KORSO fordert Ablösung der historischen Staatsleistungen an die Kirchen
Das ist noch nachzutragen – die Verlautbarung von KORSO:
Die Staatsleistungen an die Kirchen (aufgrund Art. 138 Abs. 1 WRV i.V.m. Art. 140 GG) in Höhe von rund 500 Millionen Euro jährlich sollen ersatzlos gestrichen werden. Dies forderte der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) am Montagmorgen in Berlin.
Der Vorsitzende des Koordinierungsrates, Prof. Frieder Otto Wolf, gab im Haus der Bundespressekonferenz den Start der Kampagne “Jetzt reicht’s! Staatsleistungen an die Kirchen ablösen!” bekannt. Es sei nicht hinnehmbar, sagte Wolf, dass die Gehälter vieler Bischöfe wie auch die Pension des ehemaligen Augsburger Bischofs Mixa aus allgemeinen Steuermitteln bezahlt würden.
Dass direkten Staatsleistungen von 500 Millionen an die Kirchen nur die Spitze des Eisberges sind, machte der Politologe Dr. Carsten Frerk deutlich, der in seinem gerade erschienenen Buch “Violettbuch Kirchenfinanzen” aufzeigt, wie großzügig der deutsche Staat die Kirchen finanziert. Frerk zufolge erhalten die Kirchen neben Kirchensteuereinnahmen in Höhe von neun Milliarden Euro sowie 45 Milliarden für Caritas und Diakonie indirekte staatliche Leistungen in Höhe von 19 Milliarden Euro im Jahr: “Trotz leerer Staatskassen werden die Kirchen mit Milliardenbeträgen gefördert”, so Frerk “allerdings scheint kaum ein Politiker über das Ausmaß dieser Subventionen informiert zu sein.”
Um dies zu ändern, versandte die Giordano-Bruno-Stiftung im Auftrag von KORSO Frerks “Violettbuch” an über tausend politische Entscheidungsträger in Deutschland, darunter alle Bundestagsabgeordneten. “Es soll später niemand behaupten können, er hätte von alledem nichts gewusst”, erklärte dazu Stiftungssprecher Michael Schmidt-Salomon.
Prominente Unterstützerin der Kampagne ist die ehemalige SPD-Spitzenpolitikerin Ingrid Matthäus-Maier, die schon seit Jahrzehnten die mangelhafte Trennung von Staat und Kirche in Deutschland kritisiert: “Der Verfassungsauftrag zur Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen existiert nun schon seit über 90 Jahren”, heißt es in einer Stellungnahme der ehemaligen Vorsitzenden des Finanzausschusses des Bundestags. “Dass die Politik sich trotz größter Staatsverschuldung nicht an die Verwirklichung macht, ist ein klarer Verstoß gegen Artikel 140 des Grundgesetzes in Verbindung mit Artikel 138 der Weimarer Reichsverfassung. Ich begrüße ausdrücklich, dass mit der Kampagne von KORSO Politik und Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht werden.”
Die Kampagne zur Ablösung der Staatsleistungen ist die erste öffentliche Aktion des Koordinierungsrats säkularer Organisationen, der sich zum Ziel gesetzt hat, die konfessionsfreien Menschen in Deutschland zu vertreten. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung gehört mittlerweile keiner Religion mehr an.
5 Responses to KORSO fordert Ablösung der historischen Staatsleistungen an die Kirchen

Alle Texte und Bilder von Nics Bloghaus stehen unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.
Blogfoto
ein wenig Werbung






500 mio sind wirklich nur ein tropfen auf dem heißen stein. da wird mal kurz an der portokasse gespart. immerhin…er wäre ein zeichen. aber ehe geht ein kamel durch ein nadelöhr…als daß die kirchenvertreter einsicht zeigen würden.
zur Forderung von KORSO (sehe ich als Kompromiss an) und den Forderungen, die sich aus dem Violettbuch ergeben, schreib ich morgen etwas.
Liberale Gedanken zum Violettbuch…
Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung kenne ich natürlich. Aber dass es dazu auch noch ein Think Tank, das Liberale Institut, gibt, wusste ich bisher nicht. Dieses Institut wiederum hat einen Blog und dort findet sich Folgendes: Soeben ist das V…
Man darf bei alledem aber auch nicht vergessen, dass dieses Geld ja nicht nur für Krimskrams ausgegeben wird, sondern auch in wohltätige Zwecke fließt.
Ich bin nicht wirklich ein Freund der Kirche, aber trotzdem darf man das nicht vergessen. Denn viel von dem Geld kommt ja auch wieder zurück. Und da ist das Geld vielleicht besser investiert als für Brücken, Autobahnen und Prachtbauten.
Genau daran krankt es, Peter. Die “wohltätigen Zwecke” zahlen wir alle. Nur, dass da “Kirche” drauf steht und “Staat” drin ist. Und das wird schamlos zur Missionierung ausgenutzt.
Wo kommt von dem Geld was zurück?