Dienstag , 21 Mai 2013
Du bist hier: Startseite >> Gastbeitrag >> Ist Kritik am Islam und an Muslimen erlaubt? Selbstverständlich!

Ist Kritik am Islam und an Muslimen erlaubt? Selbstverständlich!

Am 27. März 2012 erschien in Nics Bloghaus ein kur­zer Artikel mit dem Titel „Brautgeschenk und Scharia“. Ich schrieb dar­auf einen Kommentar mit dem fra­gen­den Unterton, wie­weit Kritik am Islam und an Muslimen erlaubt sei, spe­zi­ell aus einer huma­nis­ti­schen Position her­aus. Tags dar­auf ver­öf­fent­lichte Nic Frank an glei­cher Stelle einen Beitrag „Kritik am Islam, Kritik an Muslimen“, in dem er seine Auffassung von berech­tig­ter und nicht zuläs­si­ger Form von Be- und Verurteilung die­ser Religion und ihrer Anhänger skiz­zierte. Die darin beschrie­bene gene­relle Auffassung teile ich in vol­lem Umfang. Ich habe aber wesent­li­che Ergänzungen und Differenzierungen anzu­brin­gen.

ein Kommentar von Uwe Lehnert

Uwe Lehnert

Uwe Lehnert

Vorbeugend sei gesagt, dass ich das oft gehörte Argument, dass es „den“ Islam nicht gäbe, nicht akzep­tiere. Einerseits wird der Islam in sei­ner Ganzheit als eine in sei­nem Wesen fried­li­che, tole­rante, Nächstenliebe prak­ti­zie­rende Religion vor­ge­stellt, ande­rer­seits wird jede kon­krete Kritik mit dem Argument abge­wehrt, dass eine ein­heit­li­che Erscheinungsform die­ser Religion gar nicht exis­tiere, viel­mehr eine Vielzahl von Varianten, die man nicht für „den“ Islam haft­bar machen könne. So gese­hen gibt es auch nicht „das“ Christentum und doch tref­fen die wesent­li­chen Argumente gegen diese Religion auf alle ihre Varianten zu. Auch ist eine beson­dere Rücksichtnahme in der Kritik gegen­über dem Islam und ihren Anhängern – etwa aus inte­gra­ti­ons­po­li­ti­schen Gründen – fehl am Platz. Im Gegenteil: Die oft befremd­lich bis anma­ßend wir­ken­den Ansichten, die ein­zelne mus­li­mi­sche Religionsgemeinschaften gegen­über unse­rer Gesellschaft äußern – auch ein gele­gent­lich ein­rei­sen­der, forsch auf­tre­ten­der Premier Erdogan zählt dazu – und deren Weigerung, wesent­li­che Grundsätze der Verfassung Deutschlands als auf­neh­men­des Land expli­zit zu akzep­tie­ren, ver­lan­gen eine deut­li­che Stellungnahme unse­rer­seits. Es ist grund­sätz­lich die glei­che kri­ti­sche Einstellung gegen­über die­ser Religion erlaubt, die wir uns gegen­über Kirche und Christentum gestat­ten.

Um zu klä­ren, wann und wel­che Form der Kritik am Islam und mus­li­mi­schen Gläubigen erlaubt, ja gefor­dert und wo Zurückhaltung gebo­ten ist, ist die fol­gende Unterteilung hilf­reich: Islamische Organisationen, der Islam als Religion und der ein­zelne Gläubige.

Islamische Organisationen

In Deutschland leben mehr als vier Millionen Muslime. Wie viele in Vereinen und Verbänden orga­ni­siert sind, kann nur geschätzt wer­den, einen zen­tra­len Dachverband gibt es nicht. Die Vereine und Verbände orga­ni­sie­ren vor allem das reli­giöse Leben und beschäf­ti­gen sich mit Bau und Erhalt von Moscheen. Die vier größ­ten Verbände – mal libe­ra­ler, mal weni­ger welt­of­fen und unter­schied­li­che isla­mi­sche Richtungen ver­tre­tend – haben sich zum Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) zusam­men­ge­schlos­sen. Der Rat nimmt für sich in Anspruch, den Großteil der sun­ni­ti­schen und schii­ti­schen Muslime in Deutschland zu ver­tre­ten und ein zen­tra­ler Ansprechpartner für den Staat zu sein. Der Rat umfasst die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB, staat­li­che tür­ki­sche Moscheevereinigung), den Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD), den Verband der isla­mi­schen Kulturzentren e.V. (VIKZ) und den Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland e.V. (IRD). Der Zentralrat der Muslime ver­tritt vor­wie­gend nicht­tür­ki­sche Muslime, der­zei­ti­ger Sprecher ist das FDP-Mitglied (z.Z. mit ruhen­der Mitgliedschaft) Aiman Mazyek. Der Islamrat ver­tritt auch die vom Verfassungsschutz als extre­mis­tisch ein­ge­stufte Milli Görüs und wurde von der Islamkonferenz 2010 wegen unge­klär­ter finan­zi­el­ler Machenschaften die­ses Vereins aus­ge­schlos­sen. Keine der exis­tie­ren­den mus­li­mi­schen Dachorganisationen oder Verbände kann aber für alle Muslime in Deutschland spre­chen. Erwähnenswert hier ist noch der Zentralrat der Ex-Muslime, eine Vereinigung muti­ger, inzwi­schen säku­lar ein­ge­stell­ter Menschen, deren Ziel u.a. das Zurückdrängen des Einflusses des poli­ti­schen Islam ist.

Nicht zu akzep­tie­ren ist, was bestimmte Gruppen von ins­be­son­dere mus­li­mi­schen Zuwanderern, unter­stützt durch einige Politiker, meist mit Migrationshintergrund, sich anma­ßen, dass näm­lich wesent­li­che Regeln des Zusammenlebens von ihnen bestimmt wer­den könn­ten. Dazu ist fest­zu­stel­len, dass die Normen und Vorschriften des gesell­schaft­li­chen Miteinanders selbst­ver­ständ­lich das Aufnahmeland defi­niert. Wobei nicht aus­ge­schlos­sen ist, dass im Laufe der Jahre Eigenarten ver­schie­de­ner Kulturen, auch sol­cher reli­giö­ser Art, sich anglei­chen und mit­ein­an­der ver­schmel­zen. Letzteres geschieht dann aber im gegen­sei­ti­gen Einverständnis.

Islamische Organisationen in Form von Vereinen, Verbänden und Dachorganisationen han­deln und wir­ken wie poli­ti­sche Parteien, haben ihre lob­by­is­ti­schen Vertreter in den tra­di­tio­nel­len poli­ti­schen Parteien – wie die Kirchen z.B. auch – und sind daher eben­falls von kei­ner­lei sach­li­cher Kritik aus­ge­nom­men. Sie ver­su­chen, sich die­sel­ben – unge­recht­fer­tig­ten –Privilegien wie die Amtskirchen zu ver­schaf­fen. Sie sind dar­über hin­aus vor allem hin­sicht­lich ihres aus der Religion abge­lei­te­ten gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Anspruchs gegen­über der auf­neh­men­den Gesellschaft zu beur­tei­len. Hierzu soll wei­ter unten noch eini­ges aus­ge­führt wer­den.

