ihres aus der Religion abgeleiteten gesellschaftlichen und politischen Anspruchs gegenüber der aufnehmenden Gesellschaft zu beurteilen. Hierzu soll weiter unten noch einiges ausgeführt werden.
Dass die Besorgnis mangelnder Integrationsbereitschaft insbesondere von Muslimen nicht unberechtigt ist, zeigt die jüngst veröffentlichte Studie „Lebenswelten junger Muslime“ des Innenministeriums. Danach sind 78% der befragten Muslime zwischen 14 und 32 Jahren zur Integration bereit, 22% betonten jedoch eher die eigene Herkunftskultur. Von den nichtdeutschen Muslimen sind dagegen nur 52% für die Integration in die deutsche Gesellschaft, während 48% eine starke Tendenz zur Separation zeigen. Die Studie kommt auch zu dem Schluss, dass es eine Gruppe junger Muslime gibt, die als „streng Religiöse mit starken Abneigungen gegenüber dem Westen, tendenzieller Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz“ zu bezeichnen ist. Zu dieser Gruppe werden 15% der jungen deutschen Muslime, 24% der nichtdeutschen gerechnet. Die Mehrheit ist also integrationsbereit, eine nicht unerhebliche Minderheit offenbar aber nicht.
Islam als Religion
Der Islam als Religion darf selbstverständlich wie jede andere Religion oder Weltanschauung in ihren Aussagen kritisiert und auf ihre Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft hinterfragt werden. Die Kritik am Islam darf scharf und pointiert, hat aber sachlich und gegenüber den Vertretern dieser Religion ohne persönliche Beleidigungen zu erfolgen. Insofern unterscheidet sich Kritik am Islam formal nicht von üblicher und erlaubter Kritik am Christentum.
Die inhaltliche Auseinandersetzung bezieht sich vor allem auf die Botschaft des Korans mit seinen Behauptungen, Vorschriften und Handlungsanweisungen sowie dessen Entstehung und Geschichte, auf das Verhältnis zur Wissenschaft, insbesondere der Naturwissenschaft, und nicht zuletzt auf die Ansprüche dieser Religion gegenüber Gesellschaft und Politik. Der Islam ist in seiner Gesamtheit – Koran und Sunna (in Hadithen überliefert), sie gelten als unantastbar und verpflichtend, sowie der Scharia – nicht nur ein Glaubenssystem, das spirituelle Bedürfnisse der Menschen befriedigen möchte, sondern bildet auch ein Erziehungssystem, ein Rechtssystem und ein System von Handlungsaufforderungen, die über den persönlichen Bereich in die Gesellschaft wirken sollen. Deshalb ist zu fragen, ob der Islam eine Religion ist, die gemeint ist, wenn im Grundgesetz von Freiheit des Glaubensbekenntnisses oder Religionsfreiheit gesprochen wird. Ich behaupte, dass der Islam den herkömmlichen Begriff von Religion sprengt, weil er ein religiöses Bekenntnissystem und politisches Ordnungssystem darstellt. (Dass das Christentum bis zur Aufklärung denselben Status einnahm und auch heute versucht, diesen ebenfalls wieder einzunehmen, sei hier ausdrücklich festgehalten.)
Von den gut vier Millionen Muslime gelten weniger als die Hälfte als gläubig bzw. als praktizierende Muslime. Ähnlich der Situation unter den Christen in Deutschland, wo gemessen z.B. an den Kriterien Taufe, kirchliche Hochzeit oder sonntäglicher Kirchenbesuch sogar deutlich weniger als die Hälfte noch als praktizierende Christen anzusehen sind. Salafisten und Wahhabiten wiederum gelten als besonders strenggläubige Muslime. Vergleichbar den Evangelikalen oder Kreationisten bei den Christen nehmen sie eine streng wörtliche Interpretation des Korans vor. Gläubige aus ihren Reihen haben daher die größten Probleme mit der Akzeptanz der westlichen Kultur und Lebensweise und dem Bekenntnis zu unserer Verfassung.
Der muslimische Gläubige
Anders stellt sich die Situation dar, wenn wir einem muslimischen Gläubigen begegnen. Hier gilt zunächst der Grundsatz der Toleranz gegenüber jedweder religiösen persönlichen Auffassung. Mensch und Auffassung sind hier streng zu trennen, es gilt der unbedingte Respekt vor der Person. Herablassende, gar beleidigende Äußerungen wegen der ethischen Rückschrittlichkeit (Gleichberechtigung, Homophobie, Todesstrafe udgl.) und wissenschaftlichen Unhaltbarkeit der geglaubten Auffassungen sind zu unterlassen. Auch wenn es schwer fällt, die aus heutiger Sicht absurden Behauptungen vieler Koranstellen zu akzeptieren. Man bedenke, dass man in der Regel in eine Religion hinein geboren wird, ohne eigenes Zutun und ohne Möglichkeit der intellektuellen Abwehr aufgrund des Einflusses der Eltern und des kulturellem Umfelds. Ein verinnerlichter Glaube, in dem sich der betreffende Mensch wohl fühlt und den er offenbar ehrlichen Herzens verteidigt, ist zu akzeptieren. Wohl aber darf man auf Widersprüche innerhalb des Glaubens und zwischen Glauben und Lebenswirklichkeit aufmerksam machen. Eine Verurteilung dieses Menschen darf daraus nicht abgeleitet werden.
