Muss der nächste Bundespräsident wieder Christ sein?

Schloss Bellevue, Foto: Stephan Czuratis (wikipedia)
Heute früh diskutierten wir im größeren Kreis bereits über die nun vorgeschlagenen Kandidaten (na ja, sagen wir so: über die Namen, die in den Medien zu lesen sind) und wunderten uns. Denn es sind – nach dem evangelikalen Wulff – wieder vor allem bekennende Hardcore-Christen, die uns da vorgestellt werden.
Wie die Herren Gauck und Huber.
Ehrlich gesagt: mich nervt das – und nicht nur mich. Ein Drittel der Bevölkerung fühlt sich generell nicht wahrgenommen, nicht repräsentiert. Bis auf die Piraten gibt es keine Partei, die sich für die grundgesetzliche Trennung von Staat und Kirche einsetzt. Im Bundestag jedenfalls sitzt keine.
Und die eine der größeren Parteien, denen man am ehesten zutrauen sollte, sich für einen konfessionsfreien Kandidaten auszusprechen, hat zum einen eine teilweise fatale Nähe zu den Kirchenoberen entwickelt (nicht wahr, Herr Gysi; nicht wahr, Herr Ramelow…) und wird zum anderen nicht einmal gefragt.
Es wird allerhöchste Zeit, dass man diese Scheuklappen ablegt und darüber nachdenkt, einen konfessionsfreien Kandidaten aufzustellen. Einen, der bisher nicht als Politiker in Erscheinung trat, der von der Macht noch nicht korrumpiert wurde und von dem anzunehmen sei, dass er (oder sie!) ethische Werte mitbringt, sich diesem Sog zu entziehen.
Allerdings… ich vergaß beinahe, wir wählen den Postenbesetzer ja gar nicht…
Da wird es wohl der Huber machen.
Nic
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Muss der nächste Bundespräsident wieder Christ sein? Warum nicht ein Moslem? http://t.co/R7NU7Tpo
Quatsch. Moslem.
Wie wäre es mal mit dem Gedanken, einen Nichtgläubigen als BP zu wählen?
Huber macht es “Gott-sei-Dank” nicht – Alpträume können einem ganz schön zu schaffen machen. Herrn Gauck traue ich die Größe zu, dass er weltanschaulich andere Auffassungen – damit meine ich nicht etwa nur die Muslime – in sein Denken einbezieht – ich hoffe das jedenfalls.
Ich trau auch dem Manne nicht…
[...] Nics Bloghaus wonders why all presidents and presidential candidates, actual or potential, so far ha… and whether it’s not time for a candidate who won’t alienate atheists and members of other religions than Christianity. [...]
Lieber Frank,
dem kann ich nicht wirklich folgen, denn es ist ja wunderbar Kritik zu üben, doch wenn man dieses tut, dann sollte man auch eine Alternative anbieten. Kritik üben ist immer gut, aber dann gehört auch gleichzeitig etwas “Futter” dazu. Und was dieses Drittel angeht, offen gesagt sind doch die meisten davon nur Dauernörgler, die leider nichts für dieses Land, diese Menschen und diese Demokratie tun.
Demokratie ist nicht kostenlos, Demokratie kostet Zeit, Geld und Engagement. Und Demokratie ist nichts, was man nicht weiter entwickeln kann und sollte, im Gegenteil, Demokratie lebt von den Menschen, von den Meinungen und vor allem vom ENGAGEMENT.
Was aber nicht bedeuten soll, Du gehörst zu diesen Dauernörglern dazu. Nein, Du bist engagiert, aber leider nun einmal viele der zitierten Personengruppe nicht.
Lieber Lutz,
ich denke nicht, dass sich das Drittel Konfessionsfreier in seiner “Nörgelhaftigkeit” von den anderen zwei Dritteln unterscheidet. Es gibt auf allen Seiten, in allen Schichten und Klassen Nörgler und Macher; Menschen guten Willens und Menschen, denen die Gesellschaft am Ar… vorbei geht. Deine Einstellung kann ich also so nicht teilen.
Ein Großteil der Menschen, mit denen ich zusammen bin und arbeite gehört definitiv nicht in die Gruppe der Nur-Nörgler. Sondern sehr wohl in die derer, die die Gesellschaft verändern wollen.
Meine Kritik an Gauck ist nicht dahergeredet. Der Mann findet Sarrazin mutig, beschimpft HartzIV-Empänger und über all die piratigen Dinge wie Vorratsdatenspeicherung etc. mag ich schon gar nicht mehr reden – aber jemanden, der die Stasi-Zeit mit aufgearbeitet hat und nun für eine neue Überwachung steht, kann ich nicht unterstützen.
Alternativen gäbe es viele – allerdings ist es unwahrscheinlich, dass jemand, der klaren Geistes und nicht konfessionell ist, vom Bundestag gewählt werden würde.
Ich verweise mal auf einen Kommentar von Hort Hermann, der heute beim hpd kam: http://hpd.de/node/12929 – darin heißt es u.a. “In keinem anderen europäischen Land ist es vorstellbar, dass Pfarrer und Bischöfe zu Staatsoberhäuptern avancieren. Deutschland kann sich eine solche Torheit offensichtlich leisten, und niemand von den parteipolitisch ausgerichteten Kandidatensucherinnen und Kandidatensuchern hat etwas dagegen einzuwenden.”
Und das, was wir erleben, ist eher die Aushöhlung der Demokratie – denn kirchliche Strukturen und Demokratie sind unvereinbar.