Samstag , 18 Mai 2013
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Burka-Verbot: French Angst

von Alan Posener

Jede Nation hat, so scheint es, ihre eige­nen Ängste. Gegen die Atomkraft geht kein Franzose auf die Straße. Aber wegen des „fran­zö­si­schen Klempners“ lie­ßen unsere Nachbarn die EU-Verfassung beim Referendum durch­fal­len; wegen des Versprechens „mit dem Kärcher“ gegen die ran­da­lie­rende ara­bi­sche Vorstadtjugend vor­zu­ge­hen, gewann Nicolas Sarkozy die Präsidentschaft; und nun wird, in einem drit­ten Akt fran­zö­si­scher Symbolpolitik, Frauen das Tragen einer Gesichtsverhüllung ver­bo­ten.

Natürlich nicht allen Frauen und nicht jeder Verhüllung: kom­men Japanerinnen nach Paris, die auf­grund der dort seit jeher vor­herr­schen­den Mikroben-Phobie eine jener absur­den Chirurgenmasken tra­gen, die wegen der Japanese Angst vor Mikroben in Tokio zum guten Ton gehö­ren, wer­den sie ver­mut­lich nicht zwecks Feststellung der Personalien und Bestrafung von den Flics fest­ge­nom­men.

Während Frankreichs seine Rafale-Jets, die es eben noch an Ghaddafi ver­kau­fen wollte, nun ein­setzt, um Ghaddafi zu stür­zen und die Macht in Libyen an Leute zu über­ge­ben, unter denen sich nicht wenige mus­li­mi­sche Fundamentalisten befin­den, gefällt sich das fran­zö­si­sche Parlament in einem Akt dümm­li­cher Diskriminierung gegen mus­li­mi­sche Frauen, der allen­falls dazu füh­ren wird, dass die frömms­ten und am meis­ten unter­drück­ten Frauen gar nicht mehr das Haus ver­las­sen. Ralph Giordano, der sich über „Pinguine“ im Kölner Straßenbild auf­regt, kann sich Hoffnungen auf Abhilfe machen: Frankreichs Straßen sind bald pin­guin­rein.

Zwar gibt es, wie das Beispiel Giordanao zeigt, auch in Deutschland jede Menge Panikmacher, die – so sehr viele von ihnen die deut­sche Ablehnung der Kernkraft als „German Angst“ zu dis­kre­di­tie­ren ver­su­chen – eben diese Angst gegen Fremde zu mobi­li­sie­ren ver­su­chen. Wie hieß doch gleich jenes Buch, mit dem der ras­sis­ti­sche Diskurs salon­fä­hig wurde? „Ein paar Vorschläge zur Verbesserung unse­rer Integrationspolitik“? Ach, nein: „Deutschland schafft sich ab“.

Hier wurde eine Ur-Angst mobi­li­siert: die Existenzangst. Gegen einen sol­chen Titel, der von klu­gen Köpfen als „wich­ti­gen Diskussionsbeitrag“ gewür­digt wurde, wir­ken die Parolen selbst der zor­ni­ge­ren Atomkraft-Aktivisten noch gemä­ßigt. Jedoch ist die von Thilo Sarrazin und sei­nen media­len Helfershelfern geschürte Xenophobie eine Stammtisch-Erscheinung geblie­ben. Den Arsch zum Demonstrieren hoch krie­gen die wenigs­ten Muslimfeinde, und wenn ja, waren die Anhänger der demo­kra­ti­schen Tugend der Toleranz – hier und da als „Gutmenschen“ ver­spot­tet – in der Mehrzahl. [...]

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Über Nic Frank

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7 Kommentare

  1. Ich glaube, es war der pol­ni­sche Klempner. Ein fran­zö­si­scher hätte in Frankreich sicher nicht für Aufregung gesorgt.

