Erst ges­tern habe ich hier das Interview ange­schnit­ten, das Mina Ahadi der Berner Zeitung gab. Heute fand ich auch beim Deutschlandradio Kultur eines:

Das war unmensch­lich

Mina Ahadi im Gespräch mit Joachim Scholl

Die ira­ni­sche Aktivistin Mina Ahadi hat das Inszenieren des angeb­li­chen Mordgeschehens mit der ver­ur­teil­ten Sakineh Ashtiani im staat­li­chen ira­ni­schen Fernsehen als “unmensch­lich” ver­ur­teilt. Weil sie dafür das Gefängnis ver­las­sen musste, war es auch zur Falschmeldung ihrer Freilassung gekom­men.

Scholl: In der ver­gan­ge­nen Woche ver­kün­de­ten Sie ganz glück­lich, dass Frau Ashtiani frei­kom­men würde, und muss­ten dann doch wie­der ent­täuscht demen­tie­ren. Wie kamen Sie eigent­lich zu die­ser Information, die sich dann so als tra­gisch falsch erwies?

Ahadi: Ja also ich war am 9. Dezember im Europaparlament, ich habe dort eine Rede gehal­ten. Und dann, am 8. Dezember, haben wir auch einen Termin gehabt mit Herrn Buzek, also dem Präsidenten des Europäischen Parlaments. Allerdings haben wir drei die­ser Leute von Herrn Buzeks Kabinett getrof­fen, und auch mit Catherine Ashton haben wir wegen Frau Ashiani einen Termin gehabt.
Aber am 8. Dezember habe ich aus dem Iran einige Telefonate gehört, zum Beispiel in der Frühe um sechs Uhr hat jemand ange­ru­fen, am 8. Dezember, und hat gesagt, etwas bewegt sich da im Gefängnis und auch bei die­ser Wahl, und die betrof­fe­nen Personen haben mit Angehörigen Kontakt genom­men tele­fo­nisch und haben angeb­lich gesagt, diese Woche wer­den wir frei­ge­las­sen. Die Nachricht habe ich, oder unser Komitee hat es bekom­men, aber wir haben dar­über nicht ein öffent­li­ches Statement gege­ben, weil wir gewar­tet haben. Und wir haben nicht gewusst, was los ist.

Das Komitee hat auch die Nachricht bekom­men, Frau Ashtiani und ihr Sohn sind nicht im Gefängnis, son­dern in der alten Wohnung in Osko. Wir haben dar­über gespro­chen, wieso die alte Wohnung, weil Frau Ashtiati hat in Tabriz eine Wohnung und die Tochter, also Saida, wohnt jetzt dort. Also irgend­wie haben wir dar­über immer wie­der gespro­chen. Aber am 9. Dezember hat angeb­lich die­ses Press TV, ein TV vom isla­mi­schen Regime, einige Fotos ver­öf­fent­licht ohne Kommentar. Und diese Fotos haben Frau gezeigt, Frau Ashtiani mit Sajjad sitzt in einer Wohnung, und auch einige Fotos, Frau Ashtiani ist im Haus. Also alle Medien, die diese Fotos gese­hen haben, haben gedacht, Frau Ashtiani ist frei.

Scholl: Darauf könnte man nun schlie­ßen. Aber es war eigent­lich ja dann umso bizar­rer, denn sie war in der Wohnung wegen die­ser omi­nö­sen TV-Dokumentation. Lassen Sie uns …

Ahadi: … genau, aber ich meine, unser Komitee hat ein klei­nes Statement gege­ben. Das war ein klei­ner Fehler, weil wir war­ten alle auf diese Freilassung. Dann haben wir diese Fotos gese­hen und auch die Nachrichten, was wir bekom­men haben, aber im Endeffekt haben wir gesagt, ja, die Frau ist schon frei­ge­las­sen wor­den. Das war also ein biss­chen ein Fehler von uns. Und dann haben wir, also in der letz­ten Nacht oder heute habe ich tele­fo­nisch Kontakt gehabt: Frau Ashtiani ist im Gefängnis, aber angeb­lich war sie einige Tage in der alten Wohnung. […]

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