B90/Die Grünen: Politik gegenüber Iran
gruene-partei.de: Mehr als ein Jahr ist seit den gefälschten iranischen Präsidentschaftswahlen und den anschließenden Massenprotesten vergangen. Viele der in Folge der Proteste Inhaftierten sind immer noch in Haft, bedroht von Folter und Misshandlungen. Repression und Gewalt richten sich vor allem gegen Oppositionelle, GewerkschafterInnen, FrauenrechtsaktivistInnen, BürgerrechtlerInnen und StudentInnen. Zudem werden Mitglieder religiöser sowie ethnischer Gruppen willkürlich verhaftet und hingerichtet. Iran steht inzwischen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl bei Hinrichtungen an oberster Stelle weltweit. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist erheblich eingeschränkt, es gibt kaum noch oppositionelle Medien, deren MitarbeiterInnen nicht inhaftiert werden. Zudem gelingt es der Regierung, nationale und internationale Radio- und Fernsehsender sowie Internetzugang und Mobilfunk-Verbindungen zu stören bzw. ihre BenutzerInnen zu überwachen.
Die iranische Regierung hat keine Bereitschaft gezeigt, auf die Forderungen der Protestierenden einzugehen. Die Ereignisse des zurückliegenden Jahres haben dennoch die divergierenden Interessen im iranischen Machtapparat sowie die Widersprüchlichkeiten innerhalb der politischen Fraktionen deutlich werden lassen. Deutlich geworden ist auch das große Potential in der Bevölkerung, das einen demokratischen Wandel einfordert.
Eine europäische/deutsche Iran-Politik muss neben dem Atomstreit auch die internen Entwicklungen und die regionalen Herausforderungen berücksichtigen. Ein entscheidender Bestandteil davon ist die Menschenrechtspolitik: Wir dürfen den Iran nicht nur wegen seiner Atompolitik kritisieren, sondern müssen auch die schweren Menschenrechtsverletzungen thematisieren.
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Vor diesem Hintergrund
- fordern wir die internationale Staatengemeinschaft auf, weiterhin eine friedliche Lösung im Atomstreit mit Iran auf dem Verhandlungswege anzustreben
- sind sowohl eine iranische Atomwaffenfähigkeit als auch ein gegen Iran gerichteter Militärschlag unbedingt zu verhindern
- verurteilen wir auf das schärfste jegliche antisemitische und israelfeindliche Rhetorik und Drohungen und fordern die iranische Führung zur Unterlassung solcher Äußerungen auf.
- verurteilen wir die Provokationen und die unnachgiebige Haltung der iranischen Regierung in der Atomfrage und fordern, dass Iran die Urananreicherung und sein militärisches Atomprogramm stoppt, mit der IAEO zusammenarbeitet, damit sie den Hinweisen auf eine mögliche militärische Dimension des Atomprogramms nachgehen kann und fordern, dass Iran das IAEO Zusatzprotokoll zum Safeguardabkommen anwendet, damit IAEO-Inspektionen uneingeschränkt und unangemeldet durchgeführt werden können
- fordern wir alle offiziellen wie auch inoffiziellen Atommächte und die Staatengemeinschaft insgesamt auf, ernsthafte Schritte zur Reduzierung ihres Atomwaffenarsenals zu unternehmen und schließlich sie abzuschaffen. Dazu gehört der Verzicht auf die Kernenergie bei ihren zukünftigen Energieplanungen.
- setzen wir uns für eine atomwaffenfreie Welt, insbesondere für die Schaffung einer atomwaffenfreien Zone im Nahen Osten, ein, wie auch im Abschlussdokument der NPT-Überprüfungskonferenz vom Mai 2010 gefordert wird
- fordern wir von der deutschen Bundesregierung, in Kooperation mit der Europäischen Union, die Initiative zu ergreifen, für eine regionale Sicherheitspolitik im Nahen und Mittleren Osten. Als Modell könnte der KSZE-Prozess herangezogen werden.
