Konfessionsfreie sind dumm
Das jedenfalls ist die Meinung der Tagesspiegel-Autorin Claudia Keller. In einem Artikel von gestern “Wer an Gott glaubt, hat den notwendigen Horizont“ bemüht sie sich, der Ungerechtigkeit “im Namen des Herren” ein Loblied zu singen. Mir ist übel.
Frau Keller schreibt doch tatsächlich: “Mit Joachim Gauck wird ein evangelischer Christ Bundespräsident. … Acht der zehn bisherigen Staatsoberhäupter waren Protestanten. Die meisten waren es nicht nur auf dem Papier, sondern engagierten sich intensiv in ihrer Kirche.”
Das allein zeigt, dass es mit der Trennung von Staat und Kirche in Deutschland nicht weit her ist. Denn wenn das Staatsoberhaupt eines modernen und säkularen Staates Kirchenmann ist, ist die Kirche Teil des Staatswesens. Das war schon bei Gaucks Vorgänger, dem evangelikalen Wulff, ein großes Problem. Denn – wie es sich zeigte – die “Moralvorstellungen”, die diese Herren hegen, entsprechen zum einen nicht der Wirklichkeit mehr und zum anderen halten sie sich nicht an ihre eigenen, großen Worte.
Viel schlimmer als dieses augenwischende Geschreibe sind dann jedoch die Folgesätze: “Einen Konfessionslosen gab es noch nie in diesem Amt. Das ist kein Zufall. Der Bundespräsident sollte jemand sein, der über den Tag hinausdenkt und gesellschaftliche Zusammenhänge vor einem Horizont zu deuten vermag, der den Alltag übersteigt.”
Damit unterstellt Frau Keller einem Drittel der deutschen Bevölkerung (vermutlich sogar mehr als nur einem Drittel) Dummheit und Planlosigkeit. Das ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten.
Die Kirchen und vor allem ihre Vertreter haben so gut wie keinen Rückhalt mehr in der Bevölkerung. Das jedoch wollen weder Politiker noch deren Speichellecker erkennen. Und wenn es nicht so beleidigend wäre, was Frau Keller uns da an den Kopf wirft; man könnte weise drüber lächeln: Klingt es doch wie das Singen im Walde. Wer sich einredet, zu “den Guten” zu gehören, muss Realität ausblenden. Denn ansonsten würde er (oder sie) erkennen, wie nackt der Kaiser ist.
Nic
4 Responses to Konfessionsfreie sind dumm
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“Konfessionsfreie sind dumm” http://t.co/36Zyf6EG “Einen Konfessionslosen gab es noch nie in diesem Amt.” #Religionskritik
Nic, ich unterschreibe jedes Wort Deines Kommentars. Eine unglaubliche Arroganz, die aus den Worten dieser Stütze und Propagandistin unseres Kirchenstaates sprechen. Der Tagesspiegel ist eben ein Kirchenblatt.
Unglaublich, was diese Kommentatorin des Berliner Tagesspiegels von sich gibt. Sie ist ein weiteres Beispiel in der Schar von Stützen und Propagandisten des Kirchenstaats Deutschland. So wie in der DDR kein auch nur halbwegs politischer Posten ohne Parteizugehörigkeit vergeben wurde, so ist es heute die Kirchenmitgliedschaft, die Voraussetzung ist für eine steuernde Funktion in dieser Gesellschaft, ob es sich dabei um die Spitzen in Rundfunk und Fernsehen handelt, um die höchsten Richterämter, um die führenden Kräfte in den Parteien – überall die gleiche Politik der Unterwanderung mit Ideen, die in der Bevölkerung in dieser Breite keinerlei Rückhalt haben. Repräsentative Umfragen zeigen immer wieder, dass der „theologische Zauber“ von etwa der Hälfte(!) der Bevölkerung abgelehnt, zumindest als nicht in die Politik gehörend angesehen wird. In Berlin sind 70% der Bevölkerung in keiner der beiden großen Kirchen – ist man auf die Meinungsäußerungen der Politiker und Medien dieser Stadt angewiesen, entsteht genau der gegenteilige Eindruck.
[...] Er setzt sich mit der Rolle der “Qualitätsjournalisten” und “-journaillinen” auseinander und was an deren Gauck-Gejubel so verlogen ist (siehe mein Beispiel aus dem Tagesspiegel). [...]