eihbank small Hamburg: 27.2.2011 – Kundgebung für Schließung der EIH + PodiumsdiskussionAUFRUF

Am 27.2.2011 ruft STOP THE BOMB mit zahl­rei­chen wei­te­ren Organisationen zu einer zwei­ten Kundgebung für die Schließung der Europäisch-Iranischen Handelsbank (EIH) in Hamburg auf. Die Kundgebung ist zugleich ein Zeichen der Solidarität mit der Freiheitsbewegung im Iran und mit den demo­kra­ti­schen Kräften im Nahen Osten.

Die Kundgebung wird um 15.00 Uhr vor den Geschäftsräumen der EIH in der Depenau 2 in Hamburg statt­fin­den

(Karte:http://maps.google.de/maps?oe=utf-8&client=firefox-a&ie=UTF8&q=Depenau+2%2C+Hamburg&fb=1&gl=de&hnear=Berlin&cid=0%2C0%2C16025562205458115397&ll=53.548133%2C10.000214&spn=0.001431%2C0.005284&z=18&iwloc=A).

Neben Redebeträgen wird auch der Hamburger Musiker Kristof Schreuf einige Lieder spie­len.

Anschließend wird es um 17.00 Uhr eine pro­mi­nent besetzte Podiumsdiskussion mit u.a. Dr. Matthias Küntzel (Publizist und Politikwissenschaftler), Mina Ahadi (exil-iranische Menschenrechtsaktivistin, Sprecherin des Komittee gegen Steinigungen und Hinrichtungen) Solmaz Shiva (22Khordad-Hamburg), Dr. Kazem Moussavi (Green Party of Iran) und Jonathan Weckerle (Moderation, STOP THE BOMB) in den nahe­ge­le­ge­nen Räumen des Mahnmal St. Nikolai (Willy-Brandt-Straße 60, Karte) geben.

Von Berlin aus wird ein Reisebus zu Kundgebung und Veranstaltung und wie­der nach Berlin fah­ren. Fahrtkostenbeitrag: 15€ / ermä­ßigt 10€. Anmeldung mit Name und Telefonnr. bitte früh­zei­tig unter info-de@stopthebomb.net

Weitere Informationen:

Aufruf zur Kundgebung am 27.2.

Schließt die ira­ni­sche Terrorbank in Hamburg! Solidarität mit der ira­ni­schen Freiheitsbewegung

Die EIH stützt das isla­mis­ti­sche Regime und unter­läuft die Sanktionen

In Hamburg steht eine der welt­weit wich­tigs­ten ver­blie­be­nen Stützen des men­schen­ver­ach­ten­den und anti­se­mi­ti­schen Regimes im Iran: Die Europäisch-Iranische Handelsbank (EIH). Während die inter­na­tio­na­len Sanktionen immer grö­ße­ren Druck auf das isla­mis­ti­sche Regime aus­üben, wird es aus­ge­rech­net mit Hilfe einer deut­schen Bank im Besitz der Islamischen Republik an der Macht gehal­ten.

Die EIH hat laut US-Behörden Finanzdienstleistungen für das ira­ni­sche Atomwaffenprogramm getä­tigt und wird vom ira­ni­schen Regime kon­trol­liert. Trotzdem blo­ckiert Deutschland bis­her die Sanktionierung der EIH.

Die EIH ist heute eine der welt­weit wich­tigs­ten Lebensadern für die Wirtschaftsbeziehungen der Islamischen Republik. Nicht nur der deut­sche Mittelstand tätigt seine bestän­dig wach­sen­den Iran-Geschäfte über die EIH, auch Unternehmen aus Europa und dar­über hin­aus nut­zen die Bank. So wer­den seit die­sem Jahr viele Milliarden Euro aus dem ira­ni­schen Ölex­port nach Indien über die EIH in die ira­ni­sche Staatskasse gespült – mona­te­lang hat sich welt­weit keine andere Bank dafür gefun­den.

Die Gelder und Güter, die mit­tels der EIH in den Iran gelan­gen, stär­ken das ira­ni­sche Regime: Sie stär­ken und ermög­li­chen den Terror gegen Oppositionelle, Frauen, Homosexuelle, reli­giöse und eth­ni­sche Minderheiten im Iran, die Unterstützung isla­mis­ti­scher Kräfte welt­weit sowie den Krieg gegen Israel durch Hamas und Hisbollah.

