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von Cigdem Toprak

ff 2011 20 04 01 Frankfurter Vogel Kundgebung: Der weibliche Islamismus

Junge Alevitinnen auf der Frankfurter Kundgebung gegen die Scharia

In Frankfurt fand ges­tern die Kundgebung des Islamisten Pierre Vogel und sei­nen Anhängern unter dem Titel “”Islam – die miss­ver­stan­dene Religion” statt. Tausende junge Muslime haben sich auf dem Frankfurter Roßmarkt, vor dem Commerzbank- Gebäude ver­sam­melt, man­che nur aus Neugier, andere als Unterstützung für den kon­ver­tier­ten deut­schen Muslim Pierre Vogel. Auch junge Frauen, die gegen das isla­mis­ti­sche und men­schen­feind­li­che Verständnis Vogels pro­tes­tie­ren, sind gekom­men, um den gro­ßen Andrang der jun­gen deut­schen Muslime zu beob­ach­ten.

Noch vor Pierre Vogels Auftritt, gaben junge Alevitinnen ein Interview mit einem deut­schen Fernsehsender vor lau­fen­den Kameras, um ihre Ablehnung gegen­über der Scharia und den Ansichten Pierre Vogels publik zu machen. Plötzlich misch­ten sich junge Muslima direkt in das Gespräch ein. Sie belei­dig­ten und hetz­ten, einige mit und andere ohne Kopftuch. Diese waren wohl Anhänger Vogels und waren der Ansicht, dass die jun­gen moder­nen Frauen “nur Scheiße reden und keine Ahnung haben”. Als sie dann gehört haben, dass es sich bei den Gegnern Vogels um Aleviten han­deln, wur­den sie belei­di­gend, bis eine andere der auf­ge­brach­ten Muslima den Mund zuhielt und weg­zog – schließ­lich wurde alles gefilmt.

Während des Interviews war zu beob­ach­ten, dass die mus­li­mi­schen Männer grin­send und inter­es­siert zuhör­ten, wohin­ge­gen die Frauen wütend und auf­ge­bracht über die Aussagen der Alevitinnen waren. “Wir set­zen uns für deine Frauenrechte ein, für deine Menschenrechte” war die Argumentation einer Alevitin, und die Muslima wurde immer wüten­der. “Wusstest du, dass Pierre Vogel meint, dass du in die Hölle kommst, weil du kein Kopftuch trägst?” war eine wei­tere Frage der Alevitin an eine Anhängerin Vogels ohne Kopftuch. Eine andere mus­li­mi­sche junge Frau mit Kopftuch mischte sich in die Diskussion ein und meinte, sie würde alle Religionen und Ansichten akzep­tie­ren, und für jedes Menschenrecht kämp­fen – “Würdest du auch für uns Aleviten auf die Straße gehen? Würdest du dich gegen die Steinigung von Menschen im Iran ein­set­zen?”, war die nächste Frage der ale­vi­ti­schen Frau. “Wo gibt es Steinigung? Das gibt es doch gar nicht!”, war ihre ent­setzte Antwort und fragte dies tat­säch­lich den deut­schen Fernsehreporter.

Diese jun­gen, per­fekt Deutsch spre­chen­den Musliminnen waren wütend,  hass­er­füllt und auf­ge­bracht, weil sie sich ihrer Engstirnigkeit bewusst sind. Ihre Wut rich­tet sich eigent­lich gegen sich, ihre Gemeinschaft und all die Anhänger Vogels selbst, pro­jziert wird es aber auf junge Frauen, die aus isla­misch gepräg­ten Ländern stam­men, sich aber dem Dogmatismus, den Ungerechtigkeiten und der Intoleranz durch­aus bewusst sind. Vielmehr noch: sie kämp­fen mit all ihrer Kraft dage­gen an. Es war erschre­ckend zu sehen, wie die Unterstützerinnen, also nicht die Männer, son­dern gerade das im Islam am stärks­ten unter­drückte Geschlecht auf Freiheit, auf demo­kra­ti­sche Werte und Kritikfähigkeit nega­tiv rea­gie­ren.

Nicht die Männer  haben die jun­gen Alevitinnen ein paar Minuten spä­ter auf der Kundgebung mit ihrer Schulter ange­sto­ßen und ihnen böse Blicke zuge­wor­fen, nein, es waren Frauen. Die Frankfurter Kungebung zeigt einen weib­li­chen Islamismus, der eine ganz neue Gefahr dar­stellt.

ff 2011 20 04 02 Frankfurter Vogel Kundgebung: Der weibliche Islamismus

Iranische Menschenrechtler für Demokratie und Menschenrechte

Nach Pierre Vogels Interpretation, bedeu­tete der Islam nicht Friede, son­dern die Unterwerfung an Gott. Dies betrifft die Frauen und die Männer, impli­ziert also, dass die Männer auch nicht für die Rechte der Frauen kämp­fen dür­fen; sie selbst sind den dog­ma­ti­schen Regeln des Korans ver­pflich­tet. Aber dass junge Muslima nicht selbst für ihre eigene Rechte kämp­fen, wo sie offen­sicht­lich stär­ker benach­tei­ligt sind, sich aber gerne öffent­lich auf­spie­len, um ihren Männern gefal­len zu wol­len, bringt eine ganz neue Brisanz in die Islamdebatte.

Zwangsheirat und Ehrenmorde sind Resultate einer frau­en­feind­li­chen Haltung, die zwar durch den Islam ver­stärkt wer­den, aber haupt­säch­lich in der Tradition der Menschen ver­an­kert ist. Hier ergibt sich die Chance, dass Frauen für ihre Rechte kämp­fen, sie kön­nen sich von die­ser Unterdrückung befreien. Der Islam hin­ge­gen unter­drückt beide Geschlechter, weil beide sich an die Regeln des Korans hal­ten müs­sen, die aber dem Mann gerne mehr Rechte zuspricht, was let­zend­lich auch zur Unterdrückung der Frau führt. Hier kön­nen sich aller­dings beide nicht befreien.

Obwohl die ira­ni­sche Menschenrechtlerin Mina Ahadi und viele andere Iraner gegen die Scharia, gegen Islamismus und Pierre Vogel an der Hauptwache, ein paar Hundert Meter von Pierre Vogel ent­fernt, demons­triert haben, berich­te­ten die Medien, wie in gekonn­ter Manier, nur über den Islamisten. Soviel zu der angeb­lich feh­len­den Courage der mus­li­mi­schen Säkularen. Sie ist da, sie  fehlt nur in den Medien.

Herzlichen Dank für die Erlaubnis zur Zweiveröffentlichung.

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Nic

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