Freitag , 24 Mai 2013
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Arundhati Roy – Die Politik der Macht

Mit die­sem Buch liegt eine Sammlung von älte­ren, aber nichts­des­to­trotz sehr aktu­el­len Essays vor. Arundhati Roy ist mir bis­her vor allem als die Autorin des wun­der­ba­ren Buches “Der Gott der klei­nen Dinge” bekannt. Die Essays hier las­sen all das Zauberhafte des Romans weg und reden Klartext. Klartext über die Auswirkungen der Neoliberalisierungen auf ein Land wie Indien.

Mit der Wut der Betroffenen und Mitfühlenden schreibt Arundhati Roy über ein Staudammprojekt in Indien: das Narmada-Stauprojekt. Sie bricht auf das Leben der Betroffenen her­un­ter, was Manager sich in voll­kli­ma­ti­sier­ten Büros des IWF aus­den­ken. Sie schreibt über die Hundertausenden, die davon betrof­fen sind. Die ihr Heim, ihr Land, ihre Leben ver­lie­ren. Und als “Abschaum” der Geschichte die Slums der indi­schen Großstädte bevöl­kern.

Arundhati Roy weist nach, dass das Staudammprojekt ein Millionengrab ist; wenig nutzt (außer den Investoren) aber Millionen scha­det. Nach dem Ausbau der Staustufen wird der Narmada weni­ger Wasser füh­ren als zuvor und es wird weni­ger Energie pro­du­ziert, als benö­tigt wird, um das Projekt am Laufen zu hal­ten. Und es wird 35% weni­ger Fläche bewäs­sert als der­zeit.

Für ihr Engagement in die­ser Sache wurde Roy in drei Fällen ange­klagt.

Sie schreibt – in einem wei­te­ren groß­ar­ti­gen Essay – über die ato­mare Aufrüstung Indiens und Pakistans. In die­sen Zeilen steckt soviel Herzblut und ehr­li­che Empörung… “Das Ende der Illusion” sollte daher zum Handbuch aller Atomkraftgegner wer­den.

Ein wei­te­rer Essay befasst sich mit der Situation Indiens; einem Land zwi­schen ges­tern und mor­gen. Sie fin­det dafür ein her­vor­ra­gen­des Bild:

Auf der Grünfläche hin­ter mei­nem Haus komme ich jeden Abend an Trupps aus­ge­mer­gel­ter Arbeiter vor­bei, die einen Graben für die Verlegung von Glasfaserkabeln aus­he­ben, damit unsere digi­tale Revolution noch schnel­ler von­stat­ten gehen kann. In der win­ter­li­chen Eiseskälte arbei­ten sie bei Kerzenschein. (Seite 208)

Ein wich­ti­ges Thema ist bei Roy auch die Rolle der USA – vor allem nach dem 11. September. Auch sie geht davon aus, dass Gewalt immer nur Gewalt pro­du­ziert. Und dass der (isla­mi­sche) Terror durch das kolo­niale Gebaren des “Westens” pro­du­ziert und poten­ziert wurde. Wer erst “Freiheitskämper” wie die Taliban z.B. unter­stützt und sie spä­ter zu Feinden erklärt, weil sie wie die sprich­wört­li­chen “Mohren” ihre Schuldigkeit taten und dann nicht kuschen, sollte sich nicht wun­dern, wenn diese spä­ter die Waffen, die man ihnen gab, gegen die Geber wen­det.

Es sind die glei­chen Themen, die Naomi Klein in “Die Schock Strategie” anspricht.  Und da mich die­ses Buch wirk­lich begeis­terte, wun­dert es sicher nicht, wenn ich auch die­ses hier Jedem ans Herz legen möchte, der sich einen kri­ti­schen Blick auf die Welt, in der wir leben, bewah­ren will.

Nic

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

5 Kommentare

  1. arund­hati roy, http://www.huffingtonpost.com/arundhati-roy/what-have-we-done-to-demo_b_301294.html
    meine köni­gin des geis­tes!
    wundervoll…danke für rezension…gut gemacht :-)

  2. http://www.cosmopolis.ch/cosmo9/Roy.htm
    das ende der illu­sion rezen­sion

  3. http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0910/feuilleton/0001/index.html ver­zei­hung, so viele kom­men­tare, aber sie ist so lesens­wert ;-)

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