Gerade wenn in Tunesien, Ägyp­ten und zahl­rei­chen ande­ren Ländern demo­kra­ti­sche Kräfte gegen Diktaturen auf­be­geh­ren, ist es wich­tig, dem Islamismus und der ver­such­ten Ausbreitung der „isla­mi­schen Revolution“ ent­ge­gen­zu­tre­ten. Das ira­ni­sche Regime gefähr­det mit Hilfe sei­ner Hamburger Bank auch die Freiheitsbewegungen im gesam­ten Nahen Osten!

Die deut­sche Regierung wei­gert sich noch immer, effek­tiv gegen die EIH vor­zu­ge­hen, sie auf die EU-Sanktionsliste zu set­zen und zu schlie­ßen. Wo ist hier die Ablehnung dik­ta­to­ri­scher Regime, wo die „beson­dere Verantwortung“ für Israel?

Demnächst wird die EU-Sanktionsliste aktua­li­siert. Wir for­dern:

Die ira­ni­sche Terrorbank in Hamburg muss end­lich geschlos­sen und auf die EU-Sanktionsliste gesetzt wer­den! Keine Geschäfte mit dem ira­ni­schen Regime!

Wir tre­ten ein für: Solidarität mit der ira­ni­schen Freiheitsbewegung und den demo­kra­ti­schen und anti-islamistischen Kräften im Nahen Osten!

Ort: Hamburg, Depenau 2 (U Meßberg, Karte)

Zeit: Sonntag, den 27 Februar 2011, 15.00 Uhr

Anschließend wird eine pro­mi­nent besetzte Podiumsdiskussion in den nahe­ge­le­ge­nen Räumen des Mahnmal St. Nikolai (Willy-Brandt-Straße 60) statt­fin­den.

Über­blick: Die Europäisch-Iranische Handelsbank AG (EIH)

Stand: 12.2.2011

Am 7. September 2010 wur­den US-Sanktionen gegen die in Hamburg ansäs­sige EIH erlas­sen.

Nach Informationen des US-Finanzministeriums ist die EIH an der Unterstützung von  Proliferationstätigkeiten betei­ligt.

Den Informationen zufolge hat die EIH Transaktionen für Waffengeschäfte und Materialien für das Atom- und Raketenprogramm ver­mit­telt. Sie hat finan­zi­elle Dienstleistungen für ira­ni­sche Banken geleis­tet, die wegen Proliferationstätigkeit auf der EU-Sanktionsliste ste­hen. Zudem betreibe sie aktiv Verschleierungspraktiken.

Die EIH ist eine Bank des ira­ni­schen Regimes. Ihr Grundkapital ist auf staatlich-iranische Banken ver­teilt, von denen zwei auf der EU-Sanktionsliste ste­hen. Die EIH-Leitung ist mit der macht­ha­ben­den Elite der Islamischen Republik Iran ver­bun­den. Der stell­ver­tre­tende Aufsichtsratsvorsitzende der EIH Ali Divandari steht nament­lich wegen Proliferationstätigkeiten auf der EU-Sanktionsliste.

Stuart Levey, der Terrorismusexperte des ame­ri­ka­ni­schen Finanzministeriums, hat die EIH als „eine der wich­tigs­ten finan­zi­el­len Lebensadern des Iran“ bezeich­net. Der EIH kommt eine ent­schei­dende Rolle für die Auslandsgeschäfte der Islamischen Republik zu: „Unsere Kunden sind sowohl im Iran als auch auf allen Kontinenten und in allen Branchen zu Hause. Der Umfang der von uns betreu­ten Geschäfte reicht dabei von der Abwicklung klei­ner Einzeltransaktionen bis hin zu kom­plet­ten Großprojekten.“

Nach STOP THE BOMB-Informationen (aus einem Iranseminar der Wirtschaftskammer Öster­reich im Dezember 2010) wer­den täg­lich etwa 50 (seit den letz­ten EU-Sanktionen geneh­mi­gungs­pflich­tige) Transaktionen über 40.000 Euro über die EIH abge­wi­ckelt. Nach unse­ren Informationen läuft ein Großteil der Iran-Geschäfte aus Europa sowie ande­ren Ländern, bei­spiels­weise Taiwan und Südkorea, über die EIH. Auch ira­ni­sche Unternehmensgründungen in Deutschland, etwa 25 im Jahr, lau­fen unse­ren Quellen nach über die EIH.

Die deut­schen Iran-Geschäfte sind auch 2010 mit Hilfe der EIH trotz Sanktionen gewach­sen. Die deut­schen Exporte in die Islamische Republik Iran nah­men bis November 2010 um 5% gegen­über dem glei­chen Zeitraum 2009 zu, die Importe aus dem Iran gar um 77%. Besonders die deut­schen Maschinenbauer ver­zeich­ne­ten ein Exportplus von 17,5%. Während sich einige große Unternehmen aus dem Iran zurück­zie­hen, macht der Mittelstand noch beste Geschäfte.