Dass die Besorgnis man­geln­der Integrationsbereitschaft ins­be­son­dere von Muslimen nicht unbe­rech­tigt ist, zeigt die jüngst ver­öf­fent­lichte Studie „Lebenswelten jun­ger Muslime“ des Innenministeriums. Danach sind 78% der befrag­ten Muslime zwi­schen 14 und 32 Jahren zur Integration bereit, 22% beton­ten jedoch eher die eigene Herkunftskultur. Von den nicht­deut­schen Muslimen sind dage­gen nur 52% für die Integration in die deut­sche Gesellschaft, wäh­rend 48% eine starke Tendenz zur Separation zei­gen. Die Studie kommt auch zu dem Schluss, dass es eine Gruppe jun­ger Muslime gibt, die als „streng Religiöse mit star­ken Abneigungen gegen­über dem Westen, ten­den­zi­el­ler Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz“ zu bezeich­nen ist. Zu die­ser Gruppe wer­den 15% der jun­gen deut­schen Muslime, 24% der nicht­deut­schen gerech­net. Die Mehrheit ist also inte­gra­ti­ons­be­reit, eine nicht uner­heb­li­che Minderheit offen­bar aber nicht.

Islam als Religion

Der Islam als Religion darf selbst­ver­ständ­lich wie jede andere Religion oder Weltanschauung in ihren Aussagen kri­ti­siert und auf ihre Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft hin­ter­fragt wer­den. Die Kritik am Islam darf scharf und poin­tiert, hat aber sach­lich und gegen­über den Vertretern die­ser Religion ohne per­sön­li­che Beleidigungen zu erfol­gen. Insofern unter­schei­det sich Kritik am Islam for­mal nicht von übli­cher und erlaub­ter Kritik am Christentum.

Die inhalt­li­che Auseinandersetzung bezieht sich vor allem auf die Botschaft des Korans mit sei­nen Behauptungen, Vorschriften und Handlungsanweisungen sowie des­sen Entstehung und Geschichte, auf das Verhältnis zur Wissenschaft, ins­be­son­dere der Naturwissenschaft, und nicht zuletzt auf die Ansprüche die­ser Religion gegen­über Gesellschaft und Politik. Der Islam ist in sei­ner Gesamtheit – Koran und Sunna (in Hadithen über­lie­fert), sie gel­ten als unan­tast­bar und ver­pflich­tend, sowie der Scharia – nicht nur ein Glaubenssystem, das spi­ri­tu­elle Bedürfnisse der Menschen befrie­di­gen möchte, son­dern bil­det auch ein Erziehungssystem, ein Rechtssystem und ein System von Handlungsaufforderungen, die über den per­sön­li­chen Bereich in die Gesellschaft wir­ken sol­len. Deshalb ist zu fra­gen, ob der Islam eine Religion ist, die gemeint ist, wenn im Grundgesetz von Freiheit des Glaubensbekenntnisses oder Religionsfreiheit gespro­chen wird. Ich behaupte, dass der Islam den her­kömm­li­chen Begriff von Religion sprengt, weil er ein reli­giö­ses Bekenntnissystem und poli­ti­sches Ordnungssystem dar­stellt. (Dass das Christentum bis zur Aufklärung den­sel­ben Status ein­nahm und auch heute ver­sucht, die­sen eben­falls wie­der ein­zu­neh­men, sei hier aus­drück­lich fest­ge­hal­ten.)

Von den gut vier Millionen Muslime gel­ten weni­ger als die Hälfte als gläu­big bzw. als prak­ti­zie­rende Muslime. Ähn­lich der Situation unter den Christen in Deutschland, wo gemes­sen z.B. an den Kriterien Taufe, kirch­li­che Hochzeit oder sonn­täg­li­cher Kirchenbesuch sogar deut­lich weni­ger als die Hälfte noch als prak­ti­zie­rende Christen anzu­se­hen sind. Salafisten und Wahhabiten wie­derum gel­ten als beson­ders streng­gläu­bige Muslime. Vergleichbar den Evangelikalen oder Kreationisten bei den Christen neh­men sie eine streng wört­li­che Interpretation des Korans vor. Gläubige aus ihren Reihen haben daher die größ­ten Probleme mit der Akzeptanz der west­li­chen Kultur und Lebensweise und dem Bekenntnis zu unse­rer Verfassung.

Der mus­li­mi­sche Gläubige

Anders stellt sich die Situation dar, wenn wir einem mus­li­mi­schen Gläubigen begeg­nen. Hier gilt zunächst der Grundsatz der Toleranz gegen­über jed­we­der reli­giö­sen per­sön­li­chen Auffassung. Mensch und Auffassung sind hier streng zu tren­nen, es gilt der unbe­dingte Respekt vor der Person. Herablassende, gar belei­di­gende Äuße­run­gen wegen der ethi­schen Rückschrittlichkeit (Gleichberechtigung, Homophobie, Todesstrafe udgl.) und wis­sen­schaft­li­chen Unhaltbarkeit der geglaub­ten Auffassungen sind zu unter­las­sen. Auch wenn es schwer fällt, die aus heu­ti­ger Sicht absur­den Behauptungen vie­ler Koranstellen zu akzep­tie­ren. Man bedenke, dass man in der Regel in eine Religion hin­ein gebo­ren wird, ohne eige­nes Zutun und ohne Möglichkeit der intel­lek­tu­el­len Abwehr auf­grund des Einflusses der Eltern und des kul­tu­rel­lem Umfelds. Ein ver­in­ner­lich­ter Glaube, in dem sich der betref­fende Mensch wohl fühlt und den er offen­bar ehr­li­chen Herzens ver­tei­digt, ist zu akzep­tie­ren. Wohl aber darf man auf Widersprüche inner­halb des Glaubens und zwi­schen Glauben und Lebenswirklichkeit auf­merk­sam machen. Eine Verurteilung die­ses Menschen darf dar­aus nicht abge­lei­tet wer­den.

Problematisch wird die Situation aber dann, wenn der per­sön­lich ver­in­ner­lichte Glaube umfas­send auch den gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Kontext in den Blick nimmt. Wer behaup­tet, dass Allahs Gesetz über jedem welt­li­chen Gesetz stehe, kommt mit unse­rem Grundgesetz in Konflikt. Wer auf­grund sei­nes Glaubens Andersgläubige ver­ach­tet, wer den Abfall vom isla­mi­schen Glauben als todes­wür­dig ansieht, wer wesent­li­che Grundrechte unse­rer Verfassung als nicht kom­pa­ti­bel mit dem eige­nen Glauben ansieht, stellt sich als Gegner unse­rer Verfassung dar. Ein sol­cher Glaubender begreift sich dann offen­bar als ein bewuss­tes, kämp­fe­ri­sches Mitglied einer auch gesellschaftlich-politisch agie­ren­den Organisation, die zudem ein­deu­tig ein wesent­li­ches Prinzip unse­rer Verfassung – wenn auch nicht Verfassungswirklichkeit – ablehnt, näm­lich die Trennung von Staat und Religion. Ohne diese Trennung der pri­va­ten und öffent­li­chen Sphäre in Fragen der Religion ist eine Gesellschaft, die sich zuneh­mend aus ver­schie­de­nen Kulturen und Traditionen zusam­men­setzt, die letzt­lich alle wesent­lich reli­giös geprägt sind, als fried­li­ches Gemeinwesen nicht denk­bar.

