Jörg Lau: Was von 9/11 bleibt
Wir haben noch keinen Namen für die Epoche nach dem 9/11. Ich dachte vor 10 Jahren, hier begänne etwas, das uns für die nächsten Jahrzehnte beschäftigen würde – vielleicht ähnlich dem Kalten Krieg.
Aber es war wohl nur ein Intermezzo – zwischen Amerikas “unipolarem Moment” nach dem Fall des Kommunismus und dem “Aufstieg des Rests” (der neuen Mächte China, Brasilien, Indien, Südafrika etc.).
Die Vorstellung eines “globalen Krieges gegen den Terror” (schon damals ein merkwürdiger Begriff) ist zu Recht stillschweigend fallen gelassen worden. Heute ist der Kampf gegen den Terrorismus wieder in den Händen der Geheimdienste, der Polizei, der Spezialkräfte – wo er hingehört. Die Wahnidee, ihn mit den Mitteln des Militärs zu führen, war eine teure Verirrung. Der britische Reporter Jason Burke beziffert die Opfer der “9/11-wars“ auf mindestens 250.000.
Osama bin Laden ist tot, Al Kaida bleibt uns erhalten, aber als ein lästiges Epiphänomen, das man in Schach halten muss, nicht als Signatur einer Epoche. Mohammed Bouazizi war vielleicht die wichtigere Figur im Licht der kommenden Geschichte: eine Selbstverbrennung hat mehr bewirkt als alle die Selbstmordattentate der Al-Kaida. Der Sturz der Tyrannen geschieht nicht durch Terror, sondern durch einen Volksaufstand.
http://blog.zeit.de/joerglau/2011/09/02/was-von-911-bleibt_5053

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