mina ahadi 150x150 Interview mit Mina AhadiDie Berner Zeitung ver­öf­fent­licht heute ein Interview mit Mina Ahadi, in dem sie vor allem über die letz­ten Ereignisse um Sakineh Ashtiani berich­tet:

Frau Ahadi, letzte Woche hiess es, Sakineh Mohammadi Ashtiani sei frei­ge­las­sen wor­den. Dann doch wie­der nicht. Wo ist Frau Ashtiani?
Sie ist lei­der noch im Gefängnis. Die Nachricht, die einige Medien und auch unser Komitee gegen die Steinigung ver­brei­tet haben, war ein Missverständnis. Sie müs­sen sich vor­stel­len, Nachrichten aus dem Iran zu bekom­men, ist extrem schwie­rig. Jedenfalls kur­sier­ten am 9. Dezember plötz­lich Fotos, die Frau Ashtiani und ihren Sohn in ihrer alten Wohnung zeig­ten. Am 8. Dezember hatte ich zudem Nachricht aus dem Iran erhal­ten, es gebe Anzeichen, sie werde frei gelas­sen. Aber Frau Ashtiani war nur mit Press TV, einem ira­ni­schen Staatsfernsehen in ihrer alten Wohnung.

Ist die Frau, die im Beitrag zu sehen ist, wirk­lich Frau Ashtiani?
Ja, sie ist es. Eine Frau, die mit ihr einige Monate in Gefängnis war und heute in Paris lebt, bestä­tigt, es han­delt sich wirk­lich um Frau Ashtiani.

Das Fernsehen zeigt, wie Frau Ashtiani angeb­lich gehol­fen hat, ihren Ehemann zu ermor­den. Was hal­ten Sie vom Film?
Als Frau Ashtiani zum Tode ver­ur­teilt wurde, war es ein Steinigungsfall. Sie soll also angeb­lich ihrem Mann untreu gewe­sen sein. Als sie ver­ur­teilt wurde, hat­ten die Behörden schon im Fall ihres ermor­de­ten Ehemannes ermit­telt. Ein Mann, der auch im Film zu sehen ist, Isa Taheri, hat angeb­lich gestan­den, der Haupttäter gewe­sen zu sein. In allen Dokumenten, die uns vor­lie­gen, steht, Frau Ashtiani sei erst zu zehn, dann zu fünf Jahren Haft ver­ur­teilt wor­den, weil sie «die Ordnung der Gesellschaft» durch­ein­an­der gebracht habe. Sie wurde nicht wegen Beihilfe zu Mord ver­ur­teilt. Erst nach der Kampagne gegen ihre Steinigung hat das Regime die Geschichte geän­dert und behaup­tet, die Frau sei eine Mörderin.

Der Mann, der angeb­lich der Haupttäter war, ist frei. Stimmt das?
Ja, der angeb­li­che Haupttäter ist frei. Er ist eben ein Mann. Press TV hat kaum über ihn gespro­chen, das ist ja das Unverschämte. Wenn er ein Mörder ist und frei, warum lässt man dann diese arme Frau nicht frei? Im Iran ist es ja so, dass die Angehörigen des Opfers einen Mörder frei­las­sen kön­nen. Der Mann ist frei, weil Ashtianis Sohn Sajjad nicht unter­schrie­ben hat, den Mann hin­rich­ten zu las­sen. Sajjad kämpft für die Freilassung sei­ner Mutter. Aber das Regime igno­riert das und sagt, die ande­ren Angehörigen der ermor­de­ten Person sol­len ent­schei­den. Dabei wäre auch hier Sajjad zustän­dig!

Sajjad wurde nach einem Interview mit zwei deut­schen Journalisten fest­ge­nom­men, ebenso der Anwalt und die Journalisten. Sind sie noch im Gefängnis?
Ja, alle. Im Film von Press TV musste Sajjad die Rolle sei­nes Vaters spie­len. Frau Ashtiani erzählt ja, wie sie angeb­lich ihrem Mann eine Spritze gege­ben hat. Der Mann im Zimmer ist Sajjad. Ich kenne ihn seit fünf Jahren, er ist wie mein Kind. Ich weiss, wie sehr er unter dem Tod sei­nes Vaters gelit­ten hat. Nun muss er ihn in die­sem Film spie­len. Das ist doch ein­fach unmensch­lich.

Weshalb den­ken Sie, machen er und seine Mutter das über­haupt mit?
Wir wis­sen, dass Sajjad geschla­gen wurde. Das kön­nen sie sel­ber sehen, wenn sie das Foto von Sajjad mit den deut­schen Journalisten mit dem von ihm und sei­ner Mutter ver­glei­chen. Auch der Anwalt ist im Fernsehen völ­lig von der Rolle, er wirkt sehr nie­der­ge­schla­gen. Beide sehen sehr schlecht aus.

Wie wird es im Fall von Frau Ashtiani wei­ter­ge­hen?
Die Steinigung ist vom Tisch, die Hinrichtung lei­der nicht. Im isla­mi­schen Regime gibt es ver­schie­dene Meinungen über Frau Ashtianis Fall. Die einen fin­den, wenn die Angehörigen nicht möch­ten, dass sie hin­ge­rich­tet wird, dann soll das respek­tiert wer­den. Andere fin­den, die Frau wurde ver­ur­teilt, also wird sie hin­ge­rich­tet. Ganz nach dem Motto: Wir müs­sen zei­gen, dass wir hart blei­ben.

Letzte Woche wurde die eben­falls zum Tode ver­ur­teilte Shahla Jahed hin­ge­rich­tet.
In den letz­ten zwei Wochen wur­den in Iran 24 Menschen hin­ge­rich­tet, von denen wis­sen wir gar nichts. Für Shahla Jahed haben wir neun Jahre lang gekämpft. Das Regime hat sie umge­bracht, weil die Aufmerksamkeit nach­ge­las­sen hat. Es war eine Reaktion auf die Kampagne für Sakineh Ashtiani. Das Regime hat damit gezeigt, es tötet auch bekannte Fälle.

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Über den Autor

Nic

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One Response to Interview mit Mina Ahadi

  1. Interview mit Mina Ahadi beim Deutschlandradio Kultur…

    Erst ges­tern habe ich hier das Interview ange­schnit­ten, das Mina Ahadi der Berner Zeitung gab. Heute fand ich auch beim Deutschlandradio Kultur eines: Das war unmensch­lich Mina Ahadi im Gespräch mit Joachim Scholl Die ira­ni­sche Aktivistin Mina Aha…