saberi hundert tage Hinter iranischen Gefängnismauernvon Gerrit Wustmann

Ein Gespräch mit der Journalistin Roxana Saberi, die 2009 im berüch­tig­ten Teheraner Evin-Gefängnis ein­saß

Die Journalistin Roxana Saberi ist Tochter eines Iraners und einer Japanerin. 2003 reiste sie nach Iran, um das Land ken­nen zu ler­nen und für ame­ri­ka­ni­sche Medien zu berich­ten. 2006 wurde ihr der Presseausweis ent­zo­gen; 2009 wurde sie unter dem Vorwurf der Spionage ver­haf­tet und zu acht Jahren Gefängnis ver­ur­teilt. Nachdem inter­na­tio­nale Medien, Regierungen und NGOs ihre Freiheit for­der­ten, wurde das Urteil aus­ge­setzt. Unter dem Titel “Hundert Tage. Meine Gefangenschaft in Iran” ist nun bei Eichborn ihr Bericht über die Zeit im berüch­tig­ten Teheraner Evin-Gefängnis und über die Willkür der ira­ni­schen Justiz erschie­nen. Im Gespräch mit Telepolis gibt sie auch Einblick in die poli­ti­sche Situation und die Lage der Bevölkerung in Iran.

Es gibt bereits unzählige Bücher, die sich mit dem Teheraner Evin-Gefängnis befassen, sowohl Sachbücher als auch belletristische Werke. Sie beschreiben, wie dort Journalisten, Schriftsteller, Filmemacher, Intellektuelle gefangen gehalten werden – Menschen, die ihr Land lieben und mal mehr mal weniger offen gegen das Regime arbeiten. Man fragt sich, wie viele Bücher noch geschrieben werden müssen, bevor Evin geschlossen wird.

In Deinem Buch “Hundert Tage. Meine Gefangenschaft im Iran” beschreibst Du Deine eigene Inhaftierung dort im Frühjahr 2009, nur wenige Monate vor den umstrittenen Präsidentschaftswahlen, die massive Proteste im ganzen Land auslösten. Du hast in Iran, dem Heimatland deines Vaters, als Journalistin und Buchautorin gearbeitet – hast Du damit gerechnet, dass Du zu jenen gehören könntest, die vom Geheimdienst überwacht und schließlich verhaftet werden?

Roxana Saberi: Ich habe ver­mu­tet, dass mich die ira­ni­schen Behörden zumin­dest von Zeit zu Zeit über­wa­chen könn­ten, wie es so vie­len Journalisten und ande­ren in Iran oft pas­siert. Wenn aber alle auf­grund mög­li­cher Über­wa­chung mit dem, was sie tun, auf­hö­ren wür­den, würde ein Großteil der ira­ni­schen Gesellschaft zum Stillstand kom­men. Ich habe offen gear­bei­tet, um den Behörden klar­zu­ma­chen, dass ich nichts zu ver­ber­gen habe.

Dennoch musste ich spä­ter erfah­ren, dass die Realität nicht wirk­lich wich­tig ist; wenn sie dich zu einem poli­ti­schen Fall machen wol­len, dann wer­den sie es tun. Ich dachte, dass, wenn die Behörden auf­grund mei­ner Arbeit Bedenken hät­ten, sie mich zuerst ver­hö­ren und vor­war­nen wür­den – so ergeht es vie­len Iranern bevor sie ver­haf­tet wer­den. Stattdessen wurde ich noch am Tag des ers­ten Verhörs fest­ge­nom­men.

Journalisten, Schriftsteller und andere, die ver­su­chen, Informationen an die Öffent­lich­keit zu brin­gen, sind in Ländern wie Iran gene­rell grö­ße­ren Gefahren aus­ge­setzt als bei­spiels­weise in den Vereinigten Staaten oder in Europa. Dennoch glaube ich, dass ihre Arbeit in abge­schlos­se­nen Gesellschaften wie der ira­ni­schen den größ­ten Wert hat – ansons­ten wür­den wir viel weni­ger dar­über wis­sen, was dort geschieht, und die Regierungen könn­ten gefahr­lo­ser vor­ge­hen. Ich glaube aber, dass wir bei unse­rer Arbeit nicht sämt­li­che, son­dern nur kal­ku­lierte Risiken ein­ge­hen soll­ten.

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Nic

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