Ein ira­ni­sches Milliardengeschäft mit Indien zeigt die stra­te­gi­sche Bedeutung der EIH als Schlupfloch der Finanzsanktionen. Im Dezember 2010 hat die indi­sche Zentralbank indi­schen Firmen unter­sagt, Zahlungen für Öl- und Gasgeschäfte mit dem Iran über die Asian Clearing Union (ACU) abzu­wi­ckeln. Stattdessen wer­den diese Zahlungen, die 2010 13 Milliarden Dollar in die ira­ni­sche Staatskasse brach­ten, nun über die EIH abge­wi­ckelt, nach­dem sich welt­weit keine andere Bank dafür fand.

Die Bundesregierung ist mehr­fach zu Schritten gegen die EIH auf­ge­for­dert wor­den. Nach Bitten Präsident Obamas und der israe­li­schen Regierung schrie­ben Anfang Februar 2011 US-Senatoren aus 11 US-Bundestaaten bei­der Parteien an Außenminister Westerwelle: „Die EIH muss ihre [das Atomprogramm för­dern­den] Praktiken ein­stel­len oder sofort geschlos­sen wer­den.“

Die Bundesregierung muss drin­gend dafür sor­gen, dass die EIH bei der nächs­ten halb­jähr­li­chen Über­prü­fung in die EU-Sanktionsliste auf­ge­nom­men wird. Die Tätigkeiten der EIH müs­sen gestoppt und der wirt­schaft­li­che Sanktionsdruck auf das ira­ni­sche Regime erhöht wer­den. Nur durch inter­na­tio­nale Geschlossenheit kön­nen Sanktionen ein wirk­sa­mes Mittel der Diplomatie sein.

Quellen (Auswahl) und wei­ter­füh­rende Artikel:

http://www.treasury.gov/press-center/press-releases/Pages/tg847.aspx

http://www.matthiaskuentzel.de/contents/berlin-muss-das-treiben-der-deutsch-iranischen-bank-beenden

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/eine_bank_fuer_alle/

http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704229004575371341662207242.html

http://www.handelsblatt.com/politik/_b=2684198,_p=6,_t=ftprint,doc_page=0;printpage

online.wsj.com/article/SB10001424052748703652104576122010564043614.html

Fact Sheet: Die Europäisch-Iranische Handelsbank

Einleitung und Über­blick:

Am 7. September 2010 wurde bekannt, dass die Europäisch-Iranische Handelsbank AG (EIH) mit Zentrale in Hamburg auf die Sanktionsliste des ame­ri­ka­ni­schen Finanzministeriums gesetzt wurde. Stuart Levey, der Terrorismusexperten des ame­ri­ka­ni­schen Finanzministeriums, hat die EIH als „eine der wich­tigs­ten finan­zi­el­len Lebensadern des Iran“ bezeichnet.[1] Dass die EIH noch nicht in die EU-Sanktionsliste auf­ge­nom­men wurde, stellt eine der größ­ten Lücken im inter­na­tio­na­len Sanktionsregime gegen die Islamische Republik Iran dar, bei dem Finanzsanktionen eine Schlüsselrolle zukommen.[2]

Die EIH hat klar belegte Kontakte zu Personen und Organisationen, die das ira­ni­sche Atom- und Rüstungsprogramm unter­stüt­zen. Ebenso wich­tig ist die Rolle der EIH für die Auslandsgeschäfte der Islamischen Republik Iran, die das Regime mit wich­ti­gen finan­zi­el­len und tech­no­lo­gi­schen Ressourcen ver­sor­gen und den Sanktionsdruck abschwä­chen. Die gewal­tige stra­te­gi­sche Bedeutung der EIH für das ira­ni­sche Regime zeigt das Milliardengeschäft mit Indien, wel­ches seit 2011 über die EIH abge­wi­ckelt wird. Da die Aktien der EIH schließ­lich im Besitz von in Europa sank­tio­nier­ten staatlich-iranischen Banken sind, steht die Bank damit auch in Verbindung mit der ira­ni­schen Diktatur, deren Menschenrechtsverletzungen und Unterstützung des inter­na­tio­na­len Terrorismus und Islamismus. Der wach­send diplo­ma­ti­sche Druck auf Deutschland, end­lich gegen die EIH vor­zu­ge­hen, ist des­halb ebenso ver­ständ­lich wie berech­tigt. Nach Anfragen von STOP THE BOMB bei der EU-Pressestelle wäre eine Aktualisierung der EU-Sanktionsliste jeder­zeit mög­lich, einen in der Presse teils ver­brei­te­ten fes­ten halb­jähr­li­chen Termin gibt es dafür nicht.

