Wir brauchen keine Bundestagsrede vom Papst
[Übernahme von Freiheit und Frieden mit freundlicher Genehmigung des Autors]
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Staat und Religion sollten getrennt sein, so steht es im Grundgesetz, dass scheinen unsere Volksvertreter allerdings vergessen zu haben. Anders lässt es sich nicht erklären, dass der Führer der (Katholiken) Christenheit und der gewählte Stellvertreter Gottes auf Erden, in den Bundestag eingeladen wird und dort eine Rede vor den Abgeordneten halten soll.
Dies ist eine Ehre, die bisher weniger als 15 Staatsoberhäuptern zuteil wurde, unter ihnen auch sehr fragwürdige Persönlichkeiten. Der Papst, so argumentieren Abgeordnete aller Parteien, sei als Staatsoberhaupt eingeladen und nicht als Religionsführer. Die Einladung wird von dem Grünen Volker Beck in Frage gestellt. Dieser argumentiert, dass man sonst auch die Repräsentanten anderer Religionsgemeinschaften einladen müsse, wohl wissend, dass diesem Vorschlag wenige Abgeordnete zustimmen würde. Allerdings verstößt auch dieser Vorschlag gegen die Trennung von Staat und Religion, würde aber wenigstens der Gleichbehandlung aller Religionen entsprechen.
Wäre es wirklich eine Ehre für uns?
Die Abgeordneten der Union sprechen sogar von einer großen Ehre, die der Papst uns gewährt. Natürlich ist es wichtig, dass Deutschland Kontakte zu den Repräsentanten der verschiedenen Religionen pflegt. Da die Religion für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens ist – auch wenn die Zahl dieser Menschen stetigt abnimmt. Ein großer Teil der Bevölkerung dieses Landes ist katholisch, das sind allerdings keine Argumente dafür, dass der Papst vor dem Bundestag sprechen sollte.
Wollen unsere Bundestagsabgeordneten wirklich die Verpflichtungen des Grundgesetzes aufheben und die, ohnehin nur in geringem Rahmen gewährleistete Trennung von Staat und Religion aufheben?
Selbst wenn behauptet wird, dass der Papst als Staatsoberhaupt spricht, warum wollen die Politiker in diesem Land ein Staatsoberhaupt sprechen lassen, dass sich offen gegen viele unserer Gesetze ausspricht. Sollten wir wirklich einem “Staatsoberhaupt” eine Plattform bieten, dass die die Einführung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft als „Legalisierung des Bösen” bezeichnet hat und sich auch in den meisten anderen Bereichen als nicht fortschrittlich zeigt?
Die Argumentation von Linken-Fraktionsvize Dietmar Bartsch, “Wenn George Bush geredet hat, dann darf auch der Papst reden”, ist eine Logik, nach der wir im Bundestag so ziemlich jedem Staatsoberhaupt eine Plattform bieten könnten, welche ethischen und moralischen Grundsätze dieses auch missachtet.
Von allen im Bundestag sitzenden Abgeordneten hatte nur der linke Grüne Hans-Christian Ströbele eine passende Lösung. Er kündigte an, den Saal zu verlassen, sollte es zur Rede des Papstes kommen, dies hatte er auch schon bei Reden von Putin und Bush getan.
Wenn nun tatsächlich die Mehrheit des Bundestages unser Grundgesetz in Frage stellen will und eine Person einlädt, für die Gleichbrechtigung keine Bedeutung hat, dann wäre es schön, wenn sich wenigstens einige Abgeordnete, die dieser ” Ehre” nicht teilhaftig werden wollen, an Ströbeles Aktion beteiligen.
5 Responses to Wir brauchen keine Bundestagsrede vom Papst

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Da es aber diesmal nicht gegen Israel geht, habe ich weder von Buchholz noch von Wagenknecht oder Dagdelen (alle MdB DIE LINKE) Proteste gehört. Das waren die Sitzenbleiberinnen bei der Peres-Rede. Das zeigt sehr schön, wessen Geistes Kind diese Leute wirklich sind.
Hallo Frank,
dass es diese kritischen Stimmen direkt aus der Partei gibt, macht mich froh. Denn ich sehe das ähnlich: oft wird hinter israelfreundlichen Parolen ein Antimuslimismus verbreitet, der erbärmlich ist. Davon sind weder die LINKE noch diverse religionskritische Schreiber frei (soll ich Namen nennen?).