Spätestens dann, wenn einem gläu­bi­gen Muslim ver­deut­licht wurde, dass der umfas­sende Anspruch des Islam, in alle gesell­schaft­li­chen Bereiche für alle Bürger, auch die anders- und nicht­gläu­bi­gen, ver­bind­lich hin­ein zu wir­ken, mit unse­rer Verfassung kol­li­diert, und er den­noch auf die­sen Glaubensanspruch besteht, endet bei die­sem Gläubigen meine Toleranz. Ich nehme mir dann das Recht her­aus, nein, ich betrachte es sogar als meine staats­bür­ger­li­che Pflicht, ihn auf die Unvereinbarkeit sei­ner Position mit den Prinzipien eines frei­heit­li­chen, demo­kra­ti­schen und plu­ra­lis­ti­schen Systems hin­zu­wei­sen. Im Falle der Weigerung, unsere Verfassung anzu­er­ken­nen, ver­lange ich seine Rückkehr in sein Herkunftsland. Es wäre gera­dezu gro­tesk, Menschen, die ihres Glaubens bzw. ihrer Weltanschauung wegen ihre Heimat ver­las­sen muss­ten – wie z.B. viele athe­is­ti­sche Iraner – hier wie­derum mit einer taten­los hin­ge­nom­me­nen Entwicklung zu kon­fron­tie­ren, die letzt­lich wie­der zu auto­ri­tä­ren, anti­de­mo­kra­ti­schen und men­schen­rechts­ver­let­zen­den Strukturen füh­ren würde.

Es reicht nicht, sol­che Menschen zu igno­rie­ren und sie als reli­giöse Wirrköpfe abzu­tun. Sie gehö­ren als Verfassungsgegner genauso behan­delt wie zum Beispiel Rechtsextremisten. Die Politik ist auf­zu­for­dern, hier zu han­deln, damit die ideo­lo­gi­sche Unterwanderung unse­rer Gesellschaft unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit gestoppt wird. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung, wozu ganz wesent­lich die Beachtung der Menschenrechte und das fried­li­che reli­giöse Zusammenleben gehö­ren, stellt einen höhe­ren Wert dar als eine im Kontext der übri­gen Grundwerte zu sehende Religionsfreiheit, vor allem dann, wenn diese poli­tisch miss­braucht wird.

Die Doppelmoral bei der Beurteilung von Extremisten

Verlogen und uner­träg­lich ist die Doppelmoral in der Behandlung von Extremisten. Sobald von „rech­ter Seite“ auch nur die Andeutung erkenn­bar wird auf Verletzung von Verfassungsgrundsätzen und Menschenrechten, schril­len – zu Recht! – die Alarmglocken. Werden von Seiten mus­li­mi­scher Organisationen oder pro­mi­nen­ter Vertreter – bei­spiels­weise Salafisten oder aus Saudi-Arabien bezahl­ten Wahhabiten, aber auch Predigern, die zu Recht als Hassprediger bezeich­net wer­den – sol­che Glaubensaussagen in Form von Videos oder Schulbüchern ver­brei­tet, die die glei­che Verletzung von Verfassung und Menschenrechten dar­stel­len, herrscht – mit weni­gen Ausnahmen – nur betre­te­nes Schweigen und Wegsehen. Im Gegenteil – Kritiker, die auf diese Doppelmoral ver­wei­sen, wer­den schnell der Ausländerfeindlichkeit, gern auch des belieb­ten Totschlagarguments Rassismus bezich­tigt. Befasst sich der Verfassungsschutz mit sol­chen Vorgängen, muss er sich gegen­über bestimm­ten Politikern recht­fer­ti­gen, dass er es über­haupt wagt, diese Aktivitäten zu beob­ach­ten.

Ich befürchte jedoch, dass sich unsere christ­lich domi­nierte Politik wei­gern wird, Salafisten, Wahhabiten und andere fun­da­men­ta­lis­tisch ein­ge­stellte isla­mi­sche Gruppierungen ernst­haft in die Schranken zu wei­sen, ja gar zu ver­bie­ten. Zu groß ist die Gefahr, dass sie selbst kon­fron­tiert wer­den mit Aussagen ihrer eige­nen Religion. Denn das Alte Testament und Teile des Neuen Testaments bie­ten eine Fülle ver­gleich­ba­rer – inzwi­schen ver­schämt igno­rier­ter – Abstrusitäten und Menschenrechtsverletzungen, wie sie eben im Koran vor­zu­fin­den sind. Hinzu kommt die klamm­heim­li­che Erwartung der Kirchen, dass die der Politik abge­trotz­ten Vorrechte für die mus­li­mi­sche Religion dann die schon beste­hen­den der Kirchen wei­ter legi­ti­mie­ren und lega­li­sie­ren wür­den.

Die Diskussion über mus­li­mi­sche Zuwanderer lei­det unter Befangenheit und Unehrlichkeit. Es wird höchste Zeit, dass wir wie­der mutig und ent­schlos­sen unsere in der Verfassung nie­der­ge­leg­ten Prinzipien offen­siv ver­tei­di­gen, aber auch fair sind zu jeder­mann – egal wo er/sie her­kommt, vor­aus­ge­setzt, dass er/sie jene Essentials akzep­tiert, die die Grundlagen unse­rer Gesellschaftsordnung bil­den. Genau aber die­sen expli­zi­ten Bezug auf unsere Verfassung ver­misse ich bei einem Teil der mus­li­mi­schen Zuwanderer, lei­der auch bei ihren offi­zi­el­len Vertretern. Stattdessen müs­sen wir erle­ben, dass islam­kri­ti­sche Karikaturisten, Filmemacher, BuchautorInnen, Frauen, die sich von ihrer Religion los­sa­gen und einen freiheitlich-westlichen Lebensstil bevor­zu­gen, bedroht oder umge­bracht wer­den. Islamkritisch berich­tende Journalisten oder Universitätsdozenten wer­den ein­ge­schüch­tert und ver­stum­men schließ­lich, weil sie um ihr Leben fürch­ten müs­sen. Eine ein­deu­tige und dif­fe­ren­zierte Distanzierung von offi­zi­el­ler mus­li­mi­scher Seite, die vor allem auch die eige­nen ideo­lo­gi­schen Grundlagen kri­tisch hin­ter­fra­gen wür­den, kann ich lei­der nicht erken­nen.

Was ich von Zuwanderern erwarte ist die Bereitschaft, unsere Gesetze und Verfassung zu respek­tie­ren, unsere Sprache zu erler­nen, sich aus­zu­bil­den und sich selbst um den Lebensunterhalt zu bemü­hen. Die über­große Mehrheit der Zuwanderer tut das ganz offen­bar. Eine pro­ble­ma­ti­sche Minderheit und ein Teil der isla­mi­schen Verbände blei­ben des­we­gen kei­nes­falls unge­fähr­lich.