Beihilfe zur Proliferation von Massenvernichtungswaffen:

Laut US-Finanzministerium hat die EIH unter ande­rem fol­gende ira­ni­sche Proliferationsaktivitäten unter­stützt:

“2009 haben die EIH und Bank Mellat fast 350.000 Dollar für Geschäfte zwi­schen einem Waffenexporteuer und einer Tochtergesellschaft des Massenvernichtungswaffen-Proliferateurs Iran Electronics Industries (IEI) ver­mit­telt.

2007 hat die EIH und Bank Mellat eine Transaktion von mehr als 250.000 Dollar direkt zwi­schen der IEI und dem­sel­ben Exporteur ver­mit­telt.

In einem sechs Monate lan­gen Zeitabschnitt, begin­nend Ende 2007, haben die EIH und die Export Development Bank of Iran den Kauf von Material für das ira­ni­sche Raketenprogramm im Wert von über drei Millionen Dollar ermög­licht.

Ebenfalls 2007 wur­den Geschäfte im Wert von fast einer Million Dollar mit Beteiligung eines ira­ni­schen Massenvernichtungswaffen-Proliferateurs durch die EIH und Bank Mellat vermittelt.“[3]

Weiter heißt es im Papier des US-Finanzministeriums: „Die EIH betreibt auch die Art von Verschleierungspraktiken, die zum Kennzeichen der von der ira­ni­schen Regierung kon­trol­lier­ten Finanzinstitutionen gewor­den sind. Zusätzlich zu den oben beschrie­be­nen finan­zi­el­len Dienstleistungen für ira­ni­sche Massenvernichtungs-Proliferateure betreibt die EIH auch aktiv die Verschleierung ira­ni­scher Beteiligung an die­sen Vorgängen.“

Die Bank Mellat ist eine staat­li­che ira­ni­sche Bank, die im Juli 2010 in die EU-Sanktionsliste auf­ge­nom­men wurde. „Bank Mellat hat in den ver­gan­ge­nen sie­ben Jahren Transaktionen im Wert von Hunderten Millionen Dollar für ira­ni­sche Nuklear-, Raketen- und Rüstungseinrichtungen ermög­licht.“ [4] Die Bank Mellat ist nicht nur Geschäftspartner, son­dern mit 26% auch Teilhaber der EIH. Ihr Leiter Ali Divandari wird in der EU-Sanktionsliste nament­lich auf­ge­führt, er ist zugleich stell­ver­tre­ten­der Aufsichtsratvorsitzender der EIH-Bank. [5]

Neben den bereits erwähn­ten Banken Mellat und Export Development Bank of Iran hat die EIH laut US-Finanzministerium auch für die Persia International Bank und die Post Bank of Iran finan­zi­elle Dienstleistungen erbraucht. Alle Banken wur­den in die EU-Sanktionsliste aufgenommen.[6]

Auslandsgeschäfte der Islamischen Republik Iran:

Die EIH beschreibt die Geschäfte, für die sie finan­zi­elle Serviceleistungen erbringt, wie folgt: „Importe in den Iran umfas­sen sämt­li­che Dienstleistungen, Investitions- und Gebrauchsgüter für den Industriebedarf. Einen Schwerpunkt bil­den Maschinen, Ersatzteile sowie Grund- und Rohstoffe, die zum Auf- und Ausbau der export­ori­en­tier­ten Industriesektoren benö­tigt wer­den. […] Unsere Kunden sind sowohl im Iran als auch auf allen Kontinenten und in allen Branchen zu Hause. Der Umfang der  von uns betreu­ten Geschäfte reicht dabei von der Abwicklung klei­ner Einzeltransaktionen bis hin zu kom­plet­ten Großprojekten.“[7]

Die EIH wickelt ihrem Namen ent­spre­chend den Zahlungsverkehr für Iran-Geschäfte aus ganz Europa ab. Gemäß den neuen EU-Sanktionen vom Juli 2010 müs­sen Über­wei­sun­gen für Iran-Geschäfte ab 10.000 Euro bei den jewei­li­gen Finanzbehörden ange­zeigt und ab 40.000 Euro geneh­migt wer­den. Der Zahlungsverkehr über die EIH wird seit­dem von der deut­schen Bundesbank überwacht.[8]

Nach STOP THE BOMB-Informationen (aus einem Iranseminar der Wirtschaftskammer Öster­reich im Dezember 2010) wer­den täg­lich etwa 50 Transaktionen über 40.000 Euro über die EIH abge­wi­ckelt. Nach unse­ren Informationen läuft ein Großteil der Iran-Geschäfte aus Europa sowie ande­ren Ländern, bei­spiels­weise Taiwan und Südkorea, über die EIH. Auch ira­ni­sche Unternehmensgründungen in Deutschland, etwa 25 im Jahr, lau­fen unse­ren Quellen nach über die EIH.

