der papst kommt 242x300 Heiligenstadt: Immer noch Helfer für Papstbesuch gesucht! WEIMAR. (fgw) Seit eini­gen Monaten häm­mert uns die geballte Propaganda von Kanzeln, par­la­men­ta­ri­schen Rednerpulten und den Redaktionsstuben nahezu aller Medien dies ein: Die Thüringer freuen sich auf ein, nein auf DAS, “Jahrtausend-Ereignis”, den Besuch des Ratzinger-Papstes im Freistaat mit sei­ner über 70 Prozent reli­gi­ons­freien Bevölkerung. Zehntausende, nein sogar hun­dert­tau­sende, Menschen wür­den zu des­sen Auftrittsorten in der Landeshauptstadt Erfurt und ins soge­nannte katho­li­sche Eichsfeld strö­men wol­len. Und die Kartennachfrage für die reli­giö­sen Spektakel könne kaum befrie­digt wer­den.

Wenn man aber etwas hin­ter die Kulissen schaut, dann kom­men schon berech­tigte Zweifel an den from­men Wünschen und Verküdnigungen auf.

Denn da mel­det jetzt der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) aktu­ell dies in sei­nen Nachrichten:

Einen Monat vor dem Papstbesuch feh­len noch immer frei­wil­lige Helfer. Bisher seien rund 1.000 gewor­ben wor­den, min­des­tens 2.000 seien aber nötig, so das Korrdinierungsbüro Vor allem für die Papstandacht in Etzelsbach wer­den noch Helfer gesucht. Julia Gerke, Mitarbeiterin des Heiligenstädter Koordinierungsbüros, sagte dem MDR, die Bewerbungen «tröp­fel­ten» zur­zeit nur. Deshalb werde die Werbung ver­stärkt. Inzwischen seien aber auch 500 Feuerwehrleute als Unterstützer ein­ge­plant.

Also, wenn so viele Menschen den Papst sehen woll­ten und gerade die katho­li­sche Minorität ihr “Oberhaupt” kaum erwar­ten kann, dann müß­ten doch auch die Helfer zuhauf sich anmel­den. Und eigen­ar­ti­ger­weise man­gelt es gerade im “katho­li­schen” Eichsfeld an frei­wil­li­gen Helfern.

Das scheint nicht der Fall zu sein, denn vom katho­li­schen Bistum Erfurt ist dies zu hören: “… um Helfer wer­den zu kön­nen, müss­ten keine beson­de­ren Voraussetzungen erfüllt wer­den. Die Freiwilligen müss­ten auch nicht unbe­dingt der katho­li­schen Kirche ange­hö­ren. Lediglich das Mindestalter von 16 Jahren sollte erfüllt sein, um sich beim Bistum Erfurt anmel­den zu kön­nen.”

Soso, wie heißt es so schön: In der Not frißt der Teufel Fliegen. Man nimmt also jetzt sogar Anders- und Nichtgläubige als frei­wil­lige Helfer an.

Als Schmankerl bie­tet das Bistum noch dies an: “Freiwillige, die direkt bei den Gottesdiensten in Erfurt und im Eichsfeld ein­ge­setzt wür­den, könn­ten den Papst auch live erle­ben.” Soll hei­ßen, man lockt mit kos­ten­lo­sen Freikarten. Auch kleine Geschenke sol­len mehr Betreuer locken: Neben einer Mütze, einer Regenjacke und einem T-Shirt wür­den alle außer­dem ein Teilnehmer-Zertifikat erhal­ten.”

Aber da die katho­li­sche Kirche bereits seit Mai Helfer sucht und sich anschein­lich doch keine fin­den, kann es weder um die angeb­li­che Papst-Euphorie in Thüringen noch um die beson­dere Religiosiät der katho­li­schen Diaspora so gut bestellt sein, wie immer behaup­tet.

Wie schreibt das Bistum auf sei­ner Homepage? “Die Teilung Deutschlands erschwerte es den Bischöfen in Würzburg und Fulda zuneh­mend, mit ihren Diözesangebieten in der DDR in Verbindung zu blei­ben. 1929 waren ihnen die katho­li­schen Gemeinden in Thüringen zuge­schrie­ben wor­den. Es wurde schließ­lich das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen gegrün­det, das unter gewis­sen Einschränkungen auch im tota­li­tä­ren System der DDR die Hauptaufgaben von Kirche erfül­len konnte: das Wort Gottes ver­kün­den und den Glauben leben­dig hal­ten.”

Also konnte die katho­li­sche Kirche in der DDR mun­ter wei­ter­le­ben (und sogar die Zahl ihrer Gläubigen hal­ten!)… Und wider­stän­dige Katholiken, wie der zeit­wei­lige CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus, konn­ten vor 1989 sogar stell­ver­tre­ten­der Direktor einer sozia­lis­ti­schen Schule wer­den.

Von der “Verfolgung von Katholiken” im “tota­li­tä­ren System der DDR” kün­det (nach eige­nen Angaben des Bistums auch dies): “1952 wurde mit dem Priesterseminar in Erfurt die ein­zige theo­lo­gi­sche Ausbildungsstätte für den Priesternachwuchs auf dem Gebiet der DDR gegrün­det. Die meis­ten Priester und Bischöfe der neuen Bundesländer haben hier am Erfurter Seminar stu­diert.”

Aber, nein, das ist ja das Gegenteil von Verfolgung. Und man schaue sich mal das Gründungsdatum 1952 an! Da lebte doch der leib­haf­tige Antichrist J.W. Stalin noch und hatte letzt­end­lich das Sagen auch über die Politik in der jun­gen DDR…

Nochmals zu den Helfern… Wie oben schon erwähnt sind inzwi­schen 500 Feuerwehrleute als Helfer für die Gottesdienstfeiern ein­ge­plant. Also, bei­leibe keine frei­wil­li­gen Helfer, son­dern dienst­ver­pflich­tete Menschen! Da kann man nur hof­fen, daß sich in der Zeit der Papstheimsuchung nir­gendwo in Thüringen Brände oder sons­tige Katastrophen ereig­nen… Denn dann stün­den die betrof­fe­nen Menschen und zu ret­tende Sachwerte ohne die Helfer da, die für sol­che Dienste da sind und die sich frei­wil­lig ver­pflich­tet haben.

[Erstveröffentlichung: Freigeist Weimar]

Getagged mit
 
Über den Autor

SRK

Co-Autor des Blogs, ansonsten schreibt er für den Freigeist Weimar.

Kommentare sind geschlossen