  2. Ich finde das Burkaverbot in Frankreich gut, weil man nie weiß, wer sich unter einer Burka ver­birgt und eine Angst bleibt, es könnte etwas Bedrohliches unter der Burka sein. Heutzutage haben sich schon Leute unter einer Burka ver­bor­gen, die männ­li­chen Geschlechtes waren und Anschläge auf Menschen ver­übt haben.
    Mir ist die Burka unheim­lich. Außerdem gibt es in Deutschland ein Vermummungsverbot – gilt aber nur für Deutsche ! Vielleicht sollte man in Deutschland auch mal die deut­schen Gesetzte zur Anwendung brin­gen !

    • Hallo helyes,
      Dir ist natür­lich klar, dass ich wider­spre­chen muss :-)
      Schau mal hier: http://nicsbloghaus.org/2011/04/11/sarkozy-und-die-sharia-reversed/ – das gibt meine Meinung ziem­lich genau wie­der.
      Ich ver­stehe, dass Du/ dass man sich bedroht fühlt von Burkas. Das kann ich gut ver­ste­hen und es ist auch mir nicht geheuer. Denn auch ich sehe Menschen gern ins Gesicht.
      Jedoch davon aus­zu­ge­hen, dass unter jeder Burka eine Terroristin steckt ist Unsinn. Wenn nötig, kann eine Bombe auch unter west­li­chen Sachen getra­gen wer­den.
      Man kann zur Vollverschleierung ste­hen wie man will: aber als Vehikel für ver­steckte Ängste funk­tio­niert es nicht.

  3. Ist alles rich­tig, was Du meinst, aber die kom­plett ver­hüllte Gestalt eines Menschen macht mir Angst.

    Dass Frauen isla­mi­scher Ausrichtung Spielball der Männer sind/werden ist auch klar, jedoch ist das ein ande­res Thema – wenn­gleich auch eine Verknüpfung besteht.

    Ich sehe das mal getrennt vom isla­mi­schen Frauenbild und ver­neine eine Ganzkörperverhüllung in unse­rer Kultur. Ganzkörperverhüllung impli­ziert auch ter­ro­ris­ti­sche Ambitionen, weil isla­mi­schen Ursprungs und damit gewalt­tä­tige Vernichtungen von “Ungläubigen”. Es ist ein Symbol, auch wenn gerade die isla­mi­schen Frauen in einer bedau­erns­wer­ten Lage sind. Die Burka löst bei mir ein­fach ein Unbehagen aus, weil sie von Männern miß­braucht wird.
    Gleichzeitig erhoffe ich mir vom Burkaverbot eine Reglementierung der mus­li­mi­schen Männer, die in ihren Rechten über die Frauen einen klei­nen Teil beschnit­ten wer­den (hof­fent­lich). Allerdings weiß man nicht, ob die dann ihre Frauen nicht gänz­lich ein­sper­ren.

    • Wir sind weni­ger weit von­ein­an­der ent­fernt als ich dachte…
      Du kommst – mei­ner Meinung – der Sache sehr nahe wenn Du meinst, dass es die Männer sind, um die es geht, nicht die Frauen. Die sind mei­ner Meinung nach dop­pelte Opfer. Opfer der Männer und des patri­ar­cha­li­schen Systems “Islam” und zudem durch das Gesetz Opfer des Staates.

      Einem Menschen per Gesetz vor­zu­schrei­ben, wie er seine Religion aus­legt, ist in höchs­tem Maße dis­kri­mi­nie­rend und eine Einschränkung der Religionsfreiheit. Für viele Menschen in Europa mag es schwie­rig sein, sich vor­zu­stel­len, dass eine Frau sich frei­wil­lig in eine Burka hüllt. Für viele Frauen gehört, dass aller­dings zur Auslebung ihrer Religion. Als Europäer müsste man sich vor­stel­len, dass ein Land ein Gesetz erlas­sen würde, dass es Nonnen unter­sagt ihre reli­giö­sen Gewänder zu tra­gen, da diese sie unter­drü­cken wür­den. Dies wäre ein unfass­ba­rer Skandal, da die Kleidung einer Nonne zu ihrer Ausübung ihrer Religion gehört und sie diese Kleidung für wich­tig hält.