Die deut­schen Iran-Geschäfte sind auch 2010 teils deut­lich gewach­sen. Die deut­schen Exporte in die Islamische Republik Iran nah­men bis November 2010 um 5% gegen­über dem glei­chen Zeitraum 2009 zu, die Importe aus dem Iran gar um 77%. [9] Besonders die deut­schen Maschinenbauer ver­zeich­ne­ten ein Exportplus von 17,5%.[10] Während sich große Unternehmen wie ThyssenKrupp, Siemens oder Daimler aus dem Iran zurück­zie­hen, machen mit­tel­stän­di­sche Unternehmen noch beste Geschäfte.[11]

Auch wenn die neu­es­ten Geschäftszahlen der EIH noch nicht vor­lie­gen, deu­ten die letz­ten Berichte dar­auf hin, dass sie von die­sem Trend pro­fi­tiert und eine immer wich­ti­gere Rolle für die Abwicklung der wach­sen­den deutsch-iranischen Geschäfte spielt. Die Zahl der Mitarbeiter ist nach dem letz­ten ver­füg­ba­ren Geschäftsbericht aus dem Jahr 2009 ste­tig gestie­gen, von 64 im Jahr 2006 auf 112 im Dezember 2009.[12] Die EIH ihr Kundenkreditgeschäft 2009 deut­lich aus­bauen. Gleiches gilt ebenso für die Akquisition neuer Kundenkontakte.[13]

Die EIH und das ira­ni­sche Milliardengeschäft mit Indien

Anfang Februar 2011 wurde bekannt, dass fortan die indi­schen Zahlungen für ira­ni­sches Rohöl über die EIH abge­wi­ckelt wer­den. Dieser Umweg wurde not­wen­dig, nach­dem im Dezember 2010 die indi­sche Zentralbank indi­schen Firmen unter­sagt hat, Zahlungen für Öl- und Gasgeschäfte mit dem Iran über die Asian Clearing Union (ACU) abzuwickeln.[14]

Indien bezieht etwa 14% sei­nes Rohölbedarfs im Wert von geschätz­ten 12 Milliarden Dollar jähr­lich aus dem Iran. Indische Unternehmen sind an vie­len aktu­el­len und geplan­ten Projekten betei­ligt, mit denen der ira­ni­sche Energiesektor moder­ni­siert und aus­ge­baut wer­den soll, etwa am größ­ten Gasfeld der Welt South Pars. Auch hier könnte die EIH eine wich­tige Rolle für durch die Finanzsanktionen ent­stan­dene Zahlungsschwierigkeiten spielen.[15] Einnahmen aus dem Energiesektor mach­ten 2009/2010 fast 50% des ira­ni­schen Staatsbudgets und 80% des Exporteinkommens aus.[16] Der Energiesektor ist damit sowohl Haupteinnahmequelle wie Achillesferse des Regimes, wes­halb die inter­na­tio­na­len Sanktionsbemühungen sich neben dem Finanzsektor auf den Energiesektor konzentrieren.[17] Dies alles unter­streicht noch­mals die große stra­te­gi­sche Bedeutung der EIH für die Islamische Republik Iran.

Diplomatischer Druck auf Deutschland für Schließung der EIH:

Bei den Verhandlungen über die am 26.7.2010 ver­ab­schie­de­ten neuen EU-Sanktion hat min­des­tens ein EU-Mitgliedsstaat vor­ge­schla­gen, die EIH zu sank­tio­nie­ren, die Bundesregierung hat sich die­ser Initiative nicht angeschlossen.[18] Deutschland ist von US und israe­li­scher Seite von höchs­ter Stelle bis­lang ver­geb­lich zu Schritten gegen die EIH auf­ge­for­dert wor­den. Unter ande­rem berich­tete die New York Times Anfang August 2010 von einem kürz­li­chen Anruf Präsident Obamas bei Kanzlerin Merkel mit der Bitte, gegen die EIH vorzugehen.[19] Im November 2011 sagte der israe­li­sche Botschafter in Deutschland Yoram Ben-Ze’ev, Israel würde die deut­sche Regierung „auf allen Ebenen” darum bit­ten, die EIH zu schlie­ßen. Laut Ben-Ze’ev müss­ten von deut­scher Seite noch einige legale Fragen geklärt wer­den, bevor die Bank in Kürze geschlos­sen wer­den könnte. [20] Ende Januar 2011 war die EIH laut israe­li­schen Diplomaten auch als wich­ti­ges Thema für die deutsch-israelischen Regierungskonsultationen vorgesehen.[21] Am 1. Februar 2011 schrie­ben 11 US-Senatoren einen Brief an den deut­schen Außenminister Guido Westerwelle: „Die EIH muss ihre [das Atomprogramm för­dern­den] Praktiken ein­stel­len oder sofort geschlos­sen werden.“[22]