Problematisch wird die Situation aber dann, wenn der persönlich verinnerlichte Glaube umfassend auch den gesamtgesellschaftlichen Kontext in den Blick nimmt. Wer behauptet, dass Allahs Gesetz über jedem weltlichen Gesetz stehe, kommt mit unserem Grundgesetz in Konflikt. Wer aufgrund seines Glaubens Andersgläubige verachtet, wer den Abfall vom islamischen Glauben als todeswürdig ansieht, wer wesentliche Grundrechte unserer Verfassung als nicht kompatibel mit dem eigenen Glauben ansieht, stellt sich als Gegner unserer Verfassung dar. Ein solcher Glaubender begreift sich dann offenbar als ein bewusstes, kämpferisches Mitglied einer auch gesellschaftlich-politisch agierenden Organisation, die zudem eindeutig ein wesentliches Prinzip unserer Verfassung – wenn auch nicht Verfassungswirklichkeit – ablehnt, nämlich die Trennung von Staat und Religion. Ohne diese Trennung der privaten und öffentlichen Sphäre in Fragen der Religion ist eine Gesellschaft, die sich zunehmend aus verschiedenen Kulturen und Traditionen zusammensetzt, die letztlich alle wesentlich religiös geprägt sind, als friedliches Gemeinwesen nicht denkbar.
Spätestens dann, wenn einem gläubigen Muslim verdeutlicht wurde, dass der umfassende Anspruch des Islam, in alle gesellschaftlichen Bereiche für alle Bürger, auch die anders- und nichtgläubigen, verbindlich hinein zu wirken, mit unserer Verfassung kollidiert, und er dennoch auf diesen Glaubensanspruch besteht, endet bei diesem Gläubigen meine Toleranz. Ich nehme mir dann das Recht heraus, nein, ich betrachte es sogar als meine staatsbürgerliche Pflicht, ihn auf die Unvereinbarkeit seiner Position mit den Prinzipien eines freiheitlichen, demokratischen und pluralistischen Systems hinzuweisen. Im Falle der Weigerung, unsere Verfassung anzuerkennen, verlange ich seine Rückkehr in sein Herkunftsland. Es wäre geradezu grotesk, Menschen, die ihres Glaubens bzw. ihrer Weltanschauung wegen ihre Heimat verlassen mussten – wie z.B. viele atheistische Iraner – hier wiederum mit einer tatenlos hingenommenen Entwicklung zu konfrontieren, die letztlich wieder zu autoritären, antidemokratischen und menschenrechtsverletzenden Strukturen führen würde.
Es reicht nicht, solche Menschen zu ignorieren und sie als religiöse Wirrköpfe abzutun. Sie gehören als Verfassungsgegner genauso behandelt wie zum Beispiel Rechtsextremisten. Die Politik ist aufzufordern, hier zu handeln, damit die ideologische Unterwanderung unserer Gesellschaft unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit gestoppt wird. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung, wozu ganz wesentlich die Beachtung der Menschenrechte und das friedliche religiöse Zusammenleben gehören, stellt einen höheren Wert dar als eine im Kontext der übrigen Grundwerte zu sehende Religionsfreiheit, vor allem dann, wenn diese politisch missbraucht wird.
Die Doppelmoral bei der Beurteilung von Extremisten
Verlogen und unerträglich ist die Doppelmoral in der Behandlung von Extremisten. Sobald von „rechter Seite“ auch nur die Andeutung erkennbar wird auf Verletzung von Verfassungsgrundsätzen und Menschenrechten, schrillen – zu Recht! – die Alarmglocken. Werden von Seiten muslimischer Organisationen oder prominenter Vertreter – beispielsweise Salafisten oder aus Saudi-Arabien bezahlten Wahhabiten, aber auch Predigern, die zu Recht als Hassprediger bezeichnet werden – solche Glaubensaussagen in Form von Videos oder Schulbüchern verbreitet, die die gleiche Verletzung von Verfassung und Menschenrechten darstellen, herrscht – mit wenigen Ausnahmen – nur betretenes Schweigen und Wegsehen. Im Gegenteil – Kritiker, die auf diese Doppelmoral verweisen, werden schnell der Ausländerfeindlichkeit, gern auch des beliebten Totschlagarguments Rassismus bezichtigt. Befasst sich der Verfassungsschutz mit solchen Vorgängen, muss er sich gegenüber bestimmten Politikern rechtfertigen, dass er es überhaupt wagt, diese Aktivitäten zu beobachten.
Ich befürchte jedoch, dass sich unsere christlich dominierte Politik weigern wird, Salafisten, Wahhabiten und andere fundamentalistisch eingestellte islamische Gruppierungen ernsthaft in die Schranken zu weisen, ja gar zu verbieten. Zu groß ist die Gefahr, dass sie selbst konfrontiert werden mit Aussagen ihrer eigenen Religion. Denn das Alte Testament und Teile des Neuen Testaments bieten eine Fülle vergleichbarer – inzwischen verschämt ignorierter – Abstrusitäten und Menschenrechtsverletzungen, wie sie eben im Koran vorzufinden sind. Hinzu kommt die klammheimliche Erwartung der Kirchen, dass die der Politik abgetrotzten Vorrechte für die muslimische Religion dann die schon bestehenden der Kirchen weiter legitimieren und legalisieren würden.