      (http://diefreiheitsliebe.de/allgemein/das-burkaverbot-ist-ein-zeichen-der-unterdruckung)

  4. Es geht schlicht um die Frage, ob der Staat über der Religion steht und dahin­ge­hend Vorschriften machen kann. Hätte man auch mit Schächten (Tierschutz) etc. ver­bin­den kön­nen. Gleichberechtigung, Frauenrechte da rein­zu­brin­gen ver­ne­belt nur die grund­le­gende Machtfrage.

    Ja, ich bin unbe­dingt dafür. Frankreich tut sich da leich­ter, weil sie ein im Volk ver­an­ker­tes, lai­zis­ti­sches Gesellschaftsverständnis haben.

  5. Na ja, die Sache im Vergleich Nonnengewand und Burka sehe ich doch auch wie­der anders.
    Nonnen und von evan­ge­li­scher Ausrichtung die Diakonissen tra­gen ihre Gewandung inso­fern frei­wil­li­ger, als dass sie bei Eintritt in die Ordensgemeinschaften sel­ber ent­schie­den haben (u. das im Erwachsenenalter) wor­auf sie sich da ein­las­sen. Die Frauen dort haben kein ver­hüll­tes Gesicht und wenn sie ihre Einrichtung ver­las­sen, ist es ihnen erlaubt, sich “nor­mal” zu klei­den, was auch nach mei­nem Kenntnisstand immer der Fall ist. Ich sehe keine Freizeitbetreuung der Konfessionen außer­halb deren Einrichtungen, wo Nonnen oder Diakonissen im Ordensgewand Gruppen beglei­ten. Das gab es frü­her mal.

    Davon kön­nen die mus­li­mi­schen Frauen nur träu­men, weil die Burka zum Männerbild der Musliminnen gehört und des­halb nicht zur Diskussion steht.

    Was die Gesetzgebung betrifft, sollte auch ein Staat keine Reglementierungen in Sachen Religion betrei­ben, aber:

    mein neu­es­ter Kenntnisstand ist, dass der Islam nicht nur Religion ist, son­dern auch Staatsform/Scharia – zumin­dest soll das in etli­chen isla­mi­schen Ländern (Pakistan) so gehand­habt wer­den. Wenn dem so ist, dann ist das wohl unter den Religionen eine Ausnahme. Ich für mei­nen Teil leite dar­aus ab, dass es dort per Gesetz den Frauen ver­ord­net ist, eine Burka zu tra­gen, weil die Frauen sonst juris­ti­sche Konsequenzen erwar­ten müs­sen. Durch unse­ren Bundeswehreinsatz kommt schon mal der eine oder andere Bericht über die Burka und dem Leben damit aus Afghanistan zu uns in die Medien. Das ist schon bedrü­ckend.

    Natürlich haben wir einen Artikel 4 im GG, aber der besagt doch auch, dass die Religionsfreiheit garan­tiert ist, jedoch nur die Freiheit des Glaubens und des Bekenntnisses, also Rechte zu inne­ren Vorstellungen. Keine Rechte zu äuße­ren Handlungen (Verhüllungen) ! Das muss man doch unter­schei­den !
    Wenn der Staat nun auf einem Verbot der Verhüllung beharrt, dann ist das doch begrün­det – zumin­dest in Deutschland. Internationales Recht(Frankreich) ist mir nicht bekannt.

    Von den gan­zen Diskussionen dar­über abge­se­hen, ist bei mir immer hin doch die Furch vor gänz­lich ver­hüll­ten Personen im Vordergrund und ich lehne dies Ganzkörperverhüllung des­halb ab. Den Frauen kann man nur wün­schen, dass ihnen erlaubt wird, unab­hän­gi­ger von den(Verzeihung: blö­den ) Männern zu wer­den, was wohl der Koran nicht gestat­tet.

    Ob nun der Staat sich ein­fach über Religionen stellt und regle­men­tiert kann ich hier nicht erken­nen.

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