Struktur und Personal der EIH:

Die Bank wurde 1971 unter dem Namen Deutsch Iranische Handelsbank AG gegrün­det, 1992 nannte sie sich in Europäisch-Iranische Handelsbank um, womit die Ausweitung der Geschäftstätigkeit doku­men­tiert wer­den sollte.[23]

Matthias Küntzel schreibt mit Bezug auf das amt­li­che Protokoll der Ordentlichen Hauptversammlung der EIH vom 7. Mai 2010: „Die EIH-Bank prä­sen­tiert sich als ‚deut­sche Aktiengesellschaft‘ und ‚deut­sche Bank‘. Doch das trügt, in Wirklichkeit ist sie ein Zwitter. Sie unter­liegt der deut­schen Bankenaufsicht, ist aber Eigentum des ira­ni­schen Regimes. Ihr Grundkapital ist auf vier staat­li­che ira­ni­sche Banken ver­teilt, von denen zwei – Bank Mellat und Bank Refah – seit die­sen Sommer auf der EU-Sanktionsliste ste­hen. Den Aufsichtsrat der EIH-Bank stel­len die Vorstandsvorsitzenden der staat­li­chen Industry and Mine Bank in Teheran (52 Prozent Aktienbesitz), der Mellat Bank (26 Prozent) und der Bank Tejarat (19 Prozent) – alle­samt hohe Funktionäre eines düs­te­ren Regimes.“[24]

Mit Hamburg liegt die Zentrale der EIH in einem Zentrum deutsch-iranischer Seilschaften, in dem u.a. auch die Deutsch-Iranische Handelskammer e.V., der Bund Iranischer Unternehmer in Hamburg (BIU) sowie das vom Iran kon­trol­lierte und vom Verfassungsschutz beob­ach­tete Islamische Zentrum Hamburg ange­sie­delt sind.[25] „Hamburg ist das wich­tigste Handelszentrum für den Iran in Europa. Als  einer  der  größ­ten  Seehäfen  und Umschlagplatz für Güter aus aller  Welt  hat Hamburg  Handelsbeziehungen zum Iran bereits seit vie­len Jahrzehnten.“[26]

Des Weiteren ver­fügt die EIH über zwei Niederlassungen in Teheran (seit 2008) und Kish Island (seit 2009).[27]

Vorstände der EIH

  • Siavosh Naghshineh
  • Hans Wunderlich
  • Dr. Ramin Pashaee Fam (März – Oktober 2010) [28]

Mitglieder des EIH-Aufsichtsrats:

  • Mohammad Reza-Pishrow
  • Dr. Ali-Divandari
  • Dr. Majidreza Davari
  • Ahmad Hatami Yazd
  • Norbert Eisenmenger
  • Manfred Kliem
  • Frank Guergen [29]

Eine Recherche von Dr. Wahied Wahdat-Hagh zeigt anhand des ehe­ma­li­gen Vorstandsmitglieds Dr. Ramin Pashaee Fam noch­mals die Nähe der EIH-Leitung zur poli­ti­schen und mili­tä­ri­schen Elite der Islamischen Republik Iran. Pashaee Fam hatte vor sei­ner Zeit bei der EIH das Büro für stra­te­gi­sche Planung und Handelsbeziehungen des ira­ni­schen Präsidenten gelei­tet. Mittlerweile ist er Vorstandschef der Sepah-Bank, einer Militärbank, die 2007 wegen Verwicklung in das ira­ni­sche Atom- oder Raketenprogramm vom UN-Sicherheitsrat in Resolution 1747 sank­tio­niert wurde.[30]

Geldanlagen deut­scher Kommunen bei EIH und ande­ren ira­ni­schen Banken:

Laut Berichten des Münchner Merkurs und der Süddeutschen Zeitung ver­fügte die Gemeinde Taufkirchen in Bayern über eine Festgeldanlage bei der EIH in Höhe von meh­re­ren Millionen Euro.[31] Nach mehr­fa­cher Kritik und Aufforderung der Taufkirchener Grünen hat Bürgermeister Jörg Pötke erklärt, die Festgeldanlage bei der EIH aus­lau­fen zu las­sen. Zuvor schon wur­den die Geschäftsbeziehungen mit der ira­ni­schen Bank Melli eingestellt.[32] Im Januar 2011 berich­tete die WELT über deutsch-amerikanische Depeschen vom Juli 2007, die durch WikiLeaks ver­öf­fent­licht wur­den, und wonach deut­sche Kommunen bei der ira­ni­schen Bank Sepah Geldanlagen hat­ten. Das dama­lige Zögern deut­scher Behörden, die Bank Sepah kom­plett vom deut­schen Markt aus­zu­schlie­ßen, sei unter ande­rem auf diese Geldanlagen zurückzuführen.[33] Es besteht die Möglichkeit, dass neben Taufkirchen noch wei­tere deut­sche Kommunen erheb­li­che Geldbeträge bei der EIH ange­legt haben, und die Bundesregierung auch des­halb in Sachen Sanktionierung der EIH noch nicht ent­schlos­sen vor­an­ge­gan­gen ist.

(Stand: 11.2.2011)

Quellen und Anmerkungen:

[1] www.treasury.gov/press-center/press-releases/Pages/tg847.aspx (7.9.2010) Siehe auch ftp://ofacftp.treas.gov/fac_bro/WMD.pdf

[2] Zur zen­tra­len Rolle von Finanzsanktionen im Sanktionsregime gegen die Islamische Republik Iran siehe die Stellungnahme von Stuart Levey vor dem Auswärtigen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses im Dezember 2010: www.treasury.gov/press-center/press-releases/Pages/TG985.aspx

Für eine all­ge­mei­nere und umfas­sende Diskussion über Finanzsanktionen als diplo­ma­ti­sche Druckmittel siehe Peter D. Feaver, Eric B. Lorber: Coercive Diplomacy. Evaluating the Consequences of Financial Sanctions, November 2010, www.li.com/attachments/Legatum%20Institute%20-%20Coercive%20Diplomacy.pdf

[3] www.treasury.gov/press-center/press-releases/Pages/tg847.aspx (7.9.2010) In einer Stellungnahme der EIH heißt es: „Die vom US-Finanzministerium erho­be­nen Anschuldigungen, die EIH habe Bankdienstleistungen für Banken erbracht, gegen die zuvor von der Europäischen Union Sanktionen ver­hängt wur­den, sind falsch.“ (eihbank.de/eihbank_statement_Sep2010.pdf) Die vom US-Finanzministerium genann­ten Banken Bank Mellat, Persia International Bank, Export Development Bank of Iran und Post Bank of Iran wur­den aber erst am 26.7.2010 von der EU sank­tio­niert. Da die vom US-Finanzministerium genann­ten Beispiele für Transaktionen alle­samt vor die­sem Datum lie­gen, kann die Formulierung der EIH als Indiz für die Richtigkeit der Anschuldigungen gedeu­tet wer­den, ebenso wie die Tatsache, dass die frü­her in Kraft getre­te­nen US-Sanktionen anders als im Papier des US-Finanzministeriums nicht erwähnt wer­den.

[4] eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do (S. 54 u. 67.)

[5] www.matthiaskuentzel.de/contents/berlin-muss-das-treiben-der-deutsch-iranischen-bank-beenden

Weiter schreibt Matthias Küntzel dazu: „Noch im Mai 2010 hatte sich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, BaFin, mit der erneu­ten Ernennung von Ali Divandari zum stell­ver­tre­ten­den Aufsichtsratsvorsitzenden der EIH-Bank ein­ver­stan­den gezeigt. Im Juli fror sie die Konten Divandaris und der bei­den [EIH-]Teilhaberbanken, Mellat und Refah sang- und klang­los ein – eine Maßnahme, die in Deutschland nicht gerade all­täg­lich ist und die beweist, dass Amerikas Vorwürfe gegen die EIH-Bank nicht erfun­den sind.“ (Ebd.)

[6] http://www.treasury.gov/press-center/press-releases/Pages/tg847.aspx

Bezeichnend ist, was Stuart Levey über die Post Bank of Iran berich­tet: „Post Bank’s history pro­vi­des yet ano­ther example of the decep­tive prac­tices Iran rou­ti­nely employs to evade sanc­tions. At one point, Post Bank’s busi­ness was con­duc­ted almost ent­i­rely wit­hin Iran. With Iran’s state-owned banks fac­ing incre­a­sing sanc­tions, Iran began using Post Bank to faci­li­tate inter­na­tio­nal trade. Post Bank actively step­ped into the shoes of Bank Sepah to carry out tran­sac­tions set up by Bank Sepah and to hide Bank Sepah’s invol­ve­ment.” (www.treasury.gov/press-center/press-releases/Pages/TG985.aspx)

[7] EIH Portfolio, http://eihbank.de/eih_image.pdf, S. 9.

