WEIMAR. (fgw). Mitunter ist das Blättern in alten Tageblättern, sprich Tageszeitungen eine gar spannende Angelegenheit. Manche scheinbar nur tagaktuelle Pressemitteilung hat auch Jahre danach noch nichts an Substanz verloren. Dieser Tage also stieß ich erneut auf den Abdruck einer Pressemitteilung zu christlicher Religionspädagogik vom 2. Mai 2008 in der Zeitung “Neues Deutschland”, S. 10.
Unter der Überschrift „Forscherkritik an fehlender religiöser Bildung” heißt es da „In vielen Kindertageseinrichtungen in Deutschland kommt die religiöse Bildung einer Studie zu folge zu kurz. In zahlreichen Einrichtungen hätten Kinder keine Möglichkeit, sich mit Religion auseinanderzusetzen, erklärten die Tübinger Religionspädagogen Albert Biesinger [evangelisch] und Friedrich Schweitzer[katholisch] bei der Vorstellung der Untersuchung …”
Doch die Gedanken, die mir seinerzeit durch den Kopf gingen, sind auch heute noch gültig:
Was für eine Schlagzeile. Das ist aber mutig, könnte man meinen: „Forscherkritik an fehlender religiöser Bildung.”
Forscher, Wissenschaftler, sogar christliche Religionspädagogen, die kritisieren etwas. Und was? Bei unseren Kindern eine zu kurze und gar fehlende religiöse Bildung. Fast hätte man sich in all den gängigen Schlagworten verheddert, und geglaubt, „sich mit Religion auseinanderzusetzen” würde im Anspruch wirklich die Möglichkeit kritischer Auseinandersetzung fordern.
Doch halt, weit gefehlt!
Hier geht es ausschließlich um christlichen Kult, den Kultus und Forderungen des traditionellen Kultusministeriums.
Haben mündige Zeitungsleser sich bis jetzt eigentlich schon gefragt, mit welchem Recht in öffentlichen Bildungseinrichtungen religiöse Gemeinschaften mit eigenen Religionspädagogen und eigenen religiösen Pädagogikkonzepten aus ihrer Gemeinschaft heraus wirksam werden konnten? – „Kinder brauchen Religion” und sollen diese annehmen, das ist die Prämisse, die Voraussetzung für solches Tun. Demokratisch und öffentlich zu diskutieren ist da nichts, denn schließlich verkündigen religionstheologische Autoritäten ihre persönlichen Auffassungen als angeblich universelle.
„…Nur die Hälfte aller christlichen Kinder…. werden religiös begleitet.” – An öffentlichen Stätten! Skandal! – „. ..in mehr als 90Prozent der untersuchten Einrichtungen gebe es keine ‘muslimische Bildung‘.” – An öffentlichen Stätten! Skandal! – „‚Kinder brauchen Religion‘, betonten die Wissenschaftler. Religion müsse daher in den Kindergärten thematisiert werden. … Integration …. Verständnis und Toleranz …” – religiöses Bedrohungsszenario entschärft durch Religionspädagogen?
Das ist zu schön, um wahr zu sein.
Doch halt, „thematisiert”, das wäre schon gut.
Wo sind eigentlich die Aufklärer in diesem Land? Gab es sie wirklich nie? Die Weimarer Aufklärung in Thüringen nur ein Laborversuch? Was machen eigentlich die mehr als 33 Prozent Konfessionsfreien in der deutschen Republik? Schlafen? – „Kinder brauchen Religion”, also wirklich die Religion oder doch vielleicht die Aufklärung?!
Andererseits, endlich tut man mal wieder etwas für die lieben Kleinen. Na gut, der Staat und die beiden Kirchen tun etwas Religiöses mit Kultus. Die konfessionsfreien Elternhäuser sind da schon alle abgeschrieben, oder?
Wie war eigentlich die Grundfrage der Philosophie? Wie ist das Verhältnis von Materie und Bewusstsein?
Wie beantworten wohl Atheisten, Agnostiker, Freidenker, Freigeister, Humanisten und andere religionsfreie Menschen diese Frage? Mit oder ohne Schöpfergott?