Zusammengefasst: Ich wehre mich gegen die lei­der ver­brei­tete Auffassung, dass Islamkritik, selbst sach­lich vor­ge­tra­gene, aus­län­der­feind­lich sei. Der unbe­dingte Respekt vor dem ande­ren Menschen – auch gläu­bi­gen, gleich­gül­tig aus wel­chem Land er kommt – schließt aber Kritik an des­sen Meinung und Religion für mich kei­nes­falls aus. Respekt meint, dass ich den ande­ren so behan­dele, wie ich behan­delt wer­den möchte, und dass ich seine Position als legi­time Meinung tole­riere. Tolerieren in die­sem Sinne heißt, for­mal zu akzep­tie­ren, dass er das Recht auf einen eige­nen, von dem mei­nen abwei­chen­den Standpunkt hat. Toleranz setzt aller­dings Gegenseitigkeit vor­aus. Denn Toleranz und Respekt kann nur erwar­ten, wer selbst die­ses Verhalten zeigt, andern­falls ver­liert eine faire Auseinandersetzung ihre Basis. Inhaltlich jedoch erlaube ich mir, die Meinung des ande­ren mit Gründen zu kri­ti­sie­ren, gege­be­nen­falls sogar ent­schie­den abzu­leh­nen. Die bewusst oder ver­deckt ange­strebte grund­ge­setz­wid­rige Verquickung von Religion und Gesellschaft bekämpfe ich jedoch mit allen recht­li­chen Mitteln (sowohl beim Islam wie beim Christentum). Sofern die­ser reli­giös moti­vierte All- und Absolutheitsanspruch fal­len gelas­sen wird, dürfte es in einem plu­ra­lis­tisch ver­fass­ten Gemeinwesen keine Probleme geben, unter­schied­lichste Lebenskonzepte, wozu ganz wesent­lich die Weltanschauung gehört, neben­ein­an­der exis­tie­ren zu las­sen. Daraus den­noch ent­ste­hende Konflikte sind im Geiste unse­res Grundgesetzes aus­zu­tra­gen. (Aus: Warum ich kein Christ sein will, 4. Auflage, 2011, S. 308.)

Uwe Lehnert, 17.4.12

Die Diskussion ist eröff­net, denn ich behaupte nicht, dass ich in allen Punkten Recht haben muss.

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

22 Kommentare

  1. Eine tolle Zusammenfassung, genau so. Toleranz und Respekt sind nicht gott­ge­ge­ben, das indi­vi­du­elle Handeln ist ent­schei­dend.  Die kul­tu­relle Evolution hat ein Niveau erreicht wo nicht mehr Religionsfreiheit, son­dern Freiheit vor Religion anzu­stre­ben ist. Wie lange soll es noch dau­ern, bis sich die Erkenntnis durch­setzt, dass Religion alles ver­gif­tet? Auch in Israel, man komme mir nicht mit Antisemitismus und Rassismus. Immer abwä­gen ob Toleranz und Respekt vor was eigent­lich, was ist red­lich inte­gra­ti­ons­fä­hig? Ich bin ein Weltenbürger und habe über­all sol­che und sol­che ken­nen­ge­lernt.

  2. Eine tolle Zusammenfassung, genau so. Toleranz und Respekt sind nicht gott­ge­ge­ben, das indi­vi­du­elle Handeln ist ent­schei­dend. Die kul­tu­relle Evolution hat ein Niveau erreicht wo nicht mehr Religionsfreiheit, son­dern Freiheit vor Religion anzu­stre­ben ist. Wie lange soll es noch dau­ern, bis sich die Erkenntnis durch­setzt, dass Religion alles ver­gif­tet? Auch in Israel, man komme mir nicht mit Antisemitismus und Rassismus. Immer abwä­gen ob Toleranz und Respekt vor was eigent­lich, was ist red­lich inte­gra­ti­ons­fä­hig? Ich bin ein Weltenbürger und habe über­all sol­che und sol­che ken­nen­ge­lernt.

  3. Maria Liebknecht

    Die Interpretation und Bewertung der oben genann­ten Studie zur Integration “der Muslime” scheint wohl sehr unter­schied­lich aus­zu­fal­len. Ich traue den Ausführungen des Ex-Christen Herrn Lehnert lei­der in die­sem Punkt gar nicht. Das werde ich wohl noch sagen dür­fen. http://jacobjung.wordpress.com/2012/03/06/lebenswelten-junger-muslime-umdeutung-einer-studie-durch-bild-zeitung-und-politik/

  4. ” Dazu ist fest­zu­stel­len, dass die Normen und Vorschriften des gesell­schaft­li­chen Miteinanders selbst­ ver­ständ­lich das Aufnahmeland defi­niert.”

    Das ist – in Deutschland – rei­nes Wunschdenken. Während nahezu jedes andere der Land der Erde nach die­sem Grundsatz agiert, scheint dies – sei es aus falsch ver­stan­de­ner poli­ti­scher Korrektheit oder dem Dogma des zwei­ten Weltkrieges – in Deutschland nicht sel­ten ins Gegenteil ver­kehrt.

    Migrationsprobleme wer­den mit eben­so­viel Geld unter den Teppich gekehrt wie zeit­gleich wei­ter­ge­züch­tet – und ginge es nach eini­gen Parteien im Lande, sollte dies nicht nur so blei­ben, son­dern wesent­lich aus­ge­baut wer­den.

    Gemixt mit den für uns selbst­ver­ständ­li­chen Vequickungen insti­tu­tio­na­li­sier­ter Religion mit dem Staat dürfte dies künf­tig noch ganz neue Aspekte her­bei­brin­gen.

    Das das – poli­tisch wie gesell­schaft­lich – auf Dauer nicht gut gehen kann, ist eigent­lich doch offen­sicht­lich – nur heißt das noch lange nicht, das es gese­hen wird oder gese­hen wer­den darf…

  5. und btw: was bit­te­schön sind denn “her­ab­las­sende” Äuße­run­gen gegen­über “eth­no­lo­gi­scher Rückschrittlichkeit”? Schon die Äuße­rung ist ja ein Widerspruch, denn “rück­schritt­lich” ist ja bereits “her­ab­las­send”. Und warum z.B. sollte ich mich nicht her­ab­las­send über die Todesstrafe äußern? Hätte das nie­mand aus der Sicht irgend­wel­cher Befürworter getan, hät­ten auch wir sie wohl heute noch – oder wie­der…

    Nein, Kritik muß mög­lich sein – an jeder Kultur – auch an unse­rer. Das hat auch nichts mit Rassismus zu tun, son­dern mensch­li­cher Fortentwicklung durch sach­li­che Kritik bzw. freie Meinungsäußerung. Auch Kulturen ste­hen letzt­lich im Wettbewerb. Von ste­tig stär­ke­rer poli­ti­scher Konditionierung zwecks “Friedenserhalt” zwi­schen immer mehr wider­sprüch­li­chen eth­ni­schen Zuströmungen halte ich wenig, denn das führt zu ste­tig mehr unauf­ge­ar­bei­te­ten Problemen – ich lasse mich gern kri­ti­sie­ren und kri­ti­siere ebenso gern. Was jeder draus macht, ist seine Sache.

