Montag , 20 Mai 2013
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Wikileaks und der Iran

Eigentlich inter­es­siert mich der aktu­elle Wikileaks-Skandal wirk­lich nur am Rande. Wie rele­vant ist es denn, was ame­ri­ka­ni­sche Diplomaten über die deut­schen Politiker den­ken? Dass die Führungsriege eine Truppe von unfä­hi­gen Versagern ist… das zu erfah­ren braucht man nicht Wikileaks.

Jedoch gibt es auch andere Dokumente und wich­ti­gere Hinweise. So berich­ten Telepolis als auch der Freitag (hier und hier) über Forderungen aus der ara­bi­schen Welt, den Iran zu bom­bar­die­ren

Mag man auf den ers­ten schnel­len Blick noch zur Über­zeu­gung gelan­gen, dass die Inhalte der Dokumente wenig Neues ver­ra­ten, weil die Positionen, mit denen die Vertreter der ara­bi­schen Länder, wie Saudi-Arabien, den Golftstaaten, Ägyp­ten oder Jordanien zitiert wer­den, alle irgend­wie bekannt sind und kaum ver­blüf­fen, so zeigt sich im Laufe der Lektüre dann doch auch Neues aus den Hinterzimmern. Zum einen kon­krete Deals. Wie etwa das von den USA ein­ge­fä­delte Manöver, China als Gegengeschäft für eine Nichtablehnung här­te­rer Sanktionen gegen Iran im Sicherheitsrat, eine Garantie auf sau­di­sches Öl zu verschaffen…Zum ande­ren unge­schminkte Äuße­run­gen von wich­ti­gen Regierungsvertretern zu Iran und des­sen Möglichkeiten, eine Atombombe zu bauen. [...] Dafür rücken die Dokumente die ara­bi­sche Seite in den Blick. Sie zei­gen, wie deut­lich sich Verteter von Saudiarabien, den Golfstaaten, Jordanien und Ägyp­ten, also der sun­ni­ti­sche Block, gegen Iran aus­ge­spro­chen haben und wie vehe­ment einige zumin­dest eine Zeitlang für eine mili­tä­ri­sche Option plä­dier­ten. Da der Ton in die­sen Aussagen ziem­lich unver­blümt ist und diplo­ma­ti­sche Weichmacher bei inter­nen Papieren feh­len, dürfte auch man­ches Zitat für Verärgerung sor­gen.

Soweit Telepolis. Beim Freitag fin­det sich dann Folgendes:

Anhand der ers­ten Depeschen, von denen viele als „geheim“ ein­ge­stuft waren, kann der Guardian zei­gen, dass ara­bi­sche Führer im Geheimen auf einen Luftschlag gegen den Iran dräng­ten [...]

und aus­führ­li­cher im zwei­ten Artikel:

König Abdullah von Saudi Arabien und andere ara­bi­sche Verbündete der Vereinigten Staaten haben die USA wie­der­holt zu einem Angriff auf den Iran gedrängt, um des­sen Atomprogramm zu zer­stö­ren, da sie ebenso wie die israe­li­sche Führung der Über­zeu­gung sind, die Islamische Republik stehe kurz davor, Atomwaffen her­stel­len zu kön­nen. Eine Bombardierung der ira­ni­schen Nuklearanlagen galt bis­lang als letz­ter ver­zwei­fel­ter Ausweg, der einen viel wei­ter­rei­chen­den Krieg ent­fa­chen könnte.[...]

Der sau­di­sche König habe „die USA häu­fig dazu ermahnt, den Iran anzu­grei­fen, um des­sen Nuklearprogramm zu been­den“, steht in einem der gehei­men Memos. „Er for­derte Sie (die Amerikaner) auf, „den Kopf der Schlange abzu­schla­gen“, sagte der Botschafter Saudi-Arabiens in Washington, Adel al-Jubeir, laut einem Bericht über ein Treffen Abdullahs mit US-General David Petraeus im April 2008.

Die Dokumente bele­gen auch Israels Sorge um die Bewahrung sei­nes Atommonopols in der Region sowie seine Bereitschaft, den Iran im Alleingang anzu­grei­fen.

Worum geht es hier? Um die Angst vor einem atom­be­waff­ne­ten Iran? Um mili­tä­ri­sche Vormachtstellung im Nahen Osten? Oder viel­leicht doch um das Ausschaltenwollen eines Konkurrenten auf dem Ölwelt­markt?

Gestern erst wurde ich mit der Meinung kon­fron­tiert, dass das Regime Irans des­halb sta­bil blei­ben wird, weil es als Gegenentwurf in der Region (also als “Buhmann” der Region) benö­tigt wird – diese Wikileaks-Veröffentlichungen schei­nen das zu bestä­ti­gen.

Nic

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

Ein Kommentar

  1. Leider lässt die MenschenZeitung keine Kommentare zu – aber dort wird genau auch auf meine Hinweise (und das noch viel aus­führ­li­cher) ein­ge­gan­gen: http://menschenzeitung.de/?p=5386

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