Für Kirchliches ist immer ein Platz an der Sonne reserviert
von Siegfried R. Krebs
WEIMAR. (fgw) Die ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne” hat im vergangenen Jahr sieben soziale Einrichtungen in Mittel- und Westthüringen finanziell unterstützt. Einen Zuschuss von 300.000 Euro erhielt der Diakonieverein in Seebach im Wartburgkreis für den Bau einer Pflegeeinrichtung. Das ambulant betreute Wohnen soll Menschen mit Demenz zu Gute kommen.
Für die Erstausstattung eines Pflegeheims in Ilmenau förderte die Lotterie die Diakonie mit knapp 163.000 Euro. 200.000 Euro flossen an das (diakonische, fgw.) Augusta-Viktoria-Stift in Erfurt für den Umbau einer Pflegeeinrichtung nach dem Wohngemeinschaftsprinzip. Auch in Gotha und Arnstadt wurden karitative Projekte unterstützt. So heißt am 27. Januar in den Nachrichten von MDR-Radio Thüringen.
Zunächst ist auffällig, daß Unterstützungen für säkulare Projekte, z.B. die der AWO, in der Rundfunk-Nachricht nicht erwähnt werden, obwohl nichtkirchliche soziale Projekte rund die Hälfte der ausgeschütteten Fördergelder erhalten haben. (K)ein Schelm, wer Arges dabei denkt?! Naja, der überaus kirchenfreundliche MDR in einem weitgehend entkirchlichtem Sendegebiet macht eben auch auf diese Weise Kirchenpropaganda, betreibt gekonnt schleichende Missionierung.
Sollen nun etwa die Fernsehlotterie und auch der Staat den Kirchen den Geldhahn zudrehen? Die Antwort darauf kann nur lauten “JA”, wenn es um ungerechtigte Privilegien, wie bei den sogenannten Staatsleistungen, geht. Ein “Nein” soll gesagt sein, wenn es um Zuschüsse für die Kirchen und ihre “Tochterorganisationen” als Freier Träger in der Sozialarbeit geht. Wobei auch hier der Geldhahn durchaus zugedreht werden kann, wenn “der Staat” nicht auch noch die letzte Sozialeinrichtung in kirchliche Hände gibt. Hier muß die Forderung lauten: Soziale Einrichtungen gehören zunächst als Teil der Daseinsvorsorge in kommunale Hände, dann sollten ideologiefreie (also religionsfreie) Freie Träger den Zuschlag erhalten und erst an dritter Stelle sollten, wo es von den Bürgern gewünscht wird, auch kirchliche Träger zum Zuge kommen. Nur so kann einem einem demokratischen Sozialstaatsgebot Rechnung getragen. Und damit auch der bereits seit 1919 verfassungsmäßig gebotenen Trennung von Staat und Kirche.
Beim Schreiben dieser Gedanken kommt mir eine Veranstaltung der evangelischen Nachrichtenagentur idea in den Sinn. Sie berichtete über ein jüngst stattgefundenes Streitgespräch zwischen dem Politologen Dr. Carsten Frerk, Autor des Buches “Violettbuch Kirchenfinanzen” und dem Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche Deutschlands KD, Prof. Hans Michael Heinig. Heinig – zugleich Professor für Öffentliches Recht an der Universität Göttingen hat dort – ganz im Sinne seiner bischöflichen Dienstherren – Frerk energisch widersprochen. Worum es dabei ging, sei an dieser Stelle im Originalton idea zitiert: “Dieser (Frerk, fgw.) verfolge ein ‘antikirchliches, kämpferisches Anliegen’ und übersehe, dass der Staat vom Engagement der Kirchen profitiere, etwa in der Wohlfahrtspflege oder der Bildungsarbeit. Heinig weist auch den Vorwurf des Etikettenschwindels hinsichtlich der Finanzierung kirchlicher Arbeit zurück: ‘Da, wo Kirche draufsteht, ist auch Kirche drin.’ Die Mitarbeiter leisteten ihre Arbeit aus christlicher Motivation. Zur Kritik Frerks, dass die Kirchen ‘nur’ zwölf Prozent der Kosten für einen Platz in einer kirchlichen Kindertagesstätte zahlten, sagte Heinig: ‘Was heißt nur?’ Ohne die zwölf Prozent müsste der Staat die Einrichtung selbst betreiben und die gesamte Summe aufbringen: ‘Für den Staat ist ein kirchlich betriebene Kindertagesstätte also finanziell von Vorteil.’ Den Vorwurf Frerks, dass kirchliche Kindertagesstätten zur Missionierung dienten, konterte Heinig mit den Worten: „’jede kirchliche Einrichtung hat einen missionarischen Auftrag.’ In der Wirklichkeit schlage sich das ‘leider nicht immer nieder’…”
Aha. Das sagt doch alles, da erübrigt sich jeder weitere Kommentar. Nein, nicht ganz. Ich hätte gekontert: “Dann gebt doch die kirchlichen Kindertagesstätten in die Hände säkularer Träger. Da hat der Staat ebenfalls finanziellen Vorteil und mit den Geldern der Steuerzahler – und auch der Lottospieler – wird keinerlei Missionierung betrieben!”
Aber, die Kirche beansprucht in Deutschland – mit Duldung und sogar Förderung durch die kirchenhörige Politik – immer ihren ganz eigenen Platz an der Sonne; koste es andere, was es wolle.

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