[Über­nahme von Freiheit und Frieden mit freund­li­cher Genehmigung des Autors]
200px Benedykt xvi crop Wir brauchen keine Bundestagsrede vom Papst

Staat und Religion soll­ten getrennt sein, so steht es im Grundgesetz, dass schei­nen unsere Volksvertreter aller­dings ver­ges­sen zu haben. Anders lässt es sich nicht erklä­ren, dass der Führer der (Katholiken) Christenheit und der gewählte Stellvertreter Gottes auf Erden, in den Bundestag ein­ge­la­den wird und dort eine Rede vor den Abgeordneten hal­ten soll.

Dies ist eine Ehre, die bis­her weni­ger als 15 Staatsoberhäuptern zuteil wurde, unter ihnen auch sehr frag­wür­dige Persönlichkeiten. Der Papst, so argu­men­tie­ren Abgeordnete aller Parteien, sei als Staatsoberhaupt ein­ge­la­den und nicht als Religionsführer. Die Einladung wird von dem Grünen Volker Beck in Frage gestellt. Dieser argu­men­tiert, dass man sonst auch die Repräsentanten ande­rer Religionsgemeinschaften ein­la­den müsse, wohl wis­send, dass die­sem Vorschlag wenige Abgeordnete zustim­men würde. Allerdings ver­stößt auch die­ser Vorschlag gegen die Trennung von Staat und Religion, würde aber wenigs­tens der Gleichbehandlung aller Religionen ent­spre­chen.

Wäre es wirk­lich eine Ehre für uns?

Die Abgeordneten der Union spre­chen sogar von einer gro­ßen Ehre, die der Papst uns gewährt. Natürlich ist es wich­tig, dass Deutschland Kontakte zu den Repräsentanten der ver­schie­de­nen Religionen pflegt. Da die Religion für viele Menschen ein wich­ti­ger Bestandteil ihres Lebens ist – auch wenn die Zahl die­ser Menschen ste­tigt abnimmt. Ein gro­ßer Teil der Bevölkerung die­ses Landes ist katho­lisch, das sind aller­dings keine Argumente dafür, dass der Papst vor dem Bundestag spre­chen sollte.

Wollen unsere Bundestagsabgeordneten wirk­lich die Verpflichtungen des Grundgesetzes auf­he­ben und die, ohne­hin nur in gerin­gem Rahmen gewähr­leis­tete Trennung von Staat und Religion auf­he­ben?
Selbst wenn behaup­tet wird, dass der Papst als Staatsoberhaupt spricht, warum wol­len die Politiker in die­sem Land ein Staatsoberhaupt spre­chen las­sen, dass sich offen gegen viele unse­rer Gesetze aus­spricht. Sollten wir wirk­lich einem “Staatsoberhaupt” eine Plattform bie­ten, dass die die Einführung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft als „Legalisierung des Bösen” bezeich­net hat und sich auch in den meis­ten ande­ren Bereichen als nicht fort­schritt­lich zeigt?

Die Argumentation von Linken-Fraktionsvize Dietmar Bartsch, “Wenn George Bush gere­det hat, dann darf auch der Papst reden”, ist eine Logik, nach der wir im Bundestag so ziem­lich jedem Staatsoberhaupt eine Plattform bie­ten könn­ten, wel­che ethi­schen und mora­li­schen Grundsätze die­ses auch miss­ach­tet.
Von allen im Bundestag sit­zen­den Abgeordneten hatte nur der linke Grüne Hans-Christian Ströbele eine pas­sende Lösung. Er kün­digte an, den Saal zu ver­las­sen, sollte es zur Rede des Papstes kom­men, dies hatte er auch schon bei Reden von Putin und Bush getan.

Wenn nun tat­säch­lich die Mehrheit des Bundestages unser Grundgesetz in Frage stel­len will und eine Person ein­lädt, für die Gleichbrechtigung keine Bedeutung hat, dann wäre es schön, wenn sich wenigs­tens einige Abgeordnete, die die­ser ” Ehre” nicht teil­haf­tig wer­den wol­len, an Ströbeles Aktion betei­li­gen.