Die Diskussion über muslimische Zuwanderer leidet unter Befangenheit und Unehrlichkeit. Es wird höchste Zeit, dass wir wieder mutig und entschlossen unsere in der Verfassung niedergelegten Prinzipien offensiv verteidigen, aber auch fair sind zu jedermann – egal wo er/sie herkommt, vorausgesetzt, dass er/sie jene Essentials akzeptiert, die die Grundlagen unserer Gesellschaftsordnung bilden. Genau aber diesen expliziten Bezug auf unsere Verfassung vermisse ich bei einem Teil der muslimischen Zuwanderer, leider auch bei ihren offiziellen Vertretern. Stattdessen müssen wir erleben, dass islamkritische Karikaturisten, Filmemacher, BuchautorInnen, Frauen, die sich von ihrer Religion lossagen und einen freiheitlich-westlichen Lebensstil bevorzugen, bedroht oder umgebracht werden. Islamkritisch berichtende Journalisten oder Universitätsdozenten werden eingeschüchtert und verstummen schließlich, weil sie um ihr Leben fürchten müssen. Eine eindeutige und differenzierte Distanzierung von offizieller muslimischer Seite, die vor allem auch die eigenen ideologischen Grundlagen kritisch hinterfragen würden, kann ich leider nicht erkennen.
Was ich von Zuwanderern erwarte ist die Bereitschaft, unsere Gesetze und Verfassung zu respektieren, unsere Sprache zu erlernen, sich auszubilden und sich selbst um den Lebensunterhalt zu bemühen. Die übergroße Mehrheit der Zuwanderer tut das ganz offenbar. Eine problematische Minderheit und ein Teil der islamischen Verbände bleiben deswegen keinesfalls ungefährlich.
Zusammengefasst: Ich wehre mich gegen die leider verbreitete Auffassung, dass Islamkritik, selbst sachlich vorgetragene, ausländerfeindlich sei. Der unbedingte Respekt vor dem anderen Menschen – auch gläubigen, gleichgültig aus welchem Land er kommt – schließt aber Kritik an dessen Meinung und Religion für mich keinesfalls aus. Respekt meint, dass ich den anderen so behandele, wie ich behandelt werden möchte, und dass ich seine Position als legitime Meinung toleriere. Tolerieren in diesem Sinne heißt, formal zu akzeptieren, dass er das Recht auf einen eigenen, von dem meinen abweichenden Standpunkt hat. Toleranz setzt allerdings Gegenseitigkeit voraus. Denn Toleranz und Respekt kann nur erwarten, wer selbst dieses Verhalten zeigt, andernfalls verliert eine faire Auseinandersetzung ihre Basis. Inhaltlich jedoch erlaube ich mir, die Meinung des anderen mit Gründen zu kritisieren, gegebenenfalls sogar entschieden abzulehnen. Die bewusst oder verdeckt angestrebte grundgesetzwidrige Verquickung von Religion und Gesellschaft bekämpfe ich jedoch mit allen rechtlichen Mitteln (sowohl beim Islam wie beim Christentum). Sofern dieser religiös motivierte All- und Absolutheitsanspruch fallen gelassen wird, dürfte es in einem pluralistisch verfassten Gemeinwesen keine Probleme geben, unterschiedlichste Lebenskonzepte, wozu ganz wesentlich die Weltanschauung gehört, nebeneinander existieren zu lassen. Daraus dennoch entstehende Konflikte sind im Geiste unseres Grundgesetzes auszutragen. (Aus: Warum ich kein Christ sein will, 4. Auflage, 2011, S. 308.)
Uwe Lehnert, 17.4.12
Die Diskussion ist eröffnet, denn ich behaupte nicht, dass ich in allen Punkten Recht haben muss.
Nics Bloghaus
Eine tolle Zusammenfassung, genau so. Toleranz und Respekt sind nicht gottgegeben, das individuelle Handeln ist entscheidend. Die kulturelle Evolution hat ein Niveau erreicht wo nicht mehr Religionsfreiheit, sondern Freiheit vor Religion anzustreben ist. Wie lange soll es noch dauern, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass Religion alles vergiftet? Auch in Israel, man komme mir nicht mit Antisemitismus und Rassismus. Immer abwägen ob Toleranz und Respekt vor was eigentlich, was ist redlich integrationsfähig? Ich bin ein Weltenbürger und habe überall solche und solche kennengelernt.
Eine tolle Zusammenfassung, genau so. Toleranz und Respekt sind nicht gottgegeben, das individuelle Handeln ist entscheidend. Die kulturelle Evolution hat ein Niveau erreicht wo nicht mehr Religionsfreiheit, sondern Freiheit vor Religion anzustreben ist. Wie lange soll es noch dauern, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass Religion alles vergiftet? Auch in Israel, man komme mir nicht mit Antisemitismus und Rassismus. Immer abwägen ob Toleranz und Respekt vor was eigentlich, was ist redlich integrationsfähig? Ich bin ein Weltenbürger und habe überall solche und solche kennengelernt.