  6. @Maria, nomen est omen? Bei mir nicht, es hat aber wegen frü­kind­li­cher Indoktrination lange gedau­ert Kritik zu ler­nen. Wenn ich glau­ben würde, würde ich Uwe auch nicht trauen. Evolution ist ein Optimierungsprozess zwi­schen Masse und Klasse. Ich sprach von kul­tu­rel­ler Evolution und teile die von Niels geäu­ßer­ten Bedenken. Bild hat mich noch nie gebil­det. Seit der evo­lu­ti­ven Entwicklung des zen­tra­len Nervensystems in der Komplexität der Menschheit, bedarf es hier­zu­lande kei­ner Schamanen und Scharlatane mehr, die einem den Blitz erklä­ren (die Basis aller Religionen, s. Moses). Mich kann man nicht gefühls­be­lei­di­gen, aber kör­per­lich ver­let­zen. Was ich kann, schaf­fen andere auch, wenn sie dür­fen. Ob Religionen (auch welt­li­che) je einen evo­lu­ti­ven Vorteil ver­schaf­fen, darf man wohl in Frage stel­len.

  7. Niels Dettenbach: Ich sprach nicht von “eth­no­lo­gi­scher” son­dern von “ethi­scher Rückschrittlichkeit”. Ich ver­mute aber eher nur einen Schreibfehler.

    Maria Liebknecht: Es wäre doch für alle hilf­reich, wenn statt einer Internetadresse das eine oder andere Argument vor­ge­bracht würde, warum eine Meinung von mir so nicht halt­bar sei. Ich bin immer bereit, das bes­sere Argument gel­ten zu las­sen.

  8. Maria Liebknecht

    Lehnert schreibt: “Im Falle der Weigerung, unsere Verfassung anzu­er­ken­nen, ver­lange ich seine (des Gläubigen) Rückkehr in sein Herkunftsland.”

    Bürgerwehrkämpfer Lehnert: Wo sind denn eigent­lich alle diese ver­fas­sungs­bre­chen­den Muslime? Wo denn?

  9. Trau, schau wem! Die ver­fas­sungs­bre­chen­den Muslime sehe ich unter streng­gläu­bi­gen Untertanen und in den inte­grier­ten offi­zi­el­len Muslimorganisationen, die gefühls­be­lei­digt für vor­aus­ei­lende Rüchsichtnahme plä­die­ren. Opern wer­den in Berlin abge­setzt, weil Mohammeds Kopf zu sehen war, oder der Karrikaturenstreit und der unsäg­li­che §166 StGB. Wenn kri­ti­sche Kunst mit Todesstrafe bedroht wird, ver­lange ich genau von die­sen Religionsvertretern, dass sie ein­ein­deu­tig Stellung bezie­hen. Es darf nicht sein, dass nicht wenige Ex-Muslime bei uns unter Personenschutz gestellt wer­den müs­sen. Wer bedroht sie denn psy­chisch und phy­sisch? Die ver­fas­sungs­bre­chen­den Muslime, ja wo sind sie denn? Man komme mir nicht mit Einzelfällen und fal­schem Religionsauslegungsgeschwurbel.

    Gottvertrauen ersetzt Realität, das ist das reli­giöse Problem wel­ches ein fried­li­ches Zusammenleben ver­gif­tet. Gerade wegen der Symbiose von Macht und Religion muss ver­hin­dert wer­den, dass hei­lige Schriften über staat­li­chen Gesetzen ste­hen wel­che das fried­li­che Zusammenleben außer­halb einer Diktatur gewähr­leis­ten.

    Wir kön­nen unsere irgend­was­gläu­bi­gen Rechtradikalen natür­lich nicht in Fremdländer abschie­ben, aber rechts­staat­lich begeg­nen. Welcher Nachholbedarf im Handeln real besteht, zeigt unsere jüngste Vergangenheit. In christ­li­cher Gesinnung ent­schul­digt man sich (selbst), und bemüht sich red­lich gött­li­chen Anachronismus zu ver­ste­hen.

  10. Ich kann – wie so häu­fig – Uwe Lehnert nur unein­ge­schränkt zustim­men, unter ande­rem wohl auch des­halb, weil mir die Lebenswelten von Moslems nach 14 Jahren in einem isla­mi­schen Land so nah sind. Hier scheint mir der rich­tige Erkenntnisprozess in Deutschland noch ein wenig hin­ter­her zu hin­ken.

  11. @ Maria Liebknecht:
    Schon eine Formulierung wie „Bürgerwehrkämpfer Lehnert“ zeigt, dass Sie mehr Freude an pole­mi­scher Provokation haben als an sach­li­cher Auseinandersetzung. Aber da kenne ich Sie ja lei­der schon aus ande­ren Diskussionen. Versuchen wir es trotz­dem mit einer sach­li­chen Entgegnung.

    Sie fra­gen, wo denn die ver­fas­sungs­bre­chen­den Muslime sind.

    Sie bil­den erfreu­li­cher­weise inner­halb der mus­li­mi­schen Zuwanderer eine kleine Minderheit, bil­den den­noch eine Gefahr für unsere demo­kra­ti­sche Kultur. Ähn­lich den akti­ven rechts­ex­tre­mis­ti­schen Kräften, die ver­mut­lich einen noch gerin­ge­ren pro­zen­tua­len Anteil inner­halb unse­rer Gesellschaft dar­stel­len und doch als höchst bedroh­lich ein­ge­stuft wer­den.

    Finden Sie es denn als mit den Grundsätzen unse­rer Verfassung ver­ein­bar, wenn die Gleichberechtigung von Mann und Frau abge­lehnt wird, Homosexuelle geäch­tet wer­den, die Todesstrafe als legi­time Vergeltung gefor­dert wird, Andersgläubige als min­der­wer­tig ange­se­hen wer­den, Tiere nach isla­mi­schem Ritual geschäch­tet, also lang­sam zu Tode gequält wer­den, die Gesetze des Koran bzw. Allahs als über allen welt­li­chen Gesetzen ste­hend betrach­tet wer­den, wenn es ein dem Islam inne­woh­nen­der Anspruch ist, in alle gesell­schaft­li­che Bereich hin­ein zu wir­ken, unab­hän­gig davon, ob diese Forderung auch Anders- und Nichtgläubige trifft? (Letzteres stre­ben ja auch viele christ­li­che Politiker an, was ebenso zu ver­ur­tei­len ist!)