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Nic

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5 Responses to Wir brauchen keine Bundestagsrede vom Papst

  1. Frank sagt:

    Da es aber dies­mal nicht gegen Israel geht, habe ich weder von Buchholz noch von Wagenknecht oder Dagdelen (alle MdB DIE LINKE) Proteste gehört. Das waren die Sitzenbleiberinnen bei der Peres-Rede. Das zeigt sehr schön, wes­sen Geistes Kind diese Leute wirk­lich sind.

    • Nic sagt:

      Hallo Frank,
      dass es diese kri­ti­schen Stimmen direkt aus der Partei gibt, macht mich froh. Denn ich sehe das ähnlich: oft wird hin­ter israel­freund­li­chen Parolen ein Antimuslimismus ver­brei­tet, der erbärm­lich ist. Davon sind weder die LINKE noch diverse reli­gi­ons­kri­ti­sche Schreiber frei (soll ich Namen nen­nen?).

      Es ist zuge­ge­ben schwer, in Deutschland – mit sei­ner Vergangenheit – einen objek­ti­ven Standpunkt gegen­über dem Staat Israel ein­zu­neh­men. Doch meine ich, dass wir es uns – aus eben den Lehren der Geschichte – gut über­le­gen müs­sen, wie man mit einem Staat umgeht, der die Menschenrechte mit Füßen tritt. Und ob die ara­bi­schen Israelis nun Moslems sind oder nicht; sie haben ein eben­sol­ches Recht auf ein gutes Leben wie jeder andere Mensch auf die­ser Welt. (Klingt ein biss­chen hoch­tra­bend, ich weiß)…
      Nur weil Israel das ver­meint­lich ein­zige demo­kra­ti­sche (=west­li­che) Land in der Region ist, darf nicht über­se­hen wer­den, was die­ses Land mit einem Teil sei­ner Bevölkerung tut.
      Doch so wie dort sieht der Westen alles durch die Brille der Wirtschaftsinteressen. Es wird geschimpft auf alles, was isla­mis­tisch ist. Aber nicht ein Wort gegen das Land ver­lo­ren, aus dem der poli­ti­sche Islam her­stammt. Wir brau­chen ja das Öl aus Saudi-Arabien.

  2. Frank sagt:

    Broder ist gewiss nicht Muslimfeindlich. Der ist halt Islamgegner (und ich schreibe betont nicht “islam­kri­tisch”!), wobei ich z.B. seine Haltung gegen­über Sufis, Aleviten, Drusen oder ande­ren isla­mi­sche Strömungen nicht kenne. Aber ich meine, da dif­fe­ren­ziert er schon.
    Ein gutes Interview mit ihm und Abdel-Samad hier:
    http://www.tagesspiegel.de/medien/juden-und-moslems-werden-dringend-gebraucht/1976322.html

    und immer noch die beste Replik auf Wulf:

    “als sei das ver­einte Deutschland keine zivile, säku­lare Republik freier Bürger, son­dern die Summe sei­ner Religionsgemeinschaften, eine Art mul­ti­kul­tu­relle Glaubenskongregation, ein ein­zi­ger fort­wäh­ren­der Kirchentag unter dem gemein­sa­men Vorsitz von Margot Käßmann, Kardinal Meissner, Charlotte Knobloch und dem Zentralrat der Muslime.”
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/gehoeren-wir-unglaeubigen-auch-dazu/1950404.html

    Und Feuerbringer kommt, glaub ich, aus der Ecke der kon­se­quen­ten “Kritische Theorie”-Schule. Der ist halt pole­mi­scher als z.B. du. Auch nicht so breit (und prak­tisch tätig) auf­ge­stellt, des­halb wirkt das eher ein­sei­tig. Aber man darf durch­aus sub­jek­tiv sein.