Die Interpretation und Bewertung der oben genannten Studie zur Integration “der Muslime” scheint wohl sehr unterschiedlich auszufallen. Ich traue den Ausführungen des Ex-Christen Herrn Lehnert leider in diesem Punkt gar nicht. Das werde ich wohl noch sagen dürfen. http://jacobjung.wordpress.com/2012/03/06/lebenswelten-junger-muslime-umdeutung-einer-studie-durch-bild-zeitung-und-politik/
” Dazu ist festzustellen, dass die Normen und Vorschriften des gesellschaftlichen Miteinanders selbst verständlich das Aufnahmeland definiert.”
Das ist – in Deutschland – reines Wunschdenken. Während nahezu jedes andere der Land der Erde nach diesem Grundsatz agiert, scheint dies – sei es aus falsch verstandener politischer Korrektheit oder dem Dogma des zweiten Weltkrieges – in Deutschland nicht selten ins Gegenteil verkehrt.
Migrationsprobleme werden mit ebensoviel Geld unter den Teppich gekehrt wie zeitgleich weitergezüchtet – und ginge es nach einigen Parteien im Lande, sollte dies nicht nur so bleiben, sondern wesentlich ausgebaut werden.
Gemixt mit den für uns selbstverständlichen Vequickungen institutionalisierter Religion mit dem Staat dürfte dies künftig noch ganz neue Aspekte herbeibringen.
Das das – politisch wie gesellschaftlich – auf Dauer nicht gut gehen kann, ist eigentlich doch offensichtlich – nur heißt das noch lange nicht, das es gesehen wird oder gesehen werden darf…
und btw: was bitteschön sind denn “herablassende” Äußerungen gegenüber “ethnologischer Rückschrittlichkeit”? Schon die Äußerung ist ja ein Widerspruch, denn “rückschrittlich” ist ja bereits “herablassend”. Und warum z.B. sollte ich mich nicht herablassend über die Todesstrafe äußern? Hätte das niemand aus der Sicht irgendwelcher Befürworter getan, hätten auch wir sie wohl heute noch – oder wieder…
Nein, Kritik muß möglich sein – an jeder Kultur – auch an unserer. Das hat auch nichts mit Rassismus zu tun, sondern menschlicher Fortentwicklung durch sachliche Kritik bzw. freie Meinungsäußerung. Auch Kulturen stehen letztlich im Wettbewerb. Von stetig stärkerer politischer Konditionierung zwecks “Friedenserhalt” zwischen immer mehr widersprüchlichen ethnischen Zuströmungen halte ich wenig, denn das führt zu stetig mehr unaufgearbeiteten Problemen – ich lasse mich gern kritisieren und kritisiere ebenso gern. Was jeder draus macht, ist seine Sache.
@Maria, nomen est omen? Bei mir nicht, es hat aber wegen frükindlicher Indoktrination lange gedauert Kritik zu lernen. Wenn ich glauben würde, würde ich Uwe auch nicht trauen. Evolution ist ein Optimierungsprozess zwischen Masse und Klasse. Ich sprach von kultureller Evolution und teile die von Niels geäußerten Bedenken. Bild hat mich noch nie gebildet. Seit der evolutiven Entwicklung des zentralen Nervensystems in der Komplexität der Menschheit, bedarf es hierzulande keiner Schamanen und Scharlatane mehr, die einem den Blitz erklären (die Basis aller Religionen, s. Moses). Mich kann man nicht gefühlsbeleidigen, aber körperlich verletzen. Was ich kann, schaffen andere auch, wenn sie dürfen. Ob Religionen (auch weltliche) je einen evolutiven Vorteil verschaffen, darf man wohl in Frage stellen.
Niels Dettenbach: Ich sprach nicht von “ethnologischer” sondern von “ethischer Rückschrittlichkeit”. Ich vermute aber eher nur einen Schreibfehler.
Maria Liebknecht: Es wäre doch für alle hilfreich, wenn statt einer Internetadresse das eine oder andere Argument vorgebracht würde, warum eine Meinung von mir so nicht haltbar sei. Ich bin immer bereit, das bessere Argument gelten zu lassen.
Lehnert schreibt: “Im Falle der Weigerung, unsere Verfassung anzuerkennen, verlange ich seine (des Gläubigen) Rückkehr in sein Herkunftsland.”
Bürgerwehrkämpfer Lehnert: Wo sind denn eigentlich alle diese verfassungsbrechenden Muslime? Wo denn?
Trau, schau wem! Die verfassungsbrechenden Muslime sehe ich unter strenggläubigen Untertanen und in den integrierten offiziellen Muslimorganisationen, die gefühlsbeleidigt für vorauseilende Rüchsichtnahme plädieren. Opern werden in Berlin abgesetzt, weil Mohammeds Kopf zu sehen war, oder der Karrikaturenstreit und der unsägliche §166 StGB. Wenn kritische Kunst mit Todesstrafe bedroht wird, verlange ich genau von diesen Religionsvertretern, dass sie eineindeutig Stellung beziehen. Es darf nicht sein, dass nicht wenige Ex-Muslime bei uns unter Personenschutz gestellt werden müssen. Wer bedroht sie denn psychisch und physisch? Die verfassungsbrechenden Muslime, ja wo sind sie denn? Man komme mir nicht mit Einzelfällen und falschem Religionsauslegungsgeschwurbel.