    Sie wer­den fra­gen, wer das for­dert? Haben Sie sich schon ein­mal in den inzwi­schen fast rein mus­li­mi­schen Stadtteilen z.B. von Berlin umge­se­hen, haben Sie schon mal eine Predigt von einem der unzäh­li­gen aus der Türkei ein­ge­flo­ge­nen Prediger gehört, haben Sie sich schon ein­mal auf den ein­schlä­gi­gen isla­mei­ge­nen Internetseiten umge­se­hen? Viel schlim­mer noch aber ist, dass die ver­schie­de­nen Islamverbände oder Dachorganisationen – mit Ausnahme der Aleviten – sich bis­her noch nie expli­zit und zwar im Detail zu unse­rer Verfassung bekannt haben. Zwar hat es viel­fäl­tige dies­be­züg­li­che Lippenbekenntnisse gege­ben, aber die tat­säch­li­chen Widersprüche zwi­schen den Forderungen des Koran und der beob­acht­ba­ren Praxis in prak­tisch allen mus­li­mi­schen Ländern einer­seits und den Prinzipien unse­rer Verfassung ande­rer­seits wer­den nicht detail­liert the­ma­ti­siert, offen­kun­dig, weil diese Inkompatibilitäten nicht weg zu dis­ku­tie­ren sind.

    Sie wol­len ein­fach nicht zur Kenntnis neh­men, was ein Pierre Vogel, füh­ren­der Salafist, an abso­lut ver­fas­sungs­wid­ri­gen Parolen aus­gibt. Nicht weni­ger ver­fas­sungs­wid­rig agie­ren die aus Saudi-Arabien finan­zier­ten Wahhabiten, die zwar weit­ge­hend unbe­kannt sind und doch inzwi­schen Schulen in Bonn und Berlin – mit staat­li­cher Billigung – errich­ten durf­ten.

    Linus Heilig hat in obi­gem Kommentar Beispiele genannt, wie aus der Deckung her­aus, die freie künst­le­ri­sche und eben auch jour­na­lis­ti­sche Meinungsäußerung kaputt gemacht wird. Es fin­den nach wie vor Ungleichbehandlung und Zwangsverheiratung von Frauen in einem Land statt, das glaubte, sol­che Praktiken hin­ter sich gelas­sen zu haben. Wieso benö­tigt eine Schriftstellerin wie Nourig Apfeld („Ich bin Zeugin des Ehrenmords an mei­ner Schwester“) – wie viele andere auch –noch heute stän­di­gen Polizeischutz? Die tür­kisch­stäm­mige Berlinerin Seyran Ates gab ihren Beruf als Rechtsanwältin auf, weil sie von tür­ki­schen Landsleuten mas­siv bedroht wurde. Sie wagte es, tür­ki­sche Frauen vor Gericht zu ver­tei­di­gen, die sich gegen die reli­giö­sen und kul­tu­rel­len Vorgaben ihrer tür­ki­schen Männer zur Wehr setz­ten. Mehr Beispiele gefäl­lig? Dann fra­gen Sie doch mal Berliner Lehrer, wie diese ihrer phy­si­schen Sicherheit wegen Beleidigungen und tät­li­che Attacken von zuge­wan­der­ten Schülern, in Berlin eben haupt­säch­lich tür­ki­scher Herkunft, inzwi­schen wort­los hin­neh­men, Handlungen, für die wir frü­her sofort der Schule ver­wie­sen und ggf. auch noch zusätz­lich von Jugendgerichten bestraft wor­den wären.

    Wer das nicht mehr ankla­gen darf, trägt dazu bei, rechts­staat­li­ches Denken zu rui­nie­ren und treibt den Rechtsextremisten immer mehr Wähler in die Arme. Zwar las­sen sich an obi­gen Beispielen nicht immer Religion und bloße Tradition aus­ein­an­der­hal­ten, dass sie aber einen gewis­sen Bezug auf­ein­an­der haben, dürfte wohl fest­ste­hen. Es ist dank des staat­li­chen und teil­weise media­len Schweigekartells sehr schwer, über das wahre Ausmaß die­ser ver­fas­sungs­wid­ri­gen Praktiken genaue Informationen zu erhal­ten, sodass sicher­lich ver­zerrte Darstellungen in die eine oder andere Richtung statt­fin­den. Werden aber dies­be­züg­li­che wis­sen­schaft­li­che Untersuchungen ange­stellt, wie jüngst durch das Innenministerium ver­an­lasst, und för­dern sie Fakten zutage, die bestimm­ten Kreisen unan­ge­nehm sind, dann wer­den flugs ein­fach die Wissenschaftler und die Erhebungsmethoden als unse­riös und unwahr­haf­tig bezeich­net.

    Ich lasse mich gern beleh­ren, wenn ich die Dinge zu pes­si­mis­tisch ein­schätze. Ich würde mich freuen(!), wenn ich unrecht hätte. Zur Zeit sehe ich kei­nen Anlass, meine Besorgnisse zurück­zu­neh­men, die – das sei aus­drück­lich wie­der­holt – nur eine kleine Minderheit betrifft, für die aber der Islam neben der spi­ri­tu­el­len eine aus­ge­spro­chen gesell­schafts­po­li­ti­sche Dimension hat.

  12. Es wer­den nicht allzu viele Leser hier per­sön­li­che Erfahrungen mit Bürgerwehren haben machen dür­fen. Zum Glück ist eine sol­che Erfahrung auch in Deutschland noch nicht nötig, wes­halb die Etikettierung Uwe Lehnerts eine reine Bösartigkeit dar­stellt.

    Ich musste als Teilnehmer einer ech­ten Bürgerwehr aller­dings bereits ein­schlä­gige Erfahrungen in Tunesien machen. Wir (ca. neun­zig Männer in unse­rem “quar­tier”) ver­tei­dig­ten dabei unsere Frauen und unse­ren Besitz gegen brand­schat­zende und mit Messern bewaff­nete Salafisten, nur not­dürf­tig mit Holzknüppeln und Golfschlägern (die ich ver­teilte) bewehrt. Wer das erlebt hat (und die Angst unse­rer Frauen um unser Wohl), der würde den Begriff der Bürgerwehr (in Wahrheit ein ech­tes Zeichen der “citoy­enneté”) wohl kaum der­mas­sen in den Schmutz zer­ren wie es Frau Liebknecht in ihrer Blindheit beliebt.

  13. In einer plu­ra­lis­ti­schen Gesellschaft gibt es immer Gefahren für die Demokratie, dafür sollte der Verfassungsschutz da sein, was er auch gerade bei den Salafisten ist. Die Wahhabiten stel­len ein poli­ti­sches Problem dar, die wirt­schaft­li­che Verbandelung zwi­schen Deutschland und den Saudis dürfte mitt­ler­weile jedem bekannt sein. Hier geht es aber um die Randgruppen isla­mi­scher Ausprägung in Deutschland, die sicher jeder kri­ti­siert. Wer jedoch den Eindruck erweckt, dass die Extreme doch eigent­lich, durch den Koran als gemein­same Basis, auf alle Muslime zutref­fen wür­den oder könn­ten, macht sich unglaub­wür­dig. Wenn dann noch jemand kommt und tune­si­sche Verhältnisse/Anekdoten zum Besten gibt um die Thematik in Deutschland zu unter­mau­ern, hört es eigent­lich völ­lig auf. Wie sieht es denn in der deut­schen Realität aus:

    “Obwohl die Religiosität und die reli­giöse Praxis bei Muslimen stark aus­ge­prägt ist, sind nur 20 Prozent Mitglied in einem reli­giö­sen Verein oder einer Gemeinde. Auch die in der Deutschen Islam Konferenz ver­tre­te­nen mus­li­mi­schen Verbände sind bei Muslimen rela­tiv unbe­kannt. Noch gerin­ger ist deren Vertretungsleistung aus Sicht der Muslime – weni­ger als ein Viertel füh­len sich von einem der Verbände ver­tre­ten.”

    http://www.migazin.de/2011/03/29/muslime-in-deutschland-herkunft-glaubensrichtung-bildung-partizipation/

    “Laut Verfassungsschutzbericht 2010 sind in Deutschland 37.470 Personen in 29 isla­mis­ti­schen Gruppen orga­ni­siert. Es gibt gewalt­ge­neigte, vor allem aber lega­lis­ti­sche Gruppen, die durch Politik und Sozialarbeit Einfluss neh­men wol­len.”

    http://www.bpb.de/themen/5VXK05,0,0,Islamistische_Gruppen_in_Deutschland.html

    und ganz aktu­ell: “Mehrheit der Imame steht für dia­log­be­rei­ten Islam” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-04/islam-integration-studie

    “Muslime äch­ten Gewalt und Zwangsheirat” http://www.welt.de/politik/deutschland/article106204954/Muslime-aechten-Gewalt-und-Zwangsheirat.html

    Mal abge­se­hen von den Schlagzeilen, die Herr Lehnert zitiert und die täg­lich in bestimm­ten Medien und Internet-Foren prä­sen­tiert wer­den, um ganz gezielt die Aufmerksamkeit auf ein “Hauptproblem Islam” zu len­ken, bes­ser, zu mani­pu­lie­ren, gibt es eben eine abso­lute Mehrheit fried­li­cher und ver­fas­sungs­treuer Muslime und Migranten mus­li­mi­scher Herkunft in Deutschland. Zugleich ist es völ­lig wider­sin­nig zu behaup­ten, dass sich Islam-Verbände nicht gegen Extremisten aus­spre­chen, das tun sie sehr wohl, hören will es aber anschei­nend nie­mand. Man sollte sich auch mal vor Augen füh­ren, dass es hier Menschen gibt, die in ihrer Selbsteinschätzung Muslime sind, hier gebo­ren wur­den und denen man vor­hält, sie müss­ten sich von jeg­li­cher Menschenrechtsverletzung, die im Namen ihres Glaubens began­gen wird öffent­lich dis­tan­zie­ren und wenn sie es nicht tun ste­cken sie mit den Extremisten unter einer Decke. Wer hat jemals von DEN Katholiken ver­langt, dass sie sich öffent­lich gegen die Piusbruderschaft oder Opus Dei aus­spre­chen müs­sen??? Wer hat jemals von DEN Juden ver­langt, dass sie sich öffent­lich gegen ultra-orthodoxe Juden aus­spre­chen müs­sen??? Wer hat jemals von Protestanten ver­langt, dass sie sich öffent­lich gegen Evangelikale aus­spre­chen müs­sen??? Mir geht es haupt­säch­lich darum, dass es sehr wohl isla­mi­sche Extremisten gibt, die eine Gefahr dar­stel­len, dass sie aber im Verhältnis zur Realität in Deutschland nie­mals den Stellenwert der Gefahr dar­stel­len, der medial erzeugt wird. Warum küm­mert man sich eigent­lich nicht mehr um die völ­lig eta­blier­ten Waldorfschulen, die zu teil­weise über 90 % vom Staat finan­ziert wer­den und ein braun-esoterisches Gedankengut ver­mit­teln, oder um das, in Deutschland ein­ma­lige, Heilpraktikergesetz aus Hitlers Zeiten mit immen­ser Gefährdung für die Volksgesundheit, plus eso­te­ri­scher Lebenshilfe? bis­wei­len ohne Verbraucherschutz. Gefahren für Leib und Seele, die in Deutschland täg­lich unzäh­lige Menschen tref­fen.

  14. Oft – und nicht nur in die­sem Beitrag – kommt es mir so vor, als würde das Kind mit dem Bade aus­ge­schüt­tet wer­den.

    Ich frage mich oft, ob denn die, die den Islam und die Muslime kri­ti­sie­ren, diese auch “ken­nen”. Es gibt nicht “den” Islam und es kann logisch so auch nicht “die Muslime” geben. Sondern immer “sone und sol­che”.

    Es macht mir Angst, wenn alle über einen Kamm gescho­ren wer­den. Und es macht mir Kummer, dass die Verteilung des Korans in deut­schen Fußgängerzonen durch die Salafisten nun dazu benutzt wird, jeden Moslem dazu zwin­gen zu wol­len, sich “ent­schul­di­gen” zu müs­sen. Da macht lei­der die Islamkonferenz keine Ausnahme.

    Wir soll­ten uns lang­sam daran gewöh­nen, mehr zu dif­fe­ren­zie­ren.

    Heinz

  15. Falsche Rücksichtnahmen und faule Kompromisse sind neben Naturkatastrophen für die Degeneratin einer plu­ra­lis­ti­schen Gesellschaft ver­ant­wor­lich. Nicht wie Westerwelle spät­rö­misch, son­dern aktu­ell “Keine Macht den Doofen”. Oben und unten, nicht ent­we­der oder, son­dern sowohl als auch. Natürlich las­sen sich glaubens-, also auto­ri­täts­be­dingte Fehlentwicklungen in vie­len Bereichen ent­de­ckeln. Noch immer wird der Müll unter den Teppich gekehrt und bei Hempels unterm Sofa ist viel Platz für Müll. Jeder kehre vor sei­ner Tür. Eine gut­ge­meinte Diversifizierung und zei­gen auf wei­tere prak­ti­zierte und staat­lich geför­derte Esotherik ist berech­tigt, führt hier aber zur Verzettelung. Das betreibt die geis­tige Onanie im Elfenbeinturm zur Genüge. Deshalb ran an die gemein­same Wurzel des Humbugs (Kokolores), dort wirds all­ge­mein­ver­ständ­li­cher. Dass Uwes red­li­che didak­ti­sche Tacheles-Vorgehensweise viele irri­tiert, wun­dert mich nicht, es wird ja ande­res indok­tri­niert. Die Kommentare sei­nes Beitrages im Tagesspiegel (Hinweis hier im Blog) spre­chen für sich. Auch das eine Folge des scham­vol­len, reli­giö­sen, angst­be­stimm­ten wisch­wa­s­chi Eiertanzes um Tabuthemen, statt red­li­ches Eingestehen und kon­se­quen­tes Handeln. Lieber Leid- statt Leitkultur?