Es ist zugegeben schwer, in Deutschland – mit seiner Vergangenheit – einen objektiven Standpunkt gegenüber dem Staat Israel einzunehmen. Doch meine ich, dass wir es uns – aus eben den Lehren der Geschichte – gut überlegen müssen, wie man mit einem Staat umgeht, der die Menschenrechte mit Füßen tritt. Und ob die arabischen Israelis nun Moslems sind oder nicht; sie haben ein ebensolches Recht auf ein gutes Leben wie jeder andere Mensch auf dieser Welt. (Klingt ein bisschen hochtrabend, ich weiß)…
Nur weil Israel das vermeintlich einzige demokratische (=westliche) Land in der Region ist, darf nicht übersehen werden, was dieses Land mit einem Teil seiner Bevölkerung tut.
Doch so wie dort sieht der Westen alles durch die Brille der Wirtschaftsinteressen. Es wird geschimpft auf alles, was islamistisch ist. Aber nicht ein Wort gegen das Land verloren, aus dem der politische Islam herstammt. Wir brauchen ja das Öl aus Saudi-Arabien.
Zitat: “oft wird hinter israelfreundlichen Parolen ein Antimuslimismus verbreitet, der erbärmlich ist. Davon sind weder die LINKE noch diverse religionskritische Schreiber frei (soll ich Namen nennen?).”
Gerne, mir fällt keiner ein. Ausser ev. DIE FREIHEIT-Leute oder so. Ich schrieb schon mal in irgeneinem anderen Kommentar,
“hinter mancher “islamkritik” steht manchmal rassismus (wenn eigentlich “die moslems” gemeint sind), ähnlich wie hinter “antizionismus” manchmal “die juden” gemeint sind.”
Und diese “AntiimperialistInnen”, die am liebsten auch auf Kaperfahrt gen Gaza gemacht hätten, deren Genossinnen Groth und Höger neulich die Vernichtung Israels fordern (so offen antisemitsch, dass selbst Paech sich genötigt fühlte, im Nachhinein verschwurbelt zu widersprechen, obwohl anwesend gewesen).
Der Grundfehler Israels ist ebender, den wir auch beim Iran, Saudi-Arabien etc. anprangern. Die Nichttrennung zwischen Staat und Religion:
“Die Quelle allen Übels ist natürlich die Ur-Sünde des Staates Israels, die Nicht-Trennung zwischen Staat und Religion, die auf der Nicht-Trennung von Nation und Religion basiert.” sehr lesenwerter Artikel von Avnery.
http://www.uri-avnery.de/index.php?mact=News,cntnt01,detail,0&cntnt01articleid=115&cntnt01returnid=17
Die 9/11-Bomber waren fast alle Saudis der Mittel/Oberschicht und keine armen Jordanier oder Palästinenser.
Aber das sind zwei ganz andere Themen, als oben der Titel. Ich zumindest komme mit arabischen Israelis (und ich kenne wenigstens 20 hier) gut aus, da gibt es auch solche und solche.
Übrigens: “Mehrheit der israelischen Araber will nicht in Palästinenserstaat leben”
http://www.jesus.de/blickpunkt/detailansicht/ansicht/-/173607mehrheit-der-israelischen-araber-will-nicht-in-palaestinenserstaat-leben.html
Arabs supporting Israel:
http://www.youtube.com/watch?v=qbrIWyEhl8A
http://dover.idf.il/IDF/English/News/today/10/11/2402.htm
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3968706,00.html
http://www.welt.de/politik/ausland/article10925102/Radschar-das-Dorf-mitten-auf-der-Grenze.html
Gruss Frank
ich sehe, wir verstehen uns…
Namen: Henryk M. Broder, aber auch Andreas Müller aka. Feuerbringer
Broder ist gewiss nicht Muslimfeindlich. Der ist halt Islamgegner (und ich schreibe betont nicht “islamkritisch”!), wobei ich z.B. seine Haltung gegenüber Sufis, Aleviten, Drusen oder anderen islamische Strömungen nicht kenne. Aber ich meine, da differenziert er schon.
Ein gutes Interview mit ihm und Abdel-Samad hier:
http://www.tagesspiegel.de/medien/juden-und-moslems-werden-dringend-gebraucht/1976322.html
und immer noch die beste Replik auf Wulf:
“als sei das vereinte Deutschland keine zivile, säkulare Republik freier Bürger, sondern die Summe seiner Religionsgemeinschaften, eine Art multikulturelle Glaubenskongregation, ein einziger fortwährender Kirchentag unter dem gemeinsamen Vorsitz von Margot Käßmann, Kardinal Meissner, Charlotte Knobloch und dem Zentralrat der Muslime.”
http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/gehoeren-wir-unglaeubigen-auch-dazu/1950404.html
Und Feuerbringer kommt, glaub ich, aus der Ecke der konsequenten “Kritische Theorie”-Schule. Der ist halt polemischer als z.B. du. Auch nicht so breit (und praktisch tätig) aufgestellt, deshalb wirkt das eher einseitig. Aber man darf durchaus subjektiv sein.