Richtig – Die Materie ist das Primäre und existiert außerhalb und unabhängig vom menschlichen Bewusstsein und menschlicher Erkenntnis. Materie existierte und existiert ewig in vielfältigen sich wandelnden Materieformen. Der Mensch ist Bestandteil und Produkt der materiellen Welt.
Richtig – Die Welt ist ihrer Natur nach erkennbar. Immer mehr wird von der Menschheit erforscht ohne an den „Allgewaltigen Endpunkt”, das „Alles” zu gelangen. Das ändert nichts an der prinzipiellen Erkennbarkeit der Welt.
Ja, Philosophie hat viel mit Weisheit, viel mit der Welt und den Ideen, mit dem bewussten Sein zu tun. Richtig verstanden trägt materialistische Weltanschauung auch sehr viel Ideelles in sich.
Ach, ja, ich vergaß – Die Kirche ist in Deutschland ja noch immer nicht vom Staat getrennt! Trotz Weimarer Verfassung von 1919! Das kircheneigene christliche Gottesbild ist religionspädagogisch von Fall zu Fall zu formen, schon im Kindesalter. Das Muslimische gleich mit. Wegen der Integration. Zweidrittel konfessionsfreie Kinder, die integrieren und verbeschäftigen sich derweil eben ersatzweise ethisch, im Ethikunterricht.
Da kommt jede noch so kindgemäß kindische Hinterfragung ungelegen. Ein Beispiel dafür ist die bundesdeutsch-ministerielle Verfolgung eines Kinderbuches „Wo bitte geht’s zu Gott? …” 1, dass juristisch als kinder- und jugendgefährdende Schrift auf den Index gesetzt werden sollte.
Warum eigentlich hat(te) die oben genannte Zeitung (die sich selbst als Sozialistische Tageszeitung definiert) nicht den eigentlichen Skandal, dass Staat und Kirche, demokratische Öffentlichkeit und christliche Religionspädagogik noch immer nicht getrennt sind? Dass das konfessionsfreie Bevölkerungsdrittel sich „ach so friedlich unter diesen Scheffel stellt”? Schade, wie unkritisch man diese Pressemitteilung dazu auch noch unter Bildungssplitter abgedruckt hat.
Nachtrag: Angesichts der Sorgen der Forscher um die mangelnde christliche Indoktrinierung von Kindern in Kindergärten und Schulen, können diese sich andererseits freuen: Denn der Staat, Bund und Länder, haben Pfarrern und Pastoren eine andere wichtige Aufgabe übertragen: Denn, was in der Öffentlichkeit kaum jemand weiß, Kleriker zeichnen in Deutschland aufgrund von Verträgen für die berufsethische Ausbildung und den lebenskundlichen Unterricht in Polizei und Bundeswehr verantwortlich. Jüngst erst bekannte sich am 23. Juni 2011 in der Zeitung „Thüringer Allgemeine” der thüringische evangelische Landes-Militärpfarrer Christian Peter Kahlert ganz stolz zu dieser Aufgabe. In dem Interview heißt es wörtlich:
“Was hat ein evangelischer Standortpfarrer bei der Bundeswehr zu tun?
Er repräsentiert die evangelische Kirche unter den Soldaten. Er ist Seelsorger, feiert mit ihnen Gottesdienste. Zweimal innerhalb von sechs Jahren hat er mehrere Monate Auslandseinsatz zu leisten. Außerdem gestaltet er Rüstzeiten. Eine seiner wichtigsten Aufgaben ist es, den Soldaten aller Dienstgrade Berufsethik zu vermitteln, ihnen lebenskundlichen Unterricht zu erteilen.
Was ist das?
Die Auseinandersetzung darüber, was den Menschen ausmacht. Soziologie, Philosophie, Religion.(…) Jetzt diskutieren wir solche Fragen: Wie strukturiert man sein Leben? (…) Wir sprechen auch über den Umgang mit Verwundung und Tod.”
