Die iranische Atomkatastrophe
20 Minuten online: Iran buttert Milliarden in sein AKW, das keinen Strom produziert. Nach der Katastrophe in Japan kommen Zweifel an Sicherheit und Sinn des Projekts auf.

Das iranische Atomkraftwerk Buschehr in einer Aufnahme vom 20. August 2010. (Bild: Keystone/AP/Vahid Salemi)
von Omid Marivani
Wirklich erstaunt war niemand, als Iran Ende Februar technische Probleme in seinem Atomkraftwerk Buschehr meldete und alle zuvor eingesetzten russischen Brennstäbe wieder aus dem Reaktorkern entfernen musste. Zu oft haben sich Bau und Inbetriebnahme in der Vergangenheit verzögert. Spekulationen über die Gründe der neuerlichen Panne reichten vom Computerwurm «Stuxnet» bis zu gewollter Sabotage durch die russischen Ingenieure, die den iranischen Beteuerungen, ihr Atomprogramm sei rein ziviler Natur, nicht mehr glauben. Der Nuklear-Experte David Albright sagte damals der «New York Times», der Vorfall werfe Fragen auf, «ob Iran überhaupt in der Lage sei, einen Atomreaktor sicher zu betreiben». Knapp drei Wochen später nahm die Atomkatastrophe in Japan ihren Lauf.
Zum ersten Mal sah sich die iranische Führung gezwungen, sich zur Sicherheit ihres AKWs zu äussern. Zusammen mit ihren russischen Partnern erklärte sie, das Werk erfülle «sämtliche Sicherheitsbestimmungen und die höchsten Standards» und verwies auf das im Vergleich hohe Alter der japanischen Reaktoren.
Doch die in Buschehr verwendete Technologie ist keinesfalls auf dem Stand des 21. Jahrhunderts. Den Grundstein legten die Deutschen bereits 1975 in der Schahzeit. Was davon nach dem Krieg gegen den Irak übrig blieb, versuchen die Russen seit 1995 vergeblich zu einem funktionstüchtigen Kernkraftwerk zu verbauen. Kommt hinzu, dass in der Region Buschehr am Persischen Golf die eurasische und arabische Kontinentalplatte aufeinandertreffen und regelmässig schwere Erdbeben verursachen.

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