Massenküssen zum Papstbesuch
Berliner Zeitung: Schwule und Lesben planen Protest-Aktionen
von Julia Haak
Ständig kommen neue E-Mails. Das Postfach von Jörg Steinert, dem Geschäftsführer des Berliner Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) würde überquellen, wenn das bei einem elektronischen Postfach möglich wäre. Offenbar ist das Interesse an der neuesten Kampagne , die der LSVD initiiert hat, groß. “Der Papst kommt”, heißt sie und sie richtet sich gegen die Sexualmoral der katholischen Kirche. Berlins Lesben und Schwule wollen Papst Benedikt XVI. im September mit lustigen Aktionen, Podiumsdiskussionen und einer großen Demonstration für sexuelle Selbstbestimmung empfangen. Denn die Haltung der Kirche zu diesem Thema sei mittelalterlich und wenig menschenfreundlich, so der Verband.
Mit diesem Urteil stehen Lesben und Schwule anscheinend nicht allein da. 70 Personen von 20 verschiedenen Organisationen, darunter auch solche mit nicht explizit homosexuellen Anliegen, erschienen zu einem ersten Vorbereitungstreffen beim LSVD. Jörg Steinert war mehr als zufrieden mit der Resonanz. Auf welche Aktionen sich das Bündnis am Ende verständigen wird, ist noch nicht klar. Aber Ideen gibt es bereits viele. Kiss-In-Aktionen wird es wohl geben, zu denen sich schwule und lesbische Paare treffen, um durch Küssen in der Öffentlichkeit ihr Selbstbewusstsein zu demonstrieren. “Wer kann schon etwas gegen die Liebe haben”, sagt Steinert. Vielleicht werden die Aktionisten Pappmachéfiguren zu Thesen des Vatikans basteln, ähnlich wie beim Straßenkarneval. Autoren, die sich mit der katholischen Kirche und deren Haltung zur Sexualität befasst haben, sollen aus ihren Büchern lesen. [...]

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