[Erstveröffentlichung: Freigeist Weimar]
- Michael Schmidt-Salomon / Helge Nyncke: Wo bitte geht’s zu Gott? Fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen. Alibri Verlag, Aschaffenburg, 2007. ISBN 3865690300. ↩
Nics Bloghaus

“halte du sie dumm – ich halte sie arm”
genau so…
Der Begriff “Forschung” impliziert “wissenschaftliche Vorgehensweise”.
Um wissenschaftlich Erkenntnisse zu gewinnen, bedarf es eines Sujets, welches wissenschaftlicher Untersuchungsmethoden zugänglich ist.
Dies dürfte im Fall der Existenz eines “Gottes” unmöglich sein.
Damit ist Religionsforschung per definitionem eben keine, deren Ergebnisse mithin unwissenschaftlich und dürfen dieserhalben keinesfall als Grundlage politischer Entscheidungsbildung dienen.
Der postulierte angebliche kindliche Bedarf an Religiosität möge doch erst einmal wissenschaftlich fundiert erbracht worden sein, bevor sich hier zweifellos intellektuell deprivierte Geister berufen fühlen, sich in dieser Angelegenheit stark zu machen.
Die Kirchen vermitteln keine Bildung, sondern nur Märchen aus älteren Mythen abgekupfert in der Bronzezeit
Wissenschaft ist eine Methodologie des Zweifels, sie arbeitet mit Hypothesen, Theorien, Fossilien, Tests wieder und wieder auf der Suche nach gesicherten Antworten für eine allen Forschern zugängliche und immer wiederholbare Realität. Forschendes Denken im Zweifel als zentrales Element neuer Erkenntnis reduziert die religiöse absolute Wahrheit als puren Unsinn.
Etwa 4350 Religionen erschöpfen sich als parasitärer geistiger Diebstahl in anderen Kulturen. Zweifel an den geklauten Wahrheiten sind verboten und werden durch Drohung von der Ausgrenzung bis zum Mord bestraft. Christliche Wahrheiten sind Phantasien nach 250 v.C. in Palästina aus sumerischen Mythen als AT kopiert. Gegenteilige wissenschaftliche Erkenntnis wird willentlich ignoriert, Religion als wahnhafter Kult, zementiert in ewig wahren Dogmen, kann weder Wissen integrieren noch neues schaffen.
Die Kirchen läßt nur ihr eigenes “Wissen” gelten, auch wenn es gar kein Wissen ist.
Papst Ratzfatz stellt das Wort Gottes als von ihm autorisierte allwissende Lehre der RKK über die Wissenschaft: „den positiven Beiträgen aus der Wissenschaft Rechnung zu tragen und zu Lösungen zu kommen, die in voller Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche stehen“. (Enzyklika Spe-Salvi).
Eine ewige Weisheit aus dem Kreis des RKK Großinquisitors vom Mai 1990 definiert: „Wer nicht die unfehlbaren Inhalte des christlichen Glaubens ohne Zweifel, ohne Kritik und Vorbehalte annimmt, der hat einen persönlichen Defekt, ein ungenügend gebildetes Gewissen, eine sündige Verfasstheit, eine auf Vorurteilen beruhenden Geist der Kritik und huldigt der Untreue gegen den Heiligen Geist.“
Der gläubige Christ darf keine Moral und keinen eigenen Willen haben, vor allem darf er nicht selber denken.
All Erklärungen aus dem Vatikan sind dogmatisch betoniert
Dogma: „Wer sagt, die menschlichen Wissenschaften müssten mit solcher Freiheit behandelt werden, dass ihre Behauptungen als wahr festgehalten und von der Kirche nicht verworfen werden könnten, auch wenn sie der geoffenbarten Lehre widersprächen, der sei ausgeschlossen“
Dogma: „Wer sagt, es sei möglich, dass man den von der Kirche vorgelegten Glaubenssätzen entsprechend dem Fortschritt der Wissenschaft gelegentlich einen anderen Sinn beilegen müsse als den, den die Kirche verstanden hat und versteht, der sei ausgeschlossen“ Ausgeschlossen steht für „ewig in der Hölle braten“.