Weiß, christlich, skrupellos
Seine Taten erklären oder ihn ausgrenzen – das scheinen die beiden Reaktionen zu sein, die Anders Breivik seinem Publikum lässt. Darauf müssen wir aber nicht hereinfallen
Große Schrecken halten wir aus, indem wir sie umgehend als das „ganz Andere“ von uns weisen. Oder aber wir erklären uns das Trauma und ordnen es so in unser Verständnis von Normalität ein. Das ist im Fall des jüngsten Terroraktes in Norwegen nicht anders. Die zahlreichen Kommentare und Analysen von Anders Behring Breiviks Tat und von seinem Manifest zur Tat lassen sich in der Regel leicht der einen oder anderen Strategie zur Krisenbewältigung zuordnen.
http://www.freitag.de/wochenthema/1130-keine-zeit-f-r-ritter
Wer das Manifest des Anders Breivik genau liest, erkennt Erschreckendes: Aus ihm spricht nicht bloß der Wahn
Einige Leser hätte Anders Breiviks im Internet veröffentlichte European Declaration of Indepedence wohl gefunden. Leser, die sich auch sonst in jener rechten, virtuellen Parallelwelt bewegen, in der sich darum so vieles sagen lässt, weil sich ohnehin nur wenige dorthin verirren. Wer sich als Autor dieser Seiten ein größeres Publikum wünscht, muss sich etwas einfallen lassen. Und das hat Anders Breivik getan. Über 70 Menschenleben war ihm die Publicity für sein Pamphlet wert. Darum und nur darum dürfte es dieser Tage einige Leser mehr als andere Texte finden.
http://www.freitag.de/wochenthema/1130-der-notstand-bl-ht-in-jeder-hinsicht
Rechtspopulisten haben Anders Breivik inspiriert. Nun grassiert unter ihnen die Angst, das Attentat könnte ihrer Sache schaden
Wieder einmal wurde Geert Wilders deutlich. „So viele unschuldige Opfer eines gewalttätigen, kranken Geistes“, twitterte die Galionsfigur des europäischen Rechtspopulismus am Tag nach den Attentaten von Oslo, „die PVV (Wilders Partij voor de Vrijheid) trauert mit den Angehörigen und dem norwegischen Volk.“ Wilders dürfte zu jenem Zeitpunkt bewusst gewesen sein, dass sein Versuch, sich in die Kondolenzliste der internationalen Politik einzureihen, viele Augen auf ihn richten würde. Zu diesem Zeitpunkt nämlich war schon klar, dass der Täter keinesfalls ein Dschihadist war, sondern ein Kämpfer, der das Überleben Europas von der Islamisierung und ihren sozialdemokratischen und „kulturmarxistischen“ Agenten bedroht wähnt.
http://www.freitag.de/wochenthema/1130-wir-sind-es-nicht-der-verr-ckte-ist-es-gewesen

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