- fordern wir die Staaten dazu auf, dafür zu sorgen, dass die multilateral beschlossenen Sanktionen eingehalten werden
- fordern wir die Mitglieder des Sicherheitsrates auf, dem Sanktionsausschuss zu Iran den Auftrag zu erteilen, regelmäßig eine Evaluierung über mögliche Auswirkungen der Sanktionsmaßnahmen auf die Bevölkerung vorzunehmen und im Falle negativer Konsequenzen die Sanktionsmaßnahmen entsprechend zu verändern
- betonen wir die Bedeutung und die Notwendigkeit der Fortsetzung der Gespräche mit Iran auf allen Ebenen und insbesondere mit der Zivilgesellschaft
- verurteilen wir die gewaltsame Repression nach innen durch den iranischen Machtapparat und fordern die iranische Regierung auf, die massiven Menschenrechtsverletzungen, die sich gegen oppositionelle Gruppen ebenso richten wie gegen Frauenrechtlerinnen, Homosexuelle/LGBT, StudentInnen, JournalistInnen, BloggerInnen, reformorientierte Geistliche sowie ethnische und religiöse Gruppen, wie die Bahai, sofort zu beenden und die Opfer zu rehabilitieren
- fordern wir die lückenlose Aufklärung aller Menschenrechtsverletzungen, wobei die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und sämtliche politische Gefangene freigelassen werden müssen
- verlangen wir mit allem Nachdruck, dass friedliche Proteste zugelassen werden, so wie dies auch das geltende iranische Recht vorsieht
- fordern wir das iranische Parlament auf, Steinigungen und die Hinrichtung von zur Tatzeit Minderjährigen gesetzlich zu verbieten und die Todesstrafe als ersten Schritt zu ihrer gesetzlichen Abschaffung auszusetzen
- fordern wir die Bundesregierung auf, eine Gesetzes-Initiative zu ergreifen, um auf EU-Ebene die Lieferung von Abhörtechniken und Repressionswerkzeugen zu untersagen
- unterstützen wir deutsche oder europäische Initiativen, Gegenmaßnahmen zu Stör- und Abhörtechnik zu entwickeln, die BürgernInnen im Iran und in anderen Ländern ungehinderten Zugang zum Internet erlaubt
- fordern wir die Regierungen der Europäischen Union auf, die Liste der Personen und Organisationen, für die ein Einreiseverbot in die EU gilt und deren Vermögenswerte eingefroren sind, auf diejenigen auszuweiten, die für Menschenrechtsverletzungen, Unterdrückung und die Einschränkung der Freiheitsrechte in Iran verantwortlich sind
- fordern wir die Regierungen der Mitgliedsländer der Europäischen Union sowie insbesondere die Bundesregierung auf, so schnell wie möglich und unbürokratisch in Absprache mit den Bundesländern, weitere iranische Flüchtlinge aus der Türkei in Deutschland aufzunehmen
- setzen wir uns in Deutschland und auf europäischer Ebene dafür ein, Programme zu entwickeln, die den vermehrten Austausch zwischen Bürgern der EU und Iranerinnen und Iranern auf kultureller, wissenschaftlicher, akademischer und politischer Ebene ermöglicht
- unterstützen wir Initiativen in Deutschland und Europa, die dazu beitragen, die abwechslungsreiche Geschichte Irans und die zivilisatorischen Leistungen der in Iran lebenden Völker im Sinne der Völkerverständigung und des gegenseitigen Respekts bekannt zu machen
AntragstellerInnen: Barbara Lochbihler (KV Ostallgäu), BAG Frieden&Internationales, Jürgen Trittin (KV Göttingen), Kerstin Müller (KV Köln), Omid Nouripour (KV Frankfurt/M), Claudia Roth (KV Augsburg), Tom Koenigs (KV Gießen), Volker Beck (KV Köln), Agnieszka Malczak (KV), Viola von Cramon (KV Göttingen), Reinhard Bütikofer (KV Berlin-Mitte), Uwe Kerkeritz (KV Neustadt/Aisch), Michael Kellner (KV Berlin-Pankow), Ali Mahdjoubi (KV Berlin-Charlottenburg), Robert Zion (KV Gelsenkirchen ), Petra Osinski (KV Hamburg-Wandsbek), Cornelius Huppertz (KV Berlin-Pankow), Eva Quistorp (KV ), Myriam Schippers (KV München), Karl-W. Koch (KV Vulkaneifel), Marcel Kreykenbohm (KV Hamburg-Eimsbüttel ) und weitere
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