[Erstveröffentlichung: 15. Oktober 2009]

mueller prometheus Andreas Müller   Das Prometheus Trio   Die InvasionAndreas MüllerVor eini­gen Tagen habe ich Andreas Müllers ers­tes Buch beschrie­ben, heute sein (vor­erst) letz­tes.
Es ist nicht ganz so ein Trash; diese Geschichte des Prometheus-Trios; aber als groß­ar­ti­ges Stück der Literatur möchte ich es auch nicht bezeich­nen. Zu grob ist die Kelle, die Andreas Müller schwingt, so schwarz/weiß; Gut/Böse sind die Figuren gezeich­net.

Es gibt her­vor­ra­gende Passagen in dem Buch. Wie die Beschreibung der Hostienverbrennung. Das erin­nert mich schon sehr an Monty Phyton. Manchmal leuch­tet Müller’s Können durch die Zeilen. Zum Beispiel, wenn er schreibt:

Ein neuer Tag brach an. Wie stets bei sol­chen Gelegenheiten quälte sich die Sonne schlaf­trun­ken über den Horizont…  (Seite 20)

Das Motiv der per­so­ni­fi­zier­ten Sonne taucht noch ein oder zwei­mal mehr im Buch auf; immer in die­ser sehr dis­tan­zier­ten Art. Aber lei­der ist das nicht die Schreibe des gesam­ten Buches.
Es scheint mir, als hätte sich der Autor in den Anfang des Buches “hin­ein­ge­quält” und die­sen dann nicht mehr gründ­lich über­ar­bei­tet. Denn im Laufe des Buches wird die Sprache weni­ger höl­zern, der Fluss der Geschichte treibt dann auch die Sprache.

Allerdings wer­den die Figuren nicht dif­fe­ren­zier­ter: da gibt es den Superhelden John (der gern als das alter ego des Autoren ver­stan­den wer­den kann), seine Freundin Clara, den irr­ge­lei­te­ten David und (natür­lich!) Prometheus, den Über­com­pu­ter mit eige­nem Willen… Und auf der ande­ren Seite: völ­lige Trottel. Die aber in Massen. Ob reli­giös ver­blö­det oder auf­grund ihrer Bayrischen Herkunft; Müller dif­fe­ren­ziert da nicht son­der­lich.

Ich halte das für das größte Manko des Buches: es gibt keine Über­ra­schun­gen, keine psy­cho­lo­gi­schen Studien der Figuren. Dämlichkeit ist nur wegen Gläubigkeit gege­ben. Und das – so zeigt die Forschung – ist ein wenig ein­fach gedacht. Schade.
Denn an sich ist der Plot der Story zwar… sehr ein­fach und unlo­gisch (denn ein super­ge­hei­mes Flugzeug der US-Luftwaffe wird mit­nich­ten mit­ten in einem Dorf lan­den…) – aber Müller sprüht förm­lich vor skur­ri­len Ideen und Figuren.

Andreas Müller hat auch bei die­sem Buch – wie bei Terry Rotter – jedem Kapitel ein “Zitat” vor­an­ge­stellt; die­ses mal jedoch vom immer glei­chen “Philosophen” Jean Tee:

Sobald wir auf­hö­ren, unse­ren Kindern die Hölle zu leh­ren, wird die Welt zur Hölle wer­den. Und sobald wir auf­hö­ren, unse­ren Kindern backen zu leh­ren, wird die Welt zu einem Kuchen.  (Seite 59)

Abschließend: ich halte das Buch für nicht son­der­lich gelun­gen. Es ist zu ein­fach. Wie man mit den Mitteln der Ironie oder der Satire Religionen lächer­lich machen kann, zeigt “das Leben des Brian” oder Bill Mahers aktu­el­ler Film. Andreas Müller kann mehr! Wenn man sei­nen Blog liest und den einen oder ande­ren Artikel beim hpd kennt man seine spitze Feder. Und seine her­vor­ra­gende Art, mit Formulierungen zu jon­glie­ren. Für ein gan­zes Buch hat das aber (noch) nicht genügt. Er bewegt sich – das ist meine per­sön­li­che Meinung – mit dem Buch noch zu dicht an sei­nem eige­nen Leben und Erleben.
Wenn er den Schritt weg wagt und nicht sich und seine Weltwahrnehmung in den Mittelpunkt stellt, kann es nur bes­ser wer­den.

Nic

Über den Autor

Nic

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

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