Gottvertrauen ersetzt Realität, das ist das religiöse Problem welches ein friedliches Zusammenleben vergiftet. Gerade wegen der Symbiose von Macht und Religion muss verhindert werden, dass heilige Schriften über staatlichen Gesetzen stehen welche das friedliche Zusammenleben außerhalb einer Diktatur gewährleisten.
Wir können unsere irgendwasgläubigen Rechtradikalen natürlich nicht in Fremdländer abschieben, aber rechtsstaatlich begegnen. Welcher Nachholbedarf im Handeln real besteht, zeigt unsere jüngste Vergangenheit. In christlicher Gesinnung entschuldigt man sich (selbst), und bemüht sich redlich göttlichen Anachronismus zu verstehen.
Ich kann – wie so häufig – Uwe Lehnert nur uneingeschränkt zustimmen, unter anderem wohl auch deshalb, weil mir die Lebenswelten von Moslems nach 14 Jahren in einem islamischen Land so nah sind. Hier scheint mir der richtige Erkenntnisprozess in Deutschland noch ein wenig hinterher zu hinken.
@ Maria Liebknecht:
Schon eine Formulierung wie „Bürgerwehrkämpfer Lehnert“ zeigt, dass Sie mehr Freude an polemischer Provokation haben als an sachlicher Auseinandersetzung. Aber da kenne ich Sie ja leider schon aus anderen Diskussionen. Versuchen wir es trotzdem mit einer sachlichen Entgegnung.
Sie fragen, wo denn die verfassungsbrechenden Muslime sind.
Sie bilden erfreulicherweise innerhalb der muslimischen Zuwanderer eine kleine Minderheit, bilden dennoch eine Gefahr für unsere demokratische Kultur. Ähnlich den aktiven rechtsextremistischen Kräften, die vermutlich einen noch geringeren prozentualen Anteil innerhalb unserer Gesellschaft darstellen und doch als höchst bedrohlich eingestuft werden.
Finden Sie es denn als mit den Grundsätzen unserer Verfassung vereinbar, wenn die Gleichberechtigung von Mann und Frau abgelehnt wird, Homosexuelle geächtet werden, die Todesstrafe als legitime Vergeltung gefordert wird, Andersgläubige als minderwertig angesehen werden, Tiere nach islamischem Ritual geschächtet, also langsam zu Tode gequält werden, die Gesetze des Koran bzw. Allahs als über allen weltlichen Gesetzen stehend betrachtet werden, wenn es ein dem Islam innewohnender Anspruch ist, in alle gesellschaftliche Bereich hinein zu wirken, unabhängig davon, ob diese Forderung auch Anders- und Nichtgläubige trifft? (Letzteres streben ja auch viele christliche Politiker an, was ebenso zu verurteilen ist!)
Sie werden fragen, wer das fordert? Haben Sie sich schon einmal in den inzwischen fast rein muslimischen Stadtteilen z.B. von Berlin umgesehen, haben Sie schon mal eine Predigt von einem der unzähligen aus der Türkei eingeflogenen Prediger gehört, haben Sie sich schon einmal auf den einschlägigen islameigenen Internetseiten umgesehen? Viel schlimmer noch aber ist, dass die verschiedenen Islamverbände oder Dachorganisationen – mit Ausnahme der Aleviten – sich bisher noch nie explizit und zwar im Detail zu unserer Verfassung bekannt haben. Zwar hat es vielfältige diesbezügliche Lippenbekenntnisse gegeben, aber die tatsächlichen Widersprüche zwischen den Forderungen des Koran und der beobachtbaren Praxis in praktisch allen muslimischen Ländern einerseits und den Prinzipien unserer Verfassung andererseits werden nicht detailliert thematisiert, offenkundig, weil diese Inkompatibilitäten nicht weg zu diskutieren sind.
Sie wollen einfach nicht zur Kenntnis nehmen, was ein Pierre Vogel, führender Salafist, an absolut verfassungswidrigen Parolen ausgibt. Nicht weniger verfassungswidrig agieren die aus Saudi-Arabien finanzierten Wahhabiten, die zwar weitgehend unbekannt sind und doch inzwischen Schulen in Bonn und Berlin – mit staatlicher Billigung – errichten durften.