    Seit der Evolution des zenta­len Nervensystems (der Mensch wurde am 6. Tag erschaf­fen, auch im Koran? Lies, deutsch oder eng­lisch?), ent­wi­ckelte die­ses auch die Fähigkeit, die Differenz zwi­schen Soll und Ist zu mini­mie­ren. Mit Hilfe des Placeboeffektes, hof­fend basie­rend auf dem Memmorieeffekt reicht. Glauben an Humbug setzt vor­aus, dass einem zuvor frü­zei­tig ins Gehirn geschis­sen wurde. Religionsununterricht! Diese Handlung nötigt mir kei­nen Respekt ab. Wird der Schleppfehler zwi­schen Soll und Ist zu groß, kol­la­biert der Evolutionsprozessregler. Diesen Effekt nennt man zu lange anhal­ten­der Anachronismus.

  16. @ H. Saderol. Natürlich sind alle Muslime vor allem Menschen, wie du und ich. Um Differenzierung küm­mern sich Papst, Käßmann (freuen wir uns auf die Lutherdekade, enor­mes Differenzierungsgeschwurbel um den Judenhasser), Islamkonferenz, Zimmerman schon zur Genüge und ver­wei­sen auf Einzelfälle die aber sys­te­misch sind. Arme bedau­erns­werte Verteiler gött­li­cher Botschaften. So ein Unsinn gehört vor das Verfassungsgericht? Wer darf den Koran ver­tei­len und wer nicht? Nur mit Führerschein? Es ist ganz ein­fach. Warum wird über­haupt mis­sio­niert, warum liegt im Zimmer eines 4-Sterne Hotels eine Bibel aus? Dienstleistung weil ich meine aus Vesehen ver­ges­sen habe? Wer auf Manipulation und Werbesprüche her­ein­fällt ist unmün­dig und lässt sich wie das Kind mit dem Bade aus­schüt­ten, ist aber wahl­be­rech­tigt ab 18. Ich kenne keine bes­sere Lösung als Aufklärung ohne auto­ri­täts­gläu­bige Tabus. Das Problem ist, die rea­li­täts­be­zo­gene Vernunft kann man sich nicht ein­trich­tern las­sen, die muss man üben dür­fen. Dazu bedarf es didak­tisch begab­ter Erzieher. Staatlich geför­dert wird aber die Unbegabtenförderung. Weg mit dem Numerus Clausus, für natür­li­che Auslese durch Mensaessen.

  17. @Saderol:

    Mit dem Argument, dass es „den“ Islam nicht gäbe, habe ich mich doch expli­zit aus­ein­an­der­ge­setzt. Dann bitte doch ein Gegen-Argument, warum ich da falsch lie­gen würde.

    Ich weiß gar nicht, wo ich noch mehr dif­fe­ren­zie­ren soll: Ich unter­scheide isla­mi­sche Organisationen, die Religion und die Gläubigen. Eine ganze Reihe von mus­li­mi­schen Organisationen wer­den auf­ge­führt, teil­weise mit kur­zer Charakterisierung. Unter den Gläubigen dif­fe­ren­ziere ich zwi­schen jenen, die sich auf den spi­ri­tu­el­len Teil des Islam kon­zen­trie­ren und jenen, die dar­über­hin­aus den gesell­schafts­po­li­ti­schen Auftrag des Islam ernst neh­men. Außerdem betone ich an meh­re­ren Stellen, dass es sich bei der „kri­ti­schen Masse“ um eine Minderheit han­delt, dass die weit über­wie­gende Mehrheit der Muslime als inte­griert gel­ten kann. Auch erwähne ich, dass ver­mut­lich die Hälfte der sog. Muslime ihre Religion gar nicht prak­ti­zie­ren. Zum Schluss betone ich Toleranz und Akzeptanz gegen­über dem Neuen, Anderen, Fremden, aber zeige auch die kla­ren Grenzen auf.

    Noch mehr Differenzierung erwünscht? Dann bitte ich um klar for­mu­lierte Aussagen statt nur um übli­ches Standardgejammere, man würde in das übli­che Ablehnungsritual ver­fal­len.

    Haben Sie mei­nen Artikel über­haupt gele­sen?

  18. Maria Liebknecht

    Ja, sehr gut! Beim “Riss durch die Welt” bleibt der “Schuster bei sei­nen Leisten”, anstatt dilletantisch-populistisch seine Staatsbürgerpflichten gegen­über “ver­fas­sungs­feind­li­chen Muslimen” zu erör­tern, die es selbst­ver­ständ­lich gibt, genauso wie es hier­zu­lande auch ver­fas­sungs­feind­li­che, frau­en­feind­li­che Zuhälter gibt.

    Dass Uwe Lehnert die Integrations-Studie „Lebenswelten jun­ger Muslime“, genauso falsch wie Friedrich deu­telt, war eigent­lich über­haupt der Anlass hier zu kom­men­tie­ren. http://www.fr-online.de/politik/muslim-studie-opposition-wirft-friedrich-luege-vor,1472596,14960092.html.

    @ Heinz, mir macht das Selbe Sorgen wie Dir.

  19. Und ich mach mir Sorgen, wie Menschen rea­gie­ren, deren ana­chro­nis­ti­sches Weltbild zusam­men­zu­bre­chen droht. Die für eine fried­fer­ti­gere Gesellschaft harm­lose Variante ist die reli­giöse Tradition der per­sön­li­chen Selbstgeißelung. Das immer wei­ter aus­ein­an­der­klaf­fende reli­giöse gegen das reale und glo­bale Weltverständnis, ist die bedroh­li­che Variante. Differenzieren dege­ne­riert zur Venebelungstaktik, wenn vor­wurfs­volle Differenzierundsermahnungen wegen vor­aus­ei­lend befürch­te­ten Gefühlsbeleidigungen zur Hohen Kunst erho­ben wird. Populistisch sind Strategien, die dem Verdrägungskomplex und der Projektion der eige­nen Schuld auf Andere hul­di­gen . Wer diese Kunst seit Jahrttausenden dil­le­tan­tisch beherrscht, domi­niert das mis­sio­na­ri­sche Integrationsgeschwurbel das im Religionskrieg endet.

    Eine, die sich auch aus­kennt und red­li­chen (nicht popu­lis­ti­schen) Widerstand leis­tet ist Mina Ahadi, man lese ihren aktu­el­len Beitag zur ver­lo­ge­nen Islamkonferenz hier im Blog. Genauso falsch wie die popu­lis­ti­sche fr-online lie­gen theo­lo­gi­sche Deutungskünstler, die Intellektualität vor­ge­ben und fun­da­men­tale Indoktrination mei­nen. Ran an die Wurzeln des Unsinns.

  20. Die die anzu­stre­bende nicht­pou­lis­ti­sche Lösung ent­behrt aller Deutelungen, siehe Ende des Artikels:
    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36797/1.html

  21. Spaß bei­seite, so kurz­wei­lig ist Aufklärung an den Fundamenten “Wo sind sie denn?”
    http://blasphemieblog2.wordpress.com/2012/04/23/heute-show-uber-salafisten/
    Gesalbatert wird popu­lis­tisch bei Günther Jauch, wie ges­tern. Schade, dass der hoch­in­tel­lek­tu­elle Papst nicht auch ein­ge­la­den war. Prozesse, die man objek­tiv (wegen Indoktrination) nicht erklä­ren kann bis in alle Ewigkeit.

  1. Pingback: Nics Bloghaus

Scroll To Top