[8] www.handelsblatt.com/politik/international/handelsrausch-das-iran-embargo-wirkt-nicht;2684198;2

[9] http://www.dihkev.de/de/news/1098-Exporte-Deutschland-Iran

[10] www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,740125,00.html

[11] http://www.ft.com/cms/s/0/2e0471fa-515c-11df-bed9-00144feab49a.html Siehe auch www.handelsblatt.com/politik/_b=2684198,_p=6,_t=ftprint,doc_page=0;printpage

[12] www.eihbank.de/Eihbank_annual_report_2009.pdf,S. 7.

[13] www.eihbank.de/Eihbank_annual_report_2009.pdf, S. 6.

[14] online.wsj.com/article/SB10001424052970203513204576046893652486616.html

In der ACU haben sich Iran, Indien und sie­ben wei­tere süd­asia­ti­sche Länder zusam­men­ge­schlos­sen, um Geschäfte über die jewei­li­gen Zentralbanken abzu­wi­ckeln. Für die Islamische Republik Iran wurde die ACU eine immer wich­ti­gere Möglichkeit, dem Sanktionsdruck stand­zu­hal­ten, da die Transaktionen nicht in Dollar abge­wi­ckelt wer­den müs­sen, wodurch Iran außer­halb des US-Finanzsystems agie­ren kann, und weil die durch Zentralbanken ver­mit­tel­ten Geschäfte die ira­ni­schen Geschäftspartner poten­ti­ell ver­schlei­ern. Auch sank­tio­nierte ira­ni­sche Unternehmen, etwa der Revolutionsgarden, könn­ten so mit­tels der ACU Geschäfte machen. Die ira­ni­schen Transaktionen über die ACU haben von 2009 auf 2010 um fast 50% zuge­nom­men und betru­gen 2010 etwa 13 Milliarden Dollar.

[15] in.reuters.com/article/2011/01/12/idINIndia-54101420110112

[16] Central Bank of the Islamic Republic of Iran, Annual Review 1388 (2009 / 2010), S. 15 u. 18. (http://www.cbi.ir/page/7575.aspx)

[17] Quellen und Über­blick zum iranisch-indischen Handel und zur Wirkung von Sanktionen:

www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/tehranbureau/2011/01/iran-india-oil-trade-in-jeopardy.html

www.iranenergyproject.org/topics/8/by-country

[18] www.sueddeutsche.de/geld/europaeisch-iranische-handelsbank-ab-auf-die-schwarze-liste-1.997519

[19] www.nytimes.com/2010/08/03/world/middleeast/03iht-politicus.html

[20] www.jpost.com/Israel/Article.aspx

[21] http://www.jpost.com/International/Article.aspx?id=205803

[22] lautenberg.senate.gov/newsroom/record.cfm;

[23] EIH Portfolio, http://eihbank.de/eih_image.pdf, S. 5.

[24] www.matthiaskuentzel.de/contents/berlin-muss-das-treiben-der-deutsch-iranischen-bank-beenden

In der Selbstdarstellung der EIH wird die Verbindung zum Iran wie folgt for­mu­liert: „Unsere heu­ti­gen Anteilseigner sind nam­hafte Banken des Iran, die zusam­men mit unse­rer Repräsentanz in Teheran die guten Beziehungen der EIHBank zu den wich­tigs­ten Unternehmen und Institutionen des Landes för­dern.“ (EIH Portfolio, eihbank.de/eih_image.pdf, S. 5.)

[25] de.stopthebomb.net/marriott.html

[26] EIH Portfolio, eihbank.de/eih_image.pdf, S. 10.

[27] www.eihbank.de/Eihbank_annual_report_2009.pdf, S. 2.

[28] Die Angaben zu Dr. Ramin Pashaee Fam stam­men aus Veröffentlichungen im Handelsregister (HRB 14604).

[29] www.eihbank.de/Eihbank_annual_report_2009.pdf, S. 29

[30] www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/eine_bank_fuer_alle/

Siehe auch www.iranwatch.org/suspect/records/Bank-Sepah.html

[31] www.merkur-online.de/lokales/unterhaching/kritik-geldanlage-iran-bank-922264.html

sowie www.gruene-taufkirchen.de//sites/08_archiv/pressespiegel/SZ_Iran.pdf

[32] www.gruene-taufkirchen.de/sites/03_politik/politik.htm

[33] www.welt.de/print/die_welt/politik/article12319556/Schattenboxen-um-den-Iran.html

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Nic

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