Linus Heilig hat in obigem Kommentar Beispiele genannt, wie aus der Deckung heraus, die freie künstlerische und eben auch journalistische Meinungsäußerung kaputt gemacht wird. Es finden nach wie vor Ungleichbehandlung und Zwangsverheiratung von Frauen in einem Land statt, das glaubte, solche Praktiken hinter sich gelassen zu haben. Wieso benötigt eine Schriftstellerin wie Nourig Apfeld („Ich bin Zeugin des Ehrenmords an meiner Schwester“) – wie viele andere auch –noch heute ständigen Polizeischutz? Die türkischstämmige Berlinerin Seyran Ates gab ihren Beruf als Rechtsanwältin auf, weil sie von türkischen Landsleuten massiv bedroht wurde. Sie wagte es, türkische Frauen vor Gericht zu verteidigen, die sich gegen die religiösen und kulturellen Vorgaben ihrer türkischen Männer zur Wehr setzten. Mehr Beispiele gefällig? Dann fragen Sie doch mal Berliner Lehrer, wie diese ihrer physischen Sicherheit wegen Beleidigungen und tätliche Attacken von zugewanderten Schülern, in Berlin eben hauptsächlich türkischer Herkunft, inzwischen wortlos hinnehmen, Handlungen, für die wir früher sofort der Schule verwiesen und ggf. auch noch zusätzlich von Jugendgerichten bestraft worden wären.
Wer das nicht mehr anklagen darf, trägt dazu bei, rechtsstaatliches Denken zu ruinieren und treibt den Rechtsextremisten immer mehr Wähler in die Arme. Zwar lassen sich an obigen Beispielen nicht immer Religion und bloße Tradition auseinanderhalten, dass sie aber einen gewissen Bezug aufeinander haben, dürfte wohl feststehen. Es ist dank des staatlichen und teilweise medialen Schweigekartells sehr schwer, über das wahre Ausmaß dieser verfassungswidrigen Praktiken genaue Informationen zu erhalten, sodass sicherlich verzerrte Darstellungen in die eine oder andere Richtung stattfinden. Werden aber diesbezügliche wissenschaftliche Untersuchungen angestellt, wie jüngst durch das Innenministerium veranlasst, und fördern sie Fakten zutage, die bestimmten Kreisen unangenehm sind, dann werden flugs einfach die Wissenschaftler und die Erhebungsmethoden als unseriös und unwahrhaftig bezeichnet.
Ich lasse mich gern belehren, wenn ich die Dinge zu pessimistisch einschätze. Ich würde mich freuen(!), wenn ich unrecht hätte. Zur Zeit sehe ich keinen Anlass, meine Besorgnisse zurückzunehmen, die – das sei ausdrücklich wiederholt – nur eine kleine Minderheit betrifft, für die aber der Islam neben der spirituellen eine ausgesprochen gesellschaftspolitische Dimension hat.
Es werden nicht allzu viele Leser hier persönliche Erfahrungen mit Bürgerwehren haben machen dürfen. Zum Glück ist eine solche Erfahrung auch in Deutschland noch nicht nötig, weshalb die Etikettierung Uwe Lehnerts eine reine Bösartigkeit darstellt.
Ich musste als Teilnehmer einer echten Bürgerwehr allerdings bereits einschlägige Erfahrungen in Tunesien machen. Wir (ca. neunzig Männer in unserem “quartier”) verteidigten dabei unsere Frauen und unseren Besitz gegen brandschatzende und mit Messern bewaffnete Salafisten, nur notdürftig mit Holzknüppeln und Golfschlägern (die ich verteilte) bewehrt. Wer das erlebt hat (und die Angst unserer Frauen um unser Wohl), der würde den Begriff der Bürgerwehr (in Wahrheit ein echtes Zeichen der “citoyenneté”) wohl kaum dermassen in den Schmutz zerren wie es Frau Liebknecht in ihrer Blindheit beliebt.
In einer pluralistischen Gesellschaft gibt es immer Gefahren für die Demokratie, dafür sollte der Verfassungsschutz da sein, was er auch gerade bei den Salafisten ist. Die Wahhabiten stellen ein politisches Problem dar, die wirtschaftliche Verbandelung zwischen Deutschland und den Saudis dürfte mittlerweile jedem bekannt sein. Hier geht es aber um die Randgruppen islamischer Ausprägung in Deutschland, die sicher jeder kritisiert. Wer jedoch den Eindruck erweckt, dass die Extreme doch eigentlich, durch den Koran als gemeinsame Basis, auf alle Muslime zutreffen würden oder könnten, macht sich unglaubwürdig. Wenn dann noch jemand kommt und tunesische Verhältnisse/Anekdoten zum Besten gibt um die Thematik in Deutschland zu untermauern, hört es eigentlich völlig auf. Wie sieht es denn in der deutschen Realität aus:
http://www.migazin.de/2011/03/29/muslime-in-deutschland-herkunft-glaubensrichtung-bildung-partizipation/
http://www.bpb.de/themen/5VXK05,0,0,Islamistische_Gruppen_in_Deutschland.html
und ganz aktuell: “Mehrheit der Imame steht für dialogbereiten Islam” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-04/islam-integration-studie
“Muslime ächten Gewalt und Zwangsheirat” http://www.welt.de/politik/deutschland/article106204954/Muslime-aechten-Gewalt-und-Zwangsheirat.html
Mal abgesehen von den Schlagzeilen, die Herr Lehnert zitiert und die täglich in bestimmten Medien und Internet-Foren präsentiert werden, um ganz gezielt die Aufmerksamkeit auf ein “Hauptproblem Islam” zu lenken, besser, zu manipulieren, gibt es eben eine absolute Mehrheit friedlicher und verfassungstreuer Muslime und Migranten muslimischer Herkunft in Deutschland. Zugleich ist es völlig widersinnig zu behaupten, dass sich Islam-Verbände nicht gegen Extremisten aussprechen, das tun sie sehr wohl, hören will es aber anscheinend niemand. Man sollte sich auch mal vor Augen führen, dass es hier Menschen gibt, die in ihrer Selbsteinschätzung Muslime sind, hier geboren wurden und denen man vorhält, sie müssten sich von jeglicher Menschenrechtsverletzung, die im Namen ihres Glaubens begangen wird öffentlich distanzieren und wenn sie es nicht tun stecken sie mit den Extremisten unter einer Decke. Wer hat jemals von DEN Katholiken verlangt, dass sie sich öffentlich gegen die Piusbruderschaft oder Opus Dei aussprechen müssen??? Wer hat jemals von DEN Juden verlangt, dass sie sich öffentlich gegen ultra-orthodoxe Juden aussprechen müssen??? Wer hat jemals von Protestanten verlangt, dass sie sich öffentlich gegen Evangelikale aussprechen müssen??? Mir geht es hauptsächlich darum, dass es sehr wohl islamische Extremisten gibt, die eine Gefahr darstellen, dass sie aber im Verhältnis zur Realität in Deutschland niemals den Stellenwert der Gefahr darstellen, der medial erzeugt wird. Warum kümmert man sich eigentlich nicht mehr um die völlig etablierten Waldorfschulen, die zu teilweise über 90 % vom Staat finanziert werden und ein braun-esoterisches Gedankengut vermitteln, oder um das, in Deutschland einmalige, Heilpraktikergesetz aus Hitlers Zeiten mit immenser Gefährdung für die Volksgesundheit, plus esoterischer Lebenshilfe? bisweilen ohne Verbraucherschutz. Gefahren für Leib und Seele, die in Deutschland täglich unzählige Menschen treffen.
Oft – und nicht nur in diesem Beitrag – kommt es mir so vor, als würde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden.
Ich frage mich oft, ob denn die, die den Islam und die Muslime kritisieren, diese auch “kennen”. Es gibt nicht “den” Islam und es kann logisch so auch nicht “die Muslime” geben. Sondern immer “sone und solche”.
Es macht mir Angst, wenn alle über einen Kamm geschoren werden. Und es macht mir Kummer, dass die Verteilung des Korans in deutschen Fußgängerzonen durch die Salafisten nun dazu benutzt wird, jeden Moslem dazu zwingen zu wollen, sich “entschuldigen” zu müssen. Da macht leider die Islamkonferenz keine Ausnahme.
Wir sollten uns langsam daran gewöhnen, mehr zu differenzieren.
Heinz
Falsche Rücksichtnahmen und faule Kompromisse sind neben Naturkatastrophen für die Degeneratin einer pluralistischen Gesellschaft verantworlich. Nicht wie Westerwelle spätrömisch, sondern aktuell “Keine Macht den Doofen”. Oben und unten, nicht entweder oder, sondern sowohl als auch. Natürlich lassen sich glaubens-, also autoritätsbedingte Fehlentwicklungen in vielen Bereichen entdeckeln. Noch immer wird der Müll unter den Teppich gekehrt und bei Hempels unterm Sofa ist viel Platz für Müll. Jeder kehre vor seiner Tür. Eine gutgemeinte Diversifizierung und zeigen auf weitere praktizierte und staatlich geförderte Esotherik ist berechtigt, führt hier aber zur Verzettelung. Das betreibt die geistige Onanie im Elfenbeinturm zur Genüge. Deshalb ran an die gemeinsame Wurzel des Humbugs (Kokolores), dort wirds allgemeinverständlicher. Dass Uwes redliche didaktische Tacheles-Vorgehensweise viele irritiert, wundert mich nicht, es wird ja anderes indoktriniert. Die Kommentare seines Beitrages im Tagesspiegel (Hinweis hier im Blog) sprechen für sich. Auch das eine Folge des schamvollen, religiösen, angstbestimmten wischwaschi Eiertanzes um Tabuthemen, statt redliches Eingestehen und konsequentes Handeln. Lieber Leid- statt Leitkultur?
Seit der Evolution des zentalen Nervensystems (der Mensch wurde am 6. Tag erschaffen, auch im Koran? Lies, deutsch oder englisch?), entwickelte dieses auch die Fähigkeit, die Differenz zwischen Soll und Ist zu minimieren. Mit Hilfe des Placeboeffektes, hoffend basierend auf dem Memmorieeffekt reicht. Glauben an Humbug setzt voraus, dass einem zuvor früzeitig ins Gehirn geschissen wurde. Religionsununterricht! Diese Handlung nötigt mir keinen Respekt ab. Wird der Schleppfehler zwischen Soll und Ist zu groß, kollabiert der Evolutionsprozessregler. Diesen Effekt nennt man zu lange anhaltender Anachronismus.
@ H. Saderol. Natürlich sind alle Muslime vor allem Menschen, wie du und ich. Um Differenzierung kümmern sich Papst, Käßmann (freuen wir uns auf die Lutherdekade, enormes Differenzierungsgeschwurbel um den Judenhasser), Islamkonferenz, Zimmerman schon zur Genüge und verweisen auf Einzelfälle die aber systemisch sind. Arme bedauernswerte Verteiler göttlicher Botschaften. So ein Unsinn gehört vor das Verfassungsgericht? Wer darf den Koran verteilen und wer nicht? Nur mit Führerschein? Es ist ganz einfach. Warum wird überhaupt missioniert, warum liegt im Zimmer eines 4-Sterne Hotels eine Bibel aus? Dienstleistung weil ich meine aus Vesehen vergessen habe? Wer auf Manipulation und Werbesprüche hereinfällt ist unmündig und lässt sich wie das Kind mit dem Bade ausschütten, ist aber wahlberechtigt ab 18. Ich kenne keine bessere Lösung als Aufklärung ohne autoritätsgläubige Tabus. Das Problem ist, die realitätsbezogene Vernunft kann man sich nicht eintrichtern lassen, die muss man üben dürfen. Dazu bedarf es didaktisch begabter Erzieher. Staatlich gefördert wird aber die Unbegabtenförderung. Weg mit dem Numerus Clausus, für natürliche Auslese durch Mensaessen.
@Saderol:
Mit dem Argument, dass es „den“ Islam nicht gäbe, habe ich mich doch explizit auseinandergesetzt. Dann bitte doch ein Gegen-Argument, warum ich da falsch liegen würde.
Ich weiß gar nicht, wo ich noch mehr differenzieren soll: Ich unterscheide islamische Organisationen, die Religion und die Gläubigen. Eine ganze Reihe von muslimischen Organisationen werden aufgeführt, teilweise mit kurzer Charakterisierung. Unter den Gläubigen differenziere ich zwischen jenen, die sich auf den spirituellen Teil des Islam konzentrieren und jenen, die darüberhinaus den gesellschaftspolitischen Auftrag des Islam ernst nehmen. Außerdem betone ich an mehreren Stellen, dass es sich bei der „kritischen Masse“ um eine Minderheit handelt, dass die weit überwiegende Mehrheit der Muslime als integriert gelten kann. Auch erwähne ich, dass vermutlich die Hälfte der sog. Muslime ihre Religion gar nicht praktizieren. Zum Schluss betone ich Toleranz und Akzeptanz gegenüber dem Neuen, Anderen, Fremden, aber zeige auch die klaren Grenzen auf.
Noch mehr Differenzierung erwünscht? Dann bitte ich um klar formulierte Aussagen statt nur um übliches Standardgejammere, man würde in das übliche Ablehnungsritual verfallen.
Haben Sie meinen Artikel überhaupt gelesen?
Ja, sehr gut! Beim “Riss durch die Welt” bleibt der “Schuster bei seinen Leisten”, anstatt dilletantisch-populistisch seine Staatsbürgerpflichten gegenüber “verfassungsfeindlichen Muslimen” zu erörtern, die es selbstverständlich gibt, genauso wie es hierzulande auch verfassungsfeindliche, frauenfeindliche Zuhälter gibt.
Dass Uwe Lehnert die Integrations-Studie „Lebenswelten junger Muslime“, genauso falsch wie Friedrich deutelt, war eigentlich überhaupt der Anlass hier zu kommentieren. http://www.fr-online.de/politik/muslim-studie-opposition-wirft-friedrich-luege-vor,1472596,14960092.html.
@ Heinz, mir macht das Selbe Sorgen wie Dir.
Und ich mach mir Sorgen, wie Menschen reagieren, deren anachronistisches Weltbild zusammenzubrechen droht. Die für eine friedfertigere Gesellschaft harmlose Variante ist die religiöse Tradition der persönlichen Selbstgeißelung. Das immer weiter auseinanderklaffende religiöse gegen das reale und globale Weltverständnis, ist die bedrohliche Variante. Differenzieren degeneriert zur Venebelungstaktik, wenn vorwurfsvolle Differenzierundsermahnungen wegen vorauseilend befürchteten Gefühlsbeleidigungen zur Hohen Kunst erhoben wird. Populistisch sind Strategien, die dem Verdrägungskomplex und der Projektion der eigenen Schuld auf Andere huldigen . Wer diese Kunst seit Jahrttausenden dilletantisch beherrscht, dominiert das missionarische Integrationsgeschwurbel das im Religionskrieg endet.
Eine, die sich auch auskennt und redlichen (nicht populistischen) Widerstand leistet ist Mina Ahadi, man lese ihren aktuellen Beitag zur verlogenen Islamkonferenz hier im Blog. Genauso falsch wie die populistische fr-online liegen theologische Deutungskünstler, die Intellektualität vorgeben und fundamentale Indoktrination meinen. Ran an die Wurzeln des Unsinns.
Die die anzustrebende nichtpoulistische Lösung entbehrt aller Deutelungen, siehe Ende des Artikels:
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36797/1.html
Spaß beiseite, so kurzweilig ist Aufklärung an den Fundamenten “Wo sind sie denn?”
http://blasphemieblog2.wordpress.com/2012/04/23/heute-show-uber-salafisten/
Gesalbatert wird populistisch bei Günther Jauch, wie gestern. Schade, dass der hochintellektuelle Papst nicht auch eingeladen war. Prozesse, die man objektiv (wegen Indoktrination) nicht erklären kann bis